Der Kristallpalast von Oliver Plaschka

Buchvorstellungund Rezension

Der Kristallpalast von Oliver Plaschka

Originalausgabe erschienen 2010, 408 Seiten.ISBN 3867620768.

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In Kürze:

London, Frühjahr 1851: Als am Vorabend der ersten Weltausstellung ein Mitglied der königlichen Kommission auf mysteriöse Weise ermordet wird, ahnt Miss Niobe noch nicht, dass dieser Fall ihre Welt für immer verändern soll. Im Besitz des Toten befand sich ein Artefakt, das ein Mysterium birgt, das bis weit in die Vergangenheit des fernen Indiens reicht. Feindliche Agenten und eine rätselhafte Loge streben danach, es in ihren Besitz zu bringen und seine fantastischen Kräfte zu entfesseln. In einem Wettlauf gegen die Zeit trifft Niobe auf zwei ebenbürtige Gegner: den niederländischen Spezialisten Frans, der im Dienste finsterer Mächte steht, und Captain Royle, der für eine ultrageheime Sektion der britischen Armee arbeitet. Jeder von ihnen verfügt über besondere Gaben und Waffen; bald aber müssen sie erkennen, dass sie aufeinander angewiesen sind, wenn sie in diesem tödlichen Spiel bestehen und die Wahrheit über das Artefakt und sich selbst herausfinden wollen. Alle Spuren führen zum Kristallpalast, dem prunkvollen Bauwerk aus Eisen und Glas, in dem in wenigen Tagen die Königin, ihr Hofstaat und Besucher aus aller Herren Länder zusammenkommen wollen …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Magie im alten London“85

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

„Wir leben im Zeitalter der Maschine, die Kraft des Dampfes und die Macht des Schießpulvers regieren die Welt …und darum sind wir (Engländer) stärker als die Wilden“ (s. 381)

London im Jahr der ersten Weltausstellung. Das Empire befindet sich auf dem Zenit seiner Macht, die junge Königin Victoria führt die Geschicke des Reiches mit Fortune und weiblicher Raffinesse. Die Eröffnung der Ausstellung, der gekrönte Häupter aus aller Welt beiwohnen werden und die in dem umstrittenen Kristallpalast im Hyde Park stattfinden soll, steht kurz bevor, als sich gar Merkwürdiges in der Metropole ereignet.

Ein geachteter Adeliger, der auch der Kommission des Kristallpalasts angehört, wird in seinem Arbeitszimmer ermordet, ein mystische Artefakt aus Arakan vom Mörder, einem Ingenieur der untergegangenen VOC (Vereinigten Ostindien Companie), entwendet. Zwei Agenten im Dienst einer Freimauerer-Loge setzten sich auf die Spuren des Diebes. Daneben hat auch der Geheimdienst der Armee ein wachsames Auge auf den Kristallpalast und die Vorgänge rund um das umstrittene Bauwerk aus Stahl und Glas.

Das Pikante an der Auseinandersetzung, die verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit rund um den Kristallpalast tobt, ist, dass alle Parteien sich mysteriöser Hilfsmittel bedienen. Was ein wenig nach Magie oder Scharlachtanerie aussieht, dahinter verbergen sich geheime technischen Erfindungen und gewisse Steine, Shilas genannt, die ihrem Träger „Talente“ verleihen.

Die Sage weiß zu berichten, dass einst, vor Äonen, ein Gott zerstückelt wurde, dessen Überreste als magische Steine in und um Burma niedergingen. Seit Jahrzehnten tobt eine erbittert geführte Auseinandersetzung um die machtvollen Hilfsmittel – ein Krieg, der nun, nachdem die Sterne günstig stehen, kulminiert – ein Krieg, der ein Tor öffnen soll, ein Krieg aber auch, der den Untergang der bekannten Weltenordnung auslösen könnte …

Handwerklich und inhaltlich vorzüglich

Spätestens seit seinem mit den Deutschen Phantastik-Preis ausgezeichneten „Fairwater oder der Spiegel des Herrn Bartholomew“ (Feder & Schwert) sowie dem bei Klett-Cotta erschienen „Die Magier von Montparnasse“ ist bekannt, dass mit Oliver Plaschka eine neue, innovative Stimme von sich hat hören lassen.

Noch bevor der talentierte Autor zu Klett-Cotta wechselte, sicherte sich Feder & Schwert seinen Beitrag zur gegenwärtig boomenden Steam-Punk Welle. Zusammen mit zwei Co-Autoren legt er einen Roman vor, der nicht nur stilistisch überzeugt, sondern auch inhaltlich seine Leser mitreißt.

Wer immer nach der Lektüre des „Magiers von Montparnasse“ von einer gewissen Handlungsarmut sprach, fehlende Action bemängelte, der wird vorliegend eines besseren belehrt und temporeich und spannend unterhalten.

Geschickt gehen die drei Autoren hier vor. In alternierenden Kapiteln wenden sie sich jeweils einer Figur im großen, zunächst verborgen bleibenden Spiel zu, beschreiben dessen Erlebnisse und Ermittlungen. Dabei stoßen die drei Auserwählten immer wieder aufeinander, bilden sich wechselnde Bündnisse, nur zu oft aber bekämpfen sie sich untereinander. Es geht um den Besitz der wunderkräftigen Steine, aber auch um Wissen und damit um Macht. Man hat immer das Gefühl, dass im Hintergrund andere die Fäden ziehen, dass die Geschehnisse weit mehr verbergen, als dass sie zur Aufklärung unserer Protagonisten und der Leser beitragen.

Durch die Aufsplittung in die verschiedenen Handlungsstränge gelingt es den Verfassern nicht nur, das Interesse um die Hintergründe zu wecken, sondern auch ein umfassendes Bild vom London des Jahres 1851 zu vermitteln.

Zu den drei Parteien, die sich um den Kristallpalast und die talentfördernden Steine bemühen, gesellt sich als Hintergrundbericht das Tagebuch einer Expedition nach Burma, durch das uns die Autoren der Geschichte der Steine nahe bringen. Hier gesellt sich zu der detektivischen- und thrillermäßigen Haupthandlung die Exotik des indischen Subkontinents mit einer verschollenen Hochkultur, so dass auch Fans entsprechender Erzählungen auf ihre Kosten kommen.

Die Personen selbst sind griffig gezeichnete Unikate, von jedem erfahren wir im Verlauf des Buches seine Geschichte, brechen Hintergründe und Schicksale auf, die uns ihr jeweiliges Handeln erklärbar machen und sie mit Tiefe hinterfüttern. Alles in allem ein handwerklich wie inhaltlich vorzüglicher Roman, der seine Leser mit festem Griff bis ins so nicht vorhersehbare Finale mitnimmt.

Ihre Meinung zu »Oliver Plaschka: Der Kristallpalast«

rolandreis zu »Oliver Plaschka: Der Kristallpalast«17.02.2012
Normalerweise lese ich sehr gern Romane die in dieser Zeitspanne angesiedelt sind a la Jules Verne,etc. So hatte mich auch der Klappentext dieses Buches gleich angesprochen. London im Zeitalter der Dampfmaschinen und der Weltausstellung. Ich hatte aber dann beim Lesen meine Probleme mit dem Buch. So brauchte ich einige Zeit um die Handlungsstränge der drei Hauptpersonen, sowie auch noch den Hintergrundbericht in Form eines Tagebuches miteinander zu verbinden. Dabei war es sehr gewöhnungsbedürftig, dass alle Protagonisten aus der Ich-Perspektive geschrieben waren und man erst wieder mitbekommen musste, wer jetzt wieder gerade erzählt. Dies war mühsam und erschwerte das Lesevergnügen. Für mich daher eine interessante Grundidee, aber mit eindeutigen Schwächen in der Umsetzung.
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