Snow - Die Kälte von Ronald Malfi

Buchvorstellungund Rezension

Snow - Die Kälte von Ronald Malfi

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „Snow“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 384 Seiten.ISBN 3-453-52852-2.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Amerikas mittlerer Westen schneit zu, und alle Flüge werden gestrichen. Für Todd Curry, einen geschiedenen Vater auf dem Weg zu seinem Sohn, ist das schlimm genug. Kurz entschlossen macht er sich mit drei anderen » Gestrandeten« im Auto auf den Weg durch die Kälte. Doch als sie einen zerlumpten und verletzten Anhalter mitnehmen, der sie schließlich in ein eingeschneites Städtchen führt, beginnt für ihn eine Odyssee des Grauens. Denn draußen im Schnee lauern SIE, und SIE haben immer Hunger…

Das meint Phantastik-Couch.de: „Volle Deckung, Feuer frei: Die Schnee-Krabben kommen!“80

Horror-Rezension von Michael Drewniok

Anwalt Todd Curry wollte seinen Sohn, Kate Jansen ihren Verlobten, Fred und Nan Wilkinson wollten ihre Tochter besuchen. Sie müssen nach Des Moines im US-Staat Iowa, doch alle stranden sie am Heiligen Abend auf dem Flughafen von Chicago: Heftige Schneefälle und Stürme haben den Flugverkehr lahmgelegt.

Die Entfernung zwischen Chicago und Des Moines beträgt nur 500 km. Das Quartett – vom Pech zusammengewürfelt – beschließt, die Fahrt trotz der damit verbundenen Gefahren mit dem Automobil zu wagen. Weit kommt man nicht; Curry gerät irrtümlich vom Highway ab, und als er auf einer Nebenstraße beinahe einen einsamen Wanderer überfährt, landet der Wagen in einer Schneewehe und wird so stark beschädigt, dass an eine Weiterfahrt nicht zu denken ist.

Glücklicherweise ereignete sich der Unfall nahe der kleinen Ortschaft Woodson. Zu Fuß erreicht man dieses Ziel, doch nicht Hilfe, sondern der Tod wartet auf die Neuankömmlinge: Seltsame Wesen materialisieren sich aus Schneewirbeln. Sie dringen halbstofflich in die Körper ihrer menschlichen Opfer ein, die sie anschließend ihrem Willen unterwerfen. Die dabei entstandenen Mischwesen sind kannibalische Mörder, die sich zwar töten lassen, wobei der Eindringling jedoch unbeschadet in sein Zwischenreich zurückkehrt.

Nur wenige Einwohner haben überlebt. Die Verkäuferin Shawna Dupree kann die unfreiwilligen und entsetzten Gäste zunächst retten und sie über die Situation in Kenntnis setzen. Von außen wird keine Rettung kommen. Die Kreaturen und das Wetter haben Woodson isoliert. Man ist gegen die schussfeste Übermacht auf sich allein gestellt. Bald finden die Wesen die kleine Gruppe, die trotz verzweifelter Gegenwehr reduziert wird. Allerdings entdecken die Menschen im Gegenzug, dass die Kreaturen nicht gänzlich unverwundbar sind …

Guter, alter, nie altmodischer Horror

In letzter Zeit kann der Freund des ´richtigen´ Horrors das Gefühl der Verzweiflung erschreckend leicht heraufbeschwören. Es genügt der Gang in eine beliebige Buchhandlung und der Blick in die mit „Phantastik“ überschriebenen Fächer: Dort drängen sich jene aktuell erfolgreichen Machwerke, in denen sich glutvolle Vampire oder Engel oder ihre einkaufsfetischistisch veranlagten weiblichen Gegenstücke tummeln und treiben, was vorzugsweise Jungmädchen für Sex oder schick halten. Die immer gleichen Geschichtchen vermehren sich wie die Karnickel bzw. setzen unzählige Klone in die Welt, wo diese wiederum endlose Serien austreiben.

Darüber hinaus wird dümmlicher Sex-&-Splatter-Trash für permanentpubertierende Leserkreise feilgeboten: Eindimensionale Monster schlagen breite Blutschneisen durch machtlose Menschenmengen, bis ihnen leichthirnige aber schwer bewaffnete Einzelgänger Einhalt gebieten.

Mit Erleichterung reagiert der Leser, der solche Platt- und Plumpheiten verabscheut und sich lieber traditioneller grault, auf die Entdeckung eines Romans, dessen denglischer Titel eigentlich keine nahrhafte Genrekost signalisiert. Umso erfreulicher ist die Entdeckung, dass hier ein Autor ganz altmodisch einen Job erledigt, der ganz einfach lautet: Unterhalte dein Publikum, ohne es für dumm zu verkaufen!

„Simpel“ ist kein Schimpfwort

Wobei dieses Publikum wie gesagt eben nicht nur aus b(lut)rünstigen Jugendlichen besteht, sondern auch Leser einschließt, die mit einer echten Story überrascht werden möchten. Dieser rote Faden kann ruhig dünn sein; hier bringt schlechtes Wetter eine kleine Gruppe in eine isolierte Stadt, die von Ungeheuern belauert wird. Die sich daraus ergebenden Ereignisse wurden in tausend Filmen und zehntausend Romanen durchgespielt. Auch „Snow“ bietet weder Neues noch Originelles, kann aber mit der bestmöglichen Alternative dienen: Ronald Malfi weiß, wie man an der Spannungsschraube dreht!

Als fachkundiger Horror-Handwerker orientiert er sich grob am Großmeister des US-Kleinstadt-Horrors: „Snow“ erinnert an ein Werk von Stephen King (speziell an „Under the Dome“, dt. „Die Arena“). Freilich kopiert Malfi sein Vorbild hauptsächlich in der sorgfältig entwickelten und getimten Dramaturgie des Schreckens: Dieser setzt langsam und unmerklich ein und bietet zunächst nur Bruchstücke eines Gesamtbildes, das der Verfasser uns nicht schwatzhaft erklärt, sondern das er im Geschichtsfluss entstehen lässt.

Wir wissen nie mehr als die Unglücksraben, die es nach Woodson verschlägt. Informationen erhalten wir wie sie, indem wir die Straßen des Städtchens ´beobachten´, den Schilderungen der wenigen Überlebenden ´zuhören´ oder gemeinsam mit unseren Helden Nachforschungen anstellen.

Jedermann & Jedefrau in der Krise

Es sind keine Supermänner oder -frauen, die in Woodson um ihr Leben kämpfen. Sie mutieren auch nicht zu solchen, nachdem sie im Feuer (bzw. hier im kalten Schnee) geprüft und gestählt wurden: Solche Quantensprünge überlässt Malfi den weniger inspirierten Autoren. Seine Figuren sind Getriebene, Entwurzelte, Verlierer, denen es jetzt zu allem Überfluss auch noch ans Leder geht. Angst und Überlebenswillen setzen zwar kurzfristig Kräfte und Kampfgeist frei, doch mangelndes Wissen führt oft dazu, dass der Schuss buchstäblich nach hinten losgeht. Fehltritte und -schüsse führen zu neuen, verhängnisvollen Ereignissen.

Dass die Handlung dennoch voranschreiten kann und ein allmähliches Sammeln von Wissen damit einhergeht, fordert ganz realistisch Opfer. Malfi treibt das Element der Unsicherheit auf die Spitze: Wir wissen nicht, was geschehen, und wir wissen nicht, wen es als nächsten erwischen wird! Auch aufwändig eingeführte Hauptfiguren sind davor keineswegs gefeit.

Die Krise bringt zudem nicht zwangsläufig das Positive zum Vorschein: Woodson ist ein Mikrokosmos des allzu Menschlichen. Mit offenen Armen werden die Flüchtigen nie empfangen. Wer seine kleine Nische vor den Monstern gefunden hat, will Sicherheit, Wärme und Nahrung nicht teilen. Kleine Geister wittern ihre große Chance und wachsen als Diktatoren oder religiöse Fanatiker unheilvoll über sich selbst hinaus.

Was im Schnee umgeht

Die daraus resultierenden Konflikte ermöglichen es Malfi, sparsam mit den Auftritten seiner Ungeheuer umzugehen. Gern sind die Menschen mit sich selbst beschäftigt. Manchmal ist der Leser sogar froh, dass die Kreaturen sich wieder bemerkbar machen: Sie bringen von außen Bewegung in die Handlung!

Dies ist ihr Primär-Job, und deshalb ist es gar nicht nötig, ihre Herkunft detailliert zu klären. Sind es Naturgeister? Unwillkommene Gäste aus einer fremden Dimension? Außerirdische? Wichtig ist: Es sind Jäger, sie sind teuflisch schlau, und ihnen ist mit Waffengewalt nicht beizukommen. Erforderlich sind Gewalt und Köpfchen, wobei beide Elemente sich die Waage halten: Schließlich ist „Snow“ kein Psycho-Thriller und will es auch nie sein.

Malfis Monster erfüllen ihre Aufgabe gut: Sie sind groß, es gibt sie in den Versionen bizarr bis hässlich, und ihr Verhalten sorgt jederzeit für Schrecken. Die Möglichkeit der Kommunikation ist im Romankonzept nicht vorgesehen. Ungeheuer sind und bleiben Ungeheuer. Man spricht nicht mit ihnen, man kämpft mit ihnen und rottet sie aus.

Mit Volldampf in die Zielgerade

„Snow“ gäbe die Grundlage für keinen guten aber einen unterhaltsamen Film ab. Ungeachtet der Frage, ob Malfi bei der Niederschrift schon mit einem Auge gen Hollywood schielte, sind entsprechende Stilmittel deutlich erkennbar. Die Handlung bietet sowohl regelmäßige Action-Einschübe als auch Pausen, in denen nicht nur die Figuren (= Darsteller) verschnaufen können. In solchen Momenten der Ruhe gibt es Rückblenden. Die Figuren erinnern sich an ihre Vergangenheit oder erzählen einander davon. Wirklich notwendig ist es nicht. Anders als der schon genannte Stephen King verfügt Malfi zudem nicht über das Talent, Klischees zu entstauben und Figuren in Menschen zu verwandeln. Sie bleiben Monsterfutter.

Die Verfolgungsjagden und Duelle mit den Kreaturen oder mit durchgedrehten Zeitgenossen steigern sich in ihrer Intensität. Wie ein Film steuert die Handlung klar auf einen finalen Höhepunkt zu. Alle relevanten bzw. noch lebenden Figuren werden zum letzten Gefecht antreten. Die Menschen sind hoffnungslos in der Unterzahl. Noch einmal wird aus Leibeskräften gestorben. Aber siehe: Wer lange genug die Zähne zusammengebissen und ein wenig Glück hat, wird mit einem Ende belohnt, das zwar nicht happy ist – wir leben schließlich im zynischen 21. Jahrhundert -, aber die üblichen Verhältnisse immerhin monsterfrei wiederherstellt. Ein bisschen Zuckerguss gibt’s noch dazu: Wer bisher sein Kind vernachlässigt oder dem falschen Mann hinterhergerannt ist, wird zukünftig alles besser machen.

Das ist wie gesagt alles keine Kunst, sondern Handwerk. Ronald Malfi beherrscht es so gut, dass man von ihm hierzulande hoffentlich noch mehr lesen wird – ein Gefühl der Erwartung, die der Horrorfreund im Wust des Trash-Grusels fast schon verloren wähnte.

Ihre Meinung zu »Ronald Malfi: Snow - Die Kälte«

Janko zu »Ronald Malfi: Snow - Die Kälte«19.01.2015
Mit "Snow-Die Kälte" hat Ronald Malfi eine einfache, dennoch recht ansehnliche Horror Story niedergeschrieben. Allerdings sucht man tiefgründiges, anspruchsvolles oder gar eine tiefenpsychologische Charakterzeichnung der einzelnen Protagonisten völlig vergebens, dafür ist der Plot wiederum recht flüssig zu lesen. In diesem typisch amerikanischen Horror wird eine subtile Spannung aufgebaut. Vier Erwachsene bleiben mit ihrem Fahrzeug in einem Schneesturm stecken und treffen auf lichtscheues Gesindel. Sie kämpfen sich in eiskalter Nacht durch den Wald, finden eine Art Geisterstadt vor, haben keine Möglichkeit mehr aus selbiger zu fliehen und die Dinge nehmen ihren Lauf. Mit seinem rasanten Erzählstil ist Ronald Malfi sicherlich nicht der große Wurf gelungen, zumal die Story zur Mitte hin ein wenig abflaut. Die Story ist auch keineswegs innovativ, eher leichte Kost für zwischendurch. "Snow-Die Kälte" ist bei Heyne erschienen. Allerdings zurecht nicht bei Heyne Hardcore, denn dafür ist es einfach nicht Hardcore genug und gestaltet sich dadurch leider auch etwas zu farblos. Kann man sicherlich lesen, muss man aber nicht.
Meine Wertung: 77/100
Buboter zu »Ronald Malfi: Snow - Die Kälte«05.07.2011
Ein Mann, der zu seinem Sohn muss, eine Frau, die über Weihnachten zu ihrem Verlobten muss und ein älteres Ehepaar, das zu ihrer Tochter reisen möchte bilden durch einen Schneesturm bedingt eine unfreiwillige Schicksalsgemeinschaft. Alle Flüge sind gestrichen und die vier teilen sich den letzten geländegängien Leihwagen. Im tiefsten Schneegestöber machen sie sich auf den Weg. Als sie auf einen Vater treffen, der im Schnee seine Tocher verloren hat. Zwar wittern die vier Personen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, sind aber zunächst zu vertrauensseelig. Nach einem Unfall und ein paar seltsamen Ereignissen stranden sie in einer entvölkerten Stadt, die von Wesen im Schnee bedroht wird. Von einer Minute zur anderen müssen sie ums nackte Überleben kämpfen.

Ronald Malfi hält sich nicht mit einer langen Vorgeschichte auf. Auf dem Flughafen treffen die Personen aufeinander und im Prinzip ist man dann schon mitten in der Geschichte. Sind die Dinge erstmal in Gang gekommen gibts kein zurück mehr und kaum Zeit zum Luftholen. "Snow" ist auf alle Fälle ein sehr rasanter Roman. Es ist zwar richtig, dass man kaum was über die Protagonisten erfährt, allerdings ist das auch nicht notwendig in diesem Fall. Die Geschehnisse ereignen sich Schlag auf Schlag, daher hat man sowieso keine Zeit näher darüber nachzudenken.

Die dunkle Schneenacht, die Bedrohung durch die Kälte und die Wesen und der beengte Handlungsraum sorgen für eine gruslige Atmosphäre. Außerdem findet sich der Leser in der kleinen Stadt sofort zurecht. Man muss kaum darüber nachdenken, wo und wie sich das alles abspielt und hat die Bilder sofort vor Augen.

Ein spannender Roman in schnell geschnittenen Szenen, der mich auch noch einiges vom Autor erwarten lässt. 85°
Alexi1000 zu »Ronald Malfi: Snow - Die Kälte«04.07.2011
SNOW, die erste Übersetzung ins deutsche, von einem Autor, der in den USA längst eine solide Fanbasis aufgebaut hat und auch schon mehrere Romane veröffentlicht hat...

wie beim Herrn Drewniok, lässt auch mich der Roman mit dem Gefühl/Hoffnung zurück, das da einer im Kommen ist, von dem wir noch einiges erwarten können...

aber der Reihe nach:

Malfi wirft mit einer lockeren Handbewegung einen kleinen Kreis Protagonisten ins Rennen; am Anfang finden sich unsere Akteure alle auf einem Flughafen wieder, der von einem gewaltigen Schneesturm/Blizzard im Griff gehalten wird; die Flüge haben nicht nur Verspätung, sondern werden flugs ganz gecancelt...

da alle aus verschiedenen Gründen aber "unbedingt" weiter kommen wollen, kommt eine kleine Gruppe auf die "glorreiche" Idee, es bei diesen fast unmöglichen Begebenheiten, per Mietwagen über Land zu versuchen...

OK, nicht sehr clever sagt der geneigte und Horrorerprobte Leser, "echte" Menschen hätten sowas natürlich nicht gemacht!

egal, wir befinden uns im Universum eines Mystery - Thrillers, und nehmen mit den Protagonisten alle Unliebsamkeiten in Kauf.

Es kommt, wie es kommen muss...auf vereister Fahrbahn wird einem "Hindernis" ausgewichen, und man "strandet" in einer Gottverlassenen Gegend, unweit eines abgelegenen Örtchens...halb erfroren dort zu Fuss angekommen, merken unsere "Helden" schnell, das hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht...
das Unheil nimmt seinen Lauf.

Erstaunlich wie gut Malfi es schafft, den reissbretthaften figuren doch Leben einzuhauchen, so das wir Leser immer mit Ihnen fiebern.
Vor allem aber hat mich das hohe Tempo das Romans umgehauen, atemlos verschlingt man Seite um Seite, und merkt gar nicht wie die Zeit vergeht! Sehr gut...

einzig, wenn die Bedrohung Form annimmt, war es mir der Phantasie etwas zuviel des guten, da muss sich das Gehirn schon ganz schön anstrengen...

das ist aber auch schon Hauptkritik und Gradabzugspunkt; evtl. hätte ich den sonst sogar noch höher als 82° bewertet.

Womit wir wieder beim Anfang sind, ich hoffe sehr auf weitere Veröffentlichungen von Malfi auf deutsch...schade, das Heyne diese Geschichte nicht passend zur Story im Winter veröffentlicht hat, wenn es draussen leise vor sich hinrieselt, das hätte den Gruselfaktor sicher noch etwas erhöht. .-)

..ansonsten, alles richtig gemacht Herr Malfi, für Fans von Mystery - Thrillern a la King und Koontz (Ausnahmsweise passt ein Klappentext wirklich mal)...

82°.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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