Traveller von Richard Adams

Buchvorstellung

Traveller von Richard Adams

Originalausgabe erschienen 1988unter dem Titel „Traveller“,deutsche Ausgabe erstmals 2006, 347 Seiten.ISBN 3937897119.Übersetzung ins Deutsche von .

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Ihre Meinung zu »Richard Adams: Traveller«

Tark zu »Richard Adams: Traveller«21.04.2008
Richard Adams, weltbekannt geworden durch seine Tierparabel “Unten am Fluss“ legte mit seinem achten im Jahr 1988 erschienenen Roman “Traveller“ erneut eine jener Fabeln vor, in der er das Geschehen aus dem Blickwinkel eines Tieres schildert. Die deutsche Erstveröffentlichung in der Edition Phantasia überzeugt sowohl durch die schlichte, etwas düstere, aber prägnante Gestaltung des Buchmantels als auch die gelungene Übersetzung seitens Joachim Körbers.

Frühling des Jahres 1866 in Lexington Virginia. Eine kleine Stadt in einem felsigen Bergtal unterhalb der Blue Ridge Mountains. Einsam, schwer zugänglich. Umher von Abnutzung und Verfall geprägt. Unweit steht das hübsche, zweistöckige Haus des Präsidenten. Studenten überqueren den Campus. In Ermangelung anderer Kleidung noch immer die geflickten, gestopften, grauen Uniformen tragend. Eine schlanke Katze schleicht an der Wand entlang durch ein Abflussloch in den Stall. Hier hat sich ein neun Jahre alter, prachtvoller grauer Wallach zur Ruhe gelegt. Unsere Geschichte beginnt, wie „Traveller“ der Hauskatze „Tom Beisser“ seine Erlebnisse von den gemeinsamen Ausritten mit seinem Herrn General Robert E. Lee im amerikanischen Bürgerkrieg zu erzählen beginnt. Anhand der geschilderten Ereignisse seinerseits eröffnet sich uns nach und nach die Geschichte.

Dabei ist es gerade die masslose Naivität und erfahrungslose Einfalt Travellers, welche die Sinnlosigkeit und Absurdität des Sezessionskrieges in seiner ganzen Dimension vor dem Leser entfaltet. Traveller nimmt die Angst und schleichende Nervosität, die umher Besitz von den Menschen ergreift, empfindsam wahr. Da ihn ein treues und aufopferungsvolles Band mit seinem Herrn verbindet, spürt er auch dessen Unentschlossenheit und Verunsicherung. Dabei spielt auch das Prinzip der Gegenseitigkeit eine Rolle. Für General Lee`s Augen sind die Tiere die wahren Opfer des Krieges, da er ihre Unverständlichkeit nachzuvollziehen versucht. Er tut alles, um es den Tieren so erträglich wie möglich zu machen. So zeigt sich Traveller zufrieden, trägt seinen Herrn voller Vertrauen und Vorfreude überallhin, ohne zu wissen, was ihn erwartet. Es macht ihm nichts aus. Schliesslich ist er das Pferd des Generals, das diesem alle Ehre machen will.

Während den Ausritten stösst Traveller immer wieder auf andere seiner Artgenossen, mit welchen er sich in der Pferdesprache unterhält. Dabei erfährt er, dass es um irgendeinen Ort geht, zu dem alle hin wollen. Wenn alle dorthin gehen wollen, muss das doch ein schöner Ort sein. Folgender Ort ist dann aber ganz anders, wie er ihn sich vorgestellt hat. Er muss sich eingestehen, dass er an dem Ort nicht ankommen wird. Stattdessen erlebt er nächtelange Märsche durch exzessive Regengüsse. Grosse Gruppierungen von blauen und grauen Männern, die aufeinander treffen und ständig in Bewegung sind. Ohrenbetäubende Knallereien durch Musketen und Kanonen. Ganze Hügelflanken voller regloser Menschen. Pferde, die in Schlammlöchern stecken und halbtot um ihr Überleben kämpfen. Dazwischen immer wieder Unterbrechungen. An nächsten Tag von neuem. Traveller versteht die Motive oder Zusammenhänge der Handlungen nicht, aber er glaubt unerschütterlich daran, dass das, was sein Herr von ihm verlangt, das Richtige ist.

“ Traveller“ ist hervorragend recherchiert. Adams hat verschiedenste Informationsquellen herangezogen. In den “ Recollections and Letters of General Robert E. Lee“ zitiert der Sohn Lee`s einen Brief seines Vaters an seine Schwester, woraus Adams die Namen beider Katzen und deren Merkmale übernommen hat. Ausserdem erfährt er daraus exakte Fakten, wie z.B. die Stute Lucy Long am 21. Dezember 1866 in die Stallungen zurückgebracht wurde. So auch, dass Lee`s Reitausflug mit der Tochter, Traveller und Lucy Long Ende Juni 1867 statt fand. Desweiteren steht geschrieben, dass sich der Vorfall mit dem Zurückpfeifen am Landeplatz des Kanalbootes im Juli desselben Jahres zutrug. Die Verletzungen, die sich R. E. Lee am 31. August 1862 an den Händen zuzog, konnte er im Buch eines Augenzeugen erfahren. Darüber hinaus hat er sogar Anekdoten aus Memoiren von Lee selbst entnehmen können. Weiterhin hat er sich dazu entschieden, den Protagonisten Traveller durch den Südstaaten-Dialekt erzählen zu lassen, welchen er durch Akademiker genau versucht hat, zu übernehmen. Dieses historische Gewebe vereint er mit leichter Fiktion, wobei es den Eindruck macht, dass es tatsächlich so hätte passiert sein können.

Fazit: “Traveller“ ist ein signifikantes Plädoyer an das verständnisvolle und sorgsame Zusammenleben mit unseren Mitlebewesen. Es lässt uns entsinnen, dass Tiere ebenfalls empfindsame und sensible Wesen sein können, welchen vielleicht weniger von unseren Fehlern entgehen könnte, als wir ahnen. Für Freunde ungewohnter Perspektiven ist dieses Buch absolut empfehlenswert.
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