Cthulhus Rückkehr von Robert Bloch

Buchvorstellungund Rezension

Cthulhus Rückkehr von Robert Bloch

Originalausgabe erschienen 1978unter dem Titel „Strange Eons“,deutsche Ausgabe erstmals 2000, 176 Seiten.ISBN 3898401510.Übersetzung ins Deutsche von Monika Angerhuber.

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In Kürze:

Albert Keith entdeckt bei einem Trödler ein altes Bild. Signiert ist es mitR. Upton. Scheinbar geht das Gemälde auf die Erzählungen eines gewissen H. P. Lovecraft zurück. Bald muß Keith begreifen, daß Lovecrafts Geschichten eine Warnung waren – denn der uralte Gott Cthulhu ist nicht vergessen. Fanatische Anhänger bereiten Cthulhus Rückkehr vor…

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Horror-Rezension von Michael Drewniok

Albert Keith, passionierter Kunstsammler mit einem Hang zum Düsteren, ist hoch erfreut, als es ihm gelingt ein Bild des Malers Richard Upton zu erwerben. Es zeigt wahrhaft Ungeheuerliches; kein Wunder, denn Upton – der den Jüngern des Horror-Meisters H. P. Lovecraft unter seinem vollen Namen Richard Upton Pickman kein Unbekannter ist – pflegte nach der Wirklichkeit zu malen.

Aber hat er tatsächlich echte Ghoule bei ihrem schändlichen Treiben beobachtet? Bereitet wirklich der sagenhafte Cthulhu seine lang verschobene Rückkehr vor, der „;Große Alte“, der in der Stadt R=lyeh tief auf dem Meeresgrund der Südsee schläft und nur manchmal (doch stets zum Nachteil etwaiger Zeugen) zum Vorschein kommt? Keith begibt sich auf eine folgenschwere Expedition zu dem Ort, den Upton/Pickman ihm wies; als diese endet, ist er zweifellos schlauer, aber auch spurlos vom Erdboden verschwunden …

Alberts Ex-Gattin, das Model Kay Keith, nimmt seine Spur auf. Erstaunt muss sie feststellen, dass inzwischen auch die Regierung (der Vereinigten Staaten natürlich; alle übrigen Länder dieser Welt tappen wie immer im Dunkeln) Wind vom neuerlichen Erscheinen Cthulhus bekommen hat. Dem Krakenkopf wird eine Atombombe in seine Höhle geschossen, und das ist sein Ende – oder nicht?

25 Jahre später erinnert sich kaum mehr jemand an die tragischen Schicksale von Albert und Kay Keith. Der Reporter Mark Dixon ist ahnungslos über seine persönliche Verwicklung in die Cthulhu-Tragödie, bis ihm während eines verheerenden Erdbebens in Los Angeles im Angesicht der dunklen Mächte ein Licht aufgeht …

Der Lehrling und sein Meister

Robert (Albert) Bloch (1917-1994) gehörte in den USA mehr als sechs Jahrzehnte zu den beliebtesten und erfolgreichsten Unterhaltungsschriftstellern überhaupt. Er widmete sich mit Leidenschaft den dunkleren Seiten dieser Welt, die er in zahlreichen Kriminal-, Horror- und Science Fiction-Romanen und Kurzgeschichten heraufzubeschwören wusste.

Blochs Anfänge als hauptberuflicher Autor in den früher 1930er Jahren konnten unter keinem günstigeren Stern stehen: Sein Mentor und Lehrer war niemand anderer als Howard Phillips Lovecraft (1890-1937), der zu den Klassikern der unheimlichen Literatur gehört. Mit der Unbekümmertheit der Jugend hatte der sechzehnjährige Bloch dem von ihm verehrten Schriftsteller geschrieben und ihn um Hilfe angegangen. Der als „;Einsiedler von Providence“ und verschrobener Sonderling geltende Lovecraft antwortete nicht nur prompt, sondern geizte auch nicht mit wertvollen Ratschlägen, Zuspruch und Anerkennung. Die Korrespondenz der beiden Brieffreunde blieb bis zum Tode Lovecrafts im Jahre 1937 lebhaft.

Unter diesen Umständen ist es verständlich, dass der frühe Robert Bloch und sein Werk vom verehrten Vorbild geprägt wurden. Die ersten Geschichten waren lupenreine Lovecraft-Pastiches, in Form und Inhalt dem Meister nachempfunden, der dies erfreut und geschmeichelt zur Kenntnis nahm. Doch Bloch entwuchs dem Lovecraft-Zirkel rasch. Zum Cthulhu-Mythos kehrte er nur noch sporadisch zurück – er hatte seine eigene Stimme gefunden.

Eine Rückkehr unter eigenen Bedingungen

„;Strange Eons“ (der Titel spielt auf einen berühmten Vers an, den H. P. Lovecraft seinem fiktiven Cthulhu-Chronisten Abdul al-Azrad zuschreibt: „;That is not dead which can eternal lie, and with strange eons even death may die.“ – „;Das ist nicht tot, was ewig liegt, bis dass die Zeit den Tod besiegt“.) markiert Blochs Schlussstrich unter seine Verbindung mit dem Cthulhu-Universum. 1978 entstanden, fällt er in eine Phase, die man als Höhepunkt einer „;Lovecraft-Renaissance“ bezeichnen kann. Nach seinem Tode war Lovecraft, selbst zu Lebzeiten war er nie besonders populär, in Vergessenheit geraten. Hauptsächlich ist es August Derleth und Donald Wandrei, Mitgliedern des „;Lovecraft-Zirkels“, und dem von ihnen gegründeten Verlag Arkham Press zu verdanken, dass sich dies nach einer Jahrezehnte währenden Durststrecke zu ändern begann. Erneut übte Lovecraft seine Faszination auf eine neue Lesergeneration aus. Als in den späten 1960er und 70er Jahren neue Phantasten zu schreiben begannen (Ramsey Campbell und Brian Lumley sind nur zwei aus dieser Runde, die inzwischen selbst zu den Großen des Genres zählen), ehrten sie ihr Vorbild auf spezielle Art: Sie trugen neue Geschichten zu Lovecrafts Hauptwerk bei: dem Cthulhu-Mythos um den bösartigen, krakenköpfigen Gott und seine nicht minder üblen Artgenossen, die jenseits von Zeit und Raum vor Jahrmillionen ausgerechnet auf die Erde gekommen sind und seither ihr garstiges Spiel mit den Menschen treiben.

Robert Blochs (neuerlicher) Beitrag zum Mythos stellt sich einerseits als Glücksfall heraus. Als Autor kann er sich sichtlich gut seiner Anfänge erinnern und ist doch Profi genug, die Lovecraftschen Vorgaben nach eigenen Vorstellungen zu variieren und zugleich mit ihnen zu spielen. Dabei beweist er eine wesentlich glücklichere Hand als die meisten anderen Epigonen, die in ihrem Bemühen, den Tonfall des Meisters zu treffen, meist nur hohle Imitationen produzieren. (Aus Deutschland stammt ein besonders schauerliches Beispiel: Wolfgang Hohlbeins auf eher unfreiwillige Weise schauerlicher „;Hexer“-Zyklus, der sogar den armen H. P. Lovecraft zwingt, dem schleimigen Getümmel aus dem All Mores zu lehren.)

„;Cthulhus Rückkehr“ lässt indes andererseits die seltsame Faszination des Originals vermissen; Lovecraft bleibt halt unerreicht. Außerdem gedachte Bloch anscheinend nicht gar zu viel Zeit in das „;Strange Eons“-Projekt zu investieren. Er nahm sich eine ältere Story vor und baute sie zu diesem (Episoden-) Roman aus, dem in seinem dritten Kapitel die Luft deutlich ausgeht. „;Cthulhus Rückkehr“ bietet in erster Linie Atmosphäre à la Lovecraft, aber keine geschlossene Geschichte.

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