Michael Ende

„;Sehen Sie, da habe ich mir damals gesagt, das ist ein Ziel, was man erreichen muss: dass hundert Jahre nach meinem Tod meine Geschichten in Palermo von Geschichtenerzählern auf der Straße erzählt werden können. Das können Sie mit dem Ulysses von Joyce nicht machen. Aber mit Dumas können Sie das machen. Alexandre Dumas ist eben ein Geschichtenerzähler.“;

Dieser Kommentar von Michael Ende, 1956 in einer Reportage für den Bayerischen Rundfunk geäußert, bezieht sich auf ein Schlüsselerlebnis in Palermo. Ende hörte vor dem königlichem Schloss einem Geschichtenerzähler zu, um den sich die Menschen besonders dicht gedrängt hatten.

Der deutsche Schriftsteller Michael Andreas Helmuth Ende wurde am 12. November 1929 in Garmisch geboren und starb am 28. August 1995 in Filderstadt-Bonlanden in der Nähe von Stuttgart.

Er war der Sohn des surrealistischen Malers Edgar Ende. Die Werke des Vaters wurden im Dritten Reich  zur „;entarteten Kunst“; gezählt und durften nicht mehr verkauft werden. Aus diesem Grund verlebte die Familie in München eine schwierige Zeit.

Michael Ende machte seinen Schulabschluss auf der ersten von Rudolf Steiner gegründeten Waldorfschule in Stuttgart und führte dort bereits mit 17 Jahren ein von den Eltern unabhängiges Leben. Ende setzte sich intensiv mit Steiners antroposophischer Weltanschauung auseinander, was sich auch in seinem literarischen Werk widerspiegelt.

1949 besuchte Michael Ende die Falckenberg-Schauspielschule in München. Nach erfolgreichem Abschluss agierte er bis 1953 an verschiedenen Theatern. Zu dieser Zeit schrieb Ende bereits Texte für politische Kabaretts und war von 1954 bis 1962 als Filmkritiker beim Bayerischen Rundfunk tätig.

Seinen eigenen Theaterstücken war zunächst kein Erfolg beschieden und auch das Manuskript zu „;Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“; wurde 12 Jahre lang abgelehnt, bis der Thienemann-Verlag es 1960 als Kinderbuch herausbrachte. Das erfolgreiche Werk wurde in über 20 Sprachen übersetzt und begeisterte Millionen von Kindern in den Aufführungen der Augsburger Puppenkiste.

Einige deutsche Literaturkritiker taten Endes Werk als „;Kinderkram“; ab und warfen ihm Weltflucht vor. Daraufhin beschlossen Michael Ende und seine Ehefrau Ingeborg sich in Italien niederzulassen. Die italienische Lebensart lenkte Endes schöpferischen Geist in eine neue Richtung, 1973 entstand der märchenhafte und gesellschaftskritische Fantasy-Roman „;Momo“;, der in über dreißig Sprachen übersetzt wurde.

1979 folgte ein weiterer besonderer Fantasy-Roman „;Die unendliche Geschichte“;, dessen Gesamtauflage die Millionen-Grenze überschritt. Dieses Buch wurde weltweit veröffentlicht und kontrovers diskutiert wie kaum ein anderes. Es machte Michael Ende zum Kultautor und Wegbereiter der Fantasy-Literatur in Deutschland. In „;Momo“; und in „;Die unendliche Geschichte“; präsentiert Michael Ende die düstere Vision einer Welt, in der Fantasie und Menschlichkeit verschwinden. In beiden Romanen kämpfen die Hauptpersonen um den Erhalt von Träumen und der grenzenlosen Vorstellungskraft.

Die Verfilmungen seiner beiden erfolgreichsten Bücher trugen ebenfalls zu seinem hohen Bekanntheitsgrad bei, wobei Ende sich von der Machart der Verfilmung von „;Die unendliche Geschichte“; scharf distanzierte. Der Kinofilm durfte sich nicht direkt auf seine Romanvorlage berufen.

Michael Ende war ein ungewöhnlich vielseitiger Autor, der neben zahlreichen Kinder- und Jugendbüchern poetische Bilderbuchtexte, Bücher für Erwachsene, Theaterstücke, Opernlibretti und Gedichte geschrieben hat. Seine Werke für die Zielgruppe der erwachsenen Leser kamen jedoch nie an die Erfolge von „;Momo“; und „;Die unendliche Geschichte“; heran.

Michael Ende erhielt zahlreiche Literaturpreise, darunter den Deutschen Jugendliteraturpreis 1961 für „;Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“; und 1974 für „;Momo“;. „;Die unendliche Geschichte“; wurde 1980 mit dem Wilhelm-Hauff-Preis und dem Silbernen Griffel ausgezeichnet. Zu seinem 60. Geburtstag 1989 erhielt Michael Ende das Bundesverdienstkreuz.

Michael Ende war seit 1964 mit der Schauspielerin Ingeborg Hoffmann verheiratet, die ihn sehr unterstütze. Als sie 1985 starb, kehrte er nach München zurück und heiratete 1989 die Japanerin Mariko Sato. Am 28. August 1995 starb Ende in der Nähe von Stuttgart an Magenkrebs.

Eva Berschneider

Phantastische Literatur von Michael Ende:

  • Kinderbücher
    • (1960) Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
    • (1962) Jim Knopf und die Wilde 13
    • (1969) Das Schnurpsenbuch
    • (1972) Tranquilla Trampeltreu: Die beharrliche Schildkröte
    • (1978) Das kleine Lumpenkasperle
    • (1978) Lirum Larum Willi Warum
    • (1978) Das Traumfresserchen
    • (1981) Der Lindwurm und der Schmetterling
    • (1984) Filemon Faltenreich
    • (1984) Die Balade von Norbert Nackendick
    • (1988) Ophelias Schattentheater
    • (1989) Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch
    • (1989) Die Vollmondlegende
    • (1990) Die Geschichte von der Schüssel und vom Löffel
    • (1991) Lenchens Geheimnis
    • (1992) Der lange Weg nach Santa Cruz
    • (1993) Teddy und die Tiere
    • (1994) Die Zauberschule und andere Geschichten
    • (1999) Vom Wunsch aller Wünsche und andere Geschichten
    • (2002) Die Rüpelschule
  • Theaterstücke und Opernlibretti
    • (1967) Der Spielverderber
    • (1982) Das Gauklermärchen
    • (1984) Der Goggolori
    • (1988) Die Jagd nach dem Schlarg
    • (1993) Der Rattenfänger
  • Lyrik und Prosa
    • (1971) Edgar Ende
    • (1982) Die Schattennähmaschine (Gedichte-Sammlung)
    • (1983) Der Spiegel im Spiegel
    • (1983) Mein Lesebuch
    • (1985) Die Archäologie der Dunkelheit
    • (1986) Trödelmarkt der Träume
    • (1992) Das Gefängnis der Freiheit
    • (1994) Michael Endes Zettelkasten. Skizzen und Notitzen
    • (1998) Der Niemandsgarten (aus dem Nachlass)