Tod im Winter von Michael Jan Friedman

Buchvorstellungund Rezension

Tod im Winter von Michael Jan Friedman

Originalausgabe erschienen 2005unter dem Titel „Death in Winter“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 318 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Stephanie Pannen.

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In Kürze:

In „Star Trek – Nemesis“, dem zehnten Kinofilm der erfolgreichen Sci-Fi-Saga, ging die Geschichte von Jean-Luc Picard und der Crew der „Next Generation“-Enterprise – zumindest auf der Leinwand – zu Ende. Unter großen Opfern konnte die Mannschaft der Enterprise einen Staatsstreich auf Romulus, der die Galaxis in einen weiteren verheerenden Krieg zu stürzen drohte, verhindern. „Tod im Winter“ ist nun der erste aus einer Reihe von Romanen, die die Geschichte von Jean-Luc Picard und der neuen Enterprise weitererzählen. Nach dem Tod des Putschisten Shinzon und dem Niederschlagen des remanischen Aufstands, ist auf der Heimatwelt der Romulaner ein politisches Machtvakuum entstanden. Verschiedene Fraktionen innerhalb des Romulanischen Reichs kämpfen um die Vorherrschaft über das zahlreiche Planeten und Kolonien umfassende Reich. Eine dieser Welten ist Kevratas, ein unwirtlicher Eisplanet am Rande der Romulanischen Neutralen Zone. Die Kevrataner, eins ein stolzes Volk und nun als Vasallen Teil des Romulanischen Imperiums, begehren gegen ihre Machthaber auf. Als eine biogenetische Seuche auf Kevratas ausbricht, schickt die Sternenflotte ihren ranghöchsten medizinischen Offizier auf den Quarantäneplaneten, Dr. Beverly Crusher. Kurze Zeit später wird der ehemalige Bordarzt der Enterprise als vermisst gemeldet, und Jean-Luc Picard muss sich auf die gefährliche Suche nach seiner ehemaligen Kollegin und einem Heilmittel gegen eine Krankheit machen, die Millionen Leben auszulöschen droht.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Leidlich neue Missionen mit alten Helden“55

Science-Fiction-Rezension von Michael Drewniok

Nach dem Tod des Klon-Praetors Shinzon befindet sich das Romulanische Reich in Aufruhr. Lange geknechtete Kolonialwelten nutzen die Gunst der Stunde, um gegen die Zentralgewalt aufzubegehren. Tal’Aura, Shinzons Nachfolgerin, sitzt nicht fest im Sattel. Ihre Kritiker will sie durch besondere Regierungsstrenge in Schach halten. Sie hat deshalb ihre Agentin Sela auf den Eisplaneten Kevratas geschickt. Diese soll jene Rebellen, die sich dort ernsthaft zu organisieren beginnen, ausspionieren, damit sie später durch einen gezielten Angriff vernichtet werden können.

In der Umlaufbahn der Erde wird das Föderationsraumschiff „Enterprise“ gründlich überholt, nachdem es im Kampf gegen Shinzon fast zerstört wurde. Captain Jean-Luc Picard hat die meisten Mitglieder seiner bewährten Crew verloren. Nur Sicherheitschef Worf und Chefingenieur Geordi La Forge blieben an Bord. Selbst Dr. Beverly Crusher, Picards große und heimliche Liebe, mustert ab. Sie wurde von der Föderation auf eine humanitäre Geheimmission geschickt. Ausgerechnet auf dem Planeten Kevratas wütet seit vielen Jahren das „Blutfeuer“, eine tödliche Seuche. Die Romulaner interessiert die hohe Sterberate nicht, sodass die Kevrater die Föderation um Hilfe riefen – ein Affront gegen die Regierung, den die Romulaner nicht dulden.

Als Dr. Crusher auf Kevratas eintrifft, wird sie bereits erwartet. Kurze Zeit später gilt sie auf der Erde als verschollen und wahrscheinlich tot. Die Föderation beauftragt Picard, nach ihr zu suchen. An Bord eines Frachtraumschiffs reist er heimlich nach Kevratos. Begleitet wird Picard von Dr. Greyhorse, einem ehemaligen Kollegen Crushers, denn die Seuche soll weiterhin bekämpft werden. Die Romulaner benötigen wiederum nicht lange, um die Neuankömmlinge zu entdecken. Sie eröffnen die Jagd auf Picard und seine Gefährten, die aber deutlich schwieriger zu überrumpeln sind als Dr. Crusher …

„Nemesis“ und die Folgen

Der Beinahe-Zusammenbruch des Romulanischen Reiches wurde nicht nur für dessen ehrgeizigen Praetor Shinzon zur Nemesis. Auch das „Star-Trek“-Franchise stand nach dem gleichnamigen Film von 2002 vor dem Kollaps. Ein simpel gestricktes Drehbuch mit einer wenig originellen Handlung sollte durch einen Overkill an Action und Spezialeffekten kompensiert werden. Das widersprach zu allem Überfluss auch dem Geist der „Next-Generation“-Serie, die in ihrem vierten Kino-Abenteuer von Spektakel zu Spektakel, von Charakterbruch zu Charakterbruch & von Logikfehler zu Logikfehler hastete.

Während das Franchise im Bereich Film sieben Jahren benötigte, um nach „Star Trek – Nemesis“ neu Fuß zu fassen, lief das Geschäft mit den Romanen zur Serie (oder besser: zu den Serien) weiterhin gut. Da „tie-in“-Autoren nicht üppig entlohnt werden und die immensen Kosten eines Filmdrehs entfallen, barg der Plan, die „Next Generation“ zumindest im Buch wieder aufleben zu lassen, nur ein überschaubares finanzielles Risiko aber viele Möglichkeiten.

Über die Planspiele in diesem Zusammenhang informiert Fun-Fiction-Autor und „Star-Trek“-Experte Julian Wangler in einem der beiden Nachworte zur deutschen Ausgabe von „Death in Winter“. Mit diesem Roman begann 2005 der Relaunch, durch den die „NG“-Saga elf Jahre nach dem Ende der TV-Serie quasi eine achte Staffel erhielt; eine Prozedur, die das Franchise zuvor mit der Fortsetzung von „Star Trek – Deep Space Nine“ erfolgreich durchexerziert hatte.

„And now for something completely different ...“

Im „Star-Trek“-Universum geschieht schon sehr lange nichts mehr ohne sorgfältige Vorplanung. Dass ein Franchise die Überraschung als Risikofaktor hasst, liegt in seiner Natur, die es als profitorientierte Geldmaschine definiert. Trotzdem konnte man nach „Nemesis“ und „Star Trek – Enterprise“ nicht einfach weitermachen wie bisher, da die Fans der alten, eher schlecht als recht über die Jahre gebrachten Muster offensichtlich müde waren.

Also wurde die „Next Generation“ einem behutsamen Lifting unterzogen. Was sich in „Nemesis“ ankündigte, wurde umgesetzt: Die klassische Crew der „Enterprise-E“ hat sich fast vollständig in alle Winde des Weltalls zerstreut. Captain Picard muss zentrale Führungspositionen neu besetzen. Er kämpft er mit den Problemen, die ihm der Verlust seiner ´Familie´ bereitet. Data ist tot, Commander Riker mit Deanna Troi auf die „Titan“ gewechselt. Nur Worf und Geordie La Forge sind ihm geblieben; sogar Beverly Crusher ist verschwunden.

Die komplizierte, seltsame und weder in der TV-Serie noch in den Kinofilmen jemals geklärte Liebesgeschichte zwischen Picard und Crusher – von Julian Wangler in einem weiteren Nachwort rekonstruiert – ist einer der Fixpunkte von „Tod im Winter“. Zweites Standbein ist die Installation einer neuen ´Familie´, mit der Picard auf neue Weltraum-Reisen gehen wird, wobei die individuellen Eigenheiten der ´Neuen´ die „Star-Trek“-typischen Menscheleien garantieren werden. Die Storyline wird in der „NG“-Gegenwart nach Shinzon verankert, denn selbstverständlich giert der Trekkie nach Neuigkeiten aus der Zukunft.

„The same procedure as every year ...“

Die werden ihm freilich nur tröpfchenweise verabreicht. Der „NG“-Relaunch weist leider nur zu gut bekannte Mängel auf. Mit „Tod im Winter“ startet eine neue Serie. Dieser erste Band ist vor allem Einleitung. Ständig werden große Neuigkeiten – Revolution auf Romulus! Meuterei in der romulanischen Flotte! Die „Enterprise-E“ wird runderneuert! – angekündigt, die jedoch höchstens ansatzweise umgesetzt werden. „Tod im Winter“ bleibt eine 300-seitige Ouvertüre. Der Leser wird auf kommende Bände vertröstet und mit einem x-beliebigen Planetenabenteuer abgespeist.

Denn Beverly Crushers und Picards Odysseen auf dem Eisplaneten Kevratas bilden simple „Star-Trek“-Routine, wie wir sie aus mehr als 170 TV-Episoden kennen. Es wird gefangen, geflüchtet, gerauft & in letzter Sekunde entkommen. Die Kevrater bleiben blass bis nichtssagend, ihr gar grausames Schicksal – Seuche & Romulaner-Knute – lässt kalt. Vor dem geistigen Auge des Lesers erstehen dazu die typischen „Star-Trek“-Pappkulissen, die von den üblichen, in exotische Lumpen gekleideten und notdürftig maskierten Statisten bevölkert werden.

Auch die politischen Verwicklungen im Romulanischen Imperium drehen sich im Kreis. Tal’Aura, Sela & Co. benehmen sich so eindimensional brutal und gemein, wie es die Romulaner seit jeher zu tun pflegen. Die dabei zelebrierten S/M-Rituale wirken eher lächerlich als erschreckend. Schon immer projizierte „Star Trek“ leicht verfremdete irdische Moralvorstellungen und Glaubensfragen auf pseudo-exotische ´Außerirdische´. In „Tod im Winter“ sind es halt Romulanismen, die ermüdend breitgetreten werden, statt endlich so etwas wie eine Handlung in Gang zu bringen.

Alte Besen kehren – aber nicht gut

Wie sollte auch ein echter Neuanfang gelingen, wenn aufgerechnet ein Autor wie Michael Jan Friedman angeheuert wird? Friedman gehört zu den Veteranen des „Star-Trek“-Franchises. Er schreibt seit zwei Jahrzehnten Romane zu allen bekannten Serien, außerdem Drehbücher und Scripte für „Star-Trek“-Comics. Sein zweifellos profundes Hintergrundwissen ließ er darüber hinaus in diverse „Star-Trek“-´Sachbücher´ einfließen. Kurz gesagt: Friedman weiß, wie das Franchise-Universum funktioniert.

Das macht ihn keineswegs zu einem besonders guten Schriftsteller. Aus Sicht des Franchises ist das sekundär. Wichtiger ist: Friedman wird schreiben, was weder die strengen Trekkies, denen jedes Detail der Gesamt-Saga geläufig ist, noch die ´normalen´ Leser vor den Kopf stoßen wird. Zudem liefert er prompt und pünktlich. Originalität und Raffinesse gehören dagegen nicht zu seinem Repertoire. „Tod im Winter“ wimmelt von faulen Tricks, mit denen der Verfasser über die Runden kommen will.

So startet Friedman gleich mit zwei Prologen in die Handlung. Er täuscht damit eine Bedeutsamkeit vor, die sich bei kritischer Lektüre als nichtig erweist bzw. Seiten schinden soll. Super-Agent Manathas bleibt trotz des „San-Francisco“-Prologs ein Stereotyp, Beverly Crushers Mission auf Kevratas würde bei ersatzloser Streichung des „Arvada-III“-Prologs ebenso funktionieren. Die Gastauftritte von Worf, La Forge und Admiral Janeway sind sinnfreies „name dropping“; die alten Kämpen sollen wenigstens erwähnt werden, um nostalgische Alt-Leser zu locken.

Die Liebesgeschichte zwischen Picard und Crusher ist gleichzeitig steif und an Peinlichkeit schwer zu überbieten. Sie drückt aufs Tempo und erschöpft sich in Allgemeinplätzen. Übel ist das angeflanschte und dieser merkwürdigen Liebe gewidmete Finale, das eine entlarvende Mischung aus Klischee und Gleichgültigkeit darstellt.

Wie kann & wird das weitergehen?

Nein, „Tod im Winter“ ist alles andere als ein gelungener Start in eine neue „NG“-Ära. Stattdessen passt sich dieses Garn beunruhigend gut in die endlose Reihe der „Star-Trek“-Routine-Romane ein, mit denen der Heyne-Verlag um 2000 Schiffbruch erlitt, weil sie niemand mehr lesen wollte. Ungeachtet dessen startet der Cross-Cult-Verlag, bei dem das Franchise eine neue deutsche Heimat fand, eine regelrechte „Star-Trek“-Offensive. Immer neue Reihen werden gestartet, kein Monat vergeht ohne die Veröffentlichung neuer Titel. Sollten diese immerhin schön gestalteten, sauber übersetzten und mit informativen Nachworten ergänzten Romane ihr inhaltliches Niveau nicht deutlich steigern, ist es keine Unkerei, das absehbare Ende auch der neuen „Star-Trek“-Offensive anzukündigen.

Ihre Meinung zu »Michael Jan Friedman: Tod im Winter«

aev-forever zu »Michael Jan Friedman: Tod im Winter«15.12.2014
Die große Frage war: Wie kann man The Next Generation wiederbeleben? Und dies nicht im Sinne eines plumpen Aufgußes, sondern als frischer Neuanfang, aber ohne sich zu weit vom guten alten TNG-Feeling zu entfernen.

Michael Jan Friedmann ist dies durchaus gelungen. Es ist eben kein typischer "Die Enterprise rettet die Welt"-Roman, sondern etwas Neues. Dieses Neue zeichnet sich besonders durch die Charaktere aus. Im Vordergrund natürlich Picard und Crusher, die nicht als glattgeschliffene Persönlichkeiten auftreten, sondern als Menschen, die lieben, die an sich zweifeln, die Kämpfe mit sich und mit anderen austragen müssen. Gerade dadruch erhalten sie eine Tiefe, die bisher in kaum einem TNG-Roman erreicht wurde. Hinzu kommen gewisse neue Züge - Picard der sich in Zweikämpfen und Getümmel bewährt (man ist schon fast an den guten, alten Kirk erinnert), die der ganzen Story einen erfrischenden Beigeschmack geben.

Ok, natürlich ist die Story an manchen Stellen etwas dünn. Etwas zuviel Spinonage und Gegenspionage, der Auftritt von Admiral Janeway wirkt einfach zu krampfhaft gewollt, der Geordi-Worf Seitenstrang ist zu dünn,dabei die Charaktere zu stereotyp (so in der "Oh, wir müssen dem Captain helfen..." Richtung)

Insgesamt macht die Story Lust auf mehr. Man möchte nach dem Solo-Auftritt von Picard/Crusher nun endlich auch wissen, wie es mit der Enterprise - E weitergeht. Der Neustart ist auf jeden Fall gelungen!
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