Das kalte Schwert von Richard Morgan

Buchvorstellungund Rezension

Das kalte Schwert von Richard Morgan

Originalausgabe erschienen 2009unter dem Titel „The Cold Commands“,deutsche Ausgabe erstmals 2013, 704 Seiten.ISBN 3-453-52592-2.Übersetzung ins Deutsche von Alfons Winkelmann.

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In Kürze:

Ringil Eskiath ist auf der Flucht – auf der Flucht vor seiner Vergangenheit, seiner Familie und vor sich selbst. Yhelteth, die Hauptstadt des Imperiums, scheint zunächst ein sicherer Hafen für den raubeinigen Krieger zu sein, doch dann werden die Grenzen des Reiches von einem Feind bedroht, der älter und schrecklicher ist als alles, was Yhelteth jemals gesehen hat. Als die Stadt in Chaos und Schrecken zu versinken droht, ist für Ringil die Stunde gekommen, in der er das tun muss, was er am besten kann: sich mit dem bloßen Schwert in der Hand dem Feind entgegenstellen …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Ungewöhnliche Protagonisten in einem Roman, der wuchtig, brutal, aber auch nachdenklich daherkommt“70

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Wir kennen sie zur Genüge – die jungen, muskelbepackten Recken, die mit einem Lächeln im Gesicht über die Schlachtfelder der Fantasy-Romane schreiten, links und rechts den klinisch reinen Tod verteilen und im Finale ihre Welt von dem Bösen gerettet haben.

Vor einigen Jahren nahm sich Richard Morgan, der mit den Takeshi-Kovacs-Romanen im Bereich der SF neue Maßstäbe setzte, der gängigen Fantasy-Archetypen an, wandelte sie in seiner ganz eigenen Art und Weise und präsentierte uns Helden, die nicht nur ein wenig anders waren als gewohnt. Drei Figuren beherrschten Mogans Fantasy-Debut – Ringil Eskiath, einst gefeierter Held, ein Veteran, der schon unzähligen Gegnern die Gedärme aus dem Bauch geschlagen hat, der mit seinem Schwert eine Legende war, der mittlerweile nur mehr Angst und Schrecken verbreitet. Egar Dragonbane, ein Majak, ein Nomade, der ungewöhnlich intelligente Einsichten über die Herrschenden der Reiche hegt und Archeth, eine mehr als 200 Jahre alte Kiriath, die als Ratgeber dem Empire von Yhelteth dient. Alle drei waren und sind kein übliches Heldenmaterial, sie agieren wild, unbeherrscht, egoistisch und mitreißend.

Die Handlung setzt etwa ein Jahr nach den Ereignissen des ersten Bandes ein. Der aus seiner Heimat verbannte Ringil hat sich ein neues Betätigungsfeld gesucht – er bekämpft den Sklavenhandel und hat dabei erstaunliche Erfolge erzielt, die sich in einem enormen Preisgeld, das auf seinen Kopf ausgesetzt ist, widerspiegelt. Als ihm der Boden zu heiß wird, hofft er in Yhelteth Aufnahme und Schutz zu finden. Dass er dabei vom Regen in die Traufe gerät, war bei seinem sprichwörtlichen Glück fast schon vorhersehbar. Statt sich gemütlich zurückzulehnen, wird er zusammen mit Egar, der ebenfalls die Kaiserstadt besucht, in den Aufruhr hineingezogen. Etwas Uraltes, lang Verbanntes sucht seinen Weg zurück in die Welt – etwas, das man nicht bekämpfen, nicht besiegen, nicht begreifen kann. Etwas, das aufgehalten werden muss – koste es,was es wolle. Und wer wäre da besser geeignet, als Ringil, Archeth und Egar – zumal sie nichts, aber auch gar nichts mehr zu verlieren haben, selbst ihr Leben ist nichts mehr wert …

Kein weichgespültes Elfen-Märchen

Seien Sie gewarnt, das Buch ist kein weichgespültes Elfen-Märchen. Hier wird gelitten und getötet, hier handeln unsere Erzähler oftmals brutal, ja mitleidlos. Bestes Beispiel ist eine Szene aus dem Beginn des Romans. Ringil hat eine Sklavenkarawane überfallen und die Geknechteten befreit. Die Besitzerin der Karawane überlässt er ohne Zögern seinen Kämpfern, die in einer Gruppenvergewaltigung über die Frau herfallen. Als ihn der dabei entstehende Lärm nervt, schneidet er der missbrauchten Frau kurzerhand die Kehle durch. Das ist harter Tobak, passt aber zu Morgan und seinen Werken. Damit nicht genug, beschreibt er uns Ringil – und dieser beherrscht das vorliegende Buch – als homosexuellen Mann in einer Welt, die dies vehement ablehnt.

Wie wir dies von Morgan gewohnt sind, nutzt er seine vordergründig brutalen Abenteuer aber auch immer, um wichtige, erste Themen anzusprechen. So geht er mehr oder minder offen auf Bigotterie, auf Atheismus ein, auf Korruption, Fanatismus, auf selbsternannte Moralapostel und auf die schwierige Aufgabe, Verantwortung zu schultern. Dabei sind es wie immer seine faszinierenden Figuren die dem Buch sein Gepräge verleihen. Wie immer bei Morgan sind dies lebensecht dargestellte, vielschichtige Gestalten, die nie einfach Gut oder Böse zuzuordnen sind, sondern die selbst ihre Schattenseiten, ihre dunklen Geheimnisse und verborgenen Gelüste haben. Auch wenn sie Gestalten sind, die nicht immer nett oder moralisch integer agieren, wachsen sie uns ans Herz. Auch weil sie Kämpfer sind, sich nicht anpassen und unterordnen, sondern zu ihren Überzeugungen stehen und die Verantwortung für ihre Taten übernehmen.

Immer deutlicher wird, dass Morgan in seine High-Fantasy-Handlung auch SF-Elemente einfließen lässt. Aliens, die auf die Welt drängen, Rassen von anderen Dimensionen, unbekannte Technologien, die an Magie erinnern, das Geflecht, das er uns kredenzt, wird immer dichter. So erwartet den Leser erneut ein packender, brutaler, aber auch ein ehrlicher und überzeugender Roman, dem der Autor noch einen abschließenden dritten Teil folgen lassen wird.

(Carsten Kuhr, Januar 2013)

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