Finsteres Verlangen von Laurell K. Hamilton

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2003unter dem Titel „Cerulean Sins“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 623 Seiten.ISBN 3-404-16677-9.Übersetzung ins Deutsche von Angela Koonen.

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In Kürze:

Eine Gesandte des Europäischen Vampirrats kommt in die Stadt. Sie fordert im Namen der grausamen Meisterin Belle Morte den Vampir Asher ein. Für ihn bedeutet dies Schmerz und Folter – ein Schicksal schlimmer als der Tod. Ein Fall für Anita Blake, die nichts von blindem Gehorsam hält.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die Vampirhenkerin und ihr Harem“40

Horror-Rezension von Carsten Kuhr

Früher war mein Leben ruhiger. Ich meine jetzt die Zeit, als ich mich nur damit herumgeärgert habe, Leichen aus ihren Gräbern zu erwecken und ab und an mal einen Vampir zu pfählen. Doch dann meinte meine Libido, dass sie auch einmal zum Zuge kommen wolle, ich ging gleichzeitig mit dem Führer des örtlichen Werwolfrudels und dem Meistervampir meiner Heimatstadt St. Louis aus, und dann wurde es so richtig interessant. Jetzt überkommt mich regelmäßig zweimal am Tag die Ardeur, eine sexuelle Raserei, ich treibe es mit nicht weniger als drei mehr oder minder lebendigen Männern und führe so ganz nebenbei auch noch ein Werkpanther-Rudel. Damit nicht genug hat die Obervampirin der Blutlinie meines Lovers sich ausgerechnet mich als neuestes Opfer erkoren, die Ahnherrin aller Vampire interessiert sich für mich, meine Ménage-à-Trois mit den beiden mächtigsten Vampiren von St. Louis entwickelt sich zum Fiasko, ein internationaler, rassistischer Top-Terrorist stalkt mich und mein Chef bei der Polizei schlägt mich zusammen – sonst noch Fragen, ob ich etwa Probleme hätte?

Zu viel Sex, zu wenig Handlung

Als vor mehr als 10 Jahren die ersten Anita-Blake-Romane bei Lübbe erschienen, kannte noch kein Leser das, was heute allgemein als Urban Fantasy die Regale der Buchhandlungen füllt. Da begegnete dem Leser in den ersten Teilen der Saga eine etwas klein gewachsene, jähzornige Frau, die nicht nur die Gabe hatte, Tote wieder zum Leben zu erwecken, sondern auch als Vampirhenkerin in öffentlichem Auftrag unterwegs war. Voller Tempo, angereichert mit jeder Menge Gewalt und markanten Figuren eroberte die Reihe schnell eine treue Fangemeinde.

Zwischenzeitlich hat die Autorin ihre Saga auf insgesamt einundzwanzig Bände sowie einige Kurzgeschichtensammlungen ausgeweitet. Lübbe ging in den letzten Jahren dazu über, die Romane für die Übersetzung teilweise aufzusplitten. Vorliegender Roman erschien im Original als elfter Band, so dass noch viel Lesefutter für den deutschen Fan bereit steht.

Inhaltlich aber hat sich die Reihe in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Immer mehr gerät die Zeichnung ihrer übernatürlichen Welt in den Hintergrund, dominiert das literarische Spiel mit der Lust. In plakativen Szenen schildert uns die Autorin ihre stark ans S/M-Milieu angelehnte Liebesspiele, in denen es um Dominanz und Unterwerfung, um Schmerzen und Wonne, Verlangen und Erfüllung geht.

Nun wäre dies nicht unbedingt schlimm, wenn die Autorin über die entsprechenden Beschreibungen nicht immer wieder ihre eigentliche Handlung vergessen würde. Ganz zu Beginn wird Anita an den Tatort eines Serienmörders gerufen, im Finale erst geht es dann an die Aufklärung des Verbrechens. Da bleibt viel, Vieles, ja zu viel ungesagt und auf der Strecke.

So springt der Plot munter, oder wohl eher ein wenig chaotisch und letztlich verwirrend hin und her, sieht sich der Leser mit zu vielen Ansätzen und zu wenigen Lösungen konfrontiert. Wenn Laurell K. Hamilton hier sich ein wenig zurückgenommen hätte, es wäre ein guter Roman geworden. So aber bietet selbiger ein verwirrendes Bild, das den Rezipienten trotz interessanter Ansätze letztlich unbefriedigt zurücklässt.

Ein Gutes hat der Roman – Lübbe hat dieses Mal das gesamte Buch auf einmal vorgelegt. Ansonsten eher eine Enttäuschung.

(Carsten Kuhr, Juni 2012)

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