Das blutige Land von Richard Schwartz

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2012, 696 Seiten.ISBN 3-492-26830-7.

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In Kürze:

»Die Götterkriege« ist die grandiose Fortführung der High-Fantasy- Saga »Das Geheimnis von Askir«. Richard Schwartz’ neuestes Buch »Das blutige Land« bringt den Askir-Fans ihren größten Helden zurück: Havald. Nachdem Leandra von Borons weißer Flamme verschont worden ist und es ihr gelang, die Krone von Illian zu erringen, steht für den wiedergekehrten Havald die nächste Herausforderung an. Seit Jahrhunderten hält die Ostmark in blutigen Kämpfen das Reich gegen die Stämme der Steppe. Doch nun sammeln sie sich unter dem schwarzen Banner des Nekromantenkaisers und drohen, das Alte Reich zu erschüttern. Mit einer Handvoll Getreuen will Havald das Unmögliche wagen: die Stämme zu einen und damit den Einfl uss des toten Gottes zu zerschlagen …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Verwicklungen, Geheimnisse und Offenbarungen“82

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

„Zu wissen, was man wahrhaftig im Leben braucht, und damit zufrieden zu sein, ist die Kunst des Lebens .. es braucht so wenig, um das Glück im Leben zu finden“ (Seite 212)

Hallo, ich bin Havald. Ich weiß schon, dass Sie normalerweise gewöhnt sind, ein wenig höflicher umgarnt zu werden, doch das ist nun wahrlich nicht meine Art. Ich war tot, wurde wiedergeboren, trage ein verfluchtes Schwert, wurde ermordet, dann von den Göttern wieder zum Leben erweckt, nur um eine Prophezeiung wahr werden zu lassen. Im Kampf gegen den Nekromantenkaiser, der sich zum Gott erheben will, soll ich diesen erschlagen und dabei drauf gehen. Der Engel, der, um die Welt zu retten, einen Gott tötet – so werde ich in den Sagen beschrieben. Das ist natürlich gequirlte Affenscheiße – hoffe ich zumindest.

Sie sehen, an mir ist weder ein kultivierter Botschafter noch ein distinguierter Adeliger verlorengegangen. Zeit meines langen, langen Lebens habe ich mir mit meiner Hände Arbeit mein Brot verdient. Als Schweinehirte und Tischler war ich unterwegs, als Bauer und immer wieder als Krieger. Inzwischen aber darf ich mich, als legendärer Lanzengeneral des wieder aus Ruinen auferstandenen Reiches Askir darum kümmern, dass die schwarzen Legionen des Nekromanten uns nicht überrennen. Dass ich mich dabei, wie jüngst bei meinem Ausflug in die Ostmark am liebsten selbst in den aktiven Dienst beordere, zieht mir zumeist den Unbillen meiner Kaiserin zu. Zumal sich dieses Mal mit einem Verschlinger, einem Blutelfen der vor Jahrtausenden mit einem Tier zu einem gnadenlosen Seelenjäger verschmolzen wurde, und dem selbst mein Schwert Seelenreißer nichts anhaben kann, eine Bestie auf meine Spur gesetzt hat, die wahrhaft furchteinflößend ist. Wenn wir gegen den Nekromanten eine Chance haben wollen, dann müssen wir ihn aufhalten, die Nachschublinien seiner Legionen unterbrechen und Verbündete finden – seien es die nomadisierenden Wilden der Ostmark oder die Söhne und Töchter des Gottkaisers aus Xiang …

Das rasante Tempo legt ein Päuschen ein

Auch im elften Band der Saga um Askir, die Verlag und Autor uns als dritten Teil des Götterkrieg-Zyklusses anpreisen, führt Richard Schwartz seine Handlung konsequent weiter. In den bisherigen Teilen der Saga erlebten wir mit, wie das alte Reich Askir aus seinem Dornröschenschlaf gerissen wurde. Die Legionen des Nekromantenkaisers bedrohen die freie Welt, nur vereint kann es gelingen, die Angreifer aufzuhalten. Dass beide Seiten dabei auf gemeinsame Wurzeln zurückblicken, dass sich ihre Legionen, die Art und Weise, wie sie organisiert sind, wie sie denken, ähneln, macht den Konflikt so brisant. Hier treffen zwei Reiche aufeinander, die kaum Überraschungen für den Gegner in petto haben.

Um so mehr lässt sich der Autor einfallen. Verwicklungen, Geheimnisse und immer wieder Offenbarungen warten auf den Leser. Das übt, gerade wenn man die anderen Bände der Saga gelesen hat, einen hohen Grad der Faszination auf den Rezipienten aus, verwirrt aber Fans, die neu zu den Abenteuern stoßen. Viel, zu viel für bislang Askir-Unbedarfte wird vorausgesetzt, es gibt Querverweise und Anspielungen zuhauf, so dass der geneigte Neuling gut bedient ist, sich zunächst die ersten Teile der Sage einzuverleiben. Dabei kommt diesem dann auch zugute, dass der Abenteuerfaktor in den früheren Bänden wesentlich höher war als in den letzten zwei Romanen.

Richard Schwartz legt sowohl in „Die weiße Flamme“ als auch in „Das blutige Land“ Grundlagen für die weitere Fortführung seines Plots. Das breite Gerüst auf das er baut, ermöglicht es ihm dann, sich aus einem wahren Fundus an Personen zu bedienen, immer neue Entwicklungen in sich logisch einzubauen und den Leser so zu überraschen. Gleichzeitig aber bedeutet das, dass er in den Bänden, in denen er dieses Fundament gießt nicht wie gewohnt mit Schlachtengetümmel, dramatischen Einsätzen und Kämpfen auftrumpfen kann.

Eine gewisse Handlungsarmut ist vorhanden, wobei es Schwartz gelingt, dies geschickt zu kaschieren. Im Grunde passiert nicht wirklich viel in vorliegendem Roman. Illium wird besucht, die Ostmark als Handlungsort eingeführt, Armeen und Völker dort platziert und unsere Helden in Polition gebracht. Gerade als es dann soweit ist, dass Havald und Co sich direkt mit den Aggressoren auseinandersetzen könnten, ist der Roman auch schon zu Ende.

Wäre Schwartz nicht der versierte Autor, der er ist, wäre der Roman langweilig. Geschickt aber vermeidet er zu große Längen, fügt immer wieder einmal einige Abenteuer seiner Protagonisten hinzu, um die Lektüre doch kurzweilig zu gestalten. So liest sich der Band durchaus flüssig und auch spannend durch, weckt Appetit auf die Fortsetzung, ohne diesen aber wirklich zu sättigen.

(Carsten Kuhr, Juli 2012)

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