Loke Klingsor - Der Mann mit den Teufelsaugen von Robert Kraft

Buchvorstellungund Rezension

Loke Klingsor - Der Mann mit den Teufelsaugen von Robert Kraft

deutsche Ausgabe erstmals 2016, 598 Seiten.ISBN 3945807026.

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In Kürze:

Band 1 (Lieferungen 1-15, Kapitel 1-30) der Neuausgabe (4 Bände) des 1927/28 in 60 Lieferungen erschienenen Kolportageromans von Robert Kraft, bearbeitet und abgeschlossen von Johannes Jühling. Mit einem Nachwort von Heinz J. Galle

Das meint Phantastik-Couch.de: „Eine Wiederentdeckung, die längst überfällig war“78

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Dreißig Jahre reiste Samuel Philipp, Milliardärssohn aus New York, durch die Welt. Auf seinen Reisen hat er nicht nur abgelegenste Landstriche, unbekannte Völker und Reichtümer gefunden, er hat auch die Bekanntschaft eines Mannes gemacht, der über wundersam erscheinende Kräfte zu gebieten schien.

Die Sprache ist von Loke Klingsor, Sohn eines Wikingernachfahren und einer Indischen Weisen, erzogen in tibetanischen Klostern und mit besonderen Geisteskräften ausgestattet.

Einst war Philipp dem Geheimnisvollen freundschaftlich verbunden, jetzt aber setzt er sein riesiges Vermögen dazu ein, dem Mann, besser gesagt, der Tätowierung, die dieser auf seinem Rücken trägt, auf die Spur zu kommen.

Er verpflichtet Abenteurer, Opernsängerinnen und Forscher und setzt diese, mittels eines ausgelobten Preisgeldes von jeweils 1 Millionen Dollar auf die Spur der tätowierten Runen. Sollte Klingsor getötet werden, sei ihm dies mehr als recht, so dass auch Schurken und Mörder auf der Lohnliste des Milliardärs auftauchen. Die vier verschiedenen Expeditionen machen sich in Diensten Philipps auf in die entlegensten Gebiete der Erde – in das nordafrikanische Gebirge der Sahara, das unerforschte Innere Australiens, den Dschungel Südamerikas und die Tiefen der Ozeane – allesamt Refugien, in denen Loke Klingsor seine Stützpunkte eingerichtet hat. Verfolgen sie die Abenteuer der Expeditionen mit, die in den 20ern des letzten Jahrhunderts nach dem Mann mit den Teufelsaugen suchen, treffen sie Loke Klingsor und die die Skalden und lassen sie sich packen von den mitreissend fabulierten Abenteuern einer Zeit, da noch nicht jeder Winkel unseres Planeten erforscht und per Google-maps betrachtbar war …

Nicht nur für Kolportagesammler ein Genuss – klassische phantastische Abenteuer von einem der frühen Grossmeister des Genres

Haben Sie viel Geld übrig und sind bereit, es in alte, dreckige, ihnen fast in den Händen zerfallende Broschuren und Bücher zu stecken? Dann wäre das Sammelgebiet des Kolportageromans wohl etwas für sie. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts erschienen diese auf qualitativ schlechtem, stark holzhaltigem Papier gedruckten Fortsetzungsromane als billige Broschuren und ermöglichten es den einfachen Ständen in ihrer Phantasie die Welt zu bereisen.

Einer der bekanntesten und beliebtesten Autoren dieser phantastisch angehauchten Abenteuerromane war Robert Kraft der in 21 Jahren nicht weniger als dreizehn Kolportageromane mit zusammen mehr als 35.000 Seiten verfasste. Diese sind auch antiquarisch kaum mehr zu bekommen, so dass man Verlag und Herausgeber nur danken kann, dass sie dem Leser nach Krafts „Atalanta" nun auch den ursprünglich posthum erschienen und von Johannes Jühling vollendeten Roman um Loke Klingsor zugänglich machen.

Im wie gewohnt informativem Nachwort von Heinz J. Galle führt dieser neben den Parallelen zu Boothbys Doctor Nikola auch aus, dass Paul Alfred Müller sich für seine gefeierten Serien um Sun Koh und Jan Mayen nicht nur ausgiebig bei Atalanta inspirieren ließ, sondern auch Motive, Ideen und ganze Handlungsfäden aus Loke Klingsor übernahm.

Schon die Vorstellung Klingsors erinnert dabei doch deutlich an den ersten Auftritt Sun Kohs. Das sind beides Überwesen, die dem normalen Menschen geistig wie körperlich weit voraus sind, die integer agieren und dem Leser als große, charismatische Helden und geheimnisvolle Vorbilder präsentiert werden.

Von dieser Anlage her begleiten wird die unterschiedlichen Expeditionen in ihre unwirtlichen Gegenden, erleben deren Abenteuer mit, treffen auf mannigfaltige Gefahren und kommen doch Loke Klinsor nicht wirklich auf die Spur. Der Mann bleibt geheimnisvoll, damit interessant und zutiefst mysteriös. Das Augenmerk liegt in diesen Kapiteln in der packenden Darstellung entlegener, unerforschter Landstriche und Gebiete, die damals noch Terra Inkognito waren.

Auch der Mann mit den Teufelsaugen selbst tritt in eingeschobenen Passagen in Erscheinung – und offenbart, dass er einer geheimen Gruppe von Menschen, den Skalden wie sie sich selbst nennen, angehört. Diese leben nicht nur unerkannt unter der normalen Bevölkerung, sie herrschen über Reiche in abgelegenen Landstrichen, führen dort mit primitiven Waffen Krieg mit – und gegeneinander, gebieten über technisch weit überlegene Errungenschaften und verblüffendes Wissen.

Dieses Setting eröffnet dem Autor eine riesige breit aufgestellte Palette von Handlungsmöglichkeiten. Die unerforschte Wildnis ist dabei ebenso Bühne wie die Metropolen der Welt, er entführt seine Leser, wie später sein Nachahmer Paul Alfred Müller einmal rund um den Globus. Dabei mischt er geschickt packende Abenteuer mit Mythen, ein wenig utopische Errungenschaften und jeder Menge Mystik. Das Reicht von Hypnose bis zur Zukunftsweissagung, von Levitation bis Gedankenlesen. Die Schurken sind dabei natürlich eindeutig böse gezeichnet, die Helden bekommen, nach einigen Fährnissen ihre Belohnung.

Zu erwähnen ist des weiteren, dass die Herausgeber sämtlich Original-Illustrationen der Lieferungshefte mit übernommen haben. Diese übern ihren ganz eigenen Charme auf den Betrachter aus.

So übt der Text auch heute noch seine Faszination auf den Leser aus, sind die Abenteuer mit und um Loke Klingsor eine Entdeckung wert.

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