Zoo City von Lauren Beukes

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „Zoo City“,deutsche Ausgabe erstmals 2014, 368 Seiten.ISBN 3-499-25968-0.Übersetzung ins Deutsche von Judith Reker.

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In Kürze:

Wer Schuld auf sich lädt …

 …muss mit zwei Dingen leben: Einer magischen Begabung. Und einem Tier, das plötzlich da ist und einem nie mehr von der Seite weicht. So wie das Faultier, das Zinzi December auf dem Rücken trägt.
Zinzi hat einen Haufen Schulden und ein Talent dafür, verlorene Dinge zu finden. Oder Menschen, wie im Fall des verschwundenen Pop-Starlets Songweza. Die Suche gestaltet sich schwierig, denn in einer Welt, in der Magie und Verbrechen regieren, sind allzuviele Fragen nicht erwünscht. Wenn man anfängt, in Johannesburgs dunkle Ecken zu schauen, kommt schnell die Wahrheit ans Licht. Eine Wahrheit die einige Leute dringend unter Verschluss halten wollen. Die Wahrheit über die «Getierten» und über das, was im Verborgenen mit ihnen geschieht …

Ausgezeichnet mit dem Arthur C. Clarke Award.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Sie sind leider so selten – die wirklich originellen Romane – hier wartet einer auf ihre Entdeckung!“92

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Haben Sie einen kleinen Gegenstand von ideellem Wert verloren? Ich finde ihn für Sie, gegen eine angemessene Gebühr. Keine Drogen, keine Waffen, keine verschwundenen Personen – so preist Zinsi December ihre von einem Faultier unterstütze Dienste in Kapstadt an. Nachdem sie ein Kapitalverbrechen verübt hat, wurde sie, wie es allen in ihrer Welt ergeht, mit einem Tier, das nicht mehr von ihrer Seite weicht, bedacht. Jeder kann nun auf den ersten Blick erkennen, dass er eine Verbrecherin vor sich hat, die Folgen dürften auf der Hand liegen. Stigmatisierung, das Leben in einem Slum – Zoo City genannt -, Hunger, Drogen, Gewalt und Armut betreffen nun auch die ehemaligen Jounalistin direkt und persönlich.

Als Ausgleich verschaffen die Tiere ihren menschlichen Partnern besondere Kräfte. In ihrem Fall sorgt das Faultier dafür, dass sie die Fäden, die Menschen mit geliebten Gegenständen verbinden, sehen kann. Ausgegrenzt und missbraucht versucht sie ihr Leben, allen Widerständen zum Trotz, auf die Reihe zu bekommen. Mit fast 100.000 Rand Restschulden bei einem Kredithai ist das gar nicht so einfach. Als ihr da ein berühmter Musikproduzent ein paar tausend Rand für das Aufspüren eines seiner Pop-Talente anbietet, greift sie, allen eigenen Vorgaben zum Trotz, zu. Auf der Suche nach Songweza kommt sie dabei einem Geheimnis auf die Spur, von dem mächtige Personen wollen, dass es gut gehütet bleibt …

Preisgekrönte Mischung aus Noir-Krimi, phantastischen Elementen, jeder Menge Lokalkolorit und markanten Figuren

Was ist das für ein Roman, der mit dem Arthur C. Clarke Award ausgezeichnet wurde? Ein Thriller, ein Noir-Krimi, ein phantastischer Plot und ein sehr authentischer Roman über Joburg und Südafrika – ein Roman, wie ich ihn bis dato so noch nie auch nur im entferntesten ähnlich oder vergleichbar gelesen habe.

Die Südafrikanerin Lauren Beukes schafft eine ganz eigene, faszinierende Welt. Wenngleich wir Leser kaum etwas darüber erfahren, wie es zu den Bindungen von Verbrechern an Tiere kam, warum diese Beziehung dann dazu führt, dass die Menschen besondere Kräfte erhalten, fasziniert schon allein die so alltäglich dargestellte Tatsache den Rezipienten. Gerade weil die Erzählerin in ihrem sozialen Umfeld überzeugend eingebettet agiert, wirken die Beschreibungen so realistisch und authentisch. Auch wenn es Jahre her ist, dass ich selbst Johannesburg besucht habe, wirkt die Darstellung überzeugend, verschließt die Autorin ihre Augen auch nicht vor den vielen Problemen ihrer Heimat.

Daneben besticht der Roman durch markante und damit sehr interessante und vielschichtige Figuren. Was auf den ersten Blick immer sehr stereotyp aussieht entpuppt sich im Verlauf des Plots als wunderbar überraschend vielschichtig und schlicht anders. Immer wieder greift sie dabei Probleme ihrer Heimat auf – Flüchtlinge, Rassismus, Gewalt und Drogen – so dass man fast vergisst, dass man einen Fantasy-Roman in Händen hält.

Trotz der Prämisse der „Getierten" wirkt der Plot dermaßen real, komplex und intensiv, dass wir die Idee einfach als Gegeben akzeptieren und fasziniert in eine sehr gewaltbetonte, problembehaftete Welt und ihre uns fremde Kultur eintauchen, die für uns Europäer ganz weit weg zu sein scheint. Die Protagonistin selbst erweist sich dabei als launische, so manches Mal zynische dann wieder sarkastische Erzählerin, die nicht nur die Geheimnisse der Menschen um sie herum, sondern ihre eigenen Mysterien aufdeckt.

Das liest sich, gerade weil sehr viele Informationen auf uns einströmen, nicht immer ganz stromlinienförmig dafür aber um so faszinierender. So erwartet den Leser ein Buch, das anders ist, als das Gewohnte, das Realität atmet, dabei eine unauffällige, bei Licht betrachtet aber sensationelle phantastische Grundidee besitzt und das bestens und zeitkritisch unterhält.

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