Perry Rhodan auf dem Weg ins 21. Jahrhundert

Science-Fiction hat es schwer in Deutschland. Science-Fiction in Form von „Groschenromanen“ auch verächtlich als „Trivialliteratur“ bezeichnet, ist im Land der Dichter und Denker noch mehr verpönt.

Umso erstaunlicher ist es, das die größte SciFi-Serie der Welt seit nunmehr über 50 Jahren und mehr als einer Milliarde verkaufter Hefte ausgerechnet aus Deutschland kommt. Dementsprechend ist es unmöglich im Rahmen einer Rezension den Versuch zu starten, dieses Phänomen näher zu durchleuchten oder einzelne Ausgaben zu bewerten. Genauso gut könnte man versuchen, den „Herr der Ringe“ seitenweise zu rezensieren.

In diesem Artikel geht es jedoch nicht um den klassischen „Perry Rhodan“, sondern um einen Neubeginn in Form der Serie "Perry Rhodan Neo„, die seit Herbst letzten Jahres im zweiwöchigen Rhythmus erscheint und für die zunächst 8 Ausgaben geplant waren. Auf Nachfrage teilte uns Klaus N. Frick, Chefredakteur der “Perry Rhodan„-Serie mit, dass die Romane 9-11 bereits vorliegen und an den Bänden 12-16 derzeit geschrieben wird.

Alter Wein in neuen Schläuchen?

In “Perry Rhodan Neo„ werden die bekannten Protagonisten in ein neues Setup verpflanzt, das im Jahre 2036 angesiedelt ist. Auch in dieser Geschichte finden Rhodan und Bull ein havariertes Raumschiff der Arkoniden auf dem Mond und versuchen dem arkonidischen Wissenschaftler Crest das Leben zu retten. Für den eingefleischten Rhodan-Fan stellt sich hier erstmal die Frage “Was soll das?„ Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich ganz einfach:

Betrachtet man den Beginn der Originalserie vor 50 Jahren, stellt man fest, dass ein Teil des Plots aus heutiger Sicht nicht mehr zeitgemäß ist. Geschrieben zu Zeiten des kalten Krieges und mit einem Menschenbild, das zum Teil schon faschistoide Ansätze trägt, taugen die ersten Hefte heute bestenfalls als kurzweiliger Rückblick in die Vergangenheit, nicht jedoch als spannender Auftakt einer zeitgemäßen Serie.

Damit hat Perry Rhodan aber ein Problem! Neueinsteiger haben es schwer. Es ist fast unmöglich, in die laufende Handlung hereinzukommen, da alle Romane aufeinander aufbauen.

Was liegt da näher, als einfach einen Neustart zu versuchen? Man nehme die Personen aus der Original-Serie, dazu die brauchbaren Teile des Original-Exposé, vermeide die Fehler der Vergangenheit und schon hat man eine neue Serie, die nicht nur die seit Jahren treuen Fans aufs Neue begeistert , sondern mit ein bisschen Glück auch neue Lesergruppen erschließt. So oder so ähnlich könnte der Gedankengang des Verlages gewesen sein beim Entwurf von “Perry Rhodan Neo„

Anders, aber doch gleich!

Das gewählte Setup ist zu Beginn dem Original sehr ähnlich. Etwas Ungewöhnliches ist auf dem Mond passiert und die amerikanische Mondbasis antwortet nicht mehr. In einer fast verzweifelten Mission schicken die USA ihre besten Raumfahrer Perry Rhodan, Reginald Bull, Eric Manoli und Clark G. Flipper in dem Experimental-Raumschiff STARDUST zum Mond. Nach der Landung, die nur durch die überragenden Fähigkeiten Perry Rhodans überhaupt gelingt, muss die Crew feststellen, dass in der Raumstation niemand mehr am Leben ist. Auf der Suche nach dem Verursacher stößt Perry Rhodan dann auf die Arkoniden in ihrem nicht mehr flugfähigen Raumschiff.

Soweit bietet der Plot nichts wirklich Neues. Trotzdem kann man den Auftakt als gelungen bezeichnen, denn mehrere Eigenheiten heben “Neo„ vom Original ab. Die Figur des Perry Rhodan wird nicht so in den Mittelpunkt gestellt wie im Original. Die Handlung wird in mehreren einzelnen Fäden, zum Teil in unterschiedlichen Zeitebenen sehr behutsam vorangetrieben. Im Gegensatz zu den Original-Heften geben sich die Autoren offensichtlich Mühe ihre Charaktere zu zeichnen. Damit erscheinen die handelnden Personen lebendiger und nicht so klischeehaft wie in der Vorlage. Hier erweist es sich als Vorteil, dass die Serie im 2-Wochen Rhythmus, dafür aber in doppelter Länge erscheint. Auf diese Weise haben die Verfasser der einzelnen Bände deutlich mehr Zeit, um den ihnen zugedachten Teil des Exposé “in Worte zu fassen„. Zu guter Letzt werden auch einige neue Charaktere eingeführt, von denen man gespannt sein darf, wie sie sich entwickeln.

Neustart gelungen?

Diese Frage lässt sich aus meiner Sicht mit einem “grundsätzlich ja„ beantworten. “Perry Rhodan Neo„ versucht erkennbar, die guten Seiten des Originals zu erhalten, ohne die in den 1960er Jahren übliche Schwarz-Weiß-Malerei zu wiederholen. Dabei bleibt aber festzustellen, dass das nicht immer funktioniert. Zuweilen verläuft der Plot etwas zu langsam, so dass fast schon Langeweile aufkommt. Einige neu eingeführte Charaktere erscheinen etwas unglücklich, andere bekannte bekommen hingegen nur eine Nebenrolle zugewiesen. Zudem trüben kleinere logische Fehler den Gesamteindruck einer in sich schlüssigen Handlung ein wenig.

Wie schon eingangs erwähnt, kann man eine solche Romanreihe nicht in das Schema einer üblichen Rezension pressen. In den bisher erschienen 7 Bänden gibt es einige sehr starke, aber auch ein paar eher schwache Geschichten. Das ist nicht überraschend, weil sich die Autoren, ähnlich wie die Schauspieler in einer TV-Serie, erst in das neue Universum hinein- und ihren Rhythmus finden müssen. Die Serie besitzt dennoch schon jetzt ausreichend Potential, um einen Leser für eine lange Zeit zu fesseln.

Angemerkt sei noch, dass “Perry Rhodan Neo„ konsequent auf das E-Book als Medium setzt. Hier ist diese Serie bestens aufgehoben. Ohne den Anspruch von wirklich großer Literatur, aber gut geeignet um z.B. auf Reisen den Leser kurzweilig zu unterhalten. Und so wurde “Perry Rhodan„ zu Recht als “Beste Serie 2011" mit dem Deutschen Phantastik-Preis gekürt.

(Klaus Volmer, Januar 2012)

 

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