Before I Wake von Robert J. Wiersema

Buchvorstellungund Rezension

Before I Wake von Robert J. Wiersema

Originalausgabe erschienen 2007, 320 Seiten.ISBN 0230529089.

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Das meint Phantastik-Couch.de: „Zwischen Kitsch und Knaller“74

Mystery-Rezension von Verena Wolf

„;I only looked away for a moment.“; So beginnt das Buch von Robert J. Wiersema und der Alptraum aller Eltern. Die dreijährige Sherry Barret reißt sich von der Hand ihrer Mutter los und wird von einem Lastfahrer überfahren, der Fahrerflucht begeht. Schweren Herzens, ohne die Hoffnung, dass sie je wieder von selbst atmen kann, schalten ihre Eltern Tage später im Krankenhaus die lebenserhaltenen Maschinen Sherrys ab. Aber Sherry stirbt nicht, allerdings wacht sie auch nicht auf. Sie liegt im Koma, über Monate, erst im Krankenhaus, dann zu Hause. Die Ehe der Eltern zerbricht zunächst an der Tragödie.

Durch einen Zufall stellt sich heraus, dass Sherry heilende Kräfte hat. Ihre Krankenschwester, aber auch andere Menschen, die mit ihr im wahrsten Sinne in Berührung kommen, werden von ihren Krankheiten über Nacht geheilt. Nach einer Nachrichtensendung pilgern Todkranke zu dem Haus. Wie sollen Sherrys Eltern handeln? Ist es Mißbrauch, ihre komatöse Tochter als Handauflegerin einzusetzen oder wäre es weit schlimmer die hoffenden „;Pilger“; unverrichteter Dinge nach Hause zu schicken?

Realistische Ich-Erzähler

In seinem Debut lässt Robert J. Wiersema verschiedene Stimmen zu Wort kommen. Der Roman ist durchgehend in der ersten Person geschrieben – allerdings von unterschiedlichsten Erzählern. Als Überschrift der Seite wird je die sprechende Person gelistet: die Mutter Karen, der Vater Simon, Henry der Unfallverursacher, die Krankenschwester Ruth, Mary, die Geliebte des Vaters etc. Subjektiv und doch auf den Punkt beschreiben sie aus ihrer Sicht was geschieht. Dadurch bekommt das Buch eine nüchterne dokumentative Direktheit, die in ihrer Mehrstimmigkeit gleichzeitig direkt ins Eingemachte geht. Das erste Drittel des Buches ist eine sehr genaue Beobachtung menschlicher Beziehungen und wie sie durch einen plötzlichen Schicksalsschlag zerbrechen können, einfach so, ohne dass jemand daran Schuld sein muss. Mit scharfen Blick seziert er das verzweifelte Miteinander.

Was passiert wenn Wunder geschehen

Erst dann kippt die Geschichte ganz allmählich, fast unmerklich Richtung Fantasy, bleibt dabei immer so weit der Wirklichkeit verhaftet, dass man sich nachdenklich fragt, kann das nicht wirklich passieren? Geschieht das genau jetzt irgendwo und man bekommt es nur nicht mit? Das ist die große Stärke des Buches. Das leise Hinüberschleichen von der Wirklichkeit hinüber in das Reich der Fantasie, der irrealen Möglichkeiten, Geister und Wunder.

So zuckt man kaum, als der verzweifelte Lastwagenfahrer Henry, der sich -zu Recht – Mitschuld an Sherrys Unfall gibt, in den Tod springt und nicht sterben kann. So nüchtern wird es geschildert. Er wird vielmehr eine Art Geist, für alle, die nicht wie er in der Zwischenwelt gefangen sind, unsichtbar.

Nach und nach erkennt er und der Leser, dass ein weit größerer Kampf tobt, der zwischen dem Guten und dem Bösen schlechthin. Das Schicksal von Sherry ist einer der Kriegsschauplätze. Es geht in „;Before I wake“; um große Themen und Werte: um Hoffnung, Liebe, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Zerbrechlichkeit, Verlust, Schmerz und Glaube. Und das setzt es schlau in Szene. Das Buch ist ein Bestseller in Kanada und den USA, wahrscheinlich genau deswegen.

Viel Gefühl und Herzschmerz

Auch die Frage, ob Gut-sein, Opferbereitschaft zwangsläufig einher gehen muss mit Gottesglaube stellt das Buch zur Debatte. Wiersema beantwortet es- glücklicherweise – mit nein. Sonst wäre das Debut ein zu glatter religiös motivierter Überzeugungsroman geworden. Es wäre schade drum gewesen. Nur zum Ende hin fällt das Buch ab, weil es zu sehr auftrumpft. Leider. Es bleibt ein schaler Geschmack zurück, weil der Schluss gnadenlos schmachtend schön-traurig wird. Man hört regelrecht das Seufzen der vielen Leser, die Wiersema herauskitzeln wollte, um sicher zu gehen, dass alle brav sagen: „;Hach, es war so bewegend“;. Auch wollte er unbedingt, dass zumindest Zartbesaitete mit einem Kloß im Hals nach einem Taschentuch kramen, weil ihr Herz so schmerzt. Da hat er in die Suppe einen viel zu großen Schuss Kitschroman in der Art von Nicholas Sparks getan. Aber das kann man einem Debut verzeihen. Beim nächsten Mal ist Wiersema hoffentlich abgebrühter.

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