Skinner - Der blaue Tod von Neal Asher

Buchvorstellungund Rezension

Skinner - Der blaue Tod von Neal Asher

Originalausgabe erschienen 2002unter dem Titel „The Skinner“,deutsche Ausgabe erstmals 2003, 720 Seiten.ISBN 3-404-23258-5.Übersetzung ins Deutsche von Thomas Schichtel.

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In Kürze:

Auf dem entfernten Wasserplaneten Spatterjay, der außer tödlichen Gefahren kaum etwas zu bieten hat, kreuzen sich die Schicksale dreier Menschen: Janer wird vom allumfassenden Computersystem dorthin beordert, sein Auftrag ist unklar. Erlin reist ebenfalls nach Spatterjay, um einen alten Kapitän zu finden, der ihr einige Fragen über ihr Leben beantworten soll. Und Keech, Agent der ECS und seit 700 Jahren tot, sucht auf der Wasserwelt nach einem notorischen Kriminellen. In den Tiefen des Ozeans wartet ein mythologisches Ungeheuer auf sie: Skinner, der blaue Tod…

Das meint phantastik-couch.de: „;Für immer fressen und gefressen werden“;85

Science-Fiction-Rezension von Frank A. Dudley

Wer ein Universum erfindet, der kann viel erzählen: In „;Skinner – Der blaue Tod“; führt Neal Asher seine Leser zurück in die Polis aus „;Der Drache von Samarkand“;. Asher hat die Historie der Polis mittlerweile mit viel Tiefe ausgestattet, was der Originalität seiner brillanten Ideen immer wieder zu Gute kommt.

Ein simpler, aber wirkungsvoller Einfall ist etwa, ewiges Leben als Ergebnis einer Virusinfektion darzustellen. Auf dieser Kernidee basiert die Ökologie auf dem Planeten Spatterjay, wo das Leben brutal und erbarmungslos ist, jedoch keinesfalls kurz. Die dominante Lebensform auf der Wasserwelt Spatterjay sind Blutegel, die ihre Jagdopfer mit einem Virus infizieren. Mit der Folge, dass ihre Körper Verletzungen oder gar regelrechte Entleibungen immer wieder regenerieren, sie also immer wieder gefressen werden können und quasi unsterblich sind. Die Bewohner von Spatterjay, die seefahrenden Hooper sind fast alle mit dem Virus infiziert und somit nicht nur gegen Krankheiten, sondern auch gegen Beschuss aus mittelschweren Laserwaffen gefeit: Löcher im Körper wachsen zu, abgeschossene Körperteile sprießen erneut. In diesem biologischen Perpetuum Mobile wird auch nicht gejagt oder gefischt, Tiere werden geerntet.

Ist ein Körper jedoch erst einmal wie im Falle von ECS-Spezialagent Sable Keech im biologischen Sinne tot, so helfen nur noch Maschinen. Sein Lebenslicht erlosch bereits 800 Jahre bevor die Handlung einsetzt, doch die hochentwickelte Humanmedizin der Polis kannte bereits damals eine Methode, die Vita auch scheinbar hoffnungsloser Fälle in die Unendlichkeit zu führen. Keech ist eine sogenannte Reifikation, ein mittels Maschinenmuskeln und KI-Anschluss wandelnder Toter, der stets einen diskreten Verwesungsgeruch verbreitet, obwohl er sich mehrmals täglich Frischhalte-Lösung durch die eigene Leiche pumpt. Der wahre Antrieb für den Spezialagenten ist allerdings Rache, und zwar an dem Piraten Jay Spatter, der vor rund 800 Jahren den nach ihm benannten Planeten zur Ausgangsbasis für seine Raubzüge gemacht und Keech getötet hat. Doch der Piratenkapitän hat sich auch verändert, er ist zum monströsen und mythischen Skinner mutiert.

Ein Leben am Abgrund des Daseins

In seinem ersten Roman hat Neal Asher spekuliert, was mit Menschen passieren kann, die technologisch entweder auf- oder abrüsten. Sein Ergebnis war, dass es auf den Charakter ankommt. In Skinne – Der blaue Tod  meditiert der englische Autor über die Frage, welche Dissonanzen ewiges oder wenigstes extrem langes Leben im Charakter auslösen kann. Immerhin sind nur die wenigsten seiner Figuren unter hundert Jahre alt. Einige haben  ein paar Sträußchen auszufechten, einige suchen Stimulation, andere den Tod – offensichtlich aus Überdruss.

Der Planet Spatterjay ist eine Low-Tech-Welt, hier wird auf hölzernen Schiffen noch mit Wind gesegelt und Schrotbüchsen geschossen. Der Einsatz dieser archaischen Fortbewegungsmittel bremst an vielen Stellen die Geschwindigkeit der Handlungsstränge und bildet einen Gegensatz dazu, wie Hi-Tech sich dennoch langsam den Weg auf die Wasserwelt am Rande der Polis bahnt, auch in Form von menschenfressenden Aliens. Mitunter nimmt diese erzählerische Verlangsamung dem Leseschwung im wahrsten Sinne des Wortes den Wind aus den Segeln, aber sie zeigt auch gleichzeitig, dass Action für Asher mittlerweile Teil der Handlung ist und nicht mehr ihr Mittelpunkt wie noch in Der Drache von Samarkand.

Mit der These „;Leben als Krankheit“; markiert Asher einen radikalen Standpunkt, doch dieses Extrem ist der Stoff für facettenreiche Charaktere wie Keech und seine Mitspieler. Eine stärkere Injektion Lebensgeister macht auch die Nebenfiguren so interessant, dass die insgesamt organische Besetzungsliste den kraftvollen und komplexen Plot abrundet.

Fazit. Asher hat den Einsatz in Skinner – Der blaue Tod deutlich erhöht – zum Gewinn seiner Leser.

Ihre Meinung zu »Neal Asher: Skinner - Der blaue Tod«

Sebastian zu »Neal Asher: Skinner - Der blaue Tod«04.08.2017
Vor ca. 7 jahre ging es mir sehr schlecht und um nicht an die Realität denken zu müssen wurde ich zum Bücherverschlinger. Im Krankenhaus irgendwo in einem Buchregal fand ich dann dieses Meisterwerk das ca. 600 Seiten hatte. Durch meine lange Krankheit verbrachte ich bis zu 18 Stunden am Tag mit Lesen und wurde immer schneller dass ein 600 bis 800 Seitenbuch noch am gleichen Tag verschlungen wurde. Als ich dann Den Blauen Tod Anfing zu lesen war ich wirklich richtig beigeistert eine Begeisterung die noch 7 Jahre später anhält. Ich lass es in den nächsten 3 Tagen 4 mal und musste mich zwingen es nicht immer wieder zu lesen, da diese Geschichte so vielseitig und spannend aufgebaut ist. Ich war trotz des mehrfachen Lesens hintereinander nie gelangweilt und fühlte mich einfach in dieser Roman Welt wohl und habe bis dahin und auch bis heute noch nie soviel verschiedene und sehr gut zusammenpassende fast endlos viele Themen und Ideen der sciene fiction wiedergefunden. Jahre Lang musste ich immer wieder an dieses Buch denken. 10 von 5 Sternen
Andreas zu »Neal Asher: Skinner - Der blaue Tod«15.09.2014
Die Welt, auf der die Handlung spielt, ist sehr beeindruckend. Durch ein Virus sind alle Lebewesen nahezu unsterblich, Körperteile und Organe wachsen z.B. ohne Probleme wieder nach. Trotzdem ist die Welt extrem gefährlich, denn die Tierwelt hat sich an die "Selbstheilung" angepasst und interessante Strategien entwickelt. Diese Umstände werden einem immer wieder vor Augen geführt und jede Unachtsamkeit wird gnadenlos bestraft. Zu Beginn eines jeden Kapitels wird der ewige Kreislauf des Lebens weitergesponnen und Jäger werden zu Opfern.
Auf diesem Planeten leben die Hooper, ziemlich zähe Seefahrer von denen einige mehrere hundert Jahre alt sind und eine außergewöhnliche Stärke erworben haben. Einer von ihnen ist mutiert zum Skinner, einem 4 Meter großen Lebewesen das seinen Opfern bevorzugt die Haut abzieht. Endlich wurde beschlossen, die Gefahr ein für allemal zu beseitigen und ihn zu töten.
Auf diese Welt führt das Schicksal von 3 Menschen zusammen. Keech ist ein lebender Toter, künstlich am Leben gehalten und eine sogenannte Reifikation. Er sucht nach verurteilten Verbrechern, um seine Aufgabe zu beenden. Erlin war schon vor Jahren auf Splatterjay und sucht den Kapitän Ambel, ihre eigentlichen Absichten bleiben lange unklar. Der dritte ist Janer, verbunden mit einer "Schwarmintelligenz" ist er auf der Suche nach Abenteuern.
Eigentlich sind alle Zutaten für ein gute Geschichte vorhanden. Die Welt ist einzigartig und wird detailiert dargestellt. Viele interessante Zutaten verleihen dem ganzen zusätzlich Würze, z.B. verschiedene Kriegsdrohnen, die außerirdischen "Prador", der "Hüter", Frisk und das "Sprine". Leider ist das Ergebnis "nur" durchschnittlich geworden. Zum einen nimmt sich Neil Asher zu wenig Zeit für seine Haupt-Charaktere. Keech, Erlin und Janer bleiben über weite Strecken blass und zeigen wenig Gefühl. Gleich der Einstieg ist etwas merkwürdig, Erlin setzt sich einfach zu den anderen beiden und fragt sie aus, ohne ein wirkliches Gespräch zu führen. Asher braucht sie anscheinend nur, um die Story zusammenzuhalten.
Richtig in Fahrt kommt die Geschichte, als Kapitän Ron mit seinem Schiff aufbricht. Die Seefahrerei und die gnadenlos gefährliche Welt lassen richtig Atmosphäre aufkommen und entschädigen für die trockenen ersten Seiten. Die Hooper haben alle ihre Macken und wirken auf angenehme Weise lebendig, kleine Gesten verraten, wie lange sie sich schon kennen und dieses Gefühl überträgt sich auch auf den Leser.
Mit Einführung der Prador, eine sehr eigenartige außerirdische Rasse, wird auch die Handlung spannender. Die Prador sind hervorragend ausgearbeitet und von uns völlig verschiedenen. Hier zeigt sich das wahre Talent von Neil Asher, bis ins kleinste Detail entspricht jede Aktion genau dem Naturell der jeweiligen Maschine/Person/Alien und an keiner Stelle hat man das Gefühl, dass etwas nicht zusammenpasst. Dieser farbige Hintergrund ist es, der einem auch später noch lange Zeit im Gedächtnis bleibt.
Ungefähr 200 Seiten vor Schluss erreicht das Buch seinen Höhepunkt, von da an heißt es "Bühne frei für Action, Action und nochmals Action" was mich ziemlich gelangweilt hat. Das Segel "Windtäuscher" und die Drohne "Sniper" sind noch ganz amüsant, aber ich hätte mir eine intelligentere Auflösung der Geschichte gewünscht - Potential war genug vorhanden.
Mit Jack Vance, wie der Klappentext suggeriert, kann das Buch nicht mithalten. Allenfalls die exotische und unvergessliche Welt lässt einen Vergleich zu, aber die Handlung lässt den gewissen Esprit vermissen. Was hätte man aus diesem Szenario alles machen können - schade! Trotzdem lohnt es sich, Neal Asher im Auge zu behalten.
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