Amok von Robert Bloch

Buchvorstellungund Rezension

Amok von Robert Bloch

Originalausgabe erschienen 1962unter dem Titel „Terror“,deutsche Ausgabe erstmals 1965, 157 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Hans Gamber.

»Amok« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Die Frevler müssen sterben!
Eine kleine Statue der Hindu-Göttin Kali ist die Ursache großen Ungemachs: Wer sie besitzt, stirbt den Tod in der Würgeschlinge, denn die Mördersekte der Thugs jagt mitten in der amerikanischen Provinz alle Ketzer, die sich an Kali zu vergreifen wagen. Ein junger Mann will seine gemeuchelte Tante rächen, doch wohin er auch kommt, er findet seine Verdächtigen stets tot vor, bis schließlich nur noch er bleibt, der die Aufmerksamkeit der Thugs erregt… – Thriller vom Verfasser des Kult-Reißers ";Psycho”, der seine Mittelmäßigkeit hinter dem exotischen Plot durchaus gut versteckt und bis auf das nur mühsam überzeugende Ende zu unterhalten weiß.

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Die Würger sind unter uns!“;70

Horror-Rezension von Michael Drewniok

Jay Thomas, ein Waisenkind, wächst als Mündel seiner Tante Tracy auf. Im Städtchen Pointville, nicht weit entfernt von Chicago, führt sie einen kleinen Antiquitätenladen und arbeitet auch als Raumausstatterin. Ihr Neffe, der kurz vor seinem 21. Geburtstag steht, geht ihr dabei zur Hand.

Ein Auftrag führt Jay eines Tages ins Haus der einige Jahre älteren Ann Colton, die sich gerade lukrativ von ihrem Gatten getrennt hat. Die einsame Frau freundet sich mit dem jungen Mann an, der sich sogleich bis über beide Ohren in sie verliebt. In ihrem Haus verbringt er auch jene Nacht, in der seine Tante in ihrem Laden überfallen und erdrosselt wird. Gestohlen wird dabei eine Statue der Hindu-Göttin Kali, die auf etwas krummen Wegen in Tracys Hände gelangt war. Ursprünglich gehörte sie dem reichen Sammler Stuart Athelny, dem sie aus seinem Privatmuseum entwendet wurde; ein Wächter kam dabei zu Tode.

Jay gerät kurz in Verdacht, doch Sergeant Kroke von der örtlichen Kriminalpolizei sieht seinen Irrtum rasch ein. Als „;Entschädigung” bezieht er Jay in seine Ermittlungen ein. Die Spur führt ins Haus des Orientalistik-Dozenten Cheyney, der eine abenteuerliche Geschichte erzählt: Zu ihm, einem alten Freund, sei Tracy gekommen um ihn zu bitten, als Vermittler bei der Rückgabe der Statue an Athelny aufzutreten, was er abgelehnt habe.

Tatsächlich spinnt Cheyney an einer Intrige, die auf den fernen indischen Subkontinent zielt. Bei Khaliput in der Provinz Chandra stand einst ein Heiligtum der Thugee-Sekte, deren Anhänger, die Thugs, Kali als Göttin verehrten und in ihrem angeblichen Auftrag mit der Würgeschlinge töteten. Angeblich wurden die Thugs 1830 ausgerottet, die Kali-Statue von Khaliput wanderte in den Palast des Nizams von Chandra. Dem aktuellen Herrscher wurde sie vor Jahren gestohlen – im Auftrag von Stuart Athelny, wie sich nun herausstellt. Machtstarke fundamentalistische Gruppierungen in Chandra fordern die Rückgabe. Wem dies gelingt, wird ihre Unterstützung erfahren – nicht unwichtig, da der Thron des Nizams wackelt. Der eigene Neffen will ihn absetzen. Mit der Statue könnte Glophal Singh, der sich mit seiner Schwester Parvati als Austauschstudent in Amerika aufhält, durchaus gelingen.

Das weiß auch der Nizam, der alle Hebel in Bewegung setzt dies zu verhindern. Er lässt Athelny, Cheyney und Jay entführen und droht mit Folter, sollte man ihm die Statue nicht ausliefern. Mit einer List kann Sergeant Kroke das erschrockene Trio befreien. Dem Mörder ist man allerdings keinen Schritt näher gekommen, was dieser bald eindrucksvoll unter Beweis zu stellen weiß…

Ein weiterer Psycho in Bob Blochs Sammlung

Die Suche nach einem Serienmörder, verquickt mit der Jagd nach einem alten Schatz und religiösem Fanatismus, das Ganze auf knapp 160 Seiten straff und spannend durchgezogen: Hier ist offensichtlich kein moderner Zeilenschinder, sondern ein disziplinierter Autor am Werk, der eine simple Idee mit interessanten Elementen aufpolstert bzw. variiert. “;Amok” ist wie so oft keine ideale oder auch nur gelungene Übersetzung des Originaltitel, da besinnungslose Blutgier den Mörder keineswegs kennzeichnet. Still und systematisch geht er vor, wahnsinnig ist er vor allem in seiner Verblendung, die zu einem Gutteil andressiert ist – ein Bild, das wesentlich intensiver wirkt als ein simpler Amokläufer mit Schaum vorm Mund.

Sein Leben lang blieb Bloch gefesselt von der Dualität des menschlichen Wesen. Gut und Böse können in einem Gehirn wohnen – und oft wissen beide nicht einmal voneinander. „;Psycho” ist das bekannteste und berühmteste Beispiel dafür, wie Bloch sich mit diesem Thema beschäftigte. Aber auch “;Amok” steht ganz unter diesem Zeichen. Ausführlich weist Bloch darauf hin, dass Kali im Grunde selbst eine gespaltene Persönlichkeit ist und in ihrer Deva-Inkarnation ein verträgliches Wesen aufweist. Die Auflösung des Plots (die hier verschwiegen werden soll), ist fast ein Plagiat des „;Psycho”-Finales. (Bloch schrieb nicht für Kritikerlob, sondern für Geld.)

Nicht sehr helle, aber edel im Gemüt…

Jay Thomas – der junge Mann an der Schwelle zum Erwachsenen, über die er per Schicksalsschlag oder persönlicher Krise gleichsam gestoßen wird: eine beliebte Figur nicht nur in der Literatur. So ein Jüngling pflegt ungestüm vorzugehen und sich dabei unbedacht in allerlei unterhaltsame Schwierigkeiten zu bringen, so lautet das scheinbar aus Erfahrung geborene Klischee. Bloch bedient sich seiner recht geschickt, denn dieser Jay Thomas ist eine sympathische Figur, die ihrer Aufgabe uns, die Leser, durch die Handlung zu geleiten und Teile davon selbstständig zu gestalten, gut nachkommt.

Ann Colton scheint zunächst die weibliche Hauptfigur zu spielen. Sie ist die Versuchung in Person, vor allem für einen voll im Saft stehenden Fast-Mann wie Jay Thomas. Das bleibt auch ihre Rolle, in der sie später zur Unwichtigkeit absinkt. Hier und da tritt sie noch auf, aber hauptsächlich dient sie nur noch als Symbol für Jays allmähliches Erwachsenwerden.

Blochs Vorliebe für das Bizarre und Exotische verkörpert der Nizam von Chandra. Mit einem Bein ist er ein Mann der modernen Welt, der in die USA reist, um dort Staatsgeschäften nachzugehen und Wirtschaftskontakte zu knüpfen. Mit dem anderen steht er in einer mittelalterlichen Welt, in der eine gewalttätige Religion die Weichen stellt. So umgibt sich der Nizam mit dolchstarken Leibwächtern aus 1001er Nacht – und er hat eine transportable Folterkammer im Reisegepäck. Wie soll man angesichts solcher Übertreibungen Ernst bleiben – oder ein Krimi-Späßchen wie “;Amok"; gar zu kritisch beurteilen? Und so geht Blochs Rechnung wieder einmal auf…

Ihre Meinung zu »Robert Bloch: Amok«

Ihr Kommentar zu Amok

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.