Unten am Fluss - Watership Down von Richard Adams

Buchvorstellungund Rezension

Unten am Fluss - Watership Down von Richard Adams

Originalausgabe erschienen 1972unter dem Titel „Watership Down“,deutsche Ausgabe erstmals 1975, 656 Seiten.ISBN 3-548-60806-X.Übersetzung ins Deutsche von Egon Strohm.

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In Kürze:

Ein Kaninchenvolk wird vertrieben und muss in der Fremde eine neue Heimat finden – ein Unternehmen, das von zahlreichen Gefahren und internen Konflikten erschwert wird und einen Krieg heraufbeschwört: Eine fabelähnliche Tiergeschichte gewann unter der Feder eines ungemein fähigen Schriftstellers epische Züge und wurde zu einem anspruchsvollen, alterslosen Buchklassiker, der aus gutem Grund ganze Lesergenerationen gefesselt hat und weiterhin fesseln wird.

Das meint phantastik-couch.de: „;Mitreißender Exodus im Kaninchen-Mikrokosmos“;100

Fantasy-Rezension von Michael Drewniok

Das Leben ist schön im Sandleford-Gehege, gelegen in der idyllischen englischen Grafschaft Berkshire unweit des Städtchens Newbury – jedenfalls aus der Sicht eines Feldkaninchens. Eine Schar dieser langohrigen Nager hat sich hier häuslich niedergelassen. Streng aber gütig und halbwegs gerecht wird sie angeführt vom ehrwürdigen Oberkaninchen Lord Eberesche. Ihm zur Seite stehen als Leibwache und Berater die Mitglieder der Owsla, des Kaninchen-Adels, deren Worte Befehl sind im Gehege.

Der junge Bock Hazel gehört zwar noch zum gemeinen Volk, gilt aber als aussichtsreicher Kandidat für die Owsla. Seinem jüngere Bruder Fiver wird dieser Aufstieg wohl verwehrt bleiben. Er war der Kleinste seines Wurfes und ist auch heute nicht der Stärksten einer. Zudem ist er nervös und hyperaktiv – und er hat Visionen, die ihn in die Zukunft blicken lassen. Den anderen Kaninchen ist Fiver entweder lästig oder etwas unheimlich; da ist es gut, dass Hazel seine schützende Pfote über ihn hält.

Eines Tages kommt das Verderben über das Sandleford-Gehege. Die Menschen planen hier eine Siedlung zu errichten. Fiver „;sieht” die Katastrophe voraus und drängt zum Exodus in ein neues, abseits aller Störungen gelegenes Land, das ihm im Traum erschienen ist. Bei Lord Eberesche holt er sich zwar eine Abfuhr, aber er beeindruckt neben seinem Bruder doch einige andere Kaninchen. Sogar der raubauzige Krieger Bigwig schließt sich den zehn Auswanderern an, die – von den Zurückbleibenden als Dummköpfe und Selbstmörder verlacht und von der Owsla als Aufrührer verfolgt – das Gehege verlassen und sich auf eine gefährliche Reise begeben.

Weit ist der Weg ins Gelobte Land, und er ist nicht nur dornig. Breite Flüsse gilt es zu überqueren, gefährliche Verfolger abzuschütteln, unheimliche Menschenstraßen zu kreuzen. Alle Leiden sind vergessen, als die Reisenden das Kaninchen Cowslip treffen, das sie scheinbar freundlich einlädt, sich seinem Volk anzuschließen. Doch ein Fluch lastet auf diesem Gehege, dem Bigwig beinahe zum Opfer fällt. In letzter Sekunde gelingt die Flucht. Der Schar schließt sich der junge Strawberry an, der den Schrecken in seinem Gehege nicht mehr erträgt und lieber mit in die Ungewissheit zieht.

Die gefahrvolle Reise geht also weiter, endet aber glücklich in Watership Down, dem Gehege unten am Fluss in der Grafschaft Hampshire. Sandleford ist inzwischen tatsächlich zerstört worden, aber einige Überlebende finden den Weg in die neue Heimat. Dort richten sich die Kaninchen gut ein. Allerdings gibt es ein Problem: Nur Böcke leben in Watership Down. Um ein richtiges Gehege zu gründen, müssen Häsinnen her. Die fände man im gar nicht sehr weit entfernten Efrafa-Gehege, dem ohnehin Überbevölkerung zu schaffen macht. Doch über Efrafa, das einem Militärlager gleicht, herrschen der tyrannische General Woundwort und seine ihm treu ergebenen Schergen, die niemanden ziehen lassen.

Die Kaninchen von Watership Down befreien in einer Nacht-und-Nebel-Aktion viele geknechtete Efrafa-Insassen und erregen Woundworts Zorn. Er stellt eine Streitmacht auf und plant einen Angriff auf Watership Down, um die Flüchtlinge zurückzuholen und gleichzeitig die Eindringlinge zu vernichten. Diese setzen der blanken Gewalt List und Einfallsreichtum entgegen, aber als der Krieg losbricht, sieht es rasch so aus, als würden Woundworts Truppen den Sieg davontragen…

Kinderbuch, Tiermärchen & Gesellschaftsdrama

Es war einmal… ein englischer Familienvater in den beginnenden mittleren Jahren, der in seiner Jugend in Oxford die brotlosen Künste Literatur und Geschichte hatte und daher froh sein durfte, später als Angestellter im Amt für Umweltschutz untergekommen zu sein. Auf vielen öden Dienstfahrten dachte er sich für seine beiden Töchter Geschichten über schlaue Kaninchen aus, die er ihnen dann erzählte, wenn die Familie an den Wochenenden in ihr Ferienhaus in den Hügeln von Hamphire fuhr. Das tat er so gut, dass die Töchter, als sie älter wurden, ihn drängten, doch niederzuschreiben, was sonst verloren wäre. Im Sommer des Jahres 1966 folgte Richard Adams, damals 46-jährig, ihrem Wunsch. Zweieinhalb Jahre schrieb er vor sich hin, ohne sich beirren oder beeinflussen zu lassen, und schuf einen lupenreinen Klassiker der Literaturgeschichte. Davon ahnte er allerdings nicht, als er 1969 versuchte, einen Verlag für seinen Erstling zu begeistern. Doch überall winkte man ab: Zu komplex, zu ausladend hatte Adams eine Geschichte erzählt, für die hauptsächlich Kinder und Jugendliche die Zielgruppe zu sein schienen, welche ja bekanntlich lieb und dumm sind und vor der bösen, bösen Wirklichkeit beschützt werden müssen. Nur der kleine Verlag Rex Collings griff 1970 eher halb entschlossen zu und brachte das Werk erst zwei Jahre später in kleiner Auflage heraus, ohne zu ahnen, welches Bestseller-Gold man da geborgen hatte.

Doch dies waren die Jahre von Flower-Power, der Rebellion gegen das Establishment, der kollektiven Selbstfindung und kosmischen Bewusstseinserweiterung, für deren Realisierung jedes Mittel recht war, zumal sich rasch herausstellte, das es ohne Krücken nicht viel zu erweitern gab. Jetzt setzte der “;Der Herr der Ringe” zum Triumphzug an und die hochnotpeinliche Möwe Jonathan zu ihrem Höhenflug, während im Kino „;Easy Rider”, “;2001” und „;Lautlos im Weltall” flimmerten. In dieser Welt wurde auch eine Schar (oder besser ein Kollektiv) entwurzelter Kaninchen, die sich – den Spuren Moses‘ und der Israeliten folgend – auf die Suche nach einer besseren, weil von der Zivilisation noch nicht angekränkelten Welt begaben, mit offenen Armen (und Börsen) empfangen.

Wobei die Welt sehr amerikanische Züge trug. Dort mischte sich schon leicht angegrüntes Gedankengut mit gesundem Geschäftssinn und ließ “;Watership Down” in Rekordzeit mehr als eine Million Mal über die Ladentische gehen. Dies ist keine Kindergeschichte über Kaninchen, hatten die Werbestrategen von „;Penguin Books” verkündet, sondern eine epische Parabel über Dinge, die zählen im Leben. Da konnten auch die Erwachsenen guten Gewissens zugreifen. Die Belohnung blieb nicht aus: 1985 hatten die Pinguine fünf Millionen Bände an den Mann und die Frau gebracht. “;Watership Down” war (nach „;Farm der Tiere” von George Orwell) der am meisten verkaufte Titel in der Geschichte dieses nicht gerade kleinen Verlagshauses; selbst die “;Canterbury Tales” oder Homers „;Odyssee” mussten sich den Langohren geschlagen geben.

Die Geburtsstunde eines Karnickel-Kults

Richard Adams wurde berühmt und so reich, dass er das heimische Hampshire verlassen und auf die Insel Man umsiedeln musste, wo der Würgegriff des Finanzamtes sich ein wenig lockerer um seinen Hals schlang. Der Siegeszug der “;Watership Down”-Kaninchen war nicht mehr aufzuhalten. Ihre Abenteuer gibt es inzwischen als Film, Hörspiel, Musical, Theaterstück (!) und TV-Serie. Erstaunlicherweise hat sich sogar das Buch in der Gunst des Publikums halten können. Seit dreißig Jahren wird es kontinuierlich nachgedruckt, auch in Deutschland, wo es rechtzeitig zum 30. Jahrestag vom Ullstein- zum Heyne-Verlag gehoppelt ist.

Trotzdem werden wir Deutschen wohl niemals wirklich begreifen, welchen Nerv Adams vor nun schon recht langer Zeit bei seinen Landsleuten und bei den amerikanischen Rebellen traf. Allein die Internet-Suchmaschine „;Google” listet unter dem Suchbegriff “;Watership Down” Einträge in fünfstelliger Zahl auf. Darunter sind unzählige Websites, die einen regelrechten Kult um das Buch und seinen Verfasser treiben. Diese Fans profitieren von der Tatsache, dass Adams seine Kaninchen ihre Abenteuer in einer realen Landschaft erleben ließ. Er siedelte sie auf den Hügeln und Feldern seiner Jugend an, wo sich jeder Ort, der im Roman genannt wird, gut wiederfinden lässt. So etwas steigert natürlich den Identifikationsfaktor. Die Bewohner des Grenzlandes zwischen den Grafschaften Berkshire und Hampshire sind die ";Watership Down”-Pilger seit vielen Jahren gewöhnt. (Wen es ebenfalls dorthin zieht, werfe einen Blick auf www.mayfieldiow.freewire.co.uk/watershp/index.htm. Hier wird quasi jeder Pfotenschlag unserer pelzigen Helden kartografisch erfasst und ausführlich kommentiert.)

Kaninchen sind auch (nur) Menschen

Noch gar nicht berücksichtigt haben wir bisher die Frage, ob denn die Geschichte „;Watership Down” dem gleichnamigen Mythos gerecht werden kann. Um es kurz zu machen: Richard Adams ist mit Talent und Können eine Saga gelungen, die auch ohne den Medienrummel noch viele Jahre bestehen wird. Fabelähnliche Tier-Fantasy hatte es schon vor “;Watership Down” gegeben; in England wohl die berühmteste ist wahrscheinlich „;The Wind in the Willows” von Kenneth Grahame (1908, dt. “;Der Wind in den Weiden”). Das Geheimnis hinter dem Erfolg ist eigentlich keines: Sowohl Grahame als auch Adams haben ihre Werke ohne Schere im Kopf geschrieben. Beide verfassten keine erbaulichen, belehrenden, verlogenen Kinderbücher, sondern gaben ihr Bestes, um eine Geschichte zu erzählen, die vor allem spannend und mitreißend ist – und zwar für Leser jegliches Alters. Sie nahmen ihre Leser ernst – und das ist die Quelle, der ewige Klassiker entspringen!

Deshalb gibt es auch keine Irritationen, kein verstecktes Grinsen darüber, dass ausgerechnet Kaninchen – knopfäugige, schultütenohrige Wollsocken, die sich mit der Eleganz eines Plumpsacks bewegen und nicht zu den Hellsten im Tierreich gehören – in die Kulissen einer Saga biblischen Ausmaßes gesetzt werden. Sie spielen ihre Rollen großartig, aber das ist kein Wunder bei diesem Drehbuch. Adams entwickelt seinen Nagern eine eigene Welt, die geschickt menschliche Vorbilder aufgreift, ohne gleichzeitig ihre Bewohner allzu sehr zu vermenschlichen; ein Kardinalfehler der Tierfantasy, wobei es die Disney-Studios am übelsten treiben. Aber die Kaninchen von Watership Down sind nicht niedlich oder tapfer oder herzensgute pelzige Freunde, sondern eine Schar recht handfester Gesellen, die mit allen vier Pfoten fest auf der Erde (oder darunter) stehen – und das ist nur gut so, denn die Welt, in der sie leben, ist alles andere als ein Paradies. Die Natur hat es so eingerichtet, dass Kaninchen gut schmecken, von allen Fleischfressern gejagt werden und sich tüchtig vermehren müssen, um die ständigen Verluste auszugleichen. Wären diese Nager mit Verstand ausgestattet, könnte man sie sich sehr gut so vorstellen, wie Adams sie uns vorstellt: pragmatisch und nicht zu Sentimentalitäten neigend.

Gleichzeitig sind sie keine wilde Horde, sondern ein Volk mit Kultur und Geschichte. Aus leicht nachvollziehbaren Gründen führen sie keine schriftlichen Aufzeichnungen. Die Vergangenheit wird wieder und wieder erzählt, wenn man des Nachts oder an verregneten Tagen gemütlich im tiefen Bau zusammenhockt. Das hat ihr sagenhafte Gestalt verliehen und mischt sich mit religiösen Motiven. Ein heikles Thema: Wie fromm könnte man sich Kaninchen vorstellen? Auch da gäbe es reichlich Raum für schreckliche Fehlgriffe, zu denen besonders New Age-benebelte Autoren neigen, die jedes Lebewesen, das kein Mensch ist, automatisch zum Lieblingskind von Mutter Natur erklären. Meistens sind dann auch noch Gottheiten oder Geister im Spiel, die unseren Tierhelden ökologisch korrekte Weisheiten einflüstern (bzw. mit dem Holzhammer einprügeln), die natürlich auf das menschliche Publikum zielen. Adams meidet solchen verquasten Unsinn; das Pantheon seiner Kaninchen-Götter ist recht aufgeräumt. Frith, der Schöpfer, hilft primär dem, der sich selbst auf die Keulen setzt, und lässt seine viel geprüften Kinder (und die Leser) ansonsten weitgehend in Ruhe. Statt dessen halten sich unsere Nager lieber an das Vorbild des gewitzten Kaninchen-Eulenspiegels El-ahrairah, der wesentlich liebenswerter geraten ist als jeder neunmalkluge Naturgeist, und dessen Eskapaden der Leser gemeinsam mit den Langohren von Watership Down mit Vergnügen Revue passieren lässt.

Der Fluch des Erfolgs und seine Folgen

So bleibt „;Watership Down” noch heute und zukünftig ein Beispiel für unterhaltsame Erzählkunst auf hohem Niveau. Dieses konnte Richard Adams nach 1972 kontinuierlich steigern; zu seinem Ärger nahmen weder Publikum noch Kritik die fünf (!) umfangreichen Romane, die er seither schrieb, nur annähernd so begeistert auf wie seinen Erstling. Dabei beweisen “;Shardik” (1974, dt. „;Shardik”), “;The Plague Dogs” (1977, dt. „;Die Hunde des Schwarzen Todes”) oder “;Traveller„; (1988, dt. “;Traveller„;), dass Adams definitiv nicht der Hobby-Autor ist, dem zufällig der große Wurf gelang, sondern ein Schriftsteller von Format.

Der (Zeichentrick-) Film, der recht ansprechend geraten ist, weil nicht von Disney und daher ohne Saccharin-Overkill realisiert (dafür allerdings mit einem grausigen Titelsong – “;Bright Eyes” – geschlagen, den Popschnulzen-König Art Garfunkel verbrach), heißt ebenfalls „;Watership Down“; und entstand 1978 in G Großbritannien nach einem Drehbuch und unter der Regie von Martin Rosen.

Richard Adams selbst ist mit ";Neues vom Watership Down” noch einmal in die Welt von Hazel, Fiver & Co. zurückgekehrt, doch scheint er dafür nur einige Kapitel, Skizzen und El-ahrairah-Schelmereien, die es nicht in das Hauptwerk geschafft hatten, recht willkürlich und eher lieblos zusammengestellt zu haben; eine Fortsetzung ist dies jedenfalls nicht und ein echter Lesespaß auch nicht.

Ihre Meinung zu »Richard Adams: Unten am Fluss - Watership Down«

Leos zu »Richard Adams: Unten am Fluss - Watership Down«07.01.2011
10/10 Punkten!

Dieser Roman ist einfach fantastisch und seit ich ihn gelesen haben ist er mein Lieblingsbuch Nr. 1. Richard Adams schafft es nicht nur die Welt, Gesellschaft, Mythologie und Charakter der Kaninchen realistisch wirken zu lassen, er schafft mit seinem Werk auch eine moderne Fabel. Man könnte viele Verhaltensweisen der Kaninchen 1:1 auf unsere Welt übertragen.
Allerdings ist anzumerken, dass weder das Buch noch der gleichnamige Zeichentrickfilm für kleinere Kinder geeignet ist.
Die Geschichte von Fiver und Hazel zählt ganz sicher zu den größten, die jemals erzählt wurden! Man sollte sie unbedingt gelesen haben
mase zu »Richard Adams: Unten am Fluss - Watership Down«29.04.2009
Einem Wildkaninchen Gehege droht eine unbekannte Gefahr, die ihr „Seher“ erkennt, aber nicht benennen kann. Daraufhin beschliesst eine handvoll Karnickel den Exodus in eine ihnen unbekannte Welt, um einen neuen Lebensraum zu finden. Anfangs sind sie zu acht (?) und jedes einzelne hat vom Autor einen eigenen Charakter bekommen und genau das macht die Geschichte so interessant. Wie auch in jeder menschlichen Clique gibt es den Anführer, den Muskelprotz, den Klugen, den Feigling, den Mitläufer, den Mutigen, usw.
Unterwegs müssen sie zahlreiche Gefahren und Abenteuer bestehen und hier gelingt es Adams wirklich gut, den Plot auf Kaninchenweise zu schreiben, ohne dass es „kindisch“ rüber kommt. Einfach nur schön zu lesen oder auch zum Vorlesen geeignet.

Besonders hervorheben muss ich die Tatsache, dass Adams seinen Protagonisten zwar eine eigene Kultur und Sprache usw. erfindet, sie aber trotzdem nicht vermenschlicht, wie das z.B. Pirinçci mit seinen Katzen macht, die z.B. einen Computer bedienen können.

Vor ca. 20 Jahren schon mal gelesen und begeistert gewesen und trotzdem verschwand das Buch wie die Zeit. Nie vergessen und kürzlich wieder gesehen und gleich gekauft.
Und ich bin immer noch begeistert.

„Unten am Fluss“ schafft es wohl generationsübergreifend zu begeistern. Das Alter des Lesers spielt keine Rolle und wenn es noch kein Klassiker ist, dann hat es jedenfalls alles dazu.

Eine Odyssee, ein Abenteuerroman, eine Fabel, ein Buch über Freundschaft und eine Abhandlung über das Wildkaninchen an sich in 650 Seiten schön verpackt. Obwohl es mir wunderbar gefallen hat, habe ich noch nie soviel Zeit für ein Buch benötigt wie für dieses. Ich habe mich beim lesen wohl dem Tempo der gemütlich dösenden Kaninchen in der Mittagssonne angepasst und genossen. Überhaupt konnte ich mich sehr gut mit der Lebensweise der Kaninchen anfreunden. Wichtige Entscheidungen? Aufkommende Gefahren? Erstmal gemeinsam essen, dann ne Runde aufs Ohr hauen und dann sehen wir weiter.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Levke zu »Richard Adams: Unten am Fluss - Watership Down«09.12.2008
Ein Klassiker ! Und SO schön!
Ich habe schon als Kind den Zeichentrickfilm gesehen (und da ich damals einige Szenen sehr gruselig fand, nichts für Kinder unter 6 Jahren - man denke nur an die "Draht-Szene" in Cowslip´s Gehege)
Und ich fand als Kind auch den Titelsong toll (und eigentlich immer noch).
Als ERwachses lese ich das Buch auch immer mal wieder, es steht seit Jahren bei mir und zerfleddert immer mehr... und immer wieder sind es neue Aspekte der Geschichte, denen ich mehr Beachtung schenke und die mich zum Nachdenken bringen, denn obwohl das Buch alt ist, kann man immer wieder gleiche Muster auch in heutiger Zeit finden...

Mehr als nur seichte Unterhaltung und absolut empfehlenswert!
Susannah zu »Richard Adams: Unten am Fluss - Watership Down«21.07.2008
Ein großer Kaninchenbau, blühend und lebendig, dessen Bewohner nichts Böses ahnen. Doch Fiver, ein junges Kaninchen, dass offenbar das zweie Gesicht besitzt und Visionen hat, wird vor einem großen Unheil gewarnt: sie alle müssen den Bau verlassen oder werden sterben! Blitzschnell verlassen Fiver und einige andere Kaninchen - Hazel, der mutige Anführer, Bigwig, der alte Kämpfer, Blackberry, der schlaue Helfer, Dandelion, der schnelle Läufer, und viele andere - den Bau und machen sich auf, um einen Ort zu finden an dem sie bleiben können. Unzählige Gefahren müssen sie bestehen - und endlich in Watership Down angekommen drohen weitere Gefahren. Denn nicht weit entfernt liegt das Gehege Efrafa, dass von dem wahnsinnigen General Woundowrt geführt wird ...

Ein Kindheitstraum! Seit guten zehn Jahren sind diese Kaninchen meine Begleiter. Den berühmten Zeichentrickfilm habe ich unzählige Male gesehen, kann ihn zum Teil sogar mitsprechen - und habe ewig auf das Buch gewartet. Liebevoll lässt Adams uns am Leben der Kaninchen teilhaben - mit all ihren natürlichen Verhaltensweisen und Eigenarten. Schöne Charaktere, die man ins Herz schließt, und ein großes Finale, in dem man zittert und bangt. Besonders gut gefallen haben mir immer die Legenden und Geschichten, die die Kaninchen einander erzählen. Besonders die vom Kaninchenfürsten El-ahrairah und dem schwarzen Kaninchen von Inlé. Freunde von Kaninchen sollten hier sowieso zugreifen - aber auch jeder, der sich in diese zauberhafte Welt der Kaninchen entführen lassen möchte.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
fayme zu »Richard Adams: Unten am Fluss - Watership Down«01.07.2008
ihr buch ist soo gut ,dass unser langweiliger deutschlehrer es mit uns vor allem mit mir lesen will. also bitte ein gutes buch und ein schlechter lehrer , dass passt garnicht zusammen
Tark zu »Richard Adams: Unten am Fluss - Watership Down«10.01.2007
Das beste Buch, das ich je gelesen habe. Richard Adams führt uns hier schonungslos und ohne Umschweife vor Augen, welche Frevel die Menschen Tieren immer wieder antun, ohne sich über ihre Handlungen richtig bewusst zu sein. Ebenso vermittelt er einen tiefen Eindruck, was es heissen könnte, als Tier in unserer Zeit existieren zu müssen. Natürlich können wir Menschen das Befinden der Tiere nicht ganz in der nötigen Tragweite nachvollziehen und erfassen, wir sind keine Tiere, desweiteren haben wir die Genzen unseres Wirkungsbereiches schon lange überschritten. Aber nach diesem Roman wird das garantiert jeder besser können. Richard Adams versucht das Verhalten, die psychologischen Auswirkungen und die entsprechenden Reaktionen der Kaninchen darauf, dem Leser auf buchstäblich eindringliche Art in eine mitreissende Geschichte verpackt, näher zu bringen. Er schildert das Ganze umgemein glaubwürdig, einfühlsam und detailverliebt, wie ich es noch nie gelesen habe, extrem anrührend. Man möchte sich am liebsten ins Geschehen stürzen und diesen Kaninchen irgendwie helfen, was aber natürlicherweise nicht helfen würde. Das Buch lässt tatsächlich den Gedanken zu, es könnte sich echt eine solche Geschichte auf dem dortigen Schauplatz zu einer bestimmten Zeit zugetragen haben, wenn man über Kleinigkeiten hinweg sehen kann. Es gelingt ihm auch enorm gut, den verschiedenen Kaninchen völlig individuelle Charaktere ein zu hauchen, die absoluten Identifikationsstatus haben. Dennoch heben sie sich aber von typischen Klischees ab. Das Buch ist keine Kinderlektüre und wurde definitiv für jung und alt geschaffen. Hier geht es um den ständigen Ueberlebenskampf, es ist eine Welt voller Verrat und Gefahren. Aber auch ein philosophisches Gefäss von Freundschaft, Treue, Mut und dem Willen, etwas zu verändern. Die Sprache des Buches kommt einfach daher, was aber in keinem Zusammenhang mit der Komplexität des Buches steht. Die Story ist gross, um nicht zu sagen episch. Die Kaninchen machen viel mit, entwickeln sich weiter, manche Sterben. Ereignisse überschlagen sich gerne und dramatische Wendungen sind hier an der Tagesordnung.

Abschliessend kann ich nur sagen: Ich wurde von diesen Kaninchen von Anfang an bis zum traurigen Ende total in diese Welt hinein gesogen. Als Kind habe ich den sehr ordentlich gelungenen Trickfilm von Martin Rosen gesehen, der mich bis heute geprägt hat. Ich wusste sofort, dass Buch muss ich haben.

Wirklich JEDEM nur zu empfehlen.
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