Die Show von Richard Laymon

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2000unter dem Titel „The Travelling Vampire Show“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 540 Seiten.ISBN 3-453-67512-6.Übersetzung ins Deutsche von Thomas A. Merk.

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In Kürze:

Eigentlich ist es ein ganz normaler Tag im August des Jahres 1963: Der kleine Ort Grandville ächzt unter der Sommerhitze, während zugleich eifrig Vorbereitungen für die große »Vampirshow« – eine Art Dracula-Musical – getroffen werden, die am Abend stattfinden soll. Doch es ist der Tag, der das Leben dreier Jugendlicher für immer verändern wird. Denn obwohl sie eigentlich zu jung sind, scheuen sie keine Mühen, um die Show zu sehen. Ein fataler Fehler, wie sich nur allzu bald herausstellt …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der schmale Grat zwischen Parodie und Exploitation“68

Horror-Rezension von Jochen König

Ein durchschnittlicher Sommer in den frühen 60ern beschert den drei Jugendlichen Dwight, Rusty und Slim (die eigentlich Frances heißt, sich aber nach ihrer jeweiligen literarischen Lieblingsfigur benennt – der originellste und tiefgründigste Einfall des Romans.) ein spannendes Erlebnis: eine fahrende Vampirshow kommt in den kleinen Ort Grandville, genauer gesagt auf die Janks-Lichtung am Ortsrand, benannt nach einem lokalen Serienkiller. Valeria, die schönste Vampirin dies- und jenseits Transsylvaniens liefert sich beißwütige Kämpfe mit interessierten Zuschauern. Was als harmlose Wette beginnt: „;Ist sie wirklich ein Vampir und gutaussehend noch dazu?“ entwickelt sich für die drei 16-jährigen zu einem Ausflug ins Grauen mit ungeahnten Folgen. Zusammen mit Dwights erwachsener Schwägerin Lee – immerhin ist die kleine Show nicht jugendfrei – landen sie zum Finale in einer Orgie der Gewalt. Aber ein guter amerikanischer W.A.S.P. kennt sich damit natürlich aus.

Bevor es jedoch zum Showdown kommt, begleiten wir die drei Jugendlichen durch einen durchschnittlichen Ferientag, der mit Rasenmähen beginnt, beim Wäschewaschen nicht endet und zwischendurch kleine Rückblenden in die jüngere Vergangenheit bietet. Ein Vergangenheit, die mit horriblen Geschehnissen gespickt ist. Amerikanische Kleinstädte scheinen ein gefährliches Pflaster zu sein – von den örtlichen Halbstarken abgesehen, wird an allen Ecken und Enden Inzest betrieben, taubstumme Serienkiller braten Kleinmädchenherzen (und dürfen sich von Pfadfindern ertappen lassen), schwarze Cadillacs mit mysteriösen Insassen durchkämmen die Gegend und zu guter Letzt gibt es noch Vampiralarm. Für Abwechslung ist also gesorgt im lieblichen Grandville. Das die meisten Erwachsenen gerade verhindert sind (durch Unfälle, Dates, Geschäftsreisen oder schlichtes Daheimbleiben), wenn die schlimmsten Alpträume wahr werden, macht es unseren erregten Teens leicht, einen Ferientag zwischen Lust und Grauen angemessen zu verleben.

Die Vorbilder werden krude verwurstet

Was Richard Laymon mit der reisenden Vampirshow abliefert, ist eine Trashgranate erster Güte. Zusammengeklaut an allen Ecken und Enden; von Stephen Kings „;Stand By Me“ (Die Leiche) und „;Cujo“, über Philip Ridleys Film „;Reflecting Skin“ (Schrei in der Stille), Jack Ketchums „;Off Beat“ (Beutezeit), bis hin zur exzessiven Dixieklo-Variante des Ray Bradbury-Klassikers „;Something Wicked This Way Comes“ (Das Böse kommt auf leisen Sohlen), Laymon lässt kein (besseres) Vorbild aus, um es krude zu verwursten. Der Splatterfaktor ist bis zum pfeilfliegenden Finale recht dezent, anderweitig neigt Laymon zum Schwadronieren, besonders bezüglich seiner Vorliebe für kleine pubertäre Schweinigeleien kennt er kein Maß. Mag sein, dass das in den puritanischen Gebieten der USA und anderswo für marginales Aufsehen sorgt, doch besonders provokant ist die x-te pralle Brust in einer Bluse, deren oberste Knöpfe offen stehen, nicht. Das für den dauererregierten Erzähler Dwight die sexuelle Komponente dieser Sommerferien mehr zählt, als Dutzende von Toten am Wegesrand, ist nur mit viel gutem Willen nachvollziehbar, dass 13-jährige Mädchen 1963 ohne Unterwäsche in dünnen Sommerkleidchen durch die Gegend streifen, um ihren Angebeten scharf zu machen, ist hingegen genauso abwegig, wie die Vorstellung, dass sich unbescholtene Jugendliche und Erwachsene unvermittelt in gnadenlose und effektive Killer verwandeln. Stellt am Anfang ein aggressiver Hund noch eine üble Falle für unsere drei Helden dar, die sie seitenlang gefangen hält, geht das muntere multiple Abschlachten von Bösewichtern am Ende schon leichter von der Hand. Immerhin sei man als juveniler Durchschnittsamerikaner im Umgang mit Waffen ja geübt, begründet Laymon lapidar.

Glaubwürdigkeit und Logik sind eindeutig nicht Richard Laymons Stärken, Originalität gehört auch nicht dazu und rund 400 Seiten Vorspann zum hundertseitigen Kern der Erzählung zu schreiben, zeugt nicht gerade von erzählerischer Ökonomie. Das sämtliche Spannungsbögen, die dem Monströsen geschuldet wären, aufgrund ihrer lieblosen Kurzatmigkeit sinnlos verpuffen, Laymon zudem nicht in der Lage ist (oder es schlicht nicht will), tiefergehende Emotionen auch nur ansatzweise literarisch zu erfassen, macht „;Die Show“ nicht gerade zu einem nachhaltigen Leseabenteuer. Warum also kein Totalverriss, zu dem man sich durchaus hinreißen lassen könnte? Weil Laymon derart unbedarft auf dem schmalen Grat zwischen Parodie und Exploitation wandelt, er die abstrusesten Inhalte als kleine Späßeken am Rande verkauft, und so das Lesen in der richtigen Stimmung, auf altertümliche „Heute schauen wir uns im Bahnhofskino Unter dem Dirndl wird gejodelt“-Weise an, ziemlich vergnüglich ist. Machen wir uns nichts vor: letztlich geht es Laymon nur darum, am Ende nackte, dralle Frauenkörper in Käfigen zur Schau zu stellen. Das gelingt ihm auch in der Show wieder. Aus dieser Obsession mehrere umfangreiche Wälzer zu basteln, kann eigentlich nur entsetztes Kopfschütteln erzeugen, oder einen unterleibsorientierten Respekt, der diese Chuzpe anerkennend zur Kenntnis nimmt. Da „;Die Show“ (fast) ohne die faschistoiden und pädophilen Vergewaltigungsphantasien auskommt, die das Lesen der „;Insel“ so unerquicklich machten, fällt die Entscheidung zu letzterem diesmal relativ leicht. Dass „;Die Show“ allerdings mit dem „;Bram Stoker Award“ einen (wie auch immer gewichteten) literarischen Preis gewonnen hat, erstaunt doch etwas. Dass die Hersteller spermaentfernender Fleckenmittel lobende Worte äußerten, wenn es sie denn gäbe, schon weniger.

Ihre Meinung zu »Richard Laymon: Die Show«

Plusquamperfekt zu »Richard Laymon: Die Show«26.10.2009
Auch wenn Laymon zu meinen bevorzugten Autoren gehört, bin ich von diesem Buch doch enttäuscht worden.
Es wird sehr häufig auf die Gedanken des Teenagers (dem Erzähler) eingegangen, sodass seine Pubertäre Phase recht eindeutig wird (die sexuellen Phantasien werden für meinen Geschmack zu oft erwähnt).
Die Kapitel sind übersichtlich und lesen sich flüssig.
14 jähriges Mädchen zu »Richard Laymon: Die Show«20.09.2009
Also, ich habe den Roman gelesen und mir hat er sehr gefallen. Auch wenn ich erst 14 (fast 15) bin und viele bestimmt der Meinung sind, dass Laymons Bücher definitiv nicht für so junge Leute geeignet sind, finde ich, dass das eigentlich jeder für sich entscheiden kann, ob er denn mit dem was da geschrieben steht umgehen kann.
Frank zu »Richard Laymon: Die Show«16.09.2009
Mit einer nahezu atemberaubenden Geschwindigkeit veröffentlicht der Heyne Verlag einen Laymon Roman nach dem anderen.
Nun liegt uns mit "Die Show" laut rückseitiger Information "sein absolutes Meisterstück vor". Äh...stand das nicht bereits bei "Der Keller"..?
Erzählt wird die Geschichter dreier Freunde in einer amerikanischen Kleinstadt im Jahre 1963. Im wesentlichen kann man die Geschichte darauf reduzieren, dass in diesem Sommer eine fahrende Vampirshow in der Stadt gastiert und das deren Mitternachtsvorstellung von dem Trio natürlich (trotz mangelndem Alter - ist erst frei ab 18 ) gesehen werden muss.
Vorweg - im Gegensatz zu anderen Laymon`s ist hier sowohl der Gore als auch der Sexfaktor (obschon vorhanden) für seine Verhältnisse eher sparsam eingesetzt. Gerade im ersten Drittel des Buches drängen sich dem Leser fast schon Vergleiche mit Stephen King`s "Stand by me" auf. Doch die Geschichte ist wirklich flott erzählt, hat die ein oder andere nette Pointe (tiefer Süden) und wirft einen recht innovativen Blick auf "Vampire".
Natürlich wird auch in diesem Roman auf Logik kein ausgeprägter Wert gelegt, aber die Charaktere der drei Hauptprotagonisten (insbesondere den weiblichen) vertieft Laymon in diesem Roman stellenweise durchaus. Hat mir klar besser als der Keller gefallen.
85%
Christin77 zu »Richard Laymon: Die Show«16.09.2009
Ich finde es einfach gut, dass nun nach und nach so viele der Laymons auf deutsch veröffentlicht werden.
Auch die Show hat mir unheimlich gut gefallen. Splatter und Sex werden hier zwar nicht in den Vordergrund gedrängt, aber fesselnd ist es alle mal. Die Geschichte ist schön zügig erzählt und hat mich echt mitgerissen. Für ein oder die andere schlaflose Nacht hat es gesorgt
Ich kann es wirklich ohne Vorbehalt weiter empfehlen
Alexi1000 zu »Richard Laymon: Die Show«09.07.2009
Mit seiner "Reisenden Vampir-Show" hat Laymon sogar nochmal den Stoker-Award gewonnen, leider konnte er Ihn persönlich nicht mehr in Empfang nehmen.
Der Roman ist aber sicherlich kein Highlight, fragt man sich unter welchen Gesichtspunkten solche Preise verliehen werden.
Zur Story steht im Review genug, mich hat er tatsächlich etwas an gewisse Storys von King erinnert.
Teil habe ich die Handlung als etwas träge empfunden, um am Ende dann förmlich nochmal wieder von Laymon überrollt zu werden.

Vor allem der Schlussgag mit dem etwas anderen Vampir (das mag ich ja), hat mich dann doch noch dazu verleitet 80° zu vergeben.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Schrodo zu »Richard Laymon: Die Show«06.01.2009
525 Seiten hat dieses Buch. 107 Seiten sind die pure Show. Aber 418 Seiten braucht Autor bis er die Show beginnen lässt, und es kam bei mir trotzdem keine Langeweile auf. Die lange Anlaufzeit hat der gute Richi in bester Laymon Manier gefüllt. Mit pubertierenden 16 jährigen, Angst vor Vampiren, schüchternem Liebesgeflüster, beginnendem Horror und der Vorfreude auf die Vampirshow. Dass diese dann natürlich ganz schön abgedreht ist versteht sich bei Laymon von selbst.
Die Story ist einfach gestrickt, mit schönen kurzen Kapiteln und somit gut zu lesen. Herr Laymon beschränkt sich wie immer auf das wesentliche ohne irgendwelche Abschweifungen. Schade dass der Mensch nicht mehr lebt, aber vielleicht finden die Verlage ja noch einiges dass sie auf den Markt werfen können.
daniel zu »Richard Laymon: Die Show«20.11.2008
Mhm, es fällt schon schwer dem gut geschriebenen Verriß objetkiv zu kritisieren. Daher gehe ich erst gar nicht darauf ein. Vorweg die Kritik: es stimmt Laymons Werke neigen zu recht surrealen Charakteren und seltsam anmutenden Vorkomnissen und unlogischen Handlungen. Das Gute daran, es macht einem klar das dem Autor und auch dem geneigte Leser, sehr wohl klar ist/wird das dies Fantasien und kein Lebensinhalt sind. Vergleicht man die Show mit einem der vielen "Jungen machen gruselige Erfahrungen" von King so fühlt sich die Show irgendwie doch wieder "sauber" an. Außerdem schreibt Laymon sehr flüssig und extrem spannend und er schafft es auch sehr gut Gewalt und Sex zu verbinden. In der "Show" kommen die pupertären Gedanken und Triebe in bildhafter und spürbarer Form daher.
Als Verfilmung gäbe es dieses Buch nur geschnitten und ohne Jugendfreigabe in Deutschland zu sehen. Ist also definitv nix für Leser unter
mhm, 16(18) Jahren und wahrscheinlich auch nur für wenige weibliche Leser geeignet. Aber ansonsten, Laymons Schreibe, speziell die "Show" hat eine sehr starke Ausstrahlung, vielleicht wie ein Jack Nicholson- oder Klaus Kinski. Man muß ihn nicht mögen, aber aus dem Kopf bekommt man die Bilder auch nicht mehr...
Kurz ich halte es für lesenswert, wenn man Horrorfilme, speziell B-Movies mag..
Anderseits empfehle ich es Eltern, mit Kindern unter 16/18 Jahren, Laymon von der weihnachtlichen Wunschliste(der Kinder) zu streichen. Ganz besonders für Jungen ab 12 Jahren halte ich es für mehr als jugendgefährdent.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Frank zu »Richard Laymon: Die Show«07.09.2008
Mit einer nahezu atemberaubenden Geschwindigkeit veröffentlicht der Heyne Verlag einen Laymon Roman nach dem anderen.
Nun liegt uns mit "Die Show" laut rückseitiger Information "sein absolutes Meisterstück vor". Äh...stand das nicht bereits bei "Der Keller"..?
Erzählt wird die Geschichter dreier Freunde in einer amerikanischen Kleinstadt im Jahre 1963. Im wesentlichen kann man die Geschichte darauf reduzieren, dass in diesem Sommer eine fahrende Vampirshow in der Stadt gastiert und das deren Mitternachtsvorstellung von dem Trio natürlich (trotz mangelndem Alter - ist erst frei ab 18 ) gesehen werden muss.
Vorweg - im Gegensatz zu anderen Laymon`s ist hier sowohl der Gore als auch der Sexfaktor (obschon vorhanden) für seine Verhältnisse eher sparsam eingesetz. Gerade im ersten Drittel des Buches drängen sich dem Leser fast schon Vergleiche mit Stephen King`s "Stand by me" auf. Doch die Geschichte ist wirklich flott erzählt, hat die ein oder andere nette Pointe (tiefer Süden) und wirft einen recht innovativen Blick auf "Vampire".
Natürlich wird auch in diesem Roman auf Logik kein ausgeprägter Wert gelegt, aber die Charaktere der drei Hauptprotagonisten (insbesondere den weiblichen) vertieft Laymon in diesem Roman stellenweise durchaus. Hat mir klar besser als der Keller gefallen.
85%
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