Quarantäne von Robert Charles Wilson

Buchvorstellungund Rezension

Quarantäne von Robert Charles Wilson

Originalausgabe erschienen 2003unter dem Titel „Blind Lake“,deutsche Ausgabe erstmals 2007, 478 Seiten.ISBN 3-453-52316-4.Übersetzung ins Deutsche von Karsten Singelmann.

»Quarantäne« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Irgendwo in der amerikanischen Wüste befindet sich eine geheime Einrichtung, in der man durch ein Raum-Zeit-Tor Kontakt zu Planeten aufnehmen kann, die Millionen von Lichtjahre von uns entfernt sind. Kontakt auch zu den fremdartigen Wesen, die auf diesen Planeten leben. Doch was geschieht, wenn diese Wesen sich von uns gestört fühlen?

Das meint phantastik-couch.de: „Es könnte jederzeit zu Ende gehen“74

Science-Fiction-Rezension von Peter Kümmel

Wer Wilsons Erfolgsroman „Spin“ gelesen hat, der hat bereits auf der fünften Seite ein erstes Déjà-vu-Erlebnis. Eine Gruppe von drei Jounalisten besucht eine Forschungsstation: Elaine Coster, die für das Wissenschaftliche zuständig ist, Sebastian Vogel vertritt den spirituellen Standpunkt und Chris Carmody hat sich eher für dem „menschlichen“ verschrieben.

„Spin“ lebte davon, daß der Autor das Geschehen aus der Sicht von drei unterschiedlichen Standpunkten betrachtete: dem wissenschaftlichen, dem spirituellen und dem menschlichen. Sollte sich Wilson in „Quarantäne“ die gleiche Vorgehensweise zunutze machen?

Doch zunächst sollte man wissen, dass „Quarantäne“ bereits zwei Jahre vor „Spin“ entstand und erst jetzt in Deutschland im Sog des Bestsellers veröffentlicht wird. Und ich kann bereits vorausschicken, daß Wilson hier diese verschiedenen Standpunkte bei weitem nicht so gut herausgearbeitet hat wie in „Spin“.

Die Technik entwickelt sich selbst

Die Forschungsstation Blind Lake in Minnesota nutzt sogenannte O/BEKs dazu, Lebewesen auf einem etwa 50 Lichtjahre entfernten Planeten aus Sicht einer Kamera zu beobachten. Wie diese Geräte genau arbeiten, das entzieht sich weitgehend dem Verständnis der Wissenschaftler, denn die Apparate haben sich nach ihrer Installation immer mehr verselbständigt, als ob sie von einer fremden Macht gesteuert werden würden. Die Techniker sind somit weitgehend zu einfachen Arbeitern mutiert, die die Installation am laufen halten. So zieht sich auch der Eröffnungssatz des Buches „Es könnte jederzeit zu Ende gehen“ wie ein roter Faden durch die Handlung. Denn kein Mensch weiß, wie lange man noch diese für die Wissenschaft bahnbrechende Möglichkeit hat, ein Auge auf eine außerirdische Zivilisation zu werfen.

Marguerite Hauser ist die wissenschaftliche Leiterin der Station und hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein einzelnes der fremden Wesen – allgemein als „das Subjekt“ bezeichnet – zu beobachten. Neben ihrer Arbeit hat sie jedoch schwere Probleme mit ihrem Ex-Mann Ray Scutter, der zur Zeit kommissarisch als Leiter der gesamten Station fungiert. Ray nimmt Marguerite als Wissenschaftlerin nicht ernst und versucht mit hinterlistigen Mitteln ihr die gemeinsame Tochter Tessa abspenstig zu machen, für die er bereits ein Teil-Sorgerecht erkämpft hat. Tessa leidet unter psychischen Problemen. Ihre unsichtbare Freundin „Mirror-Girl“, die ihr immer wieder erscheint, macht den Eltern Angst.

Gefahr von innen oder von außen?

Eines Tages bricht der Kontakt zur Außenwelt urplötzlich ab. Die komplette Forschungsstation ist abgeriegelt. Eine solche Möglichkeit ist vorgesehen, um die Station vor äußeren Risiken zu schützen, aber auch, um die Menschen außerhalb vor Gefahren zu schützen, die durch die Station entstehen könnten. Bisher wurde eine solche Maßnahme nur stundenweise ergriffen, doch nun zieht sich die Quarantäne bereits über Tage hin. Aus Tagen werden Wochen, aus Wochen Monate, und niemand hat eine Erklärung für die Lage. Die Versorgung der Bewohner mit Lebensmitteln erfolgt durch unbemannte Fahrzeuge.

Zeitgleich mit dem Beginn der Abschottung macht auch das „Subjekt“ eine Veränderung durch. Es bricht aus seinem bis dahin gleichförmigen Leben aus, verlässt seine Stadt und begibt sich auf eine lange Wanderung.

Während bei den Eingeschlossenen zunächst stoische Ruhe herrscht im Glauben, dass die Situation wohl bald bereignigt sein wird, werden mit zunehmender Zeitdauer Stimmen laut, die die unbekannte Technik für die notwendig gewordene Quarantäne verantwortlich machen und die Abschaltung der Geräte fordern.

Eine simple Idee als Ausgangspunkt

Das grundlegende Thema des Romans ist für Wilson-Kenner nicht neu. Eine Gruppe von Personen wird mit einer Situation konfrontiert, deren Gründe und deren Folgen sie mit ihrem Verstand nicht erfassen kann.

Eine relativ simple Idee hat Wilson hier zu einem fast 500 Seiten starken Roman ausgearbeitet und technische Betrachtungen dabei weitgehend außer Acht gelassen. Langsam und oftmals sehr weitschweifig entwickelt der Autor das Geschehen und dabei auch die einzelnen Charaktere. Zwischenmenschliche Beziehungen und Konflikte nehmen dabei ebenso viel Raum ein wie die zentralen Ereignisse. Kein Roman für Leser, die auf Action stehen. Zugegebenermaßen hätte der Stoff auch für eine Kurzgeschichte getaugt, doch was Wilson alles an Drumherum in die Story packt, macht den eigentlichen Reiz des Buches aus.

Nichts Neues ist es leider auch, dass Robert Charles Wilson mit dem Abschluß seines Buches nicht so recht überzeugen kann. Auf Lösungen und Erklärungen muß der Leser im Großen und Ganzen verzichten und ist mit dem offenen Ende auf Vermutungen angewiesen.

„Qurantäne“ ist ein SF-Roman, der durchaus seine Reize hat, doch in Wilsons Entwicklungsstadium noch nicht ganz oben anzusiedeln ist. Man sollte „Quarantäne“ vor „Spin“ lesen, um dort eine weitere Steigerung des Autors miterleben zu können.

Ihre Meinung zu »Robert Charles Wilson: Quarantäne«

Zeitreisefan zu »Robert Charles Wilson: Quarantäne«29.11.2012
Der Klappentext lässt auf einen packenden Konflikt zwischen Menschen und Außerirdischen schliessen, der jedoch so überhaupt nicht stattfindet.
Mit dem Titel "Quarantäne" trifft man die Inhaltsbeschreibung besser: im Prinzip handelt es sich hauptsächlich um den unerklärlichen (und auch für den Leser fast bis zum Ende unerklärten) Zustand der Quarantäne, in dem sich die Wissenschaftler und sonstigen Mitarbeiter des Projektes plötzlich wiederfinden und zurechtfinden müssen. Die Charaktere werden dabei routiniert eingeführt und ausgebaut; da gibt es die Sympathieträger und ihre Gegenspieler, da gibt es ein bißchen Lovestory und Beziehungsstress, und eben alles, was man sonst in einem routiniert aufgebauten Roman so zu finden erwartet.
Der eigentliche Kontakt zu den Außerirdischen findet dann leider - wie so oft - in einem eher esoterisch anmutenden Rahmen statt, wie man es (noch schlimmer) z.B. aus dem Film Contact mit Jodie Foster auch kennt.

Alles in allem ein nicht langweiliger, aber ob der zu klischeehaft und routiniert dahingschriebenen Story eben kein Highlight der SciFi-Literatur. Ein netter Roman für einen verregneten Herbstabend aber allemal.
Kom_Ombo zu »Robert Charles Wilson: Quarantäne«24.05.2010
Nun ja, nachdem ich das Buch anhand des Klappentextes gekauft habe, da ich den wirklich sehr spannend fand und es sich gut anhörte, bin ich jetzt, nachdem ich das Buch gelesen habe, nicht mehr begeistert.

Irgendwie fehlt diesem Buch das gewisse Etwas, was es spannend hätte machen können. Mysteriöse Dinge sind eigentlich mein Ding, aber das Beste war wirklich nur der Klappentext. Ansonsten war es ständig durchschaubar und ohne wirklichen Hintergrund.

Schade, aber mich konnte der Autor damit nicht vom Hocker reißen!
Johgel zu »Robert Charles Wilson: Quarantäne«09.08.2009
Dies ist nicht wirklich ein berauschendes Buch. Eigentlich fühlt es sich nicht mal wie ein Science Fiction Roman an, denn die Geschichte hätte einfach überall in einem abgeschlossenen Raum spielen können. Die Komponenten des Sci-Fi wirken dabei eher wie eine Tapete als wie ein wirklicher Hintergrund in dem die Geschichte eingebetet ist. Aber ich muss zugeben, dass er die Physiker-Phrasen-Dreschmaschine stellenweise sehr gut bemüht.

Die handelnden Personen wirken so klischeehaft, dass ich mir an einigen Stellen ein Lachen nicht verkneifen konnte. Es ist alles da was für eine gute Lindenstraße-Folge verbraten werden muss.

Auch sind die Wendungen der Geschichte nicht grade überraschend. Wird eine Situation beschrieben ist deren Ausgang auch gleich klar.

Insgesamt ein wenig unterhaltsames Buch, was mir eindeutig ein Interesse für mehr Machwerke dieses Autors nimmt.
Rüdiger Tomczak zu »Robert Charles Wilson: Quarantäne«21.06.2008
Ein gutes Buch (das ich im englischen Original gelesen habe). Es gefällt mir auch besser als SPIN. Zwar sind die Charakterbeschreibungen in dem späteren Buch viel tiefer und detaillierter, aber gerade in Quarantäne sind die phantastischen Elemente konzentrierter, wo sie in Spin gegen Ende hin etwaas ausufernd sind. Unter den ganz aktuellen SF-Autoren ist Wilson sicher einer der besten. Bemerkenswert ist an Romanen wie Quarantäne vor allem die Balance zwischen den phantastischen Elementen und den sehr genau gezeichneten Charakteren.
Peter Kraushofer zu »Robert Charles Wilson: Quarantäne«25.09.2007
Also ich bin gerade eben mit dem Buch durch und muss wieder einmal sagen: "wirklich gelungen". Der Autor schafft es einen wirklich guten Gedankengang in eine Geschichte zu verpacken die voll von Charaktären ist in die man sich auch "hineindenken" kann und dabei einen spannenden und gut zu folgenden Handlungsstrang erzeugt der sich Gipfelt und den Leser nur noch mit offenem Mund übrig lässt.

Bin sehr gespannt auf "Axis"
Ihr Kommentar zu Quarantäne

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.