Gambit von Michael Marrak

Buchvorstellungund Rezension

Gambit von Michael Marrak

Originalausgabe erschienen 2011, 320 Seiten.ISBN 3833223553.

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In Kürze:

Heiße Gefechte im kalten Weltall. Mit Black Prophecy geht die Spieleschmiede Reakktor neue Wege im Bereich des Multiplayer Online Rollenspiels. Der Spieler begibt sich hinter den Steuerknüppel eines Raumjägers und liefert sich mit Millionen Gleichgesinnten epische Weltraumschlachten. Das Ganze vor der Kulisse einer packenden Science-Fiction-Story aus der Feder des mehrfach ausgezeichneten SF-Autors Michael Marrak. Panini präsentiert jetzt den offiziellen Roman zum Game.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der Roman zum Online-Game“70

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Wir schreiben das Jahr 2558. Nach der Besiedelung des Mars hat sich in Menschheit in den folgenden Jahrhunderten über die Galaxis ausgebreitet. Die Expansion führte dazu, dass biologisch aufgerüstete Menschen geschaffen wurden, die unter dem Namen Geniden die fremden Planeten erobern sollten. Als diese sich gegen ihre Schöpfer wandten, griffen die Menschen erneut tief in die technische Wunderkiste und konstruierten die kybernetisch aufgerüsteten Tyi. Beide Gattungen der Homo Superior sind sich später, so uneins sie sich sonst sind, in einem einig: der Homo Sapiens hat ausgedient. Die Menschen werden entmachtet und unterdrückt. Lediglich als billige Arbeitskräfte dürfen sie weiterhin den neuen, mächtigen Herren der Galaxis dienen.

Der Protagonist Jerome, ein Mensch, begleitet ein Siedlungsschiff, das Vertreter aller drei Menschenrassen zu einem neu erschlossenen Planeten bringen soll. Schon auf dem Weg dorthin wird der Konvoi überfallen, nur dem entschlossenen Einsatz Jeromes ist es zu verdanken, dass die im Kryoschlaf liegenden Superior und die menschlichen Zwischendeckpassagiere nicht vernichtet werden.

Nun warten insbesondere die Homo Sapiens, die den bislang unerschlossenen Planeten auf gefährliche Erreger testen sollen, auf der Raumstation darauf, dass sie endlich ihren Siedlungsraum, einen gigantischen schwimmenden Kontinent betreten dürfen.

Während Jerome als Sicherheitsbeauftragter in Diensten der Superiors über die Sicherheit der Raumstation wachen soll, verschwindet seine para-begabte frühere Verlobte. Bei Durchsicht der Aufnahmen der Überwachungskameras stößt Jerome auf eine bis dato unbekannte dritte Partei – und tritt in ein Wespennest voller Intrigen und Geheimnisse …

Viele Hintergründe, eine spannende Handlung, doch leider flache Charaktere

Eigentlich war vorgesehen, das Online-Game Black Prophecy, an dessen Entwicklung Michael Marrak maßgebend beteiligt war, 2008 zu veröffentlichen. Die Insolvenz des Auftraggebers führte zu einer mehrjährigen Verzögerung, bevor das massive-multiplayer-onlinegame dann doch noch gestartet wurde. Bei Panini veröffentlicht der Mitentwickler und versierte Autor Marrak nun die Romane zum Spiel.

Insofern liegt auch kein typisches Franchise-Projekt vor, sondern erwartet den Leser ein Werk, das ganz in der Welt des Games verankert ist, das viele Details aufgreift und vertieft.

Michael Marrak, der unter anderem mit seinem preisgekrönten „Lord Gamma“ aber auch mit dem Auftakt seiner Jugendbuchtrilogie „Das Aion“, dessen zwei ausstehende Bände laut Verlagsauskunft nicht mehr bei Ravensburger erscheinen werden, auf sich aufmerksam machte, und sich als ebenso versierter wie phantasievoller Autor offenbarte, legt einen routiniert verfassten Plot vor. Insbesondere das detailreich beschrieben Universum, in dem der Roman und das Game situiert sind, weiß hier zu überzeugen.

Allerdings ist genau diese immense Informationsfülle gleichzeitig die Krux des Romans. Während er seinen Leser zu Beginn in die Handlung wirft, reicht er die entsprechenden Hintergründe im Mittelteil des Romans in geballter Form nach. Die Info-Dumps sind derart ausufernd, dass ich mich als Leser oftmals von den mannigfaltigen Informationen erschlagen sah.

Dass sich seine Handlung trotzdem spannend und flüssig liest, spricht für Marraks bekannte Erzählstärke. Unüblich dagegen, dass er seine Personen, allen voran Jordan und dessen Verflossene Abhazia, ungewohnt flach zeichnet. Ein offenes Ende – wenn auch ohne Cliffhanger – weist darauf hin, dass weitere Romane in Planung sind.

(Carsten Kuhr, November 2011)

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