Relikte von Michael Jan Friedman

Buchvorstellung

Relikte von Michael Jan Friedman

Originalausgabe erschienen 1992unter dem Titel „Relicts“,deutsche Ausgabe erstmals 1996, 234 Seiten.ISBN 3-453-09456-5.Übersetzung ins Deutsche von Uwe ANton.

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In Kürze:

Fünfundsiebzig Jahre lang wurde Montgomery Scott, Chefingenieur der ersten Enterprise, vermißt. Aber dem alten Fuchs ist es gelungen zu überleben. Als ihn die neue Enterprise unter dem Kommando von Jean-Luc Picard entdeckt, findet sich Scotty in der neuen Realität kaum mehr zurecht.

Captain Picard und seine Crew werden erstmal mit einer Dyson-Sphäre konfrontiert. Das gigantische kugelförmige Gebilde wurde konstruiert, um die Energie eines Stern besser nutzen zu können – für eine künstliche Zivilisation auf der Innenseite der Kugel. Niemand weiß, wie und von wem diese Sphäre errichtet worden ist.

Die Enterprise versucht, mit dem fremdartigen Gebilde zu kommunizieren. Da öffnet sich plötzlich ein Tor in der Kugel, und das Raumschiff wird in das Innere der Sphäre gezogen.

 

 

Ihre Meinung zu »Michael Jan Friedman: Relikte«

Hagane-Kotetsu zu »Michael Jan Friedman: Relikte«15.11.2012
Das Buch basiert auf der The Next Generation-Folge “Besuch von der alten Enterprise” aus der sechsten Staffel und ist neben dem Deep Space Nine-Roman “Neuer Ärger mit den Tribbles” von Diane Carey, das einzige Buch deren Vorlage eine 45-Minuten-Episode und keine Doppelfolge bzw. 90-Minuten-Film war.

Auf dem Weg nach Norpin 5 gerät das Transportschiff USS Jenolan - nicht verschrieben, sondern falsch im Buch genannt - in die Schwerkraftzone einer Dyson-Sphäre, eine künstliche Kugel gigantischen Ausmaßes, das einen Stern umhüllt und an dessen innerer Hülle erdähnliche Zustände herrschen. An Bord des Transporters befindet sich eine Ingenieurslegende auf dem Weg in den wohlverdienten Ruhestand, nämlich Captain Montgomery Scott. Aufgrund technischen Versagens und Einfluss der Sphäre stürzt die Jenolan ab und nur Scotty und ein junger Fähnrich namens Matt Franklin überleben. Sie besitzen keine großen Vorräte an Bord um auf ein Rettungsteam zu warten, deswegen setzen sie einen Notruf aus und Dank des Technikgenies Scotts findet sich eine ungewöhnliche Lösung. Sie wollen als Atome im Musterpuffer des Transporter überleben.
Ein Dreiviertel-Jahrhundert vergeht, ehe die Enterprise-D diesen alten Notruf findet. Ein Außenteam gelingt es, Scott unversehrt aus dem Transporter zu befreien. Währenddessen untersucht die Enterprise die Dyson-Sphäre. Der alte Chefingenieur ist begeistert von der fortgeschrittenen Technik, doch diesem Enthusiasmus teilen seine Retter wenig und schieben ihn eher auf das Abstellgleis beiseite. Wenigstens als kleine Hilfe darf er von der Jenolan gesammelte Daten der Dyson-Sphäre mit Geordi LaForge bergen und als sie zurückwollen, ist die Enterprise verschwunden. Wer wissen will, wie es weitergeht, sollte das Buch lesen oder sich die Folge ansehen, will ja nicht die ganze Spannung vornwegnehmen.

Die Handlung ist durch die gedrehte Folge vorgegeben und an dieser ursprünglichen Handlung hat Michael Jan Friedman einige Details und eine kleine Nebenhandlung um einen hochnässigen Fähnrich und dessen gestörtes Verhältnis zu Commander Riker hinzugefügt. Besonders der Anfang ist im Gegensatz zur Episode stark verlängert, dort war bereits die Handlung bis zur Befreiung Scotts aus dem Transporter mit dem Vorspann abgehandelt, dagegen widmet sich das Buch diesem Prolog 40 Seiten!
Der Zweck dieser TV-Episode war einzig und allein der Gastauftritt James Doohans, nachdem bereits vorher Spock und McCoy in der TNG-Serie ihre Auftritte hatten.
Die Kernaussage des Buches, dass ein alter Chefingenieur gebraucht werden möchte, aber mit der neuen Technik nicht mehr zurecht kommt und jedem im Weg ist, daraufhin sich nutzlos und deprimiert fühlt, ist sehr gut angedacht. Es zeigt, wie wir mit Älteren umgehen, die viel im Leben erreicht haben und wie diese sich fühlen.

Die Reaktion der Enterprise-Crew ist nun meiner Meinung nach nicht logisch. Captain Scott ist eine lebende Legende, doch sie behandeln ihn eher wie einen nervigen alten Opa, der ständig aus seiner Vergangenheit und Erlebnissen erzählt. Komisch ist, dass zwar eine Nachricht an Starfleet gesendet wird, wo über die Dyson-Sphäre informiert wird und zwei Forschungsschiffe sich daraufhin auf den Weg machen, aber nichts über das Auffinden von Scott berichten. Man sollte doch annehmen, dass Starfleet einen Veteranen seines Kalibers und Erfahrungsschatzes ein wenig erhrwürdiger behandelt. Aber gut, dies ist der Fehler des Drehbuches und kein Fehler des Autors.

Scottys Verlassenheit wird sehr schön dargestellt, vor allem in einer erweiterten aufgepeppten Brückenszene auf dem Holodeck. In der Fernsehfolge lässt sich Scotty lediglich die leere Brücke der NCC 1701 zeigen, im Buch nutzt Michael Jan Friedman die Möglichkeiten, die das Fernsehen nicht hatte, nämlich auch noch die alten Enterprise-Kollegen zu generieren. Hier fährt Friedman sämtliche TOS-Klischees auf, die ich mir denken kann: Spock der fasziniert eine Augenbraue hebt, die Neckigkeiten zwischen Spock und Pille, Chekov der Steak au poivre als eine russische Erfindung bezeichnet, McCoy der seine typischen Vergleiche aufsagt (“Ich bin Arzt, und kein Bäcker”) usw. Diese Figuren beleben die Brücke, auf der sich Scotty kurzfristig wieder zu Hause fühlen kann. Dann sieht er jedoch sein gealtertes Gesicht in der Reflektion eines Terminals und resigniert wieder. Das wurde sehr schön ausgearbeitet.

Ich frage mich trotzdem, warum Scott in seinem Quartier das Computer-Terminal nicht nutzt um sich über die neuen technischen Details und Skizzen der Enterprise D und ihre Systeme informiert. Am Anfang liest er auf der Jenolan an einem Computer ein Physikbuch, aber auf der Enterprise meidet er sein Quartier und den Computer, was sehr ungewöhnlich für einen eingefleischten wissbegierigen Ingenieur wie Scott ist.

Eine weitere Unstimmigkeit in der TV-Folge und im Buch ist, dass sämtliche Besatzungsmitglieder der Jenolan ums Leben gekommen sind. Aber wo sind die Leichen? Es müssten nach 75 Jahren in einer isolierten reinen Atmosphäre mumifizierte Körper geben.
Wie ist das möglich, dass Scotty und Geordi aus der Jenolan gebeamt werden, obwohl beide Schiffe aktivierte Schilde haben. Wo es in den Serien immer wieder Probleme gibt, dass man durch Schilde nicht beamen kann? Und wieso steht im Buch, das die Enterprise ein Photonentorpedo auf die Jenolan abschießt, aber das angegriffene Schiff im Phaserfeuer erstrahlt, ohne diese überhaupt abgefeuert zu haben (geschehen auf Seite 219)?

Dagegen gibt es wieder wunderbare witzige Dialoge, wie von Seite 73:

Picard zu Scotty: “Wie fühlen Sie sich?”
Scotty: “Ja, wie fühle ich mich?”
Und darauf Scotty zu Dr. Crusher: “Wie fühle ich mich denn, Doktor?”

oder von Seite 122 der angetrunkene Scott, der dem Holodeckcomputer Anweisungen gibt:

Scotty: “Der Android an der Bar sagte, du kannst mir mein altes Schiff zeigen. Also lass mich das alte Mädel mal sehen.”
Computer: “Ungenügende Daten. Bitte Parameter spezifizieren.”
Scotty: “Die Enterprise. Zeig mir die Brücke der Enterprise, du quatschendes …”
Computer: “Es gab fünf Schiffe der Föderation mit diesem Namen. Bitte durch Registriernummer spezifizieren.”
Scott fluchend: “NCC-1701. Ohne irgendein verdammtes A, B, C oder D!”

Die Hommage auf Seite 120 und 121 an die TOS-Folge “Stein und Staub”, in der folgender Dialog zwischen Scotty und Tomar vorkommt:

Scotty: “Was ist das?”
Data nach einer tiefen Analyse des Getränks: “Es ist grün!”
Scotty: “Tja, ich glaube, das genügt mir. Auf Ihr Wohl!”

Zur Erklärung, warum ich Jenolan schreibe und nicht Jenolen. Das Schiff wurde vom Drehbuchautoren nach einer Höhle in Australien benannt und auf einer Computeranzeige in der Fernsehfolge ist klar lesbar “Jenolan”. Diese Bezeichnung wird ebenso bei Memory Alpha und anderen Star Trek Nachschlagewerken verwendet.

Alles in allem ist Michael Jan Friedman die Romanfassung des Crossing-Over durchaus gelungen, die zusätzlichen Passagen passen gut in die bereits existierende Handlung und ergänzen sie positiv. Insgesamt ist “Relikte” ein leicht und flüssig zu lesender, nostalgischer und warmherziger Star Trek The Next Generation Roman. Wem es nichts ausmacht, die Handlung schon aus dem Fernsehen zu kennen, oder sich durch kleine Druckfehler und Anachronismen nicht stören lässt, der findet hier ein passables Büchlein.
Gesamturteil: 78 Grad!
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