Kinder der Sonne von Michael Marrak

Buchvorstellungund Rezension

Kinder der Sonne von Michael Marrak

Originalausgabe erschienen 2008, 384 Seiten.ISBN 3473352810.

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In Kürze:

Nach heftigen Sonnenstürmen ist die Erde nahezu zerstört. Nur hinter einer Energiebarriere in der afrikanischen Wüste gibt es noch Überlebende. Das endgültige Ende der Menschheit scheint gekommen, als eine bösartige Macht zum Angriff übergeht. Da nimmt das AION, ein uraltes, geheimnisvolles Wesen, Kontakt zur fünfzehnjährigen Mira auf: Sie soll den magischen Weltenbaum wiedererwecken. Eine gefährliche Aufgabe, die sie in die fliegende Stadt Darabar und zu dem Orakel Jadamon führt.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die faszinierende Zukunft der Welt als Wüste oder Star Wars ist out, Figuren und Ideen sind in“90

Horror-Rezension von Carsten Kuhr

Die Welt ist nach dem Schicksalsjahr 2037 geprägt von einer weltweiten Verwüstung der Erde. Durch Magnetstürme der Sonne – sogenannten Flares – verbrannte Flora und Fauna des ehemals blauen Planeten. Nur einem Bruchteil der Menschen ist es gelungen, versteckt in Höhlen und Bunkern zu überleben. In einigen wenigen Oasen über den Grundwasser-Reservoirs der Welt leben und forschen diese.

Dies ist die Geschichte eines der Kinder der Sonne. Die Evolution schläft nicht, und so haben auch die Eruptionen der Sonne dafür gesorgt, dass einige wenige der Menschheit sich zum Homus Superior entwickelt haben. Mira ist solch ein Gamma-Kind. Sie kommt selbst in der Wüste fast ohne Wasser aus, rennt jeder Antilope davon, kann im Dunklen sehen und hört wie ein Luchs. Auf ihren Streifzügen durch die Wadis und Dünen hat sie in letzter Zeit immer wieder gar merkwürdige Geschöpfe erlegt. Äußerlich gleichen diese bekannten Tieren, doch zieht man diesen die Haut ab, so kommt ein Metallskelett, Drähte und Linsen zum Vorschein. Dies erregt das Interesse der hochtechnisierten Forscher außerhalb des Habitats, in dem Mira aufwächst. Sie laden das Mädchen zu sich in ihre unterirdische Forschungsstätte ein. Hier, tief unter den Sanddünen lernt sie das erste Mal einen wirklichen Wald kennen. Zusammen mit drei Forschern des Habitats macht sie sich auf, das Rätsel der künstlichen Tiere zu erkunden. In ihr Heimatdorf zurückgekehrt erwarten sie zerstörte Häuser und ein paar wenige Leichen. Wo sind die übrigen Bewohner, wer hat die Zerstörungen verursacht? Die Spuren führen zu einer alten Plantage. Hier trifft Mira auf ein äonenaltes Wasserwesen, das sie auf die Suche nach der Samenkapsel eines lebendigen Weltenbaumes aussendet. Nur mit dieser Samenkapsel kann die Herrschaft der außer Kontrolle geratenen Terramotus-Anlage, die Lebewesen repliziert und alles Lebendige zerstören will, aufgehalten werden.

Während ein Teil der Gruppe in die Hightech-Fabrik eindringt, macht sich Mira, begleitet von einem vorlauten Wissenschaftler auf, die Samenkapsel zu suchen. Ihr Weg führt sie in die schwebende Stadt Darabar, die auch unter dem treffenden Namen „Entartete Stadt“ bekannt und gefürchtet ist …

Hoffnung für die Welt – der Homo Superior ist da

Michael Marrak veröffentlicht wenig, zu wenig Bücher. Immer aber, wenn ein neues Werk von ihm die Büchertische erblickt, kann der Leser sicher sein, etwas ganz Eigenes, etwas Außergewöhnliches für seinen Obolus zu erhalten.

Nach seinem preisgekrönten „Lord Gamma“ und dem ungewöhnlichen „Morphogenesis“ hat sich Marrak nun dem Jugendbuch zugewandt. Wer nun aber meint, dass es an dramatischen Geschehnisse mangeln würde, dass der Autor seine überbordende Phantasie gezügelt hätte, der sieht sich glücklicherweise getäuscht. Abgesehen davon, dass mit Mira eine jugendliche Protagonistin auf den Leser wartet, ist ein Unterschied zu den Werken, die Marrak für ein erwachsenes Publikum verfasst hat, nicht feststellbar. Weder stilistisch noch inhaltlich hält sich Marrak zurück. In kräftigen Bildern berichtet er uns von einer Welt, die im Umbruch ist. Der Homo Sapiens hat ausgedient, die Natur bereitet sich auf einen neuen Übergang vor. Im durch die verheerenden Sonnenstürme verbrannten, menschenleeren Raum schickt sich die semi-intelligente Hightech-Fabrik mit einer Fehlfunktion an, der äonenalten Herrschaft des Aion ein Ende zu setzen.

Der alte Kampf Natur gegen Maschine wird hier in einem ganz eigenen Kontext neu thematisiert. Marrak gelingt es, ausgehend von der überzeugenden Darstellung einer zunächst trost- und leblos erscheinenden Wüstenlandschaft mit ganz besonderen Einfällen zu glänzen. Die über den einstmals blauen Planeten reisende fliegende Stadt Darabar ist solch eine den Roman prägende Idee.

Bewohnt von Bürokraten, die selbst unserem überzogen Beamtenstaat noch einiges an Umständlichkeit und Unflexibilität lehren könnte und deren Geheimnis um die Art und Weise, auf welche Weise sich diese Stadt über die Erde erheben konnte und wie sich deren Bewohner ernähren und warum die Verantwortlichen die permanente Odyssee überhaupt auf sich nehmen, fasziniert den Leser. Aber auch die Beschreibung des unterirdischen Waldes, das letzte Überbleibsel des einstmals intakten Ökosystems, die Schilderungen der Schönheit der Wüste und die Darstellung der außer Kontrolle geratenen Fabrik halten ungewöhnlich originelle Kost für den Leser bereit.

Bemerkenswert auch, dass der Leser nie erahnen kann, wie sich die Handlung weiter entwickeln wird. Hinter jeder Biegung erwarten Überraschungen und neue Einfälle den Leser, ergeben sich unerwartete Einsichten. Das Pfund, mit dem Michael Marrak wuchert, ist seine ungewöhnlich plastische Phantasie, die sich mit der Zeichnung vielschichtiger Charaktere paart. Zusammengehalten von einer überzeugenden Welt, wie sie so durchaus vorstellbar wäre, nimmt er den Leser mit in eine Zukunft voller Umbrüche, voller Leid, aber eben auch einer Welt, in der Hoffnung gedeiht.

Ihre Meinung zu »Michael Marrak: Kinder der Sonne«

Markus H. zu »Michael Marrak: Kinder der Sonne«08.03.2008
Tolles Buch, tolle Geschichte, doch leider nur der erste Teil einer Trilogie und daher viel zu kurz. Dass ihr das AION in die Kategorie Horror einordnet, halte ich allerdings für einen krassen Denkfehler. Fantasy & SF, keine Frage, aber doch niemals Horror! Also nee ... Vergrätzt doch die armen Kiddies nich ... ;-))
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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