Next von Michael Crichton

Buchvorstellungund Rezension

Next von Michael Crichton

Originalausgabe erschienen 2006unter dem Titel „Next“,deutsche Ausgabe erstmals 2007, 544 Seiten.ISBN 3-442-46672-5.Übersetzung ins Deutsche von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann.

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In Kürze:

Noch nie war die Zukunft so bedrohlich nah wie in Michael Crichtons neuem Bestseller NEXT. In dieser Welt zählt nur eines: gutes Genmaterial. Und Gentechnologie-Unternehmen setzen alles daran, sich die Rechte an profitablem Gewebe zu sichern. Genau das wird Frank Burnet zum Verhängnis. Die Rechte an seinen Immunzellen hat BioGen Research erworben. Doch Burnet hat nicht vor, sein Gewebe zur Verfügung zu stellen, und so bleibt ihm nur die Flucht. NEXT ist ein rasanter Gen-Thriller, hochbrisant und brandaktuell.

3 Milliarden Dollar sind Frank Burnets Zellen wert. 3 Milliarden, von denen kein einziger Cent in seine Tasche fließen wird. Denn Burnet, gerade vom Knochenmarkkrebs geheilt, ist auf hinterhältige Weise von der Universitätsklinik in Los Angeles betrogen worden. Die Forscher entwickelten aus seinen Immunzellen eine Zelllinie, die zum Sieg über den Krebs beiträgt. Für viel Geld verkaufte die University of California die Rechte an dieser Zelllinie an BioGen Research Inc., ohne Frank Burnets Einverständnis einzuholen. Wütend zieht er nun gegen das Unternehmen vor Gericht – erhält aber nicht Recht. Eines Tages sind plötzlich alle Burnet-Zelllinien im Labor der BioGen kontaminiert. Damit steht die Firma vor dem finanziellen Ruin. Steckt Frank Burnet hinter diesem Anschlag? Oder versucht ein skrupelloser Konkurrent das Unternehmen vom Biotech-Spielfeld zu verdrängen? Nur eine einzige Chance hat der Geschäftsführer Rick Diehl, um die BioGen vor dem Konkurs zu bewahren: Er muss Burnet noch einmal Gewebe entnehmen, doch da befindet der sich schon auf der Flucht …

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Gene im Dutzend billiger“75

Science-Fiction-Rezension von Eva Bergschneider

Viele medizintechnische Errungenschaften, die vor Jahren in der Öffentlichkeit als Frankenstein-Techniken gefürchtet oder mit dem Argument, die Ärzte würden Gott spielen, abgelehnt wurden, sind inzwischen Routine geworden. Kaum jemand stellt den Nutzen von In-vitro-Fertilisation oder der Organtransplantation ernsthaft in Frage. Unbehagen bereiten heute hingegen Bilder von geklonten Säugetieren oder Mäusen, denen ein menschliches Ohr auf dem Rücken wächst.

„;Was kommt als nächstes?“, fragen sich viele kopfschüttelnd. Auch der amerikanische Autor Michael Crichton beschäftigte sich mit dem Thema Gentechnik und verarbeitete seine Ideen und Standpunkte in seinem neuen und leider letzten Science-Thriller „;Next“. Crichton, dem wir viele spannende Thriller mit Ideen verdanken,die ihrer Zeit stets voraus waren, verstarb im Alter von 66 Jahren am 4. November 2008 in Los Angeles an Krebs.

Eine Fülle gentechnischer Fehltritte

Frank Burnet hatte Krebs. Sein Arzt diagnostizierte eine Geschwulst im Unterleib und überwies ihn an einen Spezialisten der UCLA (University of California, Los Angeles). Dr. Gross leitete eine Therapie ein, machte seinem Patient aber keinerlei Hoffnung auf Heilung. Ein Jahr später war der Krebs vollständig abgeklungen und Burnet wurde als geheilt entlassen. Ein weiteres Jahr später ordnete der Arzt Tests an, bei denen in regelmäßigen Abständen Gewebeproben entnommen wurden. Burnet glaubte an einen Rückfall und ließ die Untersuchungen über sich ergehen. Er unterschrieb alle Formulare, bis er schließlich eines bekam, dass die kommerzielle Nutzung seiner Proben genehmigen sollte. Die UCLA hat Burnets Zellen, die besonders viel Zytokin produzieren, ohne sein Wissen an die Biotechnologiefirma BioGen verkauft. Frank Burnet klagt nun gegen die Universität, es geht um einen Streitwert von drei Milliarden Dollar.

Der Wissenschaftler Henry Kendall schleuste vor Jahren seine eigene DNA in Eizellen eines Schimpansenweibchens ein. Die Austragung eines Embryos war nie geplant. Nach einem Krankheitsbefall, wurden die Schimpansen in eine Quarantänestation verlegt und dort kam ein Nachkomme zur Welt. Henrys ehemaliger Arbeitgeber will nun den illegal entstandenen Affen töten. Nachträgliche Untersuchungen des Biologen zeigen, dass dem Tier der molekulare Marker, der Affenblut von dem des Menschen unterscheidet, fehlt. Schließlich begegnen sich Forscher und Forschungsprodukt.

„;Hallo“ sagte der Schimpanse. [..] Er sah Henry an. „;Bist Du meine Mutter?“

Michael Crichton belässt es in „;Next“ nicht bei der Jagd auf eine Person mit profitablen Körperzellen oder der Konstruktion einer Mensch-Schimpansenchimäre. Er berichtet außerdem über einen Nachwuchsforscher, der seinem Bruder einen ein Reifungsgen stimulierenden Retro-Virus verabreicht, eine Riesenschildkröte mit einer Werbefläche auf dem Panzer und viele weitere Horrorstories aus dem Labor.

Dabei überzeugt der Autor einmal mehr durch umfangreiches Wissen. Was Crichton an futuristischen Konzepten entwickelt, unterfüttert er mit fundierten Details. Sie spiegeln die biotechnologische Forschung der letzten Jahre und den aktuellen Stand im Bereich der Genpatente wieder. Dadurch wirken auch abstrus erscheinende Ideen beängstigend realitätsnah. Crichton geht in seiner Zukunftsvision noch weiter und entwirft das Bild einer degenerierenden Gesellschaft, getrieben vom schönen Schein und grenzenlosen Kommerz.

„;Ein primitives, kulturloses Volk, Menschen, die sich gegenseitig auf den Rücken klopfen, während sie sich immer weiter verschulden“

Angesichts der aktuellen Finanzkrise möchte man den Roman „;Next“, der erstmals 2006 in den USA veröffentlicht wurde, fast prophetisch nennen.

Thriller oder populärwissenschaftlicher Report?

Die ständigen Handlungs- und Schauplatzwechsel vereiteln leider die erzählerische Dichte, die man sonst von dem Autor kennt. Durch unzählige handelnde Personen wirkt der Roman überladen, die vielen Settings erschweren die Übersicht. Eine Stärke dieses Romans liegt allerdings darin, dass Crichton sein Biotech-Drama nicht drohend, sondern provokant und mit sarkastischem Unterton erzählt. Die absurden Aktionen seiner profitgierigen Heilsversprecher und die Ignoranz der Juristen passen perfekt in dieses überzeichnete Weltbild, dem der Gegenwartsbezug nie abhanden kommt

Gerade noch rechtzeitig besinnt sich der Autor darauf, dass er einen Thriller und keinen Essay über die Entwicklung des Gentechnik-Business schreibt. In den letzten Kapiteln führt er einige Handlungstränge zusammen und kreiert ein teils überraschendes, teils vorhersehbares Finale mit einem knalligen Show-Down und einer eindringlichen Botschaft.

Michael Crichton führt uns den Abgesang an die freiheitlichen Grundrechte vor Augen, wenn die Gene, die uns zu Individuen machen, zur bloßen Handelsware verkommen. „;Next“ liest sich wie eine Ansammlung von zeitnahen Zukunftsvisionen, die der Autor in eine Romanhandlung gepresst hat. Crichtons letztes Werk ist ist kein atemberaubender Sci-Fi Thriller wie „;Jurassic Park“, sondern überzeugt als zynisches Portrait eines kommenden Gentech-Zeitalters.

Ihre Meinung zu »Michael Crichton: Next«

Keera zu »Michael Crichton: Next«12.10.2008
Michael Crichton versucht in seinem Buch sehr viele Aspekte der Gentechnologie und -forschung zu beleuchten, verzettelt sich dabei aber total und bringt so nur einen äußerst mäßigen Roman mit viel zu vielen Handlungssträngen zustande.
Da gibt es den im Klappentext erwähnten Frank Burnet, dessen Gene so wertvoll sind, dass eine Biotechfirma darauf ein Patent besitzt. Und nun glaubt die Firma, dass sie gleich das Recht auf den ganzen Menschen und seine Nachkommen hat.
Dann sind da der Mensch-Schimpanse Mischling Dave und der Mensch- Papagei Mischling Gerard, die entstanden sind, als menschliche Gene in Föten einer anderen Art eingebracht wurden. Dass diese Lebewesen nun zu einem Problem werden für sich selbst und für die, die eine Beziehung zu ihnen haben, versteht sich fast von selbst.
Und dann ist da Adam, ein Mensch, dessen unreifes Verhalten durch die völlig verfrühte Anwendung einer Gentherapie geheilt wird. Leider gibt es Nebenwirkungen!

Und weil das alles noch nicht alle Probleme der Gentechnologie abdeckt, gibt es noch den Diebstahl von Leichenteilen, um das Knochenmark für die Forschung zu bekommen, das Kidnapping eines Kindes, weil es von einer Biotech Firma begehrte Gene besitzt, das Sterben von Leuten beim Einsatz unausgereifter medizinischer Verfahren, die Problematik von Gentests in Scheidungsprozessen und, und, und...

Die Fülle von Ideenmaterial führte dazu, dass ich in der ersten Hälfte des Buches ständig zurückblättern musste, weil ich nicht mehr wusste, mit welchem Problem die erwähnte Person es zu tun hatte und zu welcher Firma oder Gruppe sie gehörte. Als ich die Personen dann "kannte", fand ich es sehr schade, dass ich immer so schnell wieder zu jemand anderem "schalten" musste, statt dass mal ein Handlungsstrang richtig weitergeführt wurde. Irgendwie wurde keine richtige Geschichte daraus und es entstand keine Beziehung zu den Charakteren. Schade, was hätte man aus der Geschichte von Dave, dem Menschenaffen oder Affenmenschen machen können! Oder aus der Geschichte der Familie Burnet!
Wäre Crichton doch mehr auf die Menschen und ihre Gefühle eingegangen, wie es doch bei "Juressic Park" gut geklappt hat, was hätte das für ein Buch werden können!
So ist es leider ein Flickenteppich von Ideen geblieben.
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