Die Janus-Affäre von Pip Ballantine & Tee Morris

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „The Janus Affair“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 476 Seiten.ISBN 3802586441.Übersetzung ins Deutsche von Michaela Link.

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In Kürze:

Ein Paar zum Verlieben, viktorianisches Flair vom Feinsten und jede Menge verrückte Erfindungen. So muss Steampunk sein! In London verschwinden Frauen aus allen Gesellschaftsschichten. Ihnen ist nur eines gemeinsam: Sie haben sich für Frauenrechte engagiert. Agentin Eliza D. Braun und Bibliothekar Wellington Books sollen in dem mysteriösen Fall ermitteln und stoßen auf eine Verschwörung, die bis in die obersten Kreise der Londoner Gesellschaft reicht.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Ballantine und Morris bringen frischen Wind ins Steampunk Sub-Genre“82

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Als Agenten für das Ministerium für außergewöhnliche Angelegenheiten haben es der Archivar Wellington Brooks Esquire und seine unfreiwillige, strafversetzte Partnerin Eliza Brown aus den Kolonien im Regelfall mit staubigen Akten und trockenen Berichten im Archiv tief im Keller unterhalb des Hauptquartiers zu tun. Schon einmal, in „Das Zeichen des Phönix“ gelang es der überschäumenden, quirligen Eliza ihren neuen Partner dazu zu bewegen, seinen gemütlichen Platz im Keller und seine perfekte Tasse Assam-Tee zu verlassen und sich aktiv und natürlich höchst unerlaubt in den Außeneinsatz zu begeben. Als eine ganze Reihe von Suffragetten vor den Augen ihrer Anhänger und Gegner gleichermaßen spurlos verschwinden, ja sich in Luft auflösen, ahnt Eliza, dass etwas faul ist im Staate der Königin Vic. Wer lässt die Frauenrechtlerinnen verschwinden, warum und wichtiger noch wie? Die erneut illegale Suche unserer beiden fördert nicht nur bislang unbekannte Tatsachen über ihren Partner Wellington Brooks ans Tageslicht, eine alte Liebe taucht wieder auf und schließlich muss sie eine ungewöhnliche Allianz mit ihrer gefährlichsten Gegnerin eingehen, um das Rätsel zu lösen und vielleicht zu überleben …

Tempo, Charme und Raffinesse – die Mischung stimmt

Schon der ersten Teil der kleinen Steampunk-Serie bewies, dass hier ein Autoren-Duo auf den Plan getreten ist, das bestens zu unterhalten weiß. Mit viel Tempo und Pfiff, mit Charme und Raffinesse zogen sie den Leser in ihren Bann und unterhielten bestens. Nun ist es immer schwierig, einem erfolgreichen und überzeugenden Auftakt eine gelungene Fortsetzung folgen zu lassen. Pip Ballantine und Tee Morris haben die Aufgabe mit Bravour gelöst. Ohne Brüche und dennoch frisch und neu bietet sich der zweite Band um Brooks & Brown an. Unsere beiden Hauptpersonen sind uns ja nun bereits bekannt, erhalten aber weitere Tiefe durch den Ausbau ihrer jeweiligen Historie. Dass dabei der auf den ersten Blick so knöchern-trocken Wellington Brooks für so manche Überraschung gut ist, sei erwähnt, dem Genuss der entsprechenden Szenen mag ich hier nicht vorgreifen. Auffallend, dass vorliegend die Nebenpersonen immer deutlicher ausgestaltet werden. Über diese werfen die Autoren ein bezeichnendes Licht nicht nur auf die beschriebene Gesellschaft, sondern auch auf die Geisterhaltung, die kulturellen Vorgaben und die glaubwürdig gezeichnete Art und Weise, wie man damals gedacht und gelebt hat. Auch wenn der Handlungsort selbst nach wie vor ein wenig unscharf bleibt, weiß uns diese Welt zu verzücken. Eben auch, weil die Autoren auch deren Schattenseiten – die strikte Klassentrennung der Gesellschaftsschichten, die Empire-First Denkart, den alltäglichen Snobismus durchaus in ihren Plot einfließen lassen. Daneben verzücken uns die munteren, frechen Dialoge zwischen unseren beiden Protagonisten. Der Handlungsbogen ist straff und ohne Brüche durchstrukturiert, bietet viel Spannung, Dramatik und Heldentum so dass man viel zu schnell am Ende angelangt ist und das Buch befriedigt, aber nach weiteren Abenteuer lechzend, schließt.

(Carsten Kuhr, Januar 2013)

Ihre Meinung zu »Pip Ballantine & Tee Morris: Die Janus-Affäre«

benfi zu »Pip Ballantine & Tee Morris: Die Janus-Affäre«17.08.2013
Der zweite Roman der 'Steampunk'-Serie um die Agenten Books und Braun erschien recht zügig hinter dem Erstling und lässt den Leser sich so natürlich wieder schnell in der Welt der Autoren Ballantine und Morris zurecht finden. Anfangs sagte mir das Buch weniger zu, denn die Thematik um die Suffragetten war nicht so ganz mein Ding. Allerdings machten das die wunderbaren Charaktere wieder schnell wett - die Hilfreichen Sieben, Sophie del Morte und der gesamte Apparat des Ministeriums aus dem ersten Fall wirken erfreulicherweise auch in diesem Band mit. Der Fokus war diesmal auf Wellington Books und seiner Vergangenheit und somit seinen Fähigkeiten gerichtet, welches einige Überraschungen an den Tag brachten. Besonders begeisterte mich das Kapitel, in dem er gegen Elizas' alten Schwarm Douglas auf dem Rugbyfeld antrat. Gerade Übersetzungen (oder auch Synchronisationen) fremder Sportarten sind manchmal haarsträubend, aber Übersetzerin Michaela Link hat hier gute Arbeit geleistet! Wenn auch im 19. Jahrhundert eigentlich nur ein erhöhter Versuch (also ein Try) wirklich zählte. Aber das würde auch zu weit führen... So wurde die 'Action-Schraube' im Gegensatz zum Vor-Roman bis auf das Finale ein wenig zurück gedreht, dafür gab es eine Prise mehr an Emotionen und Empfindungen. Mit fortschreitender Seitenzahl wurde 'Die Janus-Affäre' allerdings rasanter und explodierte regelrecht in einem furiosen Finale. Die Romanfiguren des Autoren-Duos sowie deren 'Steampunk'-Universum haben auf jeden Fall noch jede Menge Potential für weiteren Lesestoff. Die ersten beiden Bände sind definitv ein Serien-Auftakt der besseren Sorte ... und das ist noch leicht untertrieben!
90°
tassieteufel zu »Pip Ballantine & Tee Morris: Die Janus-Affäre«28.01.2013
Während ihrer Rückreise von Schottland werden Eliza Braun und Wellington Books Zeuge, wie eine Frau in einer Art Lichtblitz verschwindet. Ausgerechnet der von Eliza besonders verabscheute Agent Bruce Campbell wird von Dr. Sound mit der Aufklärung dieses seltsamen Falles betraut, da Eliza ihm nicht über den Weg traut, forscht sie auf eigene Faust nach und stellt fest, dass dies nicht die erste Entführung dieser Art war. Die Frauen stammten aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, doch alle Opfer engagierten sich stark in der Suffragettenbewegung. Als Eliza und Wellington an einer Kundgebung der Suffragetten teilnehmen, kommt es zu einem weiteren tragischen Vorfall und nun kann sich auch Books nicht mehr von Elizas Ermittlungen fernhalten.

Der zweite Fall für Books & Braun hat mich, wie schon der Vorgänger, beim Lesen begeistert und mehr als gut unterhalten. Die beiden Autoren überzeugen wieder mit skurriler Figurenzeichnung, einer Fülle von witzigen und ungewöhnlichen Steampunkideen und natürlich durch ihre beiden unwiderstehlichen Hauptfiguren Eliza D. Braun und Wellington Books. Das Knistern zwischen den Beiden macht einfach nur Spaß! Dazu die ironisch-witzigen Dialoge und Geplänkel, die launige Unterhaltung bieten, einfach herrlich!!
Auch wenn das Buch hauptsächlich durch seine beiden Hauptfiguren lebt, deren Charaktere hier noch weiter ausgearbeitet und mit Leben gefüllt werden, so überzeugt vor allem auch der stimmige, farbenprächtige Steampunk Weltentwurf, deren Grundgerüst an die viktorianische Zeit angelehnt ist. Gelungen integrieren die Autoren jede Menge dampfbetriebener Gerätschaften wie Ornithopter, ein Lokomoped und den geheimnisvollen Teleporter. Hier ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild mit einer tollen Atmosphäre. Bei Eliza und Wellington werden angedeutete Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit gelüftet und natürlich auch neue Fragen aufgeworfen, die hoffentlich irgendwann noch beantwortet werden.
Viele lieb gewonnene Figuren und natürlich auch einige, denen man am liebsten den Hals umdrehen würde, sind wieder mit dabei und sorgen auch in dieser Geschichte für spannende Unterhaltung! Und spannend ist es von Anfang an, das ganze Buch hindurch rätselt man darüber, was es mit dem Verschwinden der Frauen auf sich hat. Auch diverse Nebenschauplätze um Agent Campbell, Doktor Sound, Lord Sussex und den geheimnisvollen Maestro tragen dazu bei, das die Spannung durchweg erhalten bleibt. Das bringt mich dann doch zu einem kleinen Manko im Buch! Sicher ist es nicht schlecht, wenn einige Fragen ungeklärt bleiben, um so für die Folgeteile die Spannung zu erhalten, hier blieben mir aber zu viele der Nebenstränge unaufgelöst und einige Zusammenhänge erschlossen sich gar nicht, hier wurden Erkenntnisse aus dem Hut gezaubert, die sich mir als Leserin so gar nicht erschlossen haben, aber insgesamt ist das nur ein kleiner Kritikpunkt.
Locker, leicht und witzig geschrieben, hat man das Buch wieder viel zu schnell durch und muß nun vermutlich wieder 1 Jahr warten, bis hoffentlich ein nächster Band erscheint!

FaziT: eine unwiderstehliche Mischung aus Charme, Witz, Spannung, einer Fülle von Ideen und zwei bezaubernden Hauptfiguren, die pure Lesefreude bietet!
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