Der lohfarbene Mann von Robin Hobb

Buchvorstellungund Rezension

Der lohfarbene Mann von Robin Hobb

Originalausgabe erschienen 2001unter dem Titel „Fool’s Errand“,deutsche Ausgabe erstmals 2006, 915 Seiten.ISBN 3-404-20542-1.Übersetzung ins Deutsche von Rainer Schumacher.

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In Kürze:

Fünfzehn Jahre sind seit dem schrecklichen Krieg mit den Roten Korsaren vergangen. Seitdem wandert Fitz alleine mit seinem treuen Begleiter, dem Wolf Nachtauge, durch das Land und hält sich so fern wie möglich von Bocksburg und der Gilde der Weitseher. Doch das Schicksal holt ihn erneut ein: König Edel ist verschwunden, kurz vor seiner politisch wichtigen Hochzeit mit einer Prinzessin der Roten Korsaren. Es gibt nur einen, der sich auf die gefahrvolle Suche nach ihm machen kann: sein leiblicher Vater, Fitz der Weitseher…

Das meint phantastik-couch.de: „;Wiedersehen mit Fitz“;78

Fantasy-Rezension von Frank A. Dudley

In „;Der lohfarbene Mann“; führt die amerikanische Autorin Robin Hobb ihre Leser zurück in die „;Weitseher“;-Welt. Der erste Teil dieser neuen Trilogie spielt rund fünfzehn Jahre nach den Ereignissen der vorangegangen Sequenz.

Nach dem Krieg gegen die Roten Korsaren ist Ruhe in den sechs Provinzen des Königreichs eingekehrt. Fitz, der illegitime Königssohn und ehemalige Junior-Assassine, hat die Friedensjahre in ländlicher, beinahe hermetischer Abgeschiedenheit unter falschem Namen verbracht. Gesellschaft leisteten ihm Harm, sein Adoptivsohn, und Nachtauge, sein Wolf. Froh darüber, dass man ihn für tot hält, genießt er sein bukolisches Leben.

Aber aus seinem vorgezogenen Ruhestand wird nichts. Die „;Zwiehaften“;, Menschen vom „;Alten Blut“;, werden wegen ihrer Fähigkeit mit den Tieren zu kommunizieren auf brutale Weise verfolgt. Regentin Kettricken, die anstelle ihres noch zu jungen Sohnes Prinz Pflichtgetreu regiert, untersagt die Hexenjagd, jedoch ohne den erwünschten Effekt zu erzielen. Sie tut dies nicht nur, um die Ruhe in den Provinzen aufrecht zu erhalten, sondern auch zum Schutz ihres Sohnes. Denn Prinz Pflichtgetreu ist genetisch bedingt ein Weitseher und ein Zwiehafter, somit also imstande, die „;Alte Macht“; auszuüben. Allerdings geht der König in spe recht sorglos mit seinen magischen Gaben um, was bösen Kräften einen idealen Ansatzpunkt für sinistre Einflussnahme bietet.

Um Prinz Pflichtgetreu im Gebrauch der Magie zu unterweisen, wird also ein Instruktor benötigt, und der Königliche Chef-Assassine Chade empfiehlt mit Fitz seinen eigenen Geisteszögling. Obwohl der keine rechte Lust hat, sich wieder ins politische Getümmel der sechs Provinzen zu stürzen, wird er langsam, aber sicher in die unübersichtliche Gemengelage aus Verschwörungen, Geheimnissen, Verführungen und Konfrontationen gezogen. Da außerdem Harm einen sinnvollen Beruf erlernen soll, macht sich Fitz mit dem Jungen aus der hinterwäldlerischen Abgeschiedenheit auf den Weg ins königliche Schloss nach Bocksburg. Als der junge Prinz verschwindet, ist die Sorge der Regentin groß, und Fitz’ erste Aufgabe als königlicher Lehrmeister besteht darin, seine Schüler zu finden.

Plastische Charaktere, ausgeformtes Milieu

Robin Hobb hat in der „;Der lohfarbene Mann“; keine Eile, ihre Geschichte voranzutreiben. Sie nimmt sich das ganze erste Drittel des rund 900 Seiten langen Buches Zeit, den Hauptcharakter wieder auf- und weiter auszubauen und um die Exposition zu entfalten. Das mag nicht jeder. Aber wer sich darauf einlässt, wird mit glaubwürdigen und vielschichtigen Charakteren sowie einer atmosphärisch gelungenen Welt belohnt.

Zwar gibt Hobb dem Königreich der sechs Provinzen einen nicht weiter spektakulären Mittelalter-Anstrich, doch Magie beschreibt sie nicht etwa mit plakativen Blitz- und Feuerballeffekten, sondern angenehm subtil. Endlose Schwertkämpfe zwischen sonst in der High Fantasy häufig anzutreffenden Helden sind auch nicht ihr Metier, sie involviert ihre Leser lieber in die Entwicklung ihrer Charaktere. Und so stehen „;Soft Skill“;-Themen wie Moral, Loyalität und Toleranz im Mittelpunkt der Geschichte, die sie in einem eingängigen und gleichzeitig anspruchsvolleren Sprachstil erzählt. Auch das hebt das Buch positiv von manch anderen Fantasy-Romanen ab, die durch einfach und oberflächlich gehaltene Sprache eher wenig Eindruck hinterlassen.

Klassische Feuilletonisten zucken bestimmt bei der Aussage, dass Hobbs Erzählweise der der Realisten des 19. Jahrhunderts ähnelt: Wie diese stellt die Autorin ihren Roman auf ein solides Fundament aus plastischen Charakteren und einem ausgeformten Milieu, entwickelt die Geschichte dann langsam, um schließlich den erzählerischen Effekt zu verstärken, wenn die Handlung Fahrt aufnimmt. Zum besseren Verständnis von Setting und Story sei jedoch die Lektüre der vorangegangnen Weitseher-Serie empfohlen. Obwohl Teil eins einer Trilogie, ist „;Der lohfarbene Mann“; ein in sich abgeschlossener Roman. Auch dafür sollte man der Autorin danken, denn damit unterscheidet sie sich auf angenehme Weise von der standardmäßigen Cliff-Hängerei anderer Serien.

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