Die Zeichen der Finsternis von Michael Siefener

Buchvorstellungund Rezension

Die Zeichen der Finsternis von Michael Siefener

Originalausgabe erschienen 2010, 470 Seiten.ISBN 3940077852.

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In Kürze:

Ein finsterer Schatten fällt über das beschauliche Leben des Philosophie-Professors Victor Leclerc, als einer seiner Kölner Kollegen durch einen Sturz aus dem Fenster den Tod findet. Die Polizei legt den Fall ungewöhnlich rasch als Selbstmord zu den Akten, doch die Assistentin des Toten glaubt beharrlich an ein Verbrechen und bittet Victor um Hilfe. Er findet bald heraus, dass sein Kollege offenbar bereits in Vorahnung seines eigenen Todes eine kryptische Spur gelegt hat, die Victor in ein wahres Labyrinth von Rätseln führt. Gegen seinen Willen wird er in eine gefahrvolle Suche verwickelt, die immer größere und erschreckendere Dimensionen annimmt. Seine Suche nach der Wahrheit führt ihn ins schottische Hochmoor und nach Paris, in die finsteren Gassen von London und nach Rom. Welche Rolle spielt der undurchsichtige Jesuit, der sich unerbittlich an seine Fersen heftet? Was hat es mit dem geheimnisvollen Kloster Lautenbach in der Eifel auf sich, in dessen Vergangenheit sich schreckliche Dinge ereignet haben? Was verbirgt sich hinter dem gespenstischen Geheimbund der Quaeriten, in dessen Fänge Victor gerät? Als Victor sich schließlich auf der blutigen Spur der Wahrheit nähert, ist es für ihn schon viel zu spät, um sich aus dem Strudel der furchtbaren Ereignisse zu befreien …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Siefener behält die Fäden in der Hand“75

Horror-Rezension von Elmar Huber

„Aus dem Visitationsbericht geht nicht hervor, ob die schlimmen Gerüchte um das Kloster von den Franzosen oder von Einheimischen herrührten. Jedenfalls machte sich der Provinzial die Mühe, das unter Fremdherrschaft stehende Kloster zu besuchen. Dabei scheinen einige sehr unangenehme Dinge zur Sprache gekommen zu sein, die in dem Bericht nur angedeutet werden. Offenbar wurden Gelder veruntreut, einige Mönche waren angeblich besessen, und Unkeuschheit war nicht unbekannt. Es wurde sogar von Satansmessen gemunkelt. Und dann waren da die seltsamen Todesfälle.“

Kurz nachdem sein Freund und Kollege Peter Haenseling beim Essen rätselhafte Andeutungen gemacht hat, stürzt dieser sich aus dem Fenster seines Büros direkt vor die Füße von Victor Leclerc. Obwohl die Polizei – nicht zuletzt aufgrund eines Abschiedsbriefs – den Fall als Selbstmord abhakt, glaubt Leclerc nicht an den Freitod seines Freundes. Der schwarze Schatten, den er in Haenselings Büro gesehen hat, kurz bevor dieser durch das Glas gebrochen ist, geht dem Philosophieprofessor nicht mehr aus dem Kopf. Bald darauf erhält Leclerc einige Dokumente aus dem Besitz seines Freundes, die ihn in höchste Gefahr bringen. Es gilt, vier Reliquiare zu finden, die in den falschen Händen Verderben und Vernichtung bedeuten. Für Leclerc beginnt eine rätselhafte und lebensgefährliche Schnitzeljagd quer durch Europa, denn nicht nur ein undurchschaubarer Jesuitenpater folgt seiner Spur, sondern auch die Mitglieder der Quaeriten, angeblich halbstoffliche Wesen, die einem Teufelskult angehören.

„Auf einem menschlichen Körper, der in einem eleganten Zweireiher steckte, saß ein zotteliger Bockskopf mit beeindruckendem Gehörn. Verstohlen schaute Victor auf die Füße des Wesens und erwartete bereits, auch einen Bockshuf zu sehen, doch stattdessen sah er nichts anderes als teure Maßschuhe“

Auch mit „Die Zeichen der Finstenis“ bewegt sich Michael Siefener auf bekanntem Terrain. Die Themen und Motive, die er verwendet, kennt man bereits aus seinen anderen Romanen (Klöster, klerikale Rätsel, Reliquien), doch der Autor zieht die Geschichte hier wesentlich weiter auf, als er es bisher je getan hat.

„Die Zeichen der Finsternis“ dürfte Michael Siefeners massentauglichster Roman sein. Was Heyne einst mit dem verschachtelten „Nonnen“ vergeblich probiert hat, nämlich diesen Autor einem breiten Publikum schmackhaft zu machen, könnte mit „Die Zeichen der Finsternis“ leicht gelingen. Siefener beweist, dass er auch über einen langen Handlungsspielraum die Fäden in der Hand behalten kann. Keine Spur mehr von den einzelgängerischen Sonderlingen, die seine Geschichten ansonsten bevölkern. Auch die teils gestelzte Ausdrucksweise, die seine Geschichten ansonsten zu einer etwas gekünstelten Angelegenheit für Eingeweihte werden lassen, ist hier einem mehr flüssigen und gefälligen Schreibstil gewichen, der das Buch zu einem wahren Pageturner macht.

Trotz aller Annäherung an den Massengeschmack lässt sich die „siefenersche“ Grundhaltung der Personen nicht verleugnen. Obschon kein Sonderling, zögert Victor Leclerc beispielsweise lange, als es darum geht, moralische Bedenken zugunsten der Lust über Bord zu werfen. Etwas, was in einem Mainstreamroman wohl so nie passieren würde. Wer allerdings der Meinung ist, Siefener sei – trotz aller Phantastikverbundenheit – ein Autor, der in seinen Geschichten konservative Werte predigt, wird hier ebenfalls eines Besseren belehrt. Seinem Helden stellt er unterstützend eine lesbische Freundin zur Seite, die im Verlauf des Romans selbst ihre große Liebe findet.

Was Michael Siefener außerdem aus dem Gros der Verschwörungsautoren heraushebt, ist die Tatsache, dass er das Garn gut kennt, aus dem er seine Geschichte spinnt, ist er doch promovierter Rechtsgelehrter, der sich ausgiebig mit Kirchengeschichte beschäftigt hat. Ein Heimvorteil, den man dem Roman anmerkt, denn die Rätsel und Ausführungen über die Reliquiare und die Ereignisse im Kloster Lautenbach wirken weder aufgesetzt noch fadenscheinig und fügen sich mühelos in die Story ein. Die phantastischen Elemente dagegen wirken mitunter wie Verlegenheitslösungen, um bestimmte Situationen aufzulösen. Nicht nur hier erinnert „Die Zeichen der Finsternis“ an „Die neun Pforten“, wo das Ende den Zuschauer ebenfalls etwas ratlos zurück lässt.

Der Roman ist in schöner Aufmachung als Paperback mit Klappbroschur von KBV erhältich, wo auch schon Michael Siefeners „Phantastische Eifel-Romane“ erschienen sind. Außergewöhnlich und positiv auffällig sind auch die verwendeten Schriftarten, das einwandfreie Schriftbild und der saubere Satz.

Michael Siefeners „Die Zeichen der Finsternis“ ist eindeutig ein Roman der Post-Illuminati-Ära, doch mit genügend eigenen Ideen, angenehmer Courage und ohne den reißbretthaften Aufbau sonstiger Rätsel- und Verschwörungsthriller. Auch wenn die phantastischen Elemente etwas holprig wirken, kann der Roman aufgrund seiner Eigenständigkeit und Aufmachung überzeugen.

(Elmar Huber, Januar 2012)

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