Undercover von Lena Falkenhagen

Buchvorstellungund Rezension

Undercover von Lena Falkenhagen

Originalausgabe erschienen 2011, 512 Seiten.ISBN 3-453-52717-8.

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In Kürze:

Eigentlich hat Eliza keinen schlechten Job: Sie ist als Justifier für den Konzern Enclave Limited unterwegs und erledigt Spezialaufträge. Wäre da nicht die Bombe, die Enclave Limited ihr in den Kopf eingepflanzt hat. Eliza hat deshalb nur zwei Ziele: die Bombe entschärfen und aus den Klauen des Konzerns fliehen. Als sie einen prominenten Gewerkschaftsboss beseitigen soll, bietet sich ihr eine einmalige Gelegenheit dazu – doch statt in die Freiheit gerät sie immer tiefer in einen tödlichen Komplott. Für Eliza und den Gewerkschaftsboss bleibt nur noch die Flucht nach vorn in einen turbulenten Rachefeldzug gegen ihre Auftraggeber. Doch wie sagt man? Einmal Justifier, immer Justifer …

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Science-Fiction-Rezension von Eva Bergschneider

Lena Falkenhagen hat mit „Undercover“ nun den zweiten Teil der „Justifiers“-Serie vorgelegt, wenn man den Basisroman "Collector„ von Markus Heitz nicht mitzählt. Das Konzept der Serie sieht vor, Markus Heitz vorgestelltes Universum, das auf dem Rollenspiel “Justifiers„ basiert, mit voneinander unabhängigen Geschichten zu füllen. Vom Aufbau dieses Universums und dem “Collector„-Thema einmal abgesehen, ist den Autoren die inhaltliche Gestaltung freigestellt, so dass jeder sein persönliches “Justifiers„-Thema finden kann. Ein weiterer Pluspunkt im Konzept ist sicherlich, das die Bücher der Reihe jeweils abwechselnd von einem Autor und einer Autorin verfasst werden. Und so kam nach Christoph Hardebusch und seinem Beitrag “Missing in Action„ nun Lena Falkenhagen mit “Undercover„ an die Reihe. Was hat sie daraus gemacht?

“Ich töte Menschen nicht gern„..

..sagt Elyzea Quinn am Anfang des ersten Buchkapitels. Sie ist eine Psionikerin, die mit Gedankenkraft Sprengladungen zünden kann. Diese Eigenschaft, die durch starke Emotionen außer Kontrolle zu geraten droht, hat sie in ein Arbeitsstraflager nach Australien gebracht und dort auch wieder heraus geholt. Denn der Megakonzern Enclave Limited macht sich ihr besonderes Talent zu Nutze und bildet sie zur Söldnerin aus – zur Justifier. Ihre unbedingte Loyalität sichert sich Enclave pikanterweise mit dem Einpflanzen einer Bombe in den Kopf, die bei Bedarf ausgelöst werden kann.

Ihr Chef Steward musste schon einmal den Sprengsatz aktivieren und Elyzea zu einem Mord zwingen. Und nun soll sie auf dem Planeten Pherostine einen Stollen der United Industries in die Luft jagen. Sie platziert den Sprengsatz ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als die Gewerkschaftsführung der PLU (Pherostine Labour Union) den Tunnel betritt. Elyzea zögert erneut, ihre innere Bombe fängt wieder an zu ticken, sie sprengt den Stollen. Nur ein Gewerkschafter überlebt: Der aufstrebende Gerechtigkeitsfanatiker Richard Cross, der selbst den Betas, den Tier-Mensch Hybriden gleiche Rechte in der Gewerkschaft zugestehen will. Der nächste Auftrag der Justifier-Soldatin lautet, das Versäumte nachzuholen und Cross zu töten. Doch als Elyzea den neu erwählten Gewerkschaftsführer kennenlernt, verliebt sie sich in ihn.

Konzentration auf eine Heldin wider Willen

Die “Justifiers„-Bücher sind zumindest bisher einzeln lesbar. Es empfiehlt sich allerdings, “Collector„ von Markus Heitz zu lesen, wenn man die Grundzüge des Universums und dessen Kanon kennenlernen möchte. In “Collector„ wird außerdem deutlich, das Markus Heitz eine wahre Fülle an interessanten Themen und Rassen in einem komplexen Universum vorgelegt hat, an denen seine Nachfolger anknüpfen können.

Lena Falkenhagen stellt eine starke Frauenfigur, die Soldatin Elyzea Quinn, in den Mittelpunkt eines typischen “Justifiers„- Konflikts, nämlich in den Machtkampf der Konzerne um Territorien. Elyzea arbeitet als “Ausputzerin„ für das Unternehmen Enclave Limited. Über Leichen zu gehen, wird gewünscht oder billigend in Kauf genommen, töten gehört zu ihrem Job dazu. Vor sich selbst rechtfertigt sie ihr Tun mit dem schieren Überleben, gerät aber dennoch in moralische Konflikte, die sie psychisch belasten.

Die Autorin erzählt “Undercover„ aus Elyzeas Perspektive in Ich-Form. Dabei legt sie besonderen Wert darauf, Elyzea als vielschichtige Persönlichkeit darzustellen. Die Soldatin gibt sich als taffe Überlebenskünstlerin, wirkt aber innerlich ausgehöhlt. Falkenhagen lässt Elyzea direkt mit dem Leser kommunizieren, manchmal mit missionarisch geltend gemachten Rechtfertigungen.

Das führt naturgemäß dazu, dass man sich als Leser stark mit ihr identifiziert und sie als Sympathieträgerin annimmt. Mancher Zynismus und flapsige Spruch, wie z.B. der an Terry Pratchetts “Strata„ angelehnte:

“Und das ich paranoid bin, heißt nicht, das ich nicht verfolgt werde.„

amüsiert köstlich, andere wirken überzogen. Letzteres gilt auch für die ständige Ansprache des Lesers mit: “Sie wissen schon„, “Ganz ehrlich„, das ist einen Tick zu dick aufgetragen. Vielleicht hätte sich Lena Falkenhagen nicht ganz so viel Mühe geben müssen, Elyzea Inneres nach außen zu kehren. Die Nebenfiguren bleiben dagegen blass, was schade ist, denn charakterlich vielseitige Typen wie Steward hätten Potential geboten.

Interessant ist, dass “Undercover„ politische Aspekte wie das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter in einer von Unternehmen gesteuerten Welt thematisiert. Auch im “Justifiers„-Universum streitet man sich um die Ausbeutung der Rohstoffe. Toleranz ist ebenfalls ein Thema. Die Anzahl der Handlungsorte bleibt zwar übersichtlich, sie sind dafür aber umso detailreicher beschrieben. An gigantisch-dystopischen Schauplätzen zieht Elyzea den Ärger magisch an, aus dem sie sich immer wieder heraus kämpfen muss. Kleinigkeiten passen hier und da nicht ins Bild, wie die Wahl des Gewerkschaftsführers im interstellaren Kommunikationszeitalter per Handzeichen.

Über weite Strecken bietet “Undercover„ hohes Tempo und Spannung pur, Kampf, Flucht, Liebe und Verrat in einer atemberaubenden Folge. Die Handlung gleicht einem Western oder dem moderneren Pendant einem Road-Movie. Bis zum Ende kann die Autorin den Spannungsbogen nicht ganz halten, Emotionen gewinnen die Oberhand. Für das Finale wählt Lena Falkenhagen einen nicht unbedingt vorhersehbaren, aber recht einfachen Weg, der eine knackige Pointe vermissen lässt. Insgesamt fügt sich “Undecover„ jedoch nahtlos in die action- und facettenreiche “Justifiers"-Serie ein, bietet solide SF-Unterhaltung und macht Appetit auf mehr.

Ihre Meinung zu »Lena Falkenhagen: Undercover«

HP zu »Lena Falkenhagen: Undercover«01.07.2015
Leider hat die Autorin die "Ich Form" für ihren Roman gewählt und bringt sich damit um die Möglichkeit wirkliche Spannung aufzubauen.
Der Leser weiß ab dem ersten Satz der Geschichte, dass die Protagonistin ihr Abenteuer mit Sicherheit gut übersteht.
Die Erzählweise in der "Ich Form" setzt ja voraus, dass der Erzähler im Nachhinein von seiner Geschichte berichtet.
Und deshalb führt die gewählte "Ich Form" genau jenes wesentliche Spannungselement (das hier nicht verraten wird) auf welchem die Handlung aufbaut ist ad absurdum.
Die positiven Ansätze (weibliche Sicht, keine Superheldin, zeigt Gefühle uvm.) können den Roman zwar noch etwas retten, aber auch nicht mehr.
Schade um die gute Idee.
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