Die magische Bibliothek von Michael Siefener

Buchvorstellungund Rezension

Die magische Bibliothek von Michael Siefener

Originalausgabe erschienen 2006, 231 Seiten.ISBN 3935901097.

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In Kürze:

Der Rechtsanwalt und Büchernarr Albert Moll wird auf die Burg des undurchsichtigen Grafen Roderich gerufen, um mit diesem ein Testament aufzusetzen. Dabei stößt er auf zwei betörende Frauen und den Hinweis auf eine wertvolle magische Bibliothek, die auf der Burg verborgen sein soll. Eine Bibliothek, von der er schon immer geträumt hat. Und bald steckt er mitten in Ereignissen, die den Geschichten Stokers, Blackwoods, Lovecrafts und Poes entsprungen sein könnten …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Siefener stellt die Zitate in den Dienst seiner eigenen Geschichte“80

Horror-Rezension von Elmar Huber

„Was bliebe ihm, wenn er die Literatur nicht mehr hätte? Die Literatur des Unwirklichen, Überwirklichen, Phantastischen? Sie war sein einziger Rettungsanker in dieser Welt, die er nicht verstand und die ihn nicht verstand.“

Der Anwalt Albert Moll ist auf dem Weg zum Schloss des geheimnisvollen Grafen Roderich von Blankenstein in der Eifel. Dieser möchte sein Testament aufsetzten. In Kyllburg angekommen fühlt sich Moll mehr und mehr wie ein Protagonist in einem seiner geliebten phantastischen Nachtstücke. Gleich zwei Frauen schlagen den Anwalt in ihren Bann und er erfährt von einer geheimen Bibliothek im Schloss des Grafen, die voll sein soll mit den geheimnisvollen Büchern aus seinen verehrten Geschichten.

Ein Spiel mit Realität und Fiktion

Bereits der Beginn, die Zugfahrt Albert Molls, zeigt die Richtung des Romans an. Eine Parallelmontage mit den ersten Zeilen von Bram Stokers „Dracula“, in dem Jonathan Harker einen ähnlichen Weg beschreitet, zieht den geneigten Leser sofort in seinen Bann. Auch bietet der phantastisch-romantisch verklärte Moll, der gerne die Weltflucht in seine geliebten Bücher antritt, sofort Identifikationspotential für den ebenso veranlagten Leser. Zumindest bei mir hat das blendend funktioniert.

Sofort nach der Ankunft in Kyllburg verdichtet sich die Atmosphäre merklich und es ereignen sich unerklärliche und unheimliche Zwischenfälle, die Albert Moll zu betreffen scheinen. Es bleibt allerdings unklar, ob diese Geschehnisse nur Kurzschlüsse in Molls vorbelastetem Gehirn sind oder ob es sich um reale Ereignisse handelt.

Ab etwa der Hälfte des Romans häufen sich phantastische Episoden, die nicht mehr der Geschichtenentwicklung und der Atmosphäre dienen sondern selbstzweckhaft wirken, einfach um noch eine phantastische Idee unterzubringen (Metzgerei, Liebesnacht mit Ilse).

Am Ende führt Michael Siefener die Geschichte allerdings mit einem Trick, der zwar nicht neu ist, hier aber doch überraschend kommt, wieder gut zusammen. Dies ist ein wesentlicher Pluspunkt gegenüber einiger anderer Siefener-Geschichten, die am Ende einfach zerfasern und den Leser ratlos stehen lassen.

„Schreibe über das, was du kennst“

Michael Siefener ist, wie Albert Moll, ebenfalls promovierter Rechtswissenschaftler, der seine Berufung allerdings seit Jahren im Schreiben phantastischer und historischer Romane gefunden hat. Überhaupt reiht sich Albert Moll nahtlos in die Riege der siefenerschen Helden ein. Der Autor benutzt gerne selbst Autoren oder – wie hier – Juristen als Hauptpersonen, die sich schicksalgebeutelt gerade in einer neuen, fremden und teils befremdlichen (Lebens-)Situation wiederfinden. Just zu diesem Zeitpunkt bricht das Übernatürliche, zunächst zurückhaltend, dann immer stärker und bedrohlicher, über sie herein. Dabei ist Albert Moll kein gutgebauter Supermann, der dem Grafen einfach vors Schienbein tritt, sondern ein tapsiger, duckmäuserischer und leicht weltfremder Charakter, der nur beim Eintauchen in phantastische Welten er selbst sein kann.

Die Nennung einzelner phantastischer Werke, aus denen Siefener seine Inspiration für „Die magische Bibliothek“ bezieht, ist dem Thema des Romans angemessen. Er setzt sich auch weniger dem Vorwurf des Plagiatismus aus, indem er einfach zugibt, wo er sich bedient hat. Siefener plagiiert auch nicht einfach, sondern stellt die Zitate in den Dienst seiner eigenen Geschichte. Die Nennung einzelner Personen, (etwa Kalju Kirde, der Herausgber der „Bibliothek des Hauses Usher“) dagegen, die nur eingefleischten Phantastiklesern bekannt sein dürften, wirkt schulmeisterlich, lässt den Lesefluss etwas stocken und das Fehlen wäre niemandem aufgefallen. Das Ganze präsentiert der Autor in einer geschliffenen, leicht antiquierten Sprache, die perfekt zu Figuren und Handlung passt und einen nicht unerheblichen Teil zur Atmosphäre beiträgt.

„Die magische Bibliothek“ ist in Boris Kochs kleiner aber feiner Edition Medusenblut erschienen. Für das Coverartwork ist Thomas Franke verantwortlich, der schon anderen Bände der Edition Medusenblut und jüngst Uwe Voehls „Totenmeer“ mit seinen faszinierenden Collagen veredelt hat.

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