Der Name des Windes von Patrick Rothfuss

Buchvorstellung und Rezension

  • Fantasy
  • Science-Fiction
  • Horror
  • Mystery

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel The Name of the Wind, deutsche Ausgabe erstmals 2008 , 910 Seiten. ISBN 3-608-93878-8. Übersetzung ins Deutsche von Jochen Schwarzer.

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In Kürze:

In »Der Name des Windes« erzählt Patrick Rothfuss die Geschichte von Kvothe, dem berühmtesten Zauberer seiner Zeit. Damit ist ihm ein Roman von so viel Einfallsreichtum und solch sprachlicher Kraft und Authentizität gelungen, dass er die gesamte Fantasyszene aufhorchen lässt.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die unwiderstehliche Biografie des Zauberers“ 93

Fantasy-Rezension von Frank A. Dudley

In den letzten Monaten gab es einige Fantasy-Debüts, deren Qualität für Erstlingsromane jeweils überraschend hoch ist. Scott Lynchs "Die Lügen des Locke Lamora" und Alan Campbells "Scar Night„ zählen dazu. Auch Patrick Rothfuss, Englisch-Dozent in Wisconsin/USA, hat mit “Der Name des Windes„ einen Roman geschrieben, von dem man kaum glauben kann, dass es sein erster ist.

“Der Name des Windes„ erzählt die Geschichte von Kvothe, dem besten, berühmtesten und berüchtigsten Magier seiner Zeit. Doch wer denkt, es geht gleich los mit Zauberei, Tränken und magischen Künsten, der muss sich bis zur Mitte des Buches gedulden. Denn bis dahin berichtet Kvothe, mittlerweile untergetaucht als Kneipier, von seiner Kindheit und frühen Jugend, die er mit seinen Eltern und ihrer umherziehenden Theatertruppe glücklich verbracht hat. Nur zweimal begegnet ihm Magie: Einmal, als sein mitreisender Lehrer aus Wut eine stürmische Brise verursacht, indem er den Wind beim Namen ruft – was den hochintelligenten aber undisziplinierten Kvothe derart beeindruckt, dass er diese Kunst auch erlernen will. Das andere Mal ist für den Jungen weitaus tragischer, denn als er vom Holzsammeln zurückkehrt, findet er nur noch Leichen im zerstörten Schauspielerlager. Die Mörder verstecken sich aber nicht, sie reden mit ihm, und als sie sich vor seinen Augen in Nichts auflösen, weiß Kvothe, dass es die Chandrian waren, Angehörige eines dunklen und sagenumwobenen Zaubererordens.

Kvothes Streben ist seitdem von Rache befeuert. Er vegetiert lange Jahre als Straßenkind und bettelt, bis er es dank seiner enormen Willenskraft und überragenden Intelligenz schafft, an der Universität aufgenommen zu werden. Da er die Aufnahmeprüfung mit Bravour meistert, erhält er für das erste Semester ein Stipendium. Er schreibt sich für alle Kurse in theoretischer und angewandter Magie ein und brilliert in allen Fächern. Doch seine hartnäckigen Rachegedanken, der Verlust seiner Eltern und die Zeit als Bettelkind haben ihn auch rücksichtslos und selbstbezogen gemacht. So stolpert er von einem Skandal in den nächsten, wird bestraft und belohnt, muss um den Fortgang seiner Studien bangen, schafft sich mächtige Feinde und verliebt sich unsterblich, aber unglücklich.

Harry Potter für Erwachsene

Ein Junge mit schwierigem Charakter verliert seine Eltern, studiert magische Künste, gewinnt Freunde und Feinde unter seinen Mitschülern und Lehrern, um schließlich den Tod seiner Eltern zu rächen: Das klingt nicht ungewöhnlich, sondern sehr, sehr bekannt. Aber es hat in diesem Fall mit dem enorm erfolgreichen englischen Zauberlehrling nicht mehr gemein als den Basis-Plot. Was Patrick Rothfuss in vierzehnjähriger Arbeit geschaffen hat, ist eine absolut eigenständige Geschichte, ein Fantasy-Entwicklungsroman, dem es an einem nicht mangelt: Originalität.

Die Geschichte ist versehen mit einer Rahmenhandlung, in der Kvothe einem Chronisten seine Lebensgeschichte erzählt (Erzählzeit ein Tag) und Kvothes tatsächlichem autobiografischen Bericht (erzählte Zeit 15 Jahre). Durch die für epische Fantasyromane seltene Erste-Person-Perspektive ist man der Hauptfigur sofort nahe, lacht, liebt und leidet ganz besonders mit ihr. Rothfuss entführt in eine detallierte und fein ausgearbeitete Welt, seine Sprache ist klar, überzeugend und bisweilen sogar lyrisch. Die Handlung plätschert nicht einmal dahin, im Gegenteil, sie zieht den Leser an einem straffen Band durch die irdisch-nachvollziehbaren emotionalen und intellektuellen Höhen und Tiefen des jungen Kvothe. Und sie deutet an, dass noch einiges auf ihn zukommen wird, dass Verzweiflung und Hoffnung für ihn nahe beieinander liegen.

Als Kritik lässt sich nur anführen, dass die Nebenfiguren wie zum Beispiel Kvothes Studentenfreunde mehr Tiefe verdient hätten. Durch die komplexe Strahlkraft des Hauptcharakters wirken sie etwas blass. Obwohl es neben bösen Zauberern auch einen Drachen gibt, ist “Der Name des Windes" Äonen von tolkienesker Fantasy entfernt. Und wer wegen der Ausgangsparallelen unbedingt die Bücher von J. K. Rowling zum Vergleich heranziehen möchte, dem sei gesagt: Dies ist Harry Potter für Erwachsene.

Ihre Meinung zu »Patrick Rothfuss: Der Name des Windes«

Bernd Fetzer zu »Patrick Rothfuss: Der Name des Windes« 28.01.2012
Alle hier genannte positiven Erwähnungen kann ich nur bestätigen. Nachdem Kvothes Leben in der ersten Hälfte von Buch 1 / Tag 2 eher gemächlich dahinplätschert nimmt die Geschichte in der zweiten Hälfte gewaltig an Fahrt auf. Letztendlich so überwältigend, dass es fast eine Schande ist auf die Fortsetzung warten zu müssen. Nach den ersten Seiten von Buch 2 / Tag 2 und Kvothes Aufenthalt bei Felurian wird man gezwungen jede Seite nur noch so hinunterschlingen zu müssen. Voller freudiger Erregung dass noch viele Seite bleiben, die aber dann doch ein Ende finden müssen. Es ist jetzt schon schade, dass dann mit Tag 3 dieses Abenteuer zu Ende gehen soll. Bis dahin jedoch genießen wir und begleiten ihn auf seinem wunderlichen Weg.
Elmagnifico zu »Patrick Rothfuss: Der Name des Windes« 14.01.2012
Frank A. Dudley fügte in seiner Meinung die folgende Bemerkung an:

"...Als Kritik lässt sich nur anführen, dass die Nebenfiguren wie zum Beispiel Kvothes Studentenfreunde mehr Tiefe verdient hätten. Durch die komplexe Strahlkraft des Hauptcharakters wirken sie etwas blass ..."

Nun, diese Einschätzung ist wohl nur deswegen zustandegekommen, weil Herr Dudley ( wenn überhaupt dann ) wirklich nur den ersten Teil der Trilogie überflogen hat. Denn die von ihm heraufbeschworene Blässe wird im weiteren Verlauf der Geschichte ganz erfreulicherweise doch noch durch so einige Farbnuancen berreichert. Was wieder einmal zeigt, dass man bei einer auf mehrere Bücher ausgelegten Geschichte, nie den kurzsichtigen Fehler machen und nur auf den ersten Teil Bezug nehmen sollte.
Elmagnifico zu »Patrick Rothfuss: Der Name des Windes« 05.01.2012
Nun, wir Menschen neigen nun einmal zu Vergleichen. Wie sonst können wir jemandem, den wir nicht kennen, ein Gefühl, also eine emotionale Schwingung oder eine geistige Qualität, näher bringen - die auf diese Weise nur in unserer subjektiv empfundenen Welt existiert - als durch objektiv nachvollziehbare und möglichst passende Vergleiche. Darunter gibt es selbstverständlich auch Vergleiche, die nicht wirklich viel zu diesem Ziel beitragen können. Manche Vergleiche stellen zudem eher eine Bewertung dar und verfehlen schon allein dadurch ihre Aussagekraft.
Der ständige gebetsmühlenartige, diletanttische, ganz und gar stümperhafte Versuch die gesamte Fantasy Literatur mit dem Herrn der Ringe vergleichen zu wollen, ist nicht nur langweilig, fantasielos und hoffnungslos ermüdend, sondern bereits von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Es ist ungefähr so, als ob man versuchen würde das unwiederholbare Leben eines einzigartigen Menschen, mit dem eines anderen zu vergleichen – es wird und kann nicht funktionieren. Fragen wir an dieser Stelle also lieber nicht nach dem Warum dieses leidigen Phänomens, sondern widmen uns lieber wieder dem Pudels Kern zu und somit der eigentlichen Grätchenfrage:

Warum ist der „Name des Windes“ von Patrick Rothfuss, nur so unvergleichlich und verdammt gut?

Natürlich, darauf gibt es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sehr viele Antworten. Manche davon werden vielleicht den stilistischen Reichtum der Sprache betonen, derer sich der Autor so fabelhaft und eloquent bedient. Möglicherweise wird auch das ausgewogene Erzähltempo, der steigende Spannungsbogen, die inhaltliche Stimmigkeit, sowie die liebevolle Ausgestaltung der Haupt- und Nebencharaktere, erwähnt, wobei sich manche davon im Verlauf der Geschichte immer weiter entwickeln und dadurch mehr und mehr Facetten gewinnen. All das und noch viel mehr kann möglicherweise auf diese Frage geantwortet werden, doch ich möchte dazu ganz bescheiden nur Folgendes erwähnen:

Dieses Buch ist deswegen ein herausragendes und strahlendes Glanzstück seiner Art, weil es den Leser emotional mit aller Gewalt packt, berührt, rüttelt und schüttelt und dabei nicht wieder loslässt, bis die letzte Seite verschlungen wurde und er wie ein Ertrinkender nach mehr lechzt.

Ich hatte das absolute Vergnügen den zweiten Teil der Königsmörderchronik in der englischen Originalversion „The Wise Man´s Fear“ zu lesen ( weil ich nicht warten wollte, bis die zerstückelte, deutsche Variante käuflich zu erwerben war ) und muss gestehen, dass ich noch völlig berauscht davon bin. Nun freue ich mich über alle Maßen auf den dritten Teil und wünsche jedem, der eines dieser Bücher in die Hand nimmt, eine mindestens genauso schöne, und kostbare Zeit, wie ich sie zusammen mit Kvothe verbringen durfte.
Ollowain zu »Patrick Rothfuss: Der Name des Windes« 09.09.2011
Es ist ganz klar mein Lieblingsbuch unter meiner Lieblingsbücher! Dies kann ich immer noch behaupten, obwohl es jetzt auch schon 2-3 Jahre her war als ich es zum 1. Mal las. Ein Buch in dem mit der Hauptperson mitleitet und anderseits zaubert es einem auch immer wieder ein lächeln auf die Lippen.
Ich erwarte schon mit grosser Vorfreude die Fortsetzung, für welches ich gerne auch doppelt so viel zahle (da das Buch ja aufgesplittet wurde!). Denn diess ist mir diese Trilogie wert!
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Leonie V. zu »Patrick Rothfuss: Der Name des Windes« 10.05.2011
Hi,
ich liebe dieses Buch und muss leider bestreiten, dass dieses Buch nicht nur 'Harry Potter' führ Erwachsene ist. Ich habe dieses Buch mit 12 Jahren gelesen und war inerhalb 4h fertig. Dieses Buch ist nicht nur für Erwachsene sondern auch für Jugendliche die mehr als 'ein bisschen' Grips im Kopf haben.
Liebe Grüße
Leonie
TJ zu »Patrick Rothfuss: Der Name des Windes« 20.03.2011
Ich bin mit dem Buch gerade fertig geworden. Selbst mir - keinem eingefleischtem Fantasy-Leser - hat es sehr gut gefallen. Wer kein Fan von übertriebenen und abgehobenen Fantasy-Romanen ist und stattdessen eine mehr oder weniger durchdachte Geschichte vorzieht, ist mit "Der Name des Windes" sehr gut beraten. Meinungen, die es stellenweise als konstruiert und billig bezeichnen, kann ich nicht unterstützen. Es ist sichlerich viel, aber kein Kinderbuch. Ich kann das Buch vorbehaltlos jedem empfehlen und mich den anderen Kommentatoren anschließen: Schade, dass es nach 900 Seiten zu Ende ist ; ) Warte schon gespannt auf die Fortsetzung!
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Sascha zu »Patrick Rothfuss: Der Name des Windes« 17.02.2011
Kvothe hat zwei Augen, eine Nase und einen Mund- das sind natürlich auch Parallelen zu Derrick und Helge Schneider, die haben auch zwei Augen, eine Nase und einen Mund. ;-)

Es ist so dämlich-lächerlich-absurd, hier ständig HdR anzuführen- was ganz offensichtlich zeigt, dass die meisten einen sehr begrenzten (Fantasy)Horizont haben, welcher über HdR nicht hinausgeht und wahrscheinlich auch noch nichts anderes aus dem Genre gelesen haben.

Ich lese seit Jahren Fantasy und kann die Bücher nicht mehr zählen- glaube aber, mir im Umkehrschluss ein gutes Urteil erlauben zu können, da ich hier manigfaltige Vergleichsparameter aufzeigen kann.

Das Buch ist absolut originär, einzigartig und mit das Beste, was ich je gelesen habe.

Wenn hier schon jemand unbedingt vergleichen will, dann wäre eine (auszugsweise/passagenweise) Anlehnung an den "Medicus" passend.

HdR kann ich hier (zum Glück) nicht wiederfinden.

Eine Winzigkeit (im "groben" Plot), kann man ggf. mit HP assoziieren- aber wie gesagt: Derrick wäre auch nicht viel weiter hergeholt.!

Abschliessend kann ich nur sagen: Wer eine echt endgeile (Lese)Zeit verbringen möchte, der kommt an diesem Stoff nicht vorbei! Güteklasse A++.
3 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Remo zu »Patrick Rothfuss: Der Name des Windes« 20.12.2010
Ich fand das buch einfach nur super! aber: es mit herr der ringe zu vergleichen? nur weil es legenden lieder gedichte enthält? und eine neue sprache hat er ja auch nicht erfunden oder? wohl eher sprachfetzen das kann ja jeder.. lächerlicher vergleich..es mit büchern zu vergleichen wo der herr tolkien jahre gebraucht hat und sogar ganze anhänge stammbäume über einzelne kaum erwähnte personen in seinen büchern erstellt hat.. Immer diese vergleiche um den verkauf zu fördern.. Fazit: ein sehr gutes buch es lohnt sich!
Anja 72 zu »Patrick Rothfuss: Der Name des Windes« 05.11.2010
Das Buch ist schon nach 100 Seiten zu einer absoluten Lieblingslektüre geworden. Leider lässt der zweite Teil viel zu lange auf sich warten. Anfragen bei meiner Buchhandlung führten immer wieder zu Vertröstungen. Für mich ist es das bisher überhaupt beste Buch, das ich gelesen habe. Und ich habe es schon dreimal gelesen, wird seltsamer Weise nicht langweilig. Was soll ich da noch lange quasseln, selber lesen!!!
Stefan83 zu »Patrick Rothfuss: Der Name des Windes« 12.08.2010
Wie sehr sie ermüden, diese ständigen Vergleiche von Neuveröffentlichungen mit bereits etablierten Werken oder Stützpfeilern des betreffenden Genres. Während im Bereich des Krimi beinahe jeder zweite Spannungsroman mit dem Stephen-King-Gütesiegel versehen zu sein scheint, zieht man in der Fantasy-Sparte stets den Vergleich mit „Der Herr der Ringe“ heran, um die Mainstream-Novität möglichst flächendeckend unters Volk zu jubeln. Ein Grund, weshalb es so lange gedauert hat, bis ich Patrick Rothfuss' Debütwerk „Der Name des Windes“ zur Lektüre aus meinem Bücherregal zog. Aufgrund der vielen Lobeshymnen erstmal skeptisch, war bereits nach wenigen gelesenen Seiten klar: Hier halte ich etwas Besonderes zwischen den Händen. Und in der Tat: Mit diesem Werk taucht wohl zum ersten Mal seit der Saga des großen Tolkien ein Fantasy-Epos auf der Bildfläche auf, das einer Gegenüberstellung wirklich stand halten kann. Rothfuss hat sich mit seinem Erstling auf Anhieb zum Olymp des Genres geschrieben und sich eine Ausnahmestellung erarbeitet, an der sich kommende Bücher messen lassen müssen. Er hat eine Geschichte auf Papier gebracht, welche über alle Maßen und vor allem nachhaltig beeindruckt.

Ihren Anfang nimmt sie im Wirtshaus „zum Wegstein“, wo sich jeden Abend die männlichen Einwohner der kleinen Ortschaft Newarre treffen, um sich vor dem Kaminfeuer alte Geschichten zu erzählen und den neuesten Tratsch aus der Nachbarschaft auszutauschen. Bedient werden sie dabei von einem schon ungewöhnlich unscheinbaren Barbesitzer, dessen Existenz sie zumeist kaum wahrnehmen, was diesem wiederum mehr als gelegen kommt, denn hinter seiner nach außen hin getragenen Maske verbirgt sich der wohl größte Held dieses Zeitalters: Es ist Kvothe, „der Blutlose“ - auch „der Arkane“ oder „der Königsmörder“ genannt. Überall im Land ist seine Gestalt Mittelpunkt zahlloser Märchen und Legenden, welche allesamt der Wahrheit nicht wirklich nahe kommen und nicht selten sogar erstunken und erlogen sind. Ein bekannter Chronist vieler königlicher Höfe, dessen Ruf ihm ebenfalls stets vorauseilt, kreuzt eines Tages, wie es scheint zufällig, Kvothes Weg. Ihm gelingt, was vielen anderen versagt geblieben ist. Kvothe dazu zu bringen, seine eigene, die richtige Geschichte seines Lebens zu erzählen. Die einzige Bedingung: Er bedarf dafür exakt drei Tage – keinen mehr, keinen weniger. Und jedes Wort was seinen Mund verlässt, hat in derselben Form auf dem Papier zu stehen. Schließlich erzählt er:

Kvothes Leben beginnt in der Gemeinschaft der umherziehenden Edema Ruh, eine fahrende Schaustellertruppe hohen Ansehens, welche die Menschen im ganzen Land mit ihren Künsten unterhält. Von seinen Eltern wird auch Kvothe früh in die Geheimnisse von Schau- und Lautenspiel eingewiesen, wobei er ein beinahe unheimliches Geschick aufweist. Für jede Lektion braucht er nur wenige Zeit, seine Wissbegier scheint nur noch von seinem Tatendrang übertrumpft zu werden. Eines Tages schließt sich mit Abenthy, genannt Ben, ein Arkanist den Ruh an, dessen geheime Lehren Kvothe schnell verlocken. Auch er will die Sympathie, diese grundlegende Kunst der Zauberei erlernen und den Namen aller Dinge, besonders des Windes, in Erfahrung bringen. Nach und nach erwirbt er Bens Vertrauen und wird zu dessen gelehrigem Schüler. Ein Schüler, der manchmal nur schwer zu bremsen ist und in seinem Talent den alten Arkanist mitunter ängstigt. Nach einigen Jahren verlässt er die Ruh, wobei er Kvothe ein Buch übergibt, das eine Empfehlung für die berühmte Universität von Imre enthält.

Bevor jedoch Kvothe dem ihm bestimmten Weg einschlagen kann, zerreißt eine Tragödie seinen großen Traum. Als er nach einem Ausflug im Wald zu seiner Familie zurückkehrt, findet er das Lager verwüstet, alle Ruh einschließlich seiner Eltern, tot vor. Verursacher des Ganzen sind die „Chandrian“, mysteriöse und bösartige Dämonen, die ihre Tat damit begründen, dass Kvothes Eltern „die falschen Lieder gesungen“ haben. Der junge Ruh kann entkommen, verfällt jedoch in einen Schockzustand und kämpft die nächsten drei Jahre als Straßenjunge in der Großstadt Tarbean ums Überleben. Schließlich, nach einer aufrüttelnden Begegnung mit einem Geschichtenerzähler, erinnert sich Kvothe an Bens Buch und reist gen Imre, wo er dank seiner großen Begabung und trotz des jugendlichen Alters von 15 Jahren unter Vorbehalt aufgenommen wird. Von nun an widmet sich Kvothe den Lehren der Arkanisten. Er lernt neue Freunde kennen, macht sich Feinde und trifft die eine Liebe, die sein Leben bestimmen soll …

Wer nach dieser Einleitung meint Parallelen zu den Harry Potter Geschichten zu finden, vergleicht im Supermarkt wohl auch Preise von Birnen und Äpfeln, denn deutlicher können die Unterschiede in der Erzählform und den literarischen Stilmitteln nicht zutage treten. So gut die Abenteuer um den Zauberlehrling von Hogwarts auch immer sind (und besonders die ersten sind ohne Zweifel von hoher Qualität), Rothfuss' „Der Name des Windes“ spielt noch einmal in einer ganz anderen Liga. Von der ersten Seite an verblüfft und überrascht der amerikanische Autor mit einer bildhaften Sprachgewalt, das man als Leser aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Bereits die frühen Szenen in der wohligen Kaminwärme des Gasthauses sind soviel stimmungsvoller als manch anderes Fantasywerk über die gesamte Länge der Erzählung. Selbst wenn die Charaktere nur Brote bestreichen, Theken wischen oder Schwerter an die Wand hängen, folgt man gebannt jeder Bewegung, da auch die alltäglichste Tätigkeit mit einer Liebe zum Detail auf Papier gebracht wird, die Staunen verursacht. Ein qualitativ derart hochwertiges Sprachniveau bei einem Debütwerk ist bemerkenswert, ja, es ist schon schlichtweg unheimlich.

Rothfuss animiert in jeder Zeile zu grenzenloser Neugier, wobei besonders die Hauptfigur Kvothe, der in den Rückblicken als Ich-Erzähler auftritt, dem Leser einen für Fantasy-Romane unüblichen Blick über die Schulter erlaubt. Das hat zur Folge, dass man Kvothe von Beginn äußerst nahe steht, zumal er trotz aller Intelligenz nicht den strahlenden Sieger verkörpert, sondern jeden seiner Erfolge mit viel Mühe erarbeiten und die alltäglichen Probleme und Widrigkeiten nicht ohne Schwierigkeiten meistern muss. Äußerst sympathisch seine ständige Geldnot, welche ihn dazu zwingt, in vielerlei Dingen ungewöhnliche Wege zu gehen und Risiken auf sich zu nehmen. Seine Leidenschaft gilt der Musik. Wenn er zur Laute greift, verzückt er seine Mitmenschen, nur um sie bei nächster Gelegenheit tief im Herzen zu rühren, selbst den gestandendsten Recken die Tränen in die Augen zu treiben. Das geht auch am Leser nicht spurlos vorbei, der durch die beständig menschliche Ebene mit Kvothe mitlacht, mitliebt und auch mitleidet. Es ist, als wäre man selbst Teil von Kvothes Publikum, so emotional rührt und spürt man die Balladen des jungen Arkanisten. Es ist lange her, dass ein Buch soviel Herz hatte und mir gleichsam so zu Herzen ging.

Auch in Punkto Dialoge verdient sich Rothfuss höchste Weihen. Schlagfertig, wortwitzig und wortgewandt lässt er Kvothe auch die gezieltesten rhetorischen Attacken parieren, wobei beim man selbst sich oft ein Schmunzeln nicht verkneifen kann. Die herrliche Szene, in der Kvothe seinen Sympathie-Lehrer vor den anderen Studenten zum Besten hält, steht beispielhaft für die geschliffene und treffsichere Schreibe des Autors. Und wer ein solches Können sein Eigen nennt, bringt selbst eine Liebesgeschichte ohne Kitsch und eklige Gefühlsduselei auf Papier. Die langsamen Annäherungen Kvothes an seine Angebetete Denna (sie ist wahrlich bezaubernd) sind erfrischend unspektakulär und haben dennoch dafür gesorgt, dass ich (als absoluter Unromantiker) den beiden unterm Tisch die Daumen gedrückt habe.

Bei all diesen Lobeshymnen gibt es natürlich auch den ein oder anderen Kritikpunkt. Und obwohl die sich in diesem Meisterwerk relativ klein ausnehmen, sollen sie nicht unerwähnt bleiben. Wie schon Frank A. Dudley von der Phantastik-Couch haben auch mich die Nebenfiguren äußerst kalt gelassen. Neben dem omnipräsenten Kvothe sind sie arg konturlos und austauschbar geraten, was allerdings wohl der Konzentration auf den jungen Arkanisten geschuldet ist. Fakt ist: Mir fiel es schwer, die engeren Freunde auseinander zu halten, wiewohl ich auch mit den Lehrern an der Uni so anfangs meine Schwierigkeiten hatte. Auch eine etwas detailliertere Karte im Umschlag hätte dem Buch gut getan. Ein Gros der Stadt- und Dorfnamen lässt sich dort nicht finden, was es an manchen Stellen schwierig machte, sich zu orientieren. Da hätte sich Rothfuss an Tolkiens „Der Herr der Ringe“ ein Beispiel nehmen sollen.

Insgesamt bleibt unterm Strich jedoch folgendes festzuhalten: „Der Name des Windes“ ist das mit Abstand beste Fantasy-Werk, das ich seit Tolkiens großem Epos lesen durfte. Es bleibt zu hoffen, dass Rothfuss die lange Wartezeit seiner Leser genutzt hat, um eine ähnlich überzeugende Fortsetzung auf Papier zu bringen. Das die vielen begonnenen roten Fäden großes Potenzial für noch viel mehr in sich birgen, deutet er in diesem Roman jedenfalls an. Ganz großes, wunderschön geschriebenes Kopfkino, das ich Seite für Seite genossen und am Ende äußerst widerwillig zugeklappt habe.
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