Feind von Robert Corvus

Buchvorstellungund Rezension

Feind von Robert Corvus

Originalausgabe erschienen 2013unter dem Titel „Feind“,deutsche Ausgabe erstmals 2013, 400 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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In Kürze:

Dies ist die Geschichte von Modranel, dem kein Preis zu hoch war, um zu werden, was er ist: der mächtigste Magier der Menschheit. Dies ist auch die Geschichte von Lióla und Ajina, den ungleichen Schwestern, der Dunkelruferin, die der Macht der Schatten verfallen ist, und der Adepta, die im Dienst der Mondmutter Kranke heilt. Es ist eine Geschichte aus dem Silberkrieg, in dem sich die freien Reiche gegen die Schatten stellen, die sich über die Welt zu legen drohen. Vor allem aber ist es die Geschichte von Helion, dem Paladin der Mondschwerter, der dem letzten Wunsch seines verstorbenen Meisters folgt. Er, der einfache Silberträger, ist der entschlossenste Feind der unsterblichen Schattenherren. Kann er gegen Lisanne bestehen, die Schattenherzogin, in der Schönheit und Grausamkeit ihre Vollendung finden?

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der ewige Kampf zwischen Gut und Böse hat mit den Schattenherren eine neue dunkle Seite“70

Fantasy-Rezension von Heike Salzmann

„Lass mich sterben. Wer ewig leben will, dient dem Feind.“ [Seite 39]

Gebunden an den letzten Wunsch seines verstorbenen Schwertmeisters Treaton, begibt sich der junge Krieger Helion nach Akene um in den Orden der Mondschwerter einzutreten. Geschlagen im Kampf gegen die übermächtigen Osodrai, verließ sein Meister einst den Orden, um Helion fernab der Zivilisation auszubilden. Als sein Ende naht, bittet er seinen Schüler sich den Mondschwertern anzuschließen.

„Du brauchst sie nicht.“ Treatons Flüstern war so leise. [..] „Aber die Mondschwerter brauchen dich. [..].Die Mondschwerter brauchen jemanden, der sie daran erinnert, was es bedeutet, ein Paladin zu sein.“ [Seite 38/39]

So bricht Helion nach Akene auf, wo der Orden sich anschickt, einen letzten großen Feldzug gegen die Schattenherren auszurichten.
Einst waren sie ein ernstzunehmender Gegner der dunklen Schatttenherren, doch der Orden hat durch Müßiggang und Dekadenz viel von seiner ursprünglichen Macht und seinem Einfluss eingebüßt. Dennoch bildet er eine der letzten Bastionen des Widerstandes gegen die immer mächtiger werdenden Schattenherren. Durch dunkle Magie der Sterblichkeit entronnen, führen diese eine Herrschaft geprägt von Angst und Grausamkeit.

„Sie nähren sich von unserer Lebenskraft.“ [..] „Unsere Gefühle, unsere Ängste, unsere Sehnsüchte, Ekstase, was immer uns aufwühlt, das ist nur die Brücke zwischen ihnen und uns. Es ist die Lebenskraft, die sie wirklich wollen. Sie nennen sie die Essenz, und wenn es überhaupt etwas gibt, was sie verehren, dann ist es dies.“ [Seite 93]

Allein das zu Rüstungen und Schwertern geschmiedete Mondsilber der Ritter im Orden der Mondschwerter kann den Osadroi Schaden zufügen. Sollten auch die letzten Silberminen aus dem Herrschaftsbereich der freien Völker an die dunklen Fürsten fallen, wäre jegliche Möglichkeit den Schatten entgegenzutreten dahin. So versuchen die freien Völker vereint in diesem gemeinsamen Ziel, in einem letzten großen Kampf um die Minen von Guardaja, das Blatt zu wenden.
Kurz nach seiner Weihe zum Mondschwert soll Helion den großen Feldzug begleiten. Sein Auftrag ist der Schutz des dunklen Magiers Mondranels. Einst hat Mondranel selbst für einen hohen Preis seine Macht von den Schattenfürsten erhalten. Nun ist er bereit ebendiese gegen die Osadroi einzusetzen. Kann mit seiner Hilfe der Jahrzehnte währende Silberkrieg entschieden werden?

Atmosphärisch dicht und kompromisslos düster …

...so zeigt sich „Feind“, der Auftakt der Schattenherren-Reihe. Mit den dunklen Osadroi und ihrem Kult verleiht Corvus der dunklen Seite im ewig währenden Kampf zwischen Gut und Böse ein neues interessantes Gesicht.

Corvus bedient sich einer klaren Sprache und beweist bei der Beschreibung seiner Welt viel Liebe zum Detail. So entsteht ein plastisches und lebendiges Bild von Eloy, einer komplexen und atmosphärisch dichten Welt, welche auch in den Nebenschauplätzen genug Potenzial für eigenständige Geschichten bietet. Schon die nur am Rande beschriebene, faszinierende Welt der Faye und ihre geheimnisvollen Vergangenheit, lässt auf eine nähere Erläuterung in nachfolgenden Bänden hoffen.

Besonders gelungen ist die Beschreibung der Osadroi und ihres Schattenkultes. In eindringlicher Sprache führt Corvus den Leser in ihre düstere und bedrohliche Welt ein. Dieser Kult ist an Grausamkeit und Brutalität kaum zu überbieten. Hier wird kein Fehler verziehen, keine Schwäche geduldet. Konsequent und kompromisslos zeigt Corvus auf, wie eine jeglicher Empathie beraubte Gesellschaft funktioniert.
Dies spiegelt sich besonders eindrucksvoll in Liolas Verhalten. Mit der jungen Dunkelruferin gibt Corvus dem düsteren und grausamen Kult der Osadroi ein persönliches Gesicht. Von allen auftretenden Charakteren zeigt sie das ausgeprägteste Profil. Schon als Kind durch den eigenen Vater in die Schatten verkauft, hat Liola jegliches Mitgefühl für ihre Mitmenschen verloren. Einzig ihren Fürsten zu dienen, lässt ihr Herz höher schlagen.

„Sieh genau hin. Sie geben sich ganz den Schattenherren. Keine größere Seligkeit können sie sich vorstellen, als von ihnen beachtet zu werden.“ [..](Unsterblichkeit) „Ist es das was ihr Euch erhofft?“ Kalt lächelnd schüttelte Liola den Kopf.„ Es geht nicht um mich, Es geht um die Schattenherren. Um ihnen zu dienen, existieren wir.“ [Seite 110/111]

Die hier beschriebene Kultur mit ihren Ritualen und der beinahe grenzenlosen Macht der Schattenfürsten dominiert eindeutig den gesamten Plot. Die Anhänger der guten Seite bleiben hierbei buchstäblich im Schatten des Geschehens.
Dabei sind Charaktere durchweg gut gezeichnet und handeln ihren Rollen entsprechend authentisch. Mit Helion bietet Corvus einen klassischen Helden der guten Seite. Aufrecht, nicht bestechlich und zielgerichtet bietet er mit seiner leicht aufbrausenden Art und seiner Jugend großes Potential für eine interessante Charakterentwicklung im weiteren Verlauf des Geschehens. Insgesamt wartet die Handlung mit einem breitgefächerten Auftreten der verschiedensten Charaktere auf. Doch ist deren Auftreten vor allem auf Seiten der freien Völker mitunter so kurz, das die jeweiligen Akteure nur in ihrem grundlegenden Rollenbild beschrieben werden und etwas an Tiefe vermissen lassen. Aufgrund der sich im Verlauf der Handlung stetig steigenden Sterblichkeitsrate der Protagonisten hat der Leser kaum Gelegenheit, die einzelnen Charaktere kennenzulernen. Dieser hohe Verlust an Mitstreitern auf Seiten der freien Völker steht allerdings in perfektem Einklang mit der düsteren und zum Ende hin ins hoffnungslose gesteigerten Atmosphäre der Geschichte.

Erzählt wird die Geschichte in wechselnden Episoden hauptsächlich aus der Sicht Helions, dem jungen Silberträger im Orden der Mondgöttin, sowie Liolas, Dunkelruferin in Dienste der Schattenfürsten. So erhält der Leser einen guten Einblick in die verschiedenen komplexen Kulturen der Völker Eloys und der Grundintention der wichtigsten Protagonisten.
Einziges Manko bei diesen inhaltlich gut gelungenen Wechseln ist die fehlende optische Trennung, welche den Lesefluss des öfteren stocken lässt.

Fazit:

Ein klassisches Fantasy-Epos des immerwährenden Kampfes von Gut gegen Böse, Licht gegen Schatten mit einer neuen dunklen Seite. In diesem ersten Band stehen die Schattenherren eindeutig im Vordergrund. Der hier beschriebene Kult überzeugt mit einer düsteren und bedrückenden Atmosphäre. Insgesamt ein gut gelungener Auftakt. Empfehlenswert für alle Fans der Dark- und Abenteuer- Fantasy à la George R. R. Martin.

Heike Salzmann, Mai 2013

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