American Gods - Director´s Cut von Neil Gaiman

Buchvorstellungund Rezension

American Gods - Director´s Cut von Neil Gaiman

Originalausgabe erschienen 2001unter dem Titel „American Gods“,deutsche Ausgabe erstmals 2015, 672 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Hannes Riffel.

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In Kürze:

Als Shadow aus dem Gefängnis entlassen wird, ist nichts mehr wie zuvor. Seine Frau wurde getötet, und ein mysteriöser Fremder bietet ihm einen Job an. Er nennt sich Mr. Wednesday und weiß ungewöhnlich viel über Shadow. Er behauptet, ein Sturm ziehe auf, eine gewaltige Schlacht um die Seele Amerikas. Eine Schlacht, in der Shadow eine wichtige Rolle spielen wird …Eines der meistbeachteten Bücher des letzten Jahrzehnts: eine kaleidoskopische Reise durch die Mythologie und durch ein Amerika, das zugleich unheimlich vertraut und völlig fremd wirkt. Erstmals ungekürzt auf Deutsch und komplett neu übersetzt.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die alten Götter in der Neuen Welt“94

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Neil Gaiman ist Kult – kaum ein Autor, der international bei Kritikern wie Kollegen und seinem Publikum so geschätzt wird, wie der Brite. Doch selbst bei einem solchen Schwergewicht der Phantastik ist es bemerkenswert, wenn ein Verlag die Kosten auf sich nimmt, ein bereits – immerhin als Hardcover – erschienenes Werk neu übersetzen zu lassen. Hannes Riffel, einer der versiertesten Kenner der Materie hat sich an die Aufgabe begeben, der Eichborn-Verlag, der zur Lübbe-Gruppe gehört, legt das dicke Paperback rechtzeitig vor der Urlaubszeit auf. Würde das Buch die Kosten und die Aufmerksamkeit rechtfertigen, die ihm Verlag und Übersetzer haben angedeihen lassen, das war die Frage, die sich mir stellte.

Nun, drei Tage und vier Nächte später muss ich dem Werk attestieren, dass die Fachleute zur Abwechslung einmal wirklich nicht zu viel versprochen haben! Den Leser erwartet eine Achterbahnfahrt durch ein Amerika, das er oberflächlich betrachtet kennen mag, das aber doch ganz anders ist, als erwartet.

Beginnen wir am Anfang.

Shadow sitzt im Knast. Wegen Körperverletzung, er hat seine zwei Komplizen vermöbelt, weil diese ihm seinen Anteil an der Beute aus einem Überfall vorenthalten wollten. Nun hat er ein Jahr seiner drei Jahre abgesessen, und soll wegen guter Führung vorzeitig entlassen werden. Zwei Tage vor dem Termin wird er zum Direktor gerufen – seine Frau ist, den Schwanz seines künftigen Arbeitgebers und besten Freundes im Mund (O-Ton!), tödlich verunglückt.

Auf dem Flug nach Hause begegnet Shadow im Flugzeug einem zunächst unsympathischen alten Mann. Mr. Wednesday wie dieser sich nennt sucht nach einem Fahrer und Bodyguard. Nur zu bald beginnt Shadow zu ahnen, dass er einen Fehler gemacht hat, als er den Job annahm. Mr. Wednesday offenbart sich als gealterte Inkarnation des Göttervaters Odin, der quer durch Amerika reist, um seine Mitgötter von der Notwendigkeit eines Krieges gegen die neuen Götter des Technologiezeitalters zu überzeugen. Die Götterschlacht, Armageddon steht an, doch zunächst gilt es die Truppen zu rekrutieren und zu motivieren.

Auf ihrem Weg begegnet Shadow den mangels Anbetung durch Gläubige im Elend dahinvegetierende Götter der alten Welt, wird gefangen gesetzt, von seiner untoten Frau aus den Klauen einer Geheimorganisation befreit und begegnet skurrilen Gestalten zuhauf. Nach über 600 Seiten schliesst sich dann der Kreis, Shadow entscheidet über das Schicksal des Götterpantheon´s – und deckte einen riesigen Schwindel auf.

Ein wunderbar intelligenter Roman über den American Way of Life

Neil Gaiman hat einen dicken Roman verfasst – ich erwähnte es bereits. Ein recht kleiner Satzspiegel, grosses Format, es wartet eine Menge Text auf den Leser. Und doch war die Lektüre nie langatmig, lies mich kaum einmal aus ihrem Bann. Einige wenige Einschübe, in denen Gaiman uns von der Ankunft der Götter in den Vereinigten Staaten berichtet, schienen mir überflüssig, ansonsten bietet sich der Text rund und spannend an.
In eindrucksvollen Bildern, die einen nicht mehr loslassen portraitiert Gaiman treffend den „American way of life“. Er, der gebürtige Engländer, präsentiert uns ein Land, das keine Zeit für Götter hat, übt unterschwellig und doch pointiert Kritik an einer Kultur, die von einer kurzfristigen Unterhaltung zur nächsten zappt. Seine Personen, Götter wie Menschen, sind allesamt Unikate, vielschichtig gezeichnet, liebevoll beschrieben, die man nicht mehr vergisst.

In dem Schmelztiegel Amerika vermischten sich nicht nur Menschen aus aller Welt, auch deren Götter kamen ins neue, verheissene Land. Doch in der kurzlebigen Zeit, die durch den Computer, Konsum und Mobilität bestimmt wird aber werden die alten Götter nur zu schnell vergessen, versinken in der Bedeutungslosigkeit. Neue Götter, die Anbetung des Erfolges, des Geldes, sie bestimmen das Leben der Menschen, die alten Werte haben ausgedient.
In unzähligen Geschichten in der Geschichte präsentiert er uns schlaglichtartig Facetten einer Kultur die fast nur im hier und heute lebt, die ihre Herkunft leugnet, und an ihren eigenen Machtträumen scheitert – der Irakkrieg zeigt dies nur allzu deutlich.
Teils Road-Movie, teile Agententhriller, Detektivroman dann wieder ein wenig an Pratchetts Scheibenwelt-Romane oder Tom Holts Titel erinnernd, legt Gaiman einen faszinierenden Plot vor, der, mit Ausnahme eines etwas abfallenden Finales, den Leser zu fesseln weiß.

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