Leseprobe

Niemalsland von Neil Gaiman

Buchvorstellung und Rezension

  • Fantasy
  • Science-Fiction
  • Horror
  • Mystery

Originalausgabe erschienen 1996 unter dem Titel Neverwhere, deutsche Ausgabe erstmals 1997 , 365 Seiten. ISBN 3-453-13757-4. Übersetzung ins Deutsche von Tina Hohl.

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In Kürze:

Unter den Straßen Londons gibt es in verlassenen U-Bahnhöfen und Geisterzügen, Katakomben und Kanälen eine bizarre Welt zwischen Wirklichkeit und Traum – bevölkert von Ungeheuern und Heiligen, Mördern und Engeln, Rittern in eiserner Rüstung und leichenblassen Schönheiten in schwarzem Samt. Im Niemalsland erlebt der junge Londoner Geschäftsmann Richard Mayhew, was jemandem passiert, der einem fremden, verletzten Mädchen auf der Straße zu Hilfe eilt…

Das meint Phantastik-Couch.de: „Urban Fantasy – besonders urban“ 86

Fantasy-Rezension von Eva Bergschneider

Das erstmals 1997 in deutscher Sprache erschienene „Niemalsland“ von Neil Gaiman gilt schon fast als ein Klassiker der Fantasy, man weiß nur nicht genau, von welchem Subgenre. Gehört er zur humoristischen Fantasy, den Märchen für Erwachsene oder doch zu einer leichteren Variante der Dark-Fantasy?

Jedenfalls beruht „Niemalsland“ (orig.: „Neverwhere“) auf der gleichnamigen BBC-Serie, für die der Autor die Drehbücher schrieb. Die TV-Serie war leider nicht einmal in England besonders erfolgreich, dagegen machte das Buch „Niemalsland“ Gaiman bei einem weltweiten Fantasy-Publikum populär.

City of London – Downtown

Richard Mayhew ist ein verspielter Spinner, der Trolle auf seinem Computerbildschirm sammelt und Chaos um sich verbreitet. Dennoch ist er als Broker erfolgreich und hat sich sogar eine gute Partie angelacht. Jessica plant, ihren Verlobten ihrem Chef, einem bedeutenden Kunstmäzen, vorzustellen. Auf dem Weg zum Treffpunkt stolpern sie über eine verletzt auf dem Asphalt liegende junge Frau. Richard beschließt, zu helfen, transportiert das Mädel heim und sich selbst damit in ein vollkommen anderes Leben.

Door, so heißt die geheimnisvolle Besucherin, kommuniziert mit Ratten und wird von zwei finsteren Typen gejagt. Sie verspricht dem kurzerhand entlobten Richard, sich möglichst schnell aus dem Staub zu machen, sobald er einen Freund von ihr aufgetrieben hat, einen Penner, der sich als Marquis de Carabas vorstellen wird. Door und ihr Begleiter sind tatsächlich bald wieder verschwunden, doch sie scheinen Richards Leben mitgenommen zu haben. Seine Bankkarten sind ungültig, sein Job existiert nicht mehr, keiner seiner Freunde und Kollegen kann ihn sehen oder hören.

Also bleibt Richard nichts übrig, als den beiden zu folgen – in die aberwitzige Welt Unterlondons, wo Kinder auf Brücken entschwinden, Kriegerinnen Ungeheuer jagen und ein wandelnder Markt ein mehr als bizarres Angebot offeriert.

Ein Potpourri an Mysterien und Akteuren

Die Idee ist ganz klassisch Urban Fantasy: Ein ganz normaler Durchschnittstyp gerät durch Zufall in eine phantastische Welt, die parallel zur realen existiert. Das, was Neil Gaiman aus dieser Idee gemacht hat, ist weniger klassisch, sondern vielmehr schillernd, bizarr, düster und komisch zugleich.

Da gerät ein Wertpapierhändler, der eigentlich für dieses Londoner „Business-Class“-Leben viel zu nett ist, an ein Mädel aus einer Welt voller bizarrer Wunder und Gestalten, die die U-Bahnschächte bevölkern. Sein Leben im London unserer Tage endet und so folgt er Door in ihre Welt. In dieser Unterwelt präsentiert der Autor einen derartigen Ideenreichtum, das man sich im Nachhinein wundert, wie das alles auf gut 360 Seiten Platz finden konnte.

Es treten unzählige Fantasyfiguren und spezielle Individuen auf. Einige spielen nur kurzzeitig eine wichtige Rolle und verschwinden abrupt wieder, andere huschen nur vorbei, wenige begleiten Richard und Door bis zum Ende. Zu letzteren zählen Mr. Croup und Mr. Vandermar, zwei bösartige Berufsmörder und Sadisten, die bereits Doors Familie auslöschten und nun Jagd auf das Mädchen machen. Andere Personen, wie z.B. der Marquis oder der Engel Islington sind nicht so leicht zu durchschauen. Was sie alle auszeichnet, ist die liebevolle Überzeichnung, die der Autor seinen Figuren angedeien ließ, viele sind außerdem für Knalleffekte und skurrile Überraschungen gut.

Man könnte fragen, ob in dieser Fülle an Figuren und Phänomenen auch noch genug Raum für eine gute Geschichte ist. Die Antwort darauf müsste eindeutig jein lauten. Ja, weil Gaiman nicht nur eine spannende Quest an originellen Schauplätzen erzählt, sondern auch noch eine Krimihandlung, nämlich die Suche nach dem Auftraggeber des Mordes an Doors Vater unterbringt. Nein, weil man tatsächlich einen stringenten Aufbau und oft auch den roten Faden vermisst.

Das schmälert das Lesevergnügen allerdings nicht, denn die Geschichte wird stets voran getrieben und fasziniert durch Gaimans märchenhaft poetischen und zynisch-witzigen Stil. Da stößt man auf lauernde Kerzen und Ereignisse, die Feiglinge sind, weil sie immer in Rudeln auftreten. Freuen Sie sich auf englische humoristische Phantastik vom Feinsten. Was Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“-Reihe für die Science-Fiction und Terry Pratchetts „Scheibenwelt“-Romane für die klassische High-Fantasy sind, nämlich einzigartige Parodien ihres Genres, ist Neil Gaimans „Niemalsland“ für die moderne Fantasy.

Ihre Meinung zu »Neil Gaiman: Niemalsland«

Sonny zu »Neil Gaiman: Niemalsland« 03.12.2009
Wie bereits mehrfach erwähnt, würde auch ich dieses Buch als Märchen für Erwachsene bezeichnen.
Gelockt hatten mich die durchweg positiven Bewertungen nebst Klappentext. Gerechnet hab ich bei dem Hinweis auf ein „Unter-London“ mit Kreaturen wie Ghule und ähnlich bekannte Wesen. Bekommen hab ich eine Menge neuartiger Wesen.
Diese werden vom Autor gut in eine nicht all zu spannende, aber nette Geschichte verpackt. Die Charaktere sind ausreichend, aber nicht ausführlich dargestellt. Deren Verhalten und Aussagen sorgen alle paar Seiten für teils makabere Lacher.
Unterm Strich gibt’s gut unterhaltene 85°.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Alexander Lippert zu »Neil Gaiman: Niemalsland« 29.10.2009
Ich bin der Meinung , dies ist mehr als gut erzählt . Man kann sich die Figuren ausmalen und vorstellen . Die Killer von Doors Vater sind genial in ihrer Gelassenheit zu töten .
Matthew ist leichtgläubig und läuft im Laufe der geschichte zur Höchstform auf . Die Geschichte fesselt und faziniert gleichermaßen .
Kann aus Stadust von Gaiman empfehlen .
Alexi1000 zu »Neil Gaiman: Niemalsland« 08.07.2009
Mein erster Roman von Gaiman. Was soll ich sagen, ich bin total begeistert. Das Buch entführt uns in eine Parallel- bzw. Fantasiewelt unter den Straßen Londons. Mann muß sich zwar erst ein bisschen reinlesen, aber dann packt es einen richtig.
Auch ich muß hier nochmal die Bösewichte Croup und Vandemar hervorheben, die mir sehr nachdrücklich in Erinnerung geblieben sind. Die sind fast schon etwas zu böse für dieses Buch.

Ansonsten sehr spannend geschrieben und für Leute die gerne düstere Fantasy lesen zu empfehlen, vergebe gute 90°.
Desiree zu »Neil Gaiman: Niemalsland« 07.05.2009
Niemalsland oder Neverwhere ist zu einem meiner Lieblingsbüchern geworden. Ich muss jedoch hinzufügen, dass ich das Buch in Englisch gelesen habe- was natürlich etwas ganz anderes ist. Außerdem bin ich kurz darauf nach London gefahren- Eindrücke der Stadt, die Anspielungen auf die Londoner Tubestations und die Stadt an sich- zu wissen, ich stehe an einem Handlungsort des Buches, war echt klasse und unbeschreiblich. Wenn man London gesehen hat, versteht man das Buch viel besser.
mase zu »Neil Gaiman: Niemalsland« 04.04.2009
Ich stehe auf Parallelwelten und Handlungen, in denen sich unsere Welt mit der anderen schneidet. Diese Parallelwelt, unter den Strassen Londons anzusiedeln, in den alten U-Bahnschächten und still gelegten Stollen finde ich ebenso gelungen wie stimmungsvoll und Gaiman beschreibt die Wanderungen durch diese dunklen feuchten Gänge gekonnt.

Mit Mr. Croup und Mr. Vandemar hat Gaiman zwei gewissenlose Bösewichte geschaffen, wie sie erschreckender nicht sein können. Killer die dem Opfer ins Gesicht lachen und sich höflich für die Folter entschuldigen sind wirklich übel. Mit ihren langen schwarzen Mänteln erzeugten diese beiden eindrückliche Bilder in meinem Kopf.

Jedoch musste ich bei vielen Fantasieelementen aufgeben, weil sie mir zu abgedreht oder verspielt waren. Das packt mein Vorstellungsvermögen einfach nicht. Ich denke dabei z.B. an Earls Court. Solche Bilder erinnern mich an Kinderbücher und passen für mich einfach nicht in eine solche Geschichte.

Ein richtig grosses Problem hatte ich, dass sich lange hielt. Ich fragte mich immer wieder um was es eigentlich bei „Niemalsland“ geht. Der Plot ist in meinen Augen sehr wirr und unausgegoren und wenn ich jemandem die Handlung bis Seite 250 beschreiben müsste, käme ich arg ins stocken. Danach kam Licht ein mein Dunkel.

Im Endeffekt hat das Buch Spass gemacht und der Autor wird gemerkt, aber ganzheitlich konnte mich „Niemalsland“ nicht überzeugen. Es war mir persönlich zu viel Alice im Wunderland.
Frank zu »Neil Gaiman: Niemalsland« 04.01.2009
Gaiman`s "Niemalsland" gehört zu meinen absoluten Favoriten. Sowohl die Charaktere als auch die Beschreibung des "doppelten" Londons sind grandios gelungen. Allerdings hätte das Buch etwas umfangreicher sein dürfen, da hätte ich gerne mehr gelesen. Ein faszinierender Ritt durch die Genres und vorbehaltlos zu empfehlen.
Djamena zu »Neil Gaiman: Niemalsland« 04.01.2009
Ein feines Märchen für Erwachsene, mit liebenswerten Charakteren, herrlich zynischen Bösewichtern und einfallreichen Schauplätzen, gewohnt witzig in Szene gebracht und in dem typischen Gaiman Stil kurz aber doch poetisch geschrieben.
Wie auch in Stardust erkennt der Held am Ende der Geschichte, wer die richtige Frau für ihn ist und kehrt der gewöhnlichen Welt den Rücken zu.
Das Buch ist gut geeignet für ein schönes Winterwochenende, das man gemütlich mit Lesen verbringen will.
Johgel zu »Neil Gaiman: Niemalsland« 07.10.2007
Ein wirklich klasse Buch!
Die Beschreibung der Parallelwelt und Ihrer Bewohner ist sehr lebendig und es macht richtig Spaß den Streifzug durch diese Welt mitzuerleben.
Sollte ich mal nach London kommen, werde ich bestimmt meine Augen offen halten.
K.-G.Beck-Ewe zu »Neil Gaiman: Niemalsland« 30.04.2007
Richard Mayhew ist ein einfacher junger Mann ohne besondere Eigenschaften und Fähigkei-ten. Aus einem kleinen Dorf in Schottland stammend arbeitet er nun in einer Londoner Versicherungsfirma und ist zu seiner eigenen Überraschung mit der sehr attraktiven und dominierenden Jessica verlobt, die ihn regelmäßig durch irgendwelche Ausstellungen und Museen schleift. Er führt ein überaus ereignisfreies Leben und hat die Wahrsagung einer alten Dame, der er in einem heftigen Regen einen Schirm geschenkt hat, bevor er Schottland verließ schon ganz vergessen. In dieser Wahrsagung wurde ihm gesagt, dass er sich vor Türen hüten müsse.

Eines Tages, als er mit Jessica zu einem wichtigen Essen mit ihrem Boss unterwegs ist, stol-pert er im wahrsten Sinne des Wortes über eine schwer verletzte junge Frau und trotz Jessicas Ermahnung beschließt er der jungen Frau zu helfen und das Essen mit dem wichtigen Mann fahren zu lassen. Dies führt innerhalb der nächsten 12 Stunden zur Auflösung ihrer Verlobung. Doch das ist Richard zu diesem Zeitpunkt eigentlich ziemlich egal, denn in dieser Zeit hat er bereits mit einigen Ratten gesprochen, einen seltsamen Obdachlosen für seinen Gast ausfindig gemacht, der sich als ein Marquis erweist und ist am nächsten Morgen von einem Herrn Croup und einem Herrn Vandermar besucht worden, die die junge Dame – deren Name bezeichnenderweise Door (Tür) ist – dringend gesucht haben und hat einige überaus spannende Albträume gehabt. Als der Marquis und Door endlich aus seiner Wohnung verschwunden sind ist er fast erleichtert, sein übliches langweiliges Leben wieder aufzunehmen.

Doch das erweist sich als gar nicht so einfach, denn in seinem normalen Leben scheint er gar nicht mehr zu existieren. Der Bankautomat erkennt ihn und seine Bankkarte nicht mehr, in der U-Bahn wird er weder von den Kartenautomaten noch von den Verkäufern registriert und auch auf seiner Arbeitsstelle scheint er nicht mehr vorhanden zu sein. Als er in seiner Wohnung in der Wanne sitzt kommt ein Makler mit einigen Mietinteressenten herein um die Wohnung weiter zu vermieten und der in der Wanne sitzende Richard wird von den drei Leuten gar nicht wahrgenommen. Verzweifelt begibt dieser sich darauf in die Welt unterhalb der Stadt London um Door und den Marquis wieder zu finden, damit die ihm aus seinem seltsamen Zustand heraus helfen. Doch der Weg zu den beiden ist schwierig. Zunächst muss er sich mit einem mit Ratten sprechenden Volk auseinander setzen, bevor er über eine gefährliche Brücke zu einem „Treibenden Markt“ kommt, auf dem Door auf eine Art Auktion einen Bodyguard sucht. Dabei lernt er einige weitere überaus seltsame Gestalten und Figuren kennen und verliert die erste wirkliche Freundin, die er sich in dieser unglaublichen Unterwelt gemacht hat.

Door und der Marquis können ihm nur sagen, dass er offensichtlich durch einen Riss in der Realität gefallen ist und nun nicht mehr in sein eigentliches Leben zurück kann und dass ihnen dies sehr Leid tue, sie aber Wichtigeres zu tun haben, wie etwa die Mörder von Doors Familie zu finden. Auch dafür brauchen sie einen Leibwächter, den sie schließlich in der Legendären Hunter finden. In Ermanglung von Alternativen schließt sich Richard den drei Abenteurern an und erlebt in den nächsten 48 Stunden alles, was man von einem Fantasy-Abenteuer erwarten darf. Seltsame Treffen, gefährliche Monster, Begegnungen mit einem echten Engel, einen Einbruch in das Britische Museum, ein Treffen mit einem Earl in einem U-Bahn-Wagen, eine lebensgefährliche attraktive Frau, Leute, die von den Toten auferstehen, komische Mönche und gefährliche Prüfungen zum Erringen eines wichtigen Preises. Und die Welt unterhalb von London erscheint ihm immer normaler, so dass seine letztendliche Rückkehr in die Oberwelt ihm extrem unbefriedigend erscheinen muss.

Gut erzählt und ein wunderbares Märchen für Erwachsene in der Tradition der „Messerkönigin“, „American Gods“ und „Stardust“ ist dies eine Freude für jeden, der das Kind in sich noch nicht ganz abgetötet hat.
Louise Rosenholz zu »Neil Gaiman: Niemalsland« 22.12.2006
Urban Fantasy at its best. Natürlich werden Klischees bedient und gibt es Déja vu Erlebnisse, aber das läßt sich in einem derartig populären Genre wohl Kaum vermeiden. Gaiman erzählt frisch und mit Spaß an seinen Figuren und variiert gekonnt die alten Motive und verbindet sie mit neuen.
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