Der Antares-Krieg von Michael McCollum

Buchvorstellungund Rezension

Der Antares-Krieg von Michael McCollum

Originalausgabe erschienen 2007, 908 Seiten.ISBN 3-453-52222-2.Übersetzung ins Deutsche von Walter Brumm.

»Der Antares-Krieg« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Mit diesem action- und spannungsgeladenen Abenteuer um einen erbitterten Krieg gegen außerirdische Invasoren präsentiert sich Michael McCollum als neuer Starautor im populären Feld der Space-Opera und Military-SF. Ein Science-Fiction-Roman von einer Kraft, wie sie derzeit nur Peter F. Hamilton oder Alastair Reynolds erreichen!

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der interstellare Krieg beginnt“95

Science-Fiction-Rezension von S.B. Tenz

Wurmlöcher – Schwachstellen im Raum-Zeit-Kontinuum und Portale zu anderen Galaxien. Ein interstellarer Highway, über den Raumschiffe ohne Zeitverlust riesige Entfernungen zurücklegen können. In Michael McCollums „;Antares-Krieg-Trilogie“; ist die Rede von Faltpunkten, die in ihrer „;Funktion“; jedoch gleichbedeutend mit Wurmlöchern sind. Mit Hilfe dieser Faltpunkte konnte sich die Menschheit weit in der Galaxie ausbreiten. Eine Expansion unermesslichen Ausmaßes. Nun ist sie endlich da: Die gesamte Antares-Trilogie in einem Band.

Nachdem die Menschheit die Möglichkeit entdeckte, mit Hilfe sogenannter Faltpunkte im Raum-Zeit-Kontinuum interstellare Reisen durchzuführen, sind Raumschiffe in der Lage, ohne Zeitverlust Lichtjahre zu überspringen. Entlang der einzelnen Faltpunktverbindungen wurden so auf den verschiedensten Welten Kolonien errichtet. Aufgrund der verschiedenen Rohstoffvorkommen auf den einzelnen Welten führen die Menschen der unterschiedlichen Kolonien auch ihren interstellaren Handel über diese Faltpunktverbindungen. Eine dieser Kolonien befindet sich im Valeria-System auf dem Planeten Alta, 500 Lichtjahre von der Erde entfernt. Valeria, das Zentralgestirn Altas, verfügt entgegen anderer Systeme nur über einen einzigen Faltpunkt. Ein Umstand, der das Valeria-System zu einer interstellaren Sackgasse macht. Der Planet Alta gilt gemeinhin als eine Kolonie zweiter Klasse, die am Rande des von Menschen besiedelten Raums ständig um ihr Überleben ringt.

Dann, im Jahr 2512, ereignet sich plötzlich eine Katastrophe von ungeheurem Ausmaß: der rote Riesenstern Antares, der gleich sechs Faltpunkte besitzt, kollabiert und erlischt in einer gewaltigen Supernova. Durch die expandierende Druckwelle der Supernova werden die meisten Faltpunkte zerstört oder verschoben. Am schlimmsten trifft es das Valeria-System. Der Verlust des einzigen Faltpunkts bedeutet für den Planeten Alta und seine Bewohner von nun an absolute Isolation. Fortan sind die Altaner auf sich alleine gestellt und vom Rest des von Menschen besiedelten Raums völlig abgeschnitten. Die Zeit vergeht und schließlich, als logische Konsequenz einer über 100 Jahren erzwungenen Isolation, ist die Erde für viele Altaner nur noch eine Legende; die Mutter der menschlichen Rasse. Für die Regierung der Erde bedeutet Alta hingegen nicht mehr als eine verloren gegangene Kolonie, die irgendwann in Vergessenheit gerät.

Dann taucht eines Tages völlig überraschend ein Raumschiff im Valeria-System auf. Die Bewohner Altars sind in heller Aufregung und die Regierung beschließt, dass unter dem Kommando Captain Richard Drakes eine erste Erkundungsmission gestartet wird. Nach einer spektakulären und riskanten Bergungsmission stellt sich schnell heraus, daß es sich bei dem fremden und schwer beschädigten Raumschiff um ein Kriegsschiff der Erde handelt. An Bord gibt es jedoch keine Überlebenden und alles deutet darauf hin, dass das Schlachtschiff in einem mörderischen Gefecht fast völlig zerstört wurde. Viel wichtiger noch scheint jedoch die Tatsache, dass das Raumschiff irgendwie in das Valeria-System gelangt sein muss. Demzufolge muss es wieder einen Faltpunkt geben, der in das benachbarte Napier-System führt. Erneut unter der Führung Captain Richard Drakes startet der altanische Schlachtkreuzer Discovery zu einer Expedition, um über den neuen Faltpunkt in das Napier-System vorzudringen. Die Zeit der langen Isolation scheint vorüber und sofort ergeben sich völlig neue Fragen. Steht nun ein Neubeginn des Interstellaren Handels bevor? Was wird dies für Auswirkungen auf die altanische Wirtschaft und vor allen Dingen auf die Währung haben?

Nicht alle Altaner scheinen von der Tatsache begeistert, dass die Isolation ihrer Welt nach über hundert Jahren zu Ende geht. Viele haben Angst vor der Frage, wer zu den Gewinnern, wer zu den Verlieren dieser völlig neuen Situation gehören wird. Ungeachtet dessen erreicht die Discovery den neuen Faltpunkt und stößt in das Napier-System vor. Erstes Anlaufziel: Der Planet „;New Providence“;. Ein Außenteam wird auf den Planeten entsandt, findet dort jedoch nur Spuren der Zerstörung. Es scheint dort keinerlei menschliches Leben mehr zu existieren. Zunächst vermutet man den Ursprung der Zerstörung in den Auswirkungen der Supernova, doch schon bald stellt sich heraus, dass nicht nur die Supernova, sondern auch eine außerirdische Invasionsflotte für die schrecklichen Verwüstungen verantwortlich ist. Was ist in den letzten 100 Jahren vorgefallen? Wütet zwischen den Menschen und einer fremden Spezies ein schrecklicher, interstellarer Krieg? Wie viele Systeme der menschlichen Hegemonie sind bereits betroffen? Was ist mit der Erde? Inwieweit ist sie in einen Krieg involviert?

Captain Richard Drake gibt Befehl, das Hellsgate-System anzufliegen. Dort befindet sich der Planet Sandar, der ebenfalls vor langer Zeit von den Menschen kolonialisiert wurde. Von den Bewohnern Sandars erhofft sich Richard Drake Antworten auf die wichtigsten Fragen. Was er und seine Besatzung dort erfahren, sprengt jeden Rahmen ihrer Vorstellungskraft. Seit über hundert Jahren tobt ein Krieg zwischen der menschlichen Rasse und den äußerst aggressiven „;Ryall“;, echsenähnliche Wesen von hoher Intelligenz, aber auch von einem unbeugsamen Instinkt getrieben, die menschliche Rasse gnadenlos auszurotten. Die Altaner, ihres Zeichens parlamentarische Demokraten, und die Sandarer, kriegsgehärtete Monarchisten, bilden eine Allianz. Gemeinsam macht man sich auf den Weg zur Erde. Aber die Erde scheint der Bedrohung durch die „;Ryall“; lediglich in Apathie und Resignation gegenüber zu stehen. Es bedarf einer großen Überzeugungskraft der Allianz, um die Regierung der Erde von der Notwendigkeit eines langen und verlustreichen Krieges zu überzeugen. Schließlich ist es Richard Drake, dessen tollkühner, aber überzeugender Plan auschlaggebend für den Aufbau der größten Invasionsflotte in der Geschichte interstellarer Kriege ist. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass die Allianz über wichtige Erkenntnisse über die Topologie der feindlichen Regionen verfügt. Aber selbst Richard Drake kann nicht ahnen, wie hoch der Preis für diese alles entscheidende Schlacht sein wird.

Was lange währt…

16 Jahre auf eine Fortsetzung bzw. den Abschluss einer Trilogie warten zu müssen, dass ist schon ganz schön heftig. Selbst die größten Optimisten dürften da irgendwann alle Hoffnung begraben haben. Wie dem auch sei, 2003 war es dann doch soweit. Mit dem dritten Band, „;Antares: Sieg“;, vollendete Michael McCollum sein umstrittenes Meisterwerk der Military-Science Fiction. Es wurde (und wird noch immer) viel darüber spekuliert, aus welchen Gründen der Autor sich mit dem Erscheinen des dritten Bands so viel Zeit gelassen hat. Dabei gehen die Meinungen sehr weit auseinander und es würde den Rahmen dieser Rezension sprengen, auf jede einzelne davon einzugehen. Plausibel scheint mir die Erklärung, die aus einem Interview mit Michael McCollum aus der „;phantastisch! 16“; Oktober 2004, hervorgeht. Da heißt es, dass der Verlag „;Del Rey“; seinerzeit kein Interesse an einem dritten Teil zeigte und Michael McCollum diesen erst veröffentlichen konnte, nachdem er seinen eigenen Kleinverlag gegründet hatte. Allerdings stellt sich mir die Frage, weshalb sich nicht schon früher irgendein anderer Verlag hatte finden können, der diesen dritten Band zu veröffentlichen bereit gewesen wäre. Wie dem auch sei, wesentlich abenteuerlicher gestalten sich die Spekulationen darüber, weshalb McCollum in seinem dritten Band so sehr auf militärische Lösungen setzte und den Schwerpunkt des Romans eindeutig in Richtung Krieg verlagerte. Da wird unter anderem behauptet, dass die Gründe dafür im 11.09.2001 und im Irakkrieg zu suchen seien. Dass Michael McCollum ein Befürworter des Irakfeldzuges ist, dürfte für viele kein Geheimnis sein. Ob diese Einstellung aber tatsächlich Motivation für den Inhalt seines dritten Romans der „;Antares-Krieg-Trilogie“; war, wage ich persönlich doch stark zu bezweifeln. Manche bezeichnen das Gesamtwerk unter diesem Aspekt als Military-Propaganda-Machwerk; ich aber sage, manchmal ist ein Roman eben einfach nur ein Roman und dient der reinen Unterhaltung. Dass McCollums Trilogie diesem Zweck mehr als gerecht wird, ist jedenfalls Fakt und keine Spekulation. Es lässt sich immens viel in einen Roman hineininterpretieren, gewisse Grenzen sollte man dabei jedoch wahren.

Das Wesen des Krieges

Ekelerregender und faszinierender Krieg. Ein absurder Wiederspruch in sich? Wohl kaum. Wie sonst lassen sich zum Beispiel die immens hohen Verkaufszahlen auf Krieg basierender Computerspiele erklären, das rege Interesse an Kinofilmen oder Fernsehserien, die diese Thematik beinhalten? Die Literatur bildet da keine Ausnahme. Es spielt kaum eine Rolle, ob es sich dabei um ein historisch korrektes oder fiktives Szenario handelt. Letztendlich zählt nur eines: wie gut gelingt es den jeweiligen Machern oder Erzählern, das Schreckgespenst des Krieges den Zuschauern oder Lesern zu veranschaulichen. Und zwar so, dass diese Erzählungen einen bleibenden Eindruck hinterlassen und der Realität so nah wie möglich kommen. Denn nichts ist grausiger als die Realität des Krieges.

Laserstrahlen, die durch das Vakuum des Weltraums auf gegnerische Schiffe treffen. Antimateriebomben, deren Druckwellen von energiereichen Gammastrahlen alles sich in der Nähe befindliche verdampfen lassen und atmendes, denkendes Leben auf reine Moleküle reduzieren, die im überhitzten Plasma ein letztes Mal aufblitzen. Ein kosmischer Schießstand, dessen mörderische Strahlung alles organische und anorganische gnadenlos vernichtet. Eine surreale Lichtschau im All, faszinierend und tödlich zugleich. McCollums „;Helden“; sterben keinen glorreichen Tod in heroischen Schlachten, sie verdampfen einfach; undramatisch und schrecklich endgültig werden sie lediglich zu trockenen Statistiken endlos erscheinender Verlustlisten.

Wer sich Michael McCollums „;Antares-Krieg-Trilogie“; zuwendet, sollte wissen worauf er sich einlässt. Dennoch muss man nicht unbedingt zum Kreis hartgesottener Military-SF-Fans gehören, um von McCollums Trilogie begeistert zu sein. Leser die jedoch mit dem ganzen militärischen Geplänkel über Taktik, Strategie und Gefechtsformation nichts anzufangen wissen oder die eine fundamentale Aversion gegen den gesamten Militärapparat aufweisen, werden an dieser Trilogie ganz sicher keine Freude haben. Auf über 900 Seiten geht es letztendlich nur um eines; über die „;Kunst“; der Kriegsführung und die daraus resultierende kompromisslose Vernichtung des Feindes. Wer damit zurechtkommt und darüberhinaus ein Faible für die komplexen Strukturen der Kriegsführung hat, der wird in Michael McCollums Trilogie ein Werk finden, wie er es so detailliert geschildert vielleicht nie zuvor gelesen hat.

Handbuch für Strategen?

Vielen Menschen fehlt die Gabe, komplizierte Sachverhalte für „;Nichtfachleute“; leicht verständlich darzustellen. Nicht so Michael McCollum: ihm gelingt es auf vortreffliche Weise, seine Thesen auch dem Laien verständlich zu machen. Ich persönlich kann mich nicht daran erinnern, ähnlich brillante, detaillierte und solch verständliche Ausführungen bei irgendeinem anderen Autor der Science Fiction-Literatur gelesen zu haben.

Ist der Krieg im Weltraum lediglich eine Erweiterung des konventionellen Luftkrieges? Michael McCollum verneint dies, indem er uns folgendes erklärt:

„;Luftkrieg ist eine Sache von Aerodynamik. Krieg im Weltraum ist eine Sache von Vektoren. Der Beschleunigungsvektor wird über Zeit integriert, um Geschwindigkeit zu erzeugen, die wiederum integriert wird, Position zu entwickeln. Die Orientierung der Kampfeinheit ist somit unabhängig von ihrer Flugbahn.“;

Solche und ähnliche „;Lehrstunden“; verpasst der Autor dem Leser in regelmäßigen Abständen. Erläuterungen in Sachen Gefechtstaktik, Strategie und Kriegsführung weiß Michael McCollum äußerst präzise zu schildern und greift dabei sogar auf Beispiele zurück, die bis zu den Sumerern zurückreichen. Darüber hinaus besitzt er die Fähigkeit, eine Schlacht oder ein Gefecht zu lesen, bis in das kleinste Detail zu analysieren und bestimmte Strategien darin zu erkennen. Manchmal scheint es fast so, als wäre McCollum ein General, der auf einem Hügel steht und seine Truppen dirigiert. Ein Mann vom Fach sozusagen, der weiß, wovon er redet bzw. schreibt. Dabei versäumt er es nie, seine Thesen auf ein solides wissenschaftliches Fundament zu stellen. Brillant! Erwähnenswert wäre da noch die recht simple, aber durchaus nützliche Sternenkarte am Anfang des Romans, die eine Darstellung der Hegemonie der Menschheit und der Ryall enthält. Ein praktisches Utensil, auf das man im Laufe der Zeit immer öfter zurückgreift.

Zivilisten unerwünscht

Der ein oder andere Leser wird sich am Ende vielleicht darüber beklagen, dass McCollums Protagonisten ein wenig oberflächlich bleiben und zu wenige Emotionen zeigen.

Das mag zum Teil auch zutreffen, jedoch sollte man bedenken, dass kompromisslosen Befehlsgebern- und Empfängern, die sich mitten in einem Krieg befinden, von dessen Ausgang dass Überleben der menschlichen Rasse abhängt, nun mal nicht der Sinn nach schöngeistigen Dingen steht. Zudem spielen Zivillisten eine eher untergeordnete Rolle, so dass sich auch die Dialoge größtenteils auf militärische Begriffe beschränken. Im wesentlichen bedeutet dies, vorbereiten auf die Schlacht, das Ausfechten und die Erholung davon. Eine Identifikation mit den Protagonisten dürfte den meisten Lesern daher recht schwer fallen, es sei denn, man ist zufällig General oder sonst ein hoher Offizier. Andererseits gelingt es dem Autor trotz allem eine glaubwürdige Romanze in die Handlung einzubringen, die in den Kriegswirren logischerweise etwas distanzierter daher kommt. Da es sich um die Beziehung zwischen einem hohen Militär und einer Wissenschaftlerin handelt, sorgen die krassen Gegensätze beider Partner für interessante Dialoge, bei denen beide ihre Standpunkte glaubwürdig zu vertreten wissen.

Geniale Umsetzung

Letztendlich stimmt einfach alles. Glaubwürdige Protagonisten in einer ebensolchen Handlung die dabei immer vorstellbar bleibt. Hervorragende Dialoge und ein überaus exzellenter Schreibstil beeindrucken von der ersten bis zur letzten Seite. Zwar gibt es im zweiten Teil/Band ein paar kleinere Durchhänger, wirklich langweilig wird es jedoch nie. McCollums enormes Hintergrundwissen verleiht diesem Epos schließlich den letzten Schliff und macht den „;Antares-Krieg“; zur Pflichtlektüre für alle ernsthaft interessierten Science Fiction-Fans. Auch wenn sich der Roman zeitweise liest wie das Handbuch einer Militär-Akademie, über das Ziel schießt McCollum niemals hinaus. Nette und romantische „;Sternenfahrer“; mit Forscherdrang, die auf ihren Exkursionen sympathischen Aliens begegnen oder hübsche, fremdartige Welten besuchen, sollte man allerdings nicht erwarten. Auf den über 900 Seiten der Trilogie geht es grundsätzlich nur um eines, einen interstellaren Krieg, geführt von nüchternen Militärs, an deren Seite alle agierenden Zivilisten nur eine untergeordnete Rolle spielen. Ein Vernichtungskrieg zwischen zwei intelligenten Spezies, bei dem nur die totale Vernichtung des Gegners im Raum steht, ohne die Aussicht auf eine friedliche Koexistenz.

Zwar begeht der Autor in seinem dritten Teil schon fast einen Stilbruch, indem er plötzlich und unerwartet auf eine diplomatische Lösung hoffen lässt, besinnt sich dann aber glücklicherweise wieder und schafft es, ein grandioses, glaubwürdiges und zufriedenstellendes Finale abzuliefern. Nicht etwa, dass gegen eine diplomatische und friedliche Lösung etwas einzuwenden gewesen wäre, dies hätte jedoch das Verhalten der „;Ryall“; komplett auf den Kopf gestellt und sie all ihrer Glaubwürdigkeit beraubt, die der Leser im Laufe einer langen Geschichte bezüglich der Mentalität dieser fremdartigen Rasse gewonnen hat. Kurz, es hätte einfach nicht gepasst. Um bei dem Thema „;Ryall“; zu bleiben, diese sind etwas gewöhnungsbedürftig und es dauert seine Zeit, bis der Leser eine anfängliche Skepsis gegenüber dieser Spezies abgelegt haben dürfte. Mein erster Gedanke war, dass diese Wesen eher in ein Fantasy-Szenario passen, zum Beispiel „;Herr der Ringe“;. Mit der Zeit kristallisiert sich aber immer mehr heraus, dass das äußere Erscheinungsbild der „;Ryall“; nur eine untergeordnete Rolle spielt und der Schwerpunkt der Betrachtung dieser kriegerischen Rasse auf deren Mentalität und Beweggründen liegt. Dass der unbändige Hass der „;Ryall“; gegenüber den Menschen auf eine genetisch fixierte Reaktion zurückzuführen ist, wird zu einer äußerst interessanten These. Erst zum Ende hin wird dem Leser wirklich bewusst, mit welcher eiskalten und unbarmherzigen Logik die „;Ryall“; ihren Standpunkt vertreten. Ein gelungenes Finale, das dennoch viel Raum für Spekulationen lässt. Irgendwie möchte man dann doch, dass es weitergeht, ein neues Kapitel beginnt und so etwas wie ein „;Ryall-Zyklus“; entsteht. Wer weiß, vielleicht werden wir in 16 Jahren mehr erfahren, wenn es Michael McCollum plötzlich überkommt und er seine Leser mit einem weiteren Band „;Menschheit vs. Ryall“; überrascht. Träumen darf man ja.

Fazit

Der „;Antares-Krieg“; ist weitaus mehr als eine „;handelsübliche Space Opera“;. Dieser Roman gehört für mich zu den wenigen, denen es gelingt, Maßstäbe zu setzen und es somit anderen Autoren der Military-Science-Fiction nicht gerade einfach macht, gleichwertiges abzuliefern. Wer über Military-Science-Fiction mitreden, diskutieren oder schreiben möchte, der kommt an diesem monumentalen Meisterwerk nicht vorbei. Für mich persönlich einer der besten Science Fiction-Romane die ich bisher gelesen habe.

Ihre Meinung zu »Michael McCollum: Der Antares-Krieg«

Restitutus zu »Michael McCollum: Der Antares-Krieg«16.02.2009
Das Grundkonzept scheint von den Postspielen der 80er-Jahre wie "Starweb" entlehnt zu sein, in denen mehr oder weniger regelmäßige Netze ganze Sternsysteme direkt miteinander verbinden. Erfreulicherweise ist dies die einzige naturwissenschaftliche Spekulation, die McCollum mit Erfolg verwendet: Seine Raumschiffe böllern nicht durch den Weltraum wie Tie-Fighter, sondern benehmen sich als Fahrzeuge, die mechanischen und energetischen Beschränkungen unterworfen sind und bleiben, zumal der Autor auf die im Genre so beliebte künstliche Gravitation verzichtet. Außerdem sind zumindest die ersten beiden Teile trotz des kriegerischen Szenarios erfreulich arm an Gefechtshandlungen, der Schwerpunkt liegt dagegen auf der Erkundung des Gegners und dem Versuch, den abgerissenen Kontakt zur Erde wieder herzustellen. Dies wird immer wieder begleitet von technischen und physikalischen Erläuterungen, an denen der Realismus suchende Leser seine Freude haben wird.
Leider geht gerade in diesen Abschnitten die deutsche Übersetzung des öfteren so daneben, dass sie mehr verwirrt als Klarheit schafft.

Charakterzeichnung ist dagegen nicht gerade McCollums Stärke. Insbesondere dem dritten Teil/Band merkt man auch den großen zeitlichen Abstand zu den Vorgängern an, denn er fällt in der Qualität erheblich ab. Entwirft McCollum in jenen noch interessante Protagonisten, verwischen sich in diesem die kulturellen Unterschiede zwischen Altanern, Sandarern und Erdmenschen zur Unkenntlichkeit. Die Figuren gleichen sich so sehr einander an, dass man sie praktisch nicht mehr unterscheiden kann. Die außerirdischen Ryall werden letztlich vollkommen demontiert, vom anfänglich übermächtigen Gegner bleiben fast harmlose Hanswurste zurück. Sie stellen für den Autor ohnehin ein Problem dar, denn ihre Gewohnheit, in anderen Intelligenzen Fressfeinde zu sehen, wird zwar viel erörtert, aber kaum vermittelt. Man spürt als Leser nicht, dass bei ihnen wirklich eine so fundamentale Denkbarriere vorliegen soll, wie sie ihnen unterstellt wird.

Obendrein bleiben zwischen 2. und 3. Teil taustarke lose Fäden zurück, z. B. erweist sich die Aufgeschlossenheit der Ryall Varlan für Bethanys "ketzerische" Gedanken im 2. Teil als reine Heuchelei, im 3. dagegen ist sie auf einmal aufrichtig, ohne dass der Autor die Wandlung erklärt. Da lacht man nur noch über den überaus wandlungsfähigen Protagonisten, der im ersten Teil Richard Drake, im zweiten Richard Arthur Drake und im dritten Arthur Richard Drake heißt...

Trotzdem ist die Trilogie insgesamt lohnenswert für den, der SF vor realistischem Hintergrund mag.

Eine Beobachtung übrigens am Rande: Ich habe den ersten Teil in der Originalausgabe von 1986 gelesen; damals waren die militärischen Rangbezeichnungen der Altaner noch ins Deutsche übersetzt worden, im Sammelband stehen sie dagegen durchgehend auf Englisch. Obendrein sind einige Halbsätze in der Neuausgabe der Zensur zum Opfer gefallen.
H.S. zu »Michael McCollum: Der Antares-Krieg«14.09.2008
Military-Science-Fiction ? Was hat man da zu erwarten ? Gigantische Raumschlachten, ein interstellares menschliches Imperium, dass sich wagemutig einer bösartigen außerirdischen Zivilisation stellt ? Reichlich Helden Mythos, militärischen Pathos, martialische Charaktere, die nur ihre Ehre im Sinn haben ? Und das alles auch noch von einem amerikanischen Autor ? Ob das gut gehen kann…..
Es kann !
Doch erst einmal von vorne:
Für seine Antares-Trilogie hat sich Michael McCollums eine interessantes Regelwerk zurechtgelegt; interstellare Reisen sind nur über den Eintritt in “Faltpunkte” möglich, das sind festgelegte Orte in Sonnensystemen, die durch eine Gravitationsverwerfung entstehen und Sonnensysteme verbinden. Der besiedelte Bereich des menschlich besiedelten Weltalls ist durch solche Faltpunkte, miteinander verbunden, die den reisenden oft nur über Zwischenstationen an sein Ziel führen. Zu große Bereiche des Weltalls gibt es gar keine Faltpunkt-Verbindung, sie bleiben unerforscht. Als Der Riesenstern Antares erlischt verschwinden auch die Faltpunkt Verbindungen der besiedelten Welt Alta. Der Planet bleibt für über hundert Jahre von der restlichen menschlichen Hegemonie abgeschnitten. Dies scheint sich geändert zu haben, als ein fremdes Raumschiff im System Altas auftaucht. Ein Schiff des Planeten macht sich auf die Reise um das fremde Schiff abzufangen. Das Abenteuer beginnt…..
….. und erzählt dem gewillten Leser über drei ca. 300 Seiten starke Bände eine spannende Story, die die eine oder andere Überraschung parat hat, jedoch nie allzu kompliziert wird. Einfach, übersichtlich, meist gradlinig, sind Begriffe, die einem für eine Beschreibung der Story zuerst einfallen. Das ist jedoch nicht schlecht. Es gibt nur zwei Hauptchraktere deren Erlebnisse der Leser verfolgt. Nur selten weicht McCollum auf einen anderen Charakter aus und das auch nur um Dinge erzählen zu können, zu denen seine Hauptcharaktere keinen Zugang haben. Das macht diese Story so unkompliziert, die Romane aber auch süffig lesbar. Auch die Liebesgeschichte entwickelt sich relativ unkompliziert und zeigt zwei liebenswerte Charaktere in einer meist unblutigen Handlung. Alles in allem eignet sich diese Trilogie somit auch für jüngere Leser.
Die oben angesprochenen Befürchtungen erfüllen sich so gut wie gar nicht. Jeder Band enthält nur eine größere Raumschlacht und gerade der Dritte befasst sich eingehend mit den Gründen, für den Konflikt zweier so verschiedener Spezies.
Erstaunlich ist der zeitliche Abstand, in dem die Bücher verfasst wurden: 1986/1987 und 2003. Dabei schließt die Handlung von Band drei direkt an die des zweiten Bandes an.
Unterm Strich eine interessante Geschichte. Absolut lesenswert !
Walter zu »Michael McCollum: Der Antares-Krieg«20.10.2007
Der Roman ist sehr gut geschrieben und sehr spannend. Dazu ist er recht informativ, handelt es sich doch um einen der eher seltenen SF-Romane, die sich relativ eng an die physikalische Wahrheit halten. Abgesehen von der Reise durch Wurmlöcher werden keine von der derzeitigen Wisssenschaft als nicht möglich angesehene Zukunftsmöglichkeiten unterstellt. Weder hüpfen die Raumschiffe quasi trägheitslos durch die Sonnensysteme, noch wird gebeamt oder ein überlichtschneller Antrieb bemüht. Dadurch erhält der Leser einen Eindruck davon wie denn Raumschlachten in der Zukunft tatsächlich einmal aussehen könnten.
Ihr Kommentar zu Der Antares-Krieg

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.