Leigh Brackett

In der klassischen Ära der Science Fiction, d. h. im „Goldene Zeitalter“ der Jahre vor dem II. Weltkrieg, aber auch noch im nächsten Vierteljahrhundert gab es wenige weibliche Autoren. Zu denen, die auch noch so bekannt wurden wie ihre männlichen Kollegen, gehörte Leigh Douglass Brackett (geb. am 7. Dezember 1915 in Los Angeles, Kalifornien). Sie liebte Science Fiction und Fantasy schon in jungen Jahren und schätzte vor allem die trivialen aber bunten Garne des Edgar Rice Burroughs' – nicht dessen „Tarzan“-Romane, sondern die Storys um John Carter, den Erdenmann, den es auf einen barbarischen Mars voller Abenteuer verschlägt. Ihre zweite Liebe gehörte den zeitgenössischen Space Operas, in denen Naturgesetze oder Handlungslogik ebenfalls von zweitrangiger Bedeutung waren.

Nach einem kurzen Ausflug in die Welt des Theaters zog Brackett vor zu schreiben, nahm an einem entsprechenden Kurs teil und hatte das Glück, dass zu ihren 'Testlesern’ der Schriftsteller Henry Kuttner (1915-1958) gehörte, dem ihr Talent auffiel und der sie förderte. 1940 veröffentlichte Brackett in der Februar-Ausgabe des Pulp-Magazins „Astounding Science Fiction“ mit „Martian Quest“ ihre erste Kurzgeschichte. Sie entwickelte sich zum „professional writer“ und schrieb regelmäßig für die zeitgenössischen Pulps. Ihre Storys kamen gut an; sie trafen in ihrer Mischung aus Action, Exotik und Romantik den Geschmack der Leser, von denen nur wenige wussten, dass „Leigh Brackett“ eine Frau war.

1946 heiratete Brackett den SF-Autor Edmond Hamilton (1904-1977) und zog mit ihm nach Kinsman, Ohio. Während Hamilton weiterhin seine bombastischen  Weltraumopern schrieb, für die er berühmt (oder berüchtigt) wurde, legte Brackett neben ihren phantastischen Geschichten um den Abenteurer und Planetenbummler Eric John Stark (ab 1949) auch anspruchsvollere Werke wie „The Long Tomorrow“ (1955; dt. „Am Morgen einer anderen Zeit“), die düsteren Zukunftsvision eines nach dem Atomkrieg in jeder Beziehung untergehenden Amerika, vor.

Nach 1955 wechselte Brackett zum Film. Sie hatte schon ab 1943 Kriminalromane verfasst, die das Interesse des berühmten Regisseurs Howard Hawks weckten. Er heuerte die 28-Jährige 1943 an, gemeinsam mit William Faulkner und Jules Furthman das Drehbuch zum Thriller-Klassiker „The Big Sleep“ (1946; dt. „Tote schlafen fest“) mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall zu schreiben. Damit war Brackett in Hollywood etabliert. Sie arbeitete noch mehrfach für Hawks (u. a. verfasste sie Scripte für die John-Wayne-Western „Rio Bravo“, „El Dorado“ und „Rio Lobo“ sowie für das Afrika-Abenteuer „El Dorado“), lieferte aber auch Drehbücher für das noch junge Fernsehen.

Erst in den 1970er Jahren wurde Brackett erneut schriftstellerisch in der Phantasik aktiv. Allerdings hatte sie mit den Entwicklungen des Genres offensichtlich nicht Schritt halten können. Ihr Spätwerk wurde von der Kritik höchstens mit nostalgisch gefärbter Freundlichkeit gewürdigt bzw. ignoriert. Eine Ausnahme stellt allerdings ihre Drehbucharbeit für den Filmklassiker „Star Wars – The Empire Strikes Back“ (1980; dt. „Das Imperium schlägt zurück“) dar. Einen ersten Entwurf konnte Brackett liefern, bevor sie am 24. März 1978 an einer Krebserkrankung starb. Sie wurde postum mit einem „Hugo Award“ geehrt.

Bracketts Gesamtwerk blieb vergleichsweise klein, deckt aber mehrere Genres (SF, Fantasy, Krimi, Western) ab und fand eine begeisterte Leserschaft, zu denen – s. o. – der junge George Lucas gehörte. Auch in Deutschland sind zumindest die phantastischen Romane und zahlreiche Kurzgeschichten von Leigh Brackett erschienen. Wie so viele klassische aber nie wirklich zu den Großen des Genres zählende Autoren werden ihre Bücher (bis auf den Thriller „Raubtiere unter uns“) allerdings seit fast einem Vierteljahrhundert nicht mehr aufgelegt.

(Diese bio-bibliografische Skizze stützt sich schwer – aber nicht ausschließlich – auf die einzige ausführliche – und sehr informative – sekundärliterarische Darstellung in deutscher Sprache von H. Kettlitz; Literaturnachweis s. u. „Über Leigh Brackett“. [Michael Drewniok])

Phantastisches von Leigh Brackett:

  • Herausgeberin
    • (1974) The Best of Planet Stories No. 1
  • andere Bücher
    • (1944) No Good from a Corpse
    • (1946) Stranger at Home (als George Sanders [d. i. Craig Rice])
    • (1957) Wo ist meine Frau?
      An Eye for an Eye
    • (1957) Ich war das Opfer / Raubtiere unter uns
      The Tiger Among Us / Fear no Evil / 13 West Street
    • (1959) Rio Bravo
      Rio Bravo
    • (1963) Frei wie der Wind
      Follow the Wind
    • (1969) Silent Partner
  • Über Leigh Brackett
    • (1982) Rosemarie Arbur: Marion Zimmer Bradley, Anne McCaffey, Leigh Brackett. A Primary and Secondary Bibliography
    • (1986) J. L. Carr: Leigh Brackett. American Writer
    • (1986) Gordon Benson Jr.: Leigh Brackett and Edmond Hamilton: A Working Bibliography
    • (1995/2002) Hardy Kettlitz: Leigh Brackett (SF Personality Bd. 4)

Anmerkungen

Werden Jahreszahlen durch einen Querstrich getrennt, so bezieht sich das erste Datum auf ein Erscheinen in Magazinform, das zweite als Buch.

* Bei diesen Werken handelt es sich nicht um den Roman zum Film, sondern um das in zwei Varianten (unbebildert/bebildert) veröffentlichte Drehbuch.