Die unbekannte Macht von Peter F. Hamilton

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 1996unter dem Titel „The Reality Disfunction“,deutsche Ausgabe erstmals 2000, 862 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Axel Merz.

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In Kürze:

AD 2600. Die Menschheit entdeckt endlich ihr ganzes Potential. Hunderte von Kolonien, verstreut über die ganze Galaxis, bieten eine Unzahl unterschiedlichster Kulturen und unermesslichen Reichtum. Gentechnik hat die Grenzen der Natur gesprengt. Der Handel blüht, und die Konföderation sorgt für Frieden und Sicherheit. Ein goldenes Zeitalter scheint angebrochen. Doch etwas ist schiefgelaufen. Extrem schief! Auf einem kleinen primitiven Planeten trifft ein Mensch rein zufällg auf ein vollkommen nichtmenschliches Wesen – und löst die Apokalypse aus: eine Macht, die all unsere Ängste wahr werden läßt.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der Auftakt zur Night’s Dawn Trilogie bzw. Armageddon Zyklus – Unterhaltssame, moderne Space Opera“75

Science-Fiction-Rezension von Guido Billstein

Der 1960 in der englischen Grafschaft Rutland geborene Peter F. Hamilton legte den vorliegenden Roman „The Reality Dysfunction“ 1996 als Auftaktband seiner „Night’s Dawn“-Trilogie vor. Die deutsche Ausgabe erfolgte wegen des Umfangs der Originalausgabe in zwei Bänden: „Die unbekannte Macht“ (Teil 1) und „Fehlfunktion“ (Teil 2). Insgesamt erschien die Trilogie in Deutschland in sechs Bänden als ´Armageddon Zyklus´.

„Hamilton bringt die britische Sci-Fi zurück auf die Überholspur“, jubelte damals die britische Times. Allgemein waren „The Reality Dysfunction“ und die Fortsetzungen „The Neutronium Alchimist“ sowie „The Naked God“ gleichermaßen bei Kritikern und Lesern ein Riesenerfolg und begründeten Hamiltons Reputation als Erneuerer des lange totgesagten Subgenres der Space Opera.

„The Reality Dysfunction“ ist mit mehr als 1.200 Seiten in der britischen Originalausgabe ein äußerst monumentales und vor allem langes Werk. Nichts für Freunde dünner Bücher und kurzer Romane.

Entwurf einer eigenen Future History

Wir befinden uns ungefähr im Jahr 2600 nach Christus. In unserer Galaxis hat sich die Menschheit auf ca. 900 besiedelte Planeten ausgebreitet. Tendenz steigend. Ein Konglomerat von mehr oder weniger demokratischen Republiken, Königreichen und Diktaturen mit ihren Kolonien. Seit 2227 lose vereint in einer Konföderation, die sich im Wesentlichen auf Verteidigung, Polizeiwesen und einen gewissen Gesetzesrahmen beschränkt, ohne in die Autonomie der einzelnen Mitglieder näher einzugreifen.

Hamilton entwickelte für diesen epochalen Entwurf eine eigene Future History (als Zeitachse dem Roman als Anhang beigefügt), die die Entwicklung der Menschheit vom Jahr 2020 bis zum Jahr 2600 beschreibt – also bis zum eigentlichen Beginn der Romanhandlung. Dieser Zukunftsentwurf ist durchaus überzeugend, sowohl in soziologisch-kultureller wie auch naturwissenschaftlich-technischer Hinsicht.

Da gibt es lebende Raumschiffe, Voidhawks, entwickelt von den Edenisten, deren Spezialität die Gentechnologie, insbesondere die Verschmelzung von menschlichen Genen und biologisch – technischem Schnickschnack ist. Edenisten repräsentieren den Teil der Menschheit, der sich der Gentechnologie mit allem was dazu gehört, verschrieb. Nanotechnologie ermöglicht das direkte Interface zwischen menschlichem Gehirn und Computern. Gigantische Raumstationen (Habitate) in Form von Zylindern mit künstlichen Landschaften an der Zylinder – Innenseite sind die Wohnwelten der Edenisten. Demgegenüber sind die Adamisten der eher traditionelle Teil der zukünftigen Menschheit. Sie lehnen Genmanipulation ab – nicht zuletzt aufgrund moralisch religiöser Werte. Es besteht jedoch eine friedliche Koexistenz zwischen Edenisten und Adamisten.

Dieses gigantische – sagen wir mal: Sternenreich ist der Schauplatz der Geschichte. Planeten und Monde aller Größen – Erdähnliche, Gasriesen, Wüstenplaneten, Wasser- und Eiswelten. Sonnen aller Farben – gelbe, rote und auch weiße. Ein schwarzes Loch hier und da.

Unbekannte Macht dringt in Dschungelwelt vor

Alles wäre prima, gäbe es da nicht diese Vorkommnisse auf dem Planeten Lacombe. Eine ursprüngliche Welt, bestehend aus Wasser und Dschungelkontinenten, die gerade erst in den Anfängen der Besiedelung steckt. Eine Frontier Welt sozusagen. Hier manifestiert sich eine geheimnisvolle extraterrestrische Lebensform, die dafür sorgt, dass die Kolonisten nach und nach von denen Seelen Verstorbener übernommen werden. Sie verwandeln sich in Zombie-ähnliche Wesen, die offenbar von der extraterrestrischen Lebensform gesteuert werden und auf außerordentlich brutale Art und Weise Jagd auf die verbliebenen „normalen“ Menschen machen. Am Ende des Romans werden sich diese Verwandelten bereits auf andere Planeten der Konföderation ausgebreitet haben, da es seine Zeit braucht, bis die Bedrohung überhaupt in ihrer Tragweite erst als solche erkannt wird.

Hamilton erzählt diese Invasionsstory anhand von vielen Charakteren und Episoden, die allesamt spannend, gruselig und glaubhaft sind. Der Held ist Joshua Calvert, junger Eigentümer und Kapitän des frisierten Handelsraumschiffs Lady Macbeth. Joshua ist ein Han Solo Typ, ein kluger, sympathischer Abenteurer, der vielleicht nur eine Schwäche hat – die spezielle für Frauen.

Eine mordene Space Opera – mit Horror Elementen

Die Space Opera ist innerhalb der SF ein sozusagen kontaminiertes Gelände. Sie hatte ihre Blütezeit in den 1930er und 1940er Jahren und Autoren wie die Amerikaner E.E. ´Doc´ Smith mit seiner Lensmen Serie oder Edmond Hamilton mit Captain Future verpassten ihr das Image der Trivialität. Aufrechte Amerikaner befreien die Galaxis von chloratmendem Gewürm. Ein Image, das auch heute noch, nach Star Trek, Star Wars oder auch Perry Rhodan weiterhin besteht.

Im Vergleich zu den älteren Werken der amerikanischen SF ist Hamiltons Werk ein deutlicher Fortschritt. Es gibt jede Menge Sense of Wonder und einige Horror-Elemente, aber eben auch einen überzeugenden Zukunftsentwurf und glaubhafte Charaktere – bis in die Nebenfiguren hinein. „The Reality Dysfunction“ ist eine erwachsene und moderne Space Opera. Erwachsen auch, was den Umgang mit Gewalt und Sexualität betrifft. An beiden herrscht kein Mangel.

Dramaturgisch gelingt es Hamilton sehr gut, diese lange und auch komplexe Geschichte mit vielen parallelen Handlungssträngen ohne Längen zu komponieren. Die Spannung steigt von Anfang bis zum Ende. Einen Abschluss gibt es freilich nicht, schließlich handelt es sich um den ersten Band einer Trilogie.

Ein Vergleich mit literarisch ambitionierteren SF Werken (eines J.G. Ballard zum Beispiel) wäre sicher vermessen. Gleichwohl ist Hamiltons „The Reality Dysfunction gute Unterhaltung“ und macht Lust auf die Fortsetzungen.

Diese Rezension bezieht sich auf die Originalausgabe „The Reality Dysfunction“

Ihre Meinung zu »Peter F. Hamilton: Die unbekannte Macht«

Beverly zu »Peter F. Hamilton: Die unbekannte Macht«10.03.2012
"Die unbekannte Macht" ist der Beginn des Armageddon-Zyklus, mit dem Peter F. Hamilton ein großes, vielleicht sogar großartiges SF-Epos geschrieben hat. Die weiteren Titel der deutschen Ausgabe sind:

- Fehlfunktion
- Seelengesänge
- Der Neutronium-Alchimist
- Die Besessenen
- Der nackte Gott

Hamilton führt die Leser durch eine bizarre und sehr oft düstere Zukunftswelt, in der die Menschen trotz allen technischen Fortschritts nicht mit sich im Reinen sind. Viele der politischen Systeme der zukünftigen Menschheit taugen nicht viel, der Kapitalismus führt auch in einer interstellaren Zivilisation immer wieder zu Krisen und der Planung neuer Kolonien gehen die Verantwortlichen von idiotischen Prämissen aus.
Das führt dann dazu, dass Menschen, die Lichtjahre in modernen Raumschiffen zurückgelegt haben, auf ihrer neuen Heimatwelt in Raddampfern zu ihrem Bestimmungsort schippern müssen. Auf einer anderen Welt haben reaktionäre Eliten die Entwicklung auf dem Stand des 19. Jahrhunderts eingefroren, damit sie als Großgrundbesitzer feudal leben können und die da unten auch unten bleiben.

Diese und noch schlimmere Unsäglichkeiten lassen es nicht verwunderlich erscheinen, dass den Menschen und Gesellschaften im Armageddon-Zyklus ihre Widersprüche um die Ohren fliegen und ihre Welt unterzugehen schein. Das geschieht allerdings auf eine Art und Weise, die nichts mit gängigen Vorstellungen von gesellschaftlichem Umbruch zu tun hat.

Die Menschen, die aufgrund eigenem Versagen oder der Schuld der Gesellschaft, in der sie lebten, nicht das Leben geführt haben, das zu ihnen passte, holen sich all den Spaß, der ihnen in ihrem Leben versagt geblieben ist. Wohlgemerkt, nicht die Lebenden, sondern die Toten! Sie kehren aus dem Jenseits zurückk, um im Diesseits so richtig auf die Pauke zu haue und die ganz große Sause zu machen! Heraus kommt allerdings Party mit Menschenopfer, die für die noch Lebenden zum nicht enden wollenden Alptraum wird.

Die Idee "Die Toten kommen zurück, um sich den Spaß zu holen, der ihnen im Leben versagt blieb" ist genial und ich kenne in der Phantastik nichts Vergleichbares. Die Auflösung wird ihr allerdings nicht gerecht und ich habe das Gefühl, Hamilton bemühte da einen deus ex machina, der für ihn mal eben schnell die lieben Toten einsammelte, die ihm beim Schreiben über den Kopf gewachsen sind.
yoorde zu »Peter F. Hamilton: Die unbekannte Macht«15.07.2009
Der Armageddon Zyklus von Hamilton ist einer der besten Romanezyklen der letzen Jahre.
Es stimmt über die ersten 200 - 250 Seiten muß man sich durch kämpfen. Aber dann und da stört auch nicht das Technik Blabla, im Gegenteil mit der Zeit wird man richtig süchtig nach den Romanen. Ich habe die Roman immer gelesen wenn sie raus kamen und ich konnte den nächsten Teil nicht erwarten. Knapp 3600 Seiten zu lesen will was heißen.
Was mir gefallen hat sind auch die Idee mit den Seelen der Toten und wenn man alles nicht ganz so bierernst nehmen will, sind die Idee ganz ergötzlich. Wie wäre es heute wenn Al Capone zurück kommt? :-)
Für mich mit das Beste was ich in den letzen 20 Jahren an SF gelesen habe.
Sollte jeder gelesen haben.
Jochen Piezonka zu »Peter F. Hamilton: Die unbekannte Macht«26.01.2008
Hamiltons von Rezipienten hochgelobte "Space Opera" des Armageddon-Universums (meine Einschätzung bezieht sich ausdrücklich auf alle Teile des Gesamtzyklus) erweist sich nach dem Lesen aller Bände mit dem Betrachtungsabstand zum ersten Band von über 10 Jahren (1996 "The Reality Dysfunction Part 1" deutsch "Die unbekannte Macht") als sehr zwiespältig. Der erste Band vesprach vom Plot eine echte Innovation. Er war spannend geschrieben, die Grundidee der Begegnung von irdischen Menschen mit einer nichtmenschlichen Lebensform auf einem außerirdischen Planeten war ja nun zwar wahrlich nicht neu, aber die Art und Weise der literarischen Umsetzung hatte schon einen gewissen Charme und Spannung (wenn der auch letztlich hauptsächlich auf "Hau und Dresch" beruhte), der mich dann auch zum Kauf der weiteren Bände animierte. Was dann allerdings folgte, ist pseudoreligiöser Unsinn mit Massenschlächterein, plus der kruden Al Capone-Story, was will Hamilton damit, originell sein (?) ich empfinde es als lächerlich. Das Gesamtzyklus eignet sich bestimmt für die Umsetzung in einem B-Movie, ein großartiges literarisches Werk der Science Fiction ist er mit Ausnahme des ersten Bandes bestimmt nicht.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Nassbirne zu »Peter F. Hamilton: Die unbekannte Macht«15.10.2007
Eine der besten Space Operas!! Sehr gut gelungener mix aus traditioneller science-fiction, rafiniert gepaart mit Cyber Punk und Horror Thriller. 3600 Seiten,die müßig anfangen, dann aber sehr schnell ein großes suchtpotential entfalten. Ein absolutes Muss füt alle Liebhaber der neueren Science-fiction Literatur

*Sollte man mal verfilmen, dagegen würden Operas wie Star Wars und Co alt aussehen!!!!*
Seelenpflücker zu »Peter F. Hamilton: Die unbekannte Macht«27.10.2006
Bis Seite 300 passiert nicht wirklich viel. Dann aber enfaltet das buch sein
Potenzial.
Ein bißchen zuviel Technik-Gebrabbel und ein wenig zu viele Personen. Es ist beschreibt einen Kampf und ist auch ein Kampf.
Aber es ist letztlich doch lesenswert.
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