Die Bibliothek der Schatten von Mikkel Birkegaard

Buchvorstellungund Rezension

Die Bibliothek der Schatten von Mikkel Birkegaard

Originalausgabe erschienen 2009unter dem Titel „Libri di Luca“,deutsche Ausgabe erstmals 2010, 512 Seiten.ISBN 3-442-20362-7.Übersetzung ins Deutsche von .

»Die Bibliothek der Schatten« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Luca Campellis Wunsch, umgeben von seinen geliebten Büchern zu sterben, ging an einem späten Oktoberabend in Erfüllung. Dass Bücher mehr vermögen, als nur Geschichten zu erzählen, war Luca Campelli schon lange bewusst. Als er an diesem Abend in seinem Antiquariat »Libri di Luca« zu lesen beginnt, spürt er einmal mehr ihre magische Kraft – doch schon wenige Minuten später ist er tot. Sein Sohn Jon will mit dem Geschäft zunächst nichts zu tun haben, aber sehr schnell kann er die mysteriösen Ereignisse nicht mehr ignorieren, die um ihn herum passieren. Und er ist fassungslos, als er die Wahrheit über seinen Vater erfährt: Luca Campelli versammelte regelmäßig Menschen um sich, die eine besondere Gabe verband. Eine Gabe, die auf wundersame Weise die Welt verändern könnte und die dazu die Macht der Bücher nutzt. Doch nun will jemand diese geheime Gesellschaft vernichten. Und Jon ahnt, dass er es mit einem Gegner zu tun hat, der ihm weit überlegen ist …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der gar nicht so kühle Vorleser aus dem hohen Norden“70

Mystery-Rezension von Carsten Kuhr

Mitten in Kopenhagen liegt der Tempel aller Bücherliebhaber, das Antiquariat Libri di Luca. Seit Generationen von der aus Italien stammenden Familie Campelli geführt, warten hier liebevoll restaurierte Erstausgaben ebenso wie weitgereiste Taschenbücher auf ihren Leser. Abends, nach Ladenschluss versammelt der Antiquar Luca Campelli immer wieder Menschen um sich, denen er aus seinen literarischen Schätzen vorliest. Seine Lesungen zeichnen eine ungewöhnliche Intensität aus, die Zuhörer werden förmlich ins Geschehen der Bücher hineingezogen.

Eines Oktoberabends, als Luca von einer Geschäftsreise nach Hause kommt, findet er in der Vitrine einen neuen bibliophilen Schatz vor. Leopardis „Operette morali“ in einer wunderbar erhaltenen Erstausgabe steht plötzlich und unerwartet in der Vitrine. Der Geruch, die Erhaltung, das Buch selbst verzaubert den Antiquar. Als er beginnt, im Werk zu lesen, erliegt er seiner Gabe. Etwas oder vielleicht jemand zieht ihn weit über seine Grenzen hinaus in den Text, sein Herz setzt aus, der geachtete und beliebte Antiquar stirbt so, wie er es sich immer gewünscht hat, inmitten all seiner Bücher.

Zur Beerdigung erscheinen nicht nur Kunden und Freunde des Verblichenen, auch sein Sohn Jon, der seit Jahren keinen Kontakt mehr zu seinem Vater hatte, gibt dem Verblichenen die letzte Ehre. Auch wenn der erfolgreiche Anwalt mit dem Erbe seines Vaters zunächst nichts zu tun haben will, wird er in der Folgezeit immer tiefer in Ereignisse verwickelt, die sich allein mit dem gesunden Menschenverstand nicht erklären lassen.

Ihm wird offenbart, dass es Menschen gibt, die mit ihrer besonderen Gabe des Vorlesens anderea nicht nur einen Text intensiv vermitteln können, sondern in der Lage sind, Menschen durch ihre besondere Art des Vortrages ganz gezielt zu beeinflussen. Die so genannten Lettores können Texte so akzentuieren und aufladen, dass sie das Erleben des Zuhörers und seine Einstellung zum Vorgelesenen beeinflussen, ja beherrschen können. Andere, Zuhörer genannt, beherrschen die Gabe jedes laut oder auch still gelesene Wort geistig empfangen zu können.

Nur zu bald bemerkt Jon, dass er es nicht mit Spinnern oder Verrückten zu tun hat, sondern mit Menschen, die nicht nur ihre Liebe zu Büchern und der Literatur zusammenführt, sondern die auch verantwortungsvoll mit ihrer Gabe umgehen. Doch längst nicht alle, die die Begabung ihr eigenen nennen, sind so vorsichtig und integer. Jemand hat seinen Vater bewusst ermordet, und Jon will wissen wer und warum. Die Jagd nach dem Täter und Motiv bringt ihn auf die Spur der Schattenorganisation …

Ein Buch nicht nur für bibliophile Krimifans

Krimis aus Skandinavien haben in den letzten Jahren die Bestsellerlisten bei uns gestürmt. So ist es kein Wunder, dass der zu Random House gehörende Page & Turner-Verlag sich die Rechte an einem der interessantesten dänischen Bestseller gesichert hat. Der Romanerstling vereint in exemplarischer Art und Weise eine Kriminalhandlung mit phantastischen Elementen und einer dem Buch innewohnenden, immer spürbaren Liebe zur Literatur und dem Medium Buch.

In einem Markt, der von Action-Thrillern und Büchern über Serienkiller förmlich überflutet wird, schlägt der Autor einen etwas ruhigeren Ton an. Gelassen, fast nordisch unterkühlt stellt er uns seinen Protagonisten Jon vor. Zunächst sehen wir in ihm nur einen erfolgshungrigen Anwalt, in dessen Leben außer seiner Arbeit wenig wirklich wichtig ist. Ein Workaholic, der innerlich vereinsamt ist, kaum soziale Kontakte, schon gar keine echte Freunde hat und dessen Beziehung zu seiner Familie – die Mutter beging vor Jahren Selbstmord – gestört ist. Dass ein solcher Mensch sich – der Familientradition folgend – den Büchern zuwenden würde, ist wenig wahrscheinlich.

Und wirklich, zunächst ist der Yuppie ganz Rationalist, will das Erbe am liebsten ausschlagen oder versilbern, um nur ja nichts mit dem ihm fremden Vater zu tun zu haben. Erst die Begegnung mit den Freunden seines Vaters und die Ungereimtheiten bringen ihn dazu, sich näher mit den Geschehnissen zu beschäftigen.

Als Anwalt merkt er, wenn etwas nicht stimmig ist, lässt ihn sein fast schon detektivischer Spürsinn nicht ruhen. Auch wenn er zunächst die Existenz der Lettores leugnet, muss er sich später dem selbst Erlebten beugen. Sein Ehrgeiz wird erst richtig geweckt, als sich ein ungeliebter Mandant von ihm einmischt. Der Druck, den dieser ausübt, weckt sein Misstrauen, in der Folge taucht er immer tiefer in die Geheimnisse der Lettores und der Schattenorganisation ein.

Das ist zwar ganz die übliche Frage nach dem „Who Did It“, doch diese eigentlich gängige Suche nach dem Täter wurde so geschickt in eine phantastische Handlung verpackt, dass diese den Leser und Buchliebhaber nicht mehr loslässt. Versiert baut der Autor Rätsel und Wendungen ein, überrascht mit Eröffnungen, sowohl was die Kindheit Jons und dessen Verhältnis zu seinem Vater als auch die Geschichte der Lettores anbelangt und steigert kontinuierlich die Spannung. Mord, Verrat, Geheimgesellschaften und Verschwörer, all das endlich einmal, ohne dass die katholische Kirche bemüht werden muss, das liest sich spannend und aus einem Guss. Kein Wunder, dass das dem Verlag unverlangt eingesandte Manuskript sofort angekauft und zwischenzeitlich in nicht weniger als 17 Länder verkauft wurde. Die Filmrechte wurden von der angesehenen Nordisk Film erworben.

Ihre Meinung zu »Mikkel Birkegaard: Die Bibliothek der Schatten«

tedesca zu »Mikkel Birkegaard: Die Bibliothek der Schatten«10.11.2011
Dieses Buch ist ein absolutes Vergnügen für alle, die gerne über Bücher lesen und über die Macht des geschriebenen Wortes. Wenn man sich an etwas Mystik und ein paar winzigen Ungereimtheiten nicht stört, kann man 500 Seiten lang in der Welt der Literatur versinken.
"Libri di Luca" ist genau diese Art von Antiquariat, das wir Bücherfreunde uns wünschen, an dem wir nie vorbeigehen können. Birkegaard schildert es mit viel Liebe und Detailtreue, sodass es schnell vor dem geistigen Auge real wird. Ebenso einfühlsam geht er mit seinen Charakteren um, die sich plötzlich im Mittelpunkt eines schrecklichen Planes wiederfinden und verbissen darum kämpfen, sich selbst und letztendlich die Welt vor größerem Schaden zu bewahren.
Die Szenerie wechselt von Kopenhagen nach Alexandria, in die neu gebaute Bibliothek, dem modernen Zentrum des Wissens, wo es zu einem gigantsichen Showdown kommt.
Ich hab das Buch fast in einem durchgelesen - ein spannendes Leseerlebnis auf feinem sprachlichem Niveau.
Bibliothekarin zu »Mikkel Birkegaard: Die Bibliothek der Schatten«08.11.2011
Eine Mischung aus "Tintenherz" von Cornelia Funke und "Sakrileg" von Dan Brown : Vorleser und Zuhörer mit besonderen Fähigkeiten, Geheimgesellschaften. Ein Pageturner wie er sein sollte. Realitätssinn sollte man natürlich nicht erwarten, das wäre ja auch etwas langweilig für so ein Buch. Die Idee ist toll und die vielen "wirklichen" Bücher in der Geschichte sind für jeden Literaturliebhaber eine wahre Freude.
Sagota zu »Mikkel Birkegaard: Die Bibliothek der Schatten«12.06.2011
Noch 'n Zusatz an Skurrilität:
Diesem Buch habe ich 6 Monate "hinterhergespürt" - es wurde in der hiesigen Bibliothek angeschafft und war sogleich verschwunden (...), trotz Vorbestellung bis heute nicht auffindbar oder zurückgegeben worden, so dass ich es mir selbst kaufen musste - bereut habe ich es nicht, bei diesem Inhalt eine wahre, aber skurrile Nebenstory... ;-)
Sagota zu »Mikkel Birkegaard: Die Bibliothek der Schatten«12.06.2011
Ich schließe mich der Meinung meines Vorredners an: für Buchliebhaber ein sehr interessantes, wenn auch etwas skurriles Buch - die Idee ist gut, jedoch fehlt es für meine Begriffe doch an Realitätssinn bei der Aufspaltung von "Sendern" und Empfängern ... oder auch der "Aufladung" eines Buches ... - es sind Grenzwertigkeiten, mit denen der Autor jedoch geschickt umzugehen weiß und die die Lektüre spannend und interessant machen - empfehlenswert ..... von mir 78 Punkte
Torsten zu »Mikkel Birkegaard: Die Bibliothek der Schatten«29.10.2010
Die Grundidee auf die das Buch aufbaut ist wirklich faszinierend und macht das Buch auch wirklich sehr interessant . Als Krimi betrachtet ist es besonders zum Ende hin doch etwas sehr einfach und auch nicht so besonders glaubwürdig, aber die vielen Wendungen und Auflösungen der diversen aufgebauten Fragen lassen einen trotzdem immer gespannt weiterlesen. Eine wirkliche Empfehlung nicht nur für Phantastik-Fans sondern für Buchliebhaber und auch für Krimileser.
Ihr Kommentar zu Die Bibliothek der Schatten

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.