An- und reingesehen:

Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen

„Ganz nett ...“ (Tim König im August 2013)

Der Kinosommer geht in die zweite Runde und hofft, Jugendliche wie Erwachsene von den Seen und Freibädern in die Kinos zu treiben. Bis jetzt scheint das trotz unzähligen Blockbuster-Produktionen noch nicht so richtig gelungen sein – so sind zum Beispiel „Pacific Rim“ und „G.I. Joe – Die Abrechnung“ schon auf die Nase gefallen.

Aber am 15.08.2013 kommt ein neuer Herausforderer in die Kinoprogramme, der mit einer Verquickung von Mythologie und Teenager-Film aufwartet: „Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen“.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Der wird es auch nicht machen. Was aber nicht heißt, dass er nicht ganz nett wäre.

Aber eben auch nicht mehr als ganz nett: Die für den gleichnamigen Roman etwas zu alten Schauspieler dürfen bei College-Rock und Cheerleader-Jubel die üblichen Zwistigkeiten verleben, bis etwas Schreckliches passiert und Percy Jackson mit seinen drei besten Freunden die Welt retten muss bzw. darf. Die deutschsprachige Wikipedia schafft es sogar, die Handlung in einem Satz zusammenzufassen:

„In diesem Teil der Trilogie sind Percy Jackson und seine Freunde auf der Suche nach dem Goldenen Vlies.“

Das goldene Vlies brauchen sie, um zu verhindern, dass der bösartige Titan Kronos die Welt zerstört und seine Kinder (und Enkel), als Götter und Halbgötter, auffrisst. Der Rest besteht aus Effekten, Streitereien mit den göttlichen Eltern und angedeuteten Liebesszenen.

Die Welt Percy Jacksons könnte eigentlich auch die Welt Harry Potters sein, wären da nicht zu viele griechische Gottheiten und Mythenwesen. Auch Percy Jackson war einmal ein ganz normaler Jugendlicher, der Probleme in der Schule, mit seiner alleinerziehenden Mutter und vermeintlichen Freunden hatte, bis er erkannte, dass er der Sohn des mächtigen Meeresgottes Poseidon ist und den Auftrag hat, die Welt zu retten. Nachdem er im ersten Film dieses Schicksal akzeptiert und die Welt ein bisschen gerettet hat, änderte sich alles. Er kam auf ein Internat für Halbgötter, in der er seine wahren Fähigkeiten mit seinen in den Abenteuern kennengelernten Freunden ausleben darf.

Soweit die Handlung des ersten Films und Buches, die man übrigens nicht kennen muss, um den zweiten Teil zu verstehen. Dieser startet in einer wilden Turnier-Szene zum Ende des Schuljahres, in der Percy sein Können an einem riesigen und gefährlichen Karussell beweisen muss. Nur: Die Tochter des Kriegsgottes Ares schlägt ihn, weil Percy einem Klassenkameraden hilft, der wortwörtlich ins Räderwerk gefallen ist, anstatt sich aufs Siegerpodest zu schwingen.

Nach diesem mittelschweren Unglück bekommt Percy auch noch einen neuen Halbbruder vorgestellt, den Zyklopen Tyson. Weil seine Besonderheit sich aber nicht nur auf das Götterblut reduziert, er eben nur ein Auge hat, braucht es 60 Minuten und ein paar lebensrettende Maßnahmen, bis Tyson als der akzeptiert wird, der er ist. Immerhin ist der etwas verpeilte Tyson einer der Sympathieträger der Films.

Nachdem das Internat in einer spektakulären Szene auch noch seinen heiligen Schutzwall verliert, hat Percy genug Probleme, um bis zum Filmende gut zu unterhalten. Dabei unterstützen ihn die mehr als nur netten 3D-Effekte, die wirklich effektiv gestaltet sind: Das war der erste Film, bei dem ich mich im Kinosessel zu ducken versucht habe. Schade ist nur, dass man die Effekte an einer Hand abzählen kann. Dafür war das Budget anscheinend doch nicht groß genug.

Fazit: Lieber ins Freibad, es sei denn, es blitzt und donnert, denn das ist nicht nur ein Zeichen der Götter, sondern auch ein guter Grund, sich „Percy Jackson – im Bann des Zyklopen“ anzuschauen. Denn auch, wenn er vorhersehbar und stereotyp sein mag: Er ist relativ unschuldig* und macht Spaß. Was will man auch mehr von einem Sommerblockbuster?

*Unschuldig heißt hier, dass es kaum Gewalt und keine Leichen gibt, aber nicht, dass die Rollenbilder besonders super wären. Es bleibt ein amerikanischer Film.