Diamond Age - Die Grenzwelt von Neal Stephenson

Buchvorstellungund Rezension

Diamond Age - Die Grenzwelt von Neal Stephenson

Originalausgabe erschienen 1995unter dem Titel „The Diamond Age“,deutsche Ausgabe erstmals 1996, 575 Seiten.ISBN 3-442-45154-X.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Jahrzehnte in der Zukunft, im diamantenen Zeitalter. Der geniale Nanotechniker John Percival Hackworth erhält den Auftrag, die „;Illustrierte Fibel für die junge Dame“; zu entwickeln, ein Supercomputer in Form eines Nanobuchs, mit dem ein mächtiger Großindustrieller seine Enkeltochter erziehen möchte – ein Buch, das Mutter, Kindermädchen, Kindergarten und Schule ersetzen und das Mädchen zur Rebellin – zwecks Verbesserung der Welt im Sinne der herrschenden Klasse! – erziehen erziehen soll. Als Hackworth eine illegale Kopie der Fibel meistbietend an die Chinesen verscherbeln will, fällt diese Nell, einem kleinen Mädchen aus der Unterschicht von Shanghai, in die Hände. Als sich Nell in das in der „;Fibel“; verborgene Informationsnetzwerk einloggt, beginnt sich nicht nur ihr Leben für immer zu verändern…

Das meint Phantastik-Couch.de: „Ein phantastischer Blick in die (mögliche) Zukunft“96

Science-Fiction-Rezension von S.B. Tenz

Mitte des 21. Jahrhunderts. Alle Nationalstaaten sind zerfallen. Die alten, kulturellen Stätten der Welt überleben bestenfalls noch als nostalgische Freizeitparks für Touristen. New Chusan, Chinesische Küstenrepublik, entsteht. Ein Nest der Korruption und Intrigen, umgeben von zahlreichen künstlichen Inseln, deren Gebiete in einzelne Klaven unterteilt sind und von unterschiedlichen Stämmen bewohnt werden. Wobei jeder für sich seinen eigenen Gesetzgebungen und Protokollen folgt.

Das Zeitalter der Nanotechnologie ist angebrochen. Diese ermöglicht es, fast jeden Wunsch zu erfüllen und bestimmt schon längst das Leben der Menschen. Ein gigantisches Informations- und Überwachungsnetz protokolliert sämtliche Vorgänge innerhalb der einzelnen Klaven.

Einer, der großen Anteil am Aufbau dieses Netzes hat, ist der geniale Nanotechniker John Percival Hackworth, der mit seiner Familie in der Klave New Atlantis lebt. Dort spielt der gesellschaftliche Status noch immer eine bedeutende Rolle. In New Atlantis werden die gesellschaftlichen Unterschiede in der Formgebung der Nachrichtenübermittlung deutlich. Nur die höchsten gesellschaftlichen Schichten erhalten ihre Nachrichten auf mit Tinte beschriebenem Papier in Form der Times. Gedruckt auf einer antiken Presse, die jeden Morgen etwa einhundert Exemplare herstellt. Eine solche auf Papier gedruckte Times bekommt John P. Hackworth zwar nicht, dafür aber immerhin alle Nachrichten, die seinem gesellschaftlichen Status angemessen sind.

Hackworth ist mit seinem Leben recht zufrieden, hält sich an die Protokolle und ist darüber hinaus ein loyaler Mitarbeiter seiner Firma. Alles geht seinen gewohnten Gang, bis zu dem Tag, als Hackworth einen ganz besonderen Auftrag erhält.

Die Erstellung einer „;Illustrierten Fibel für die junge Dame“;. Ein interaktives Lehrbuch, daß sich auf wundersame Weise auf seinen Leser einstellt und ihn über viele Jahre hinweg mit Wissen und Informationen versorgt. Das Wissen, dass der Leser sich auf diese Weise aneignet, ist von unschätzbarem Wert. Wen wundert es da, daß es lediglich der herrschenden Klasse vorbehalten ist, ein solches Erziehungsprogramm zu besitzen. Hackworths Wunsch, seiner kleinen Tochter ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk zu machen, läßt ihn jedoch alle guten Vorsätze vergessen.

Er verstößt gegen alle Regeln seiner Kaste, als er sich eine illegale Kopie der Fibel anfertigen läßt. Zu diesem Zweck begibt er sich in das obskure Atlantis/Schanghai und trifft dort auf den mysteriösen Dr. X, mit dessen Hilfe es ihm schließlich gelingt, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Überglücklich macht er sich auf den Weg zurück nach New Atlantis, nicht ahnend, daß er zu diesem Zeitpunkt längst zum Spielball politischer Machenschaften geworden ist. Eine Bande jugendlicher Straftäter überfällt ihn, wobei die Kopie der Fibel verloren geht und in die Hände der kleinen Nell gerät. Sie erlebt eine phantastische Geschichte, dringt dabei immer tiefer in die unglaublichen Geheimnisse der Fibel ein und langsam beginnen die Dinge und die Welt sich zu verändern.

Für John Percival Hackworth jedoch beginnt ein Albtraum, der über jede menschliche Vorstellungskraft hinausgeht.

Technologie, Mystik und religiöser Fanatismus liegen eng beieinander

Neal Stepehnson stellt mit „Diamond Age“ auch diesmal wieder unter Beweis, wie intellektuell herausfordernd Science Fiction auch heute noch sein kann. Ein Roman, der mehr als nur zu fesseln vermag und darüber hinaus eine Prophezeiung zukünftiger Ereignisse, die von Seite zu Seite immer mehr an Glaubwürdigkeit gewinnt. Wer über Science Fiction mitreden will, kommt an Diamond Age nicht vorbei.

Kernpunkt der Story ist die Entwicklung der Nanotechnologie, die das Leben und agieren der Menschen in allen Bereichen entscheidend beeinflußt und verändert hat. Dabei war die kulturelle Frage, was damit gemacht werden sollte, weitaus wichtiger als die, was damit gemacht werden konnte. Ein gefährlicher Gedanke, der sich über alle Protokolle und Moralvorstellungen hinwegsetzt.

Ein völlig neues Mediennetz ist errichtet, wodurch es der Regierung unmöglich geworden ist, finanzielle Transaktionen zu überwachen oder zu kontrollieren. Dadurch wird das Steuersystem hinfällig und gehört der Vergangenheit an. Besonders beeindruckend sind die vielen Details, die immer wieder Parallelen zu bekannten historischen Ereignissen aufweisen. Da werden Erinnerungen an die Boxeraufstände in China oder an Mao’s Kulturrevolution wach.

Faszinierend das Kapitel, in dem er auf eindrucksvolle Weise das grundlegende Funktionsprinzip der legendären „;Turing-Maschine“; beschreibt. (Allan M. Turing erfand in den 30er Jahren die Turing-Maschine, Vorreiter der künstlichen Intelligenz.) Der aufmerksame Leser ließt auch zwischen den Zeilen und geht dabei auf Entdeckungsreise, ohne den eigentlichen Spaß an der Geschichte zu verlieren. Die Dialoge finden auf hohem Niveau statt und runden das ganze zu einem Roman ab, der auch höchsten Ansprüchen gerecht wird. Für mich persönlich, vielleicht das beste an Science Fiction, was ich in den vergangenen Jahren gelesen habe.

Fazit: Ein phantastischer Blick in die (mögliche) Zukunft. Die Phantasie des Autors sprengt alle Grenzen, gepaart mit technischem Sachverstand schafft er ein Meisterwerk der Science Fiction Literatur, das zu keiner Zeit den Eindruck erweckt, als würde es bloß aus zusammengetragenem Stückwerk einer aufwendigen Recherche bestehen. Ein Roman, der zurecht mit dem „;Hugo Award“; ausgezeichnet wurde. Neil Stephenson hat einen Kultroman geschaffen, der ihn zu einem der ganz großen Science Fiction Autoren unseres Jahrhunderts macht.

Sicher kein einfacher Roman, der nach der ganzen Aufmerksamkeit des Lesers verlangt. Ein verwirrendes und unlogisch erscheinendes Puzzle, daß sich auf 600 Seiten langsam zusammensetzt und am Ende ein völlig neues Bild von einer Welt ergibt, in der hochentwickelte Technologie, Mystik und religiöser Fanatismus eng beieinander liegen. Der Titel „;Diamond Age“; entpuppt sich schließlich als ironische Metapher und bezeichnet eine Welt, in der technologische Errungenschaften das Maß aller Dinge und Gedanken lediglich Teil eines gigantischen Informationsnetzes sind.

Ihre Meinung zu »Neal Stephenson: Diamond Age - Die Grenzwelt«

Johgel zu »Neal Stephenson: Diamond Age - Die Grenzwelt«08.01.2009
Ein wirklich beeindruckendes Buch. Nicht ganz so schnell und fesselnd wie "Snowchrash", aber auf jeden Fall eines der Bücher welche einen neuen Blick auf Dinge eröffnen. Außerdem verarbeitet es mehr Ideen als manche geschätzte Autoren in 3 Büchern haben.

Die Geschichte wird über einen Zeitraum von mehrerern Jahren erzählt. Dadurch das die Zeitsprünge so beiläufig geschehen - Zack auf einmal sind 2 Jahre rum und eigentlich wird darüber dann auch nicht berichtet - ensteht eine sehr eigenartige Geschwindigkeit in der Entwicklung der Charaktere. Mal wird lange an einen Abend verbracht und dann im nächsten Kapitel ist es einige Jahre später und man stutzt wie das passieren konnte.

Die Hauptrolle in dem Buch komme eigentlich der Fibel zu. Ich war immer sehr gespannt wie es die Geschichte von Nell weitererzählt. Und alleine die Idee, die hinter diesem Buch steht ist das Lesen wert.

Best Supporting actor ist die Nanotechnologie. Viele Möglichkeiten der Anwendung werden aufgezeigt und auch wenn einige sehr hanebüchen sind machen sie sehr viel Spaß.

Das Ziel der Geschichte wird tatsächlich erst kurz vor Ende enthüllt. Es wirkte leider auf mich daher etwas konstruiert und ich hatte dann doch einen besseren Abgang erwünscht. Aber das ist schnell vergessen, da die Geschichte einfach sonst sehr gut ist.

Schön ist auch der beschriebene Kulturencocktail. Stephenson gibt sich hier wirklich viel Mühe verständlich zu machen, welche kulturellen Zwänge sich daraus ergeben. Für manche Leser sind hier bestimmt auch zu esoterische Komponenten vorhanden

Als Fazit ergibt sich nur. Ein Science Fiction für den gehobenen geistigen Anspruch mit einer Ideenexplosion und trotz allem auch einer gesunden Portion Spannung.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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