The Red - Morgengrauen von Linda Nagata

Buchvorstellungund Rezension

The Red - Morgengrauen von Linda Nagata

Originalausgabe erschienen 2013unter dem Titel „The Red - First Light“,deutsche Ausgabe erstmals 2016, 520 Seiten.ISBN 3959811527.Übersetzung ins Deutsche von Helga Parmiter.

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In Kürze:

In einem ländlichen Gebiet der afrikani- schen Sahelzone befehligt Lieutenant James Shelley eine hochtechnisierte Einheit von Solda- ten. Jede Nacht jagen sie während grauenvoller Patrouillen Aufständische und befolgen dabei drei simple Ziele: Beschützt Zivilisten, tötet den Feind und bleibt am Leben. Denn in einem von der Verteidigungsindustrie inszenierten, profito- rientierten Krieg gibt es keinen Grund, aus dem man sterben sollte. Shelley nutzt sämtliche ihm zur Verfügung stehenden Hightech-Hilfsmittel, um seine Soldaten am Leben zu halten – aber seine beste Wa e ist sein untrügerisches Gespür, wenn Gefahr droht …als stünde ihm Gott bei, um ihm warnend ins Ohr zu flüstern.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der Krieg in einer nahen Zukunft“76

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Die Army war noch die dafür bekannt, sonderlich zartfühlend mit ihren Soldaten umzugehen. Zwar herrscht ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber den Untergebenen, doch im Grund genommen bleibt Schütze Arsch immer genau das – im Arsch. Er oder sie wird hingeschickt, wo die internationalen Krisenherde es verlangen, auf persönliche Belange wird dabei keine Rücksicht genommen.

Dies ist auch in einer nahen Zukunft so. Zwar sind die Soldaten dank eines neuronalen Netzes immer online miteinander verknüpft, dafür kann der auf einem anderen, sicheren Erdteil sitzende Kommandierende live mitverfolgen, was seiner Truppe so passiert. Dass die Konflikte längst von den Rüstungskonzernen geschürt, ja initiiert werden ist einen unbestreitbare Tatsache, dass Politiker gekauft, und Völker aus rein merkantilen Interessen vertrieben, ja einem Genozid unterworfen werden ebenso.

Lieutenant James Shelly hatte das Pech zu falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Mit seinem Interface zeichnete er auf, wie ein friedlicher Protestzug von Beamten brutal niedergeknüppelt wurde und veröffentlichte das Video im Netz. Als Dank bot ihm Uncle Sam zwei Möglichkeit – entweder 7 Jahre freie Kost und Logis in einem staatlichen Gefängnis, oder eine Karriere bei der Army.

Gerade ist er in der Sahel-Zone stationiert, hat es doch tatsächlich geschafft seit 2 Jahren keinen einzigen Soldaten unter seinem Kommando zu verlieren, da wird sein Außenposten angegriffen. Trotz seiner legendären Vorahnung kann er dieses Mal nicht verhindern, dass zwei ihm unterstellte Soldaten sterben, er selbst verliert beiden Beine. Statt aber die Army zu verlassen entschließt er sich zum ersten Cyber-Krieger zu werden. Seine titanenen Beine sind weit besser, als die verlorenen, der Krieger der Zukunft wäre geboren, wenn, ja wenn eben jener Krieger nicht immer wieder aus der Cloud gehackt werden würde. Wer greift in sein Schicksal ein und warum? Doch dann wird auch dies nebensächlich, wird doch seine Heimat selbst angegriffen …

Erschreckend real und durchaus möglich

Linda Nagata präsentiert uns einen Thriller, der in der nahen Zukunft spielt. Zwar kann man das Gebotene mühelos in die Rubrik Military SF einordnen, dennoch unterscheidet sich das Buch doch markant von dem sonst gewohnten.

Nicht, dass mir die Raumflotten, die langwierigen Gefechte im All und die zumeist aggressiven Aliens fehlen würden, doch Nagata geht einen anderen Weg. Sie zeigt uns eine Zukunft, die ungewohnt realistisch daherkommt. Schon die beschriebene politisch-wirtschaftliche Ausgangslage mit Konzernführern, die nur mehr die Mehrung ihres ohnehin bereits immensen Reichtums im Kopf haben, die kaum mehr menschliche Gefühle ihr Eigen nennen und denen längst jegliches Gewissen abhanden gekommen ist, weiß zu faszinieren, auch die Beschreibung des Soldatenalltags wirkt sehr realistisch.

Glaubwürdigkeit ist das Wort, das mir hier in den Sinn kommt, und bei all den phantastischen Ideen, die in den Plot einfließen, wirkt dieser in sich logisch und überzeugend. Dazu gesellen sich Figuren, allen voran natürlich unser Ich-Erzähler, die interessant gezeichnet sind. Das sind differenziert beschriebene Gestalten, beileibe keine gnadenlosen, tumben Killer im Auftrag der USA sondern Figuren, die Gefühle haben, die einer strengen Hierarchie unterstehen und Befehlen folgen müssen, auch wenn sie sie immer wieder hinterfragen.

Das übt unbestritten seinen Reiz auf den Leser aus, auch und gerade in den Passagen, wenn die Action in den Hintergrund tritt, sich Shelley mit seinen künstlichen Erweiterungen befassen, und diese akzeptieren muss. So ist dies ein erschreckend real wirkender Roman, der die Entwicklungen rund um die Drohnenkriege, um Stellvertreterkriege und den wachsenden Einfluss von Konzernen und deren Shareholders Value auf tagespolitische Entscheidungen thematisiert und dabei packend unterhält.

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