Themenkreise der Science Fiction

Ein Versuch, die vielfältigen Themen der Science Fiction in streng voneinander abgegrenzte Genres zu unterteilen, muss zwangsläufig scheitern. Die Grenzen sind nicht eindeutig abzustecken und die Themen vermischen sich zumeist. Die folgende Aufstellung dient dazu, eine Möglichkeit zur Klassifizierung darzustellen und verschiedene Beispiele zur Anregung zu geben.

Space Opera

Das „Weltraumabenteuer“ ist das klassische Motiv der Science Fiction schlechthin. Bereits 165 n. Chr. lies der Grieche Lukianos seinen Helden zum Mond fliegen. In der Neuzeit wurde das Thema Mondfahrt dann immer öfter beschrieben: 1638 von Francis Godwin („The Man in the Moone“), im 17. Jahrhundert von Cyrano de Bergerac sowie 1835 von Edgar Allan Poe („The Unparalleled Adventures of Hans Pfaall“), ehe Jules Verne Ende des 19. Jahrhunderts bei seinen Mondreisen technischer wurde. Im 20. Jahrhundert breiteten sich die Autoren schließlich im gesamten Weltall aus und ließen ihre Helden Schlachten und Kriege durchführen. Einer der ersten war 1928 E. E. Smith („The Skylark of Space“). Um 1940 folgten bekannte Heft- und TV-Serien wie „Captain Future“, 1961 startete in Deutschland „Perry Rhodan“. „Space Opera“ ist weitgehend anspruchslose Unterhaltung. Bekannte Vertreter des Genres sind Robert A. Heinlein, Brian W. Aldiss, Arthur C. Clarke und Poul Anderson .

Roboter

Zum Thema Roboter fällt zuerst der Name Isaac Asimov, dessen unter Mithilfe von John W. Campbell jr. postulierte Robotergesetze von vielen Autoren in der Folgezeit übernommen wurden. Der Name „Roboter“ wurde jedoch bereits 1920 von Karel Capek aus dem tschechischen Wort robota (arbeiten) kreiert. Künstliche Menschen findet man aber in der Literatur schon weitaus früher wie in „Der Sandmann“ (1815) von E.T.A. Hoffmann, Mary Shelleys „Frankenstein“ (1818) oder „Maitre Zacharias“ (1852) von Jules Verne. Weitere bekannte Beispiele dieses Themenkreises sind „Simulacra“ (1964) und das unter dem Titel „Blade Runner“ verfilmte „Do Androids Dream of Electric Sheep“ (1968) von Philip K. Dick, „The Uncertain Midnight“ (1958) von Edmund Cooper oder „Destination Void“ (1966) von Frank Herbert.

Zeitreise

Die Zeitreise wird wohl für immer ein Traum für die Menschheit bleiben. Nichsdestotrotz erliegen zahlreiche Autoren immer wieder der Faszination dieser Möglichkeit. Einen hohen Level für dieses Genre legte H. G. Wells bereits 1895 mit dem Klassiker „The Time Machine“, in dem er seinen Protagonisten mit Hilfe einer Maschine durch die Zeiten reisen lässte. Ein Schlag auf den Kopf reichte bei Mark Twain 1889 in „A Connecticut Yankee in King Arthur’s Court“, um einen Amerikaner ins englische Mittelalter zu befördern. In „Lest Darkness Fall“ (1939) schickt L. S. de Camp seinen Helden ins antike Rom. Aus der Vielzahl der Zeitreiseromane des 20. Jahrhunderts seien ein paar herausragende Beispiele genannt: „Time and Again“ (1951) von Clifford D. Simak, „Behold the Man“ (1966) von Michael Moorcock, „There Will be Time“ (1973) von Poul Anderson oder „The Man Who Folded Himself“ (1973) von David Gerrold.

Alternativ- und Parallelwelt

Als Alternativwelt betrachtet man in der Science Fiction ein Szenarium nach der Spekulation „Was wäre, wenn…“. Wie eine Welt nach dem Sieg Hitlers im Zweiten Weltkrieg aussieht, schildert Otto Basil 1966 in „Wenn das der Führer wüsste“. Norman Spinrad gibt sogar Adolf Hitler selber als Verfasser seines Buches „The Iron Dream“ (1972) aus. In „Pavane“ (1968) geht Keith Roberts von einem Sieg der spanischen Armada über die englische Flotte aus, bei Ward Moore haben in „Bring the Jubilee“ (1955) die Südstaaten den Sezessionskrieg gewonnen und in Carl Amerys „An den Feuern der Leyermark“ (1979) dominiert Bayern anstelle von Preußen in Deutschland. Parallelwelten, deren Unterschied in der Gleichzeitigkeit liegt, entstammen dagegen rein aus der Phantasie der Verfasser und sind zum Teil eher der Fantasy zuzurechnen wie „The Gate of Time“ (1967) von Philip José Farmer. Ebenfalls diesem Genre zurechnen kann man „Report on Probability“ (1968) von Brian W. Aldiss, „334“ (1974) von Thomas M. Disch und „The Man in the High Castle“ (1962) von Philip K. Dick.

Utopie/Dystopie

Der Name Utopie, oft als Synonym für Science Fiction gebraucht, geht zurück auf Thomas Morus „Utopia“ (1516), in dem er die Mißstände im England Heinrichs VIII. anprangert, und leitet sich ab von outopos (Nichtland) und eutopos (Schönland). Auch das 17. Jahrhundert brachte bereits durch Tommaso Campanella und Francis Bacon Utopien hervor, doch Hochkonjunktur bekam das Genre erst mit der fortschreitenden Indutrialisierung ab Ende des 18. Jahrhunderts. Mit H. G. Wells („When the Sleeper Wakes“, „A Modern Utopia“, „Men Like Gods“) erreichten die Utopien einen Höhepunkt. Danach jedoch setzten Gegenreaktionen ein, beginnend mit E. M. Forsters „The Machine Stops“ (1909). Als berühmteste Dystopien des 20. Jahrhundert seien hier stellvertretend „Wir“ (1920) von Jewgeni Samjatin, „Brave New World“ (1932) von Aldous Huxley sowie „1984“ (1948) von George Orwell erwähnt.

Weltuntergang & andere Katastrophen

Große Katastrophen zählen schon immer zu den Urängsten der Menschen und sind als solche kein reines Science Fiction-Thema. Ursache und Außmaß können vielfältig sein. Beispiele sind Epidemien wie in „Earth Abides“ (1949) von George R. Stewart, durch radioaktive Strahlung mutierte Riesenpflanzen in John Wyndhams „The Day of the Triffids“ (1950). Sehr beliebt sind Kometen wie in „Lucifer’s Hammer“ (1977) von Larry Niven und Jerry Pournelle. James Graham Ballard befasste sich bevorzugt mit den Auswirkungen von Katastrophen, oder dabei näher auf deren Ursachen einzugehen. In „The Burning World“ (1964), „The Crystal World“ (1966), „The Wind From Nowhere“ (1961) und „The Drowned World“ (1962) behandelt er die vier Urelemente Erde, Feuer, Wasser und Luft.

Monster

King Kong und Godzilla dürften die bekanntesten von ihnen sein. Meist sind es riesige Kreaturen, die die Ordnung auf der Erde bedrohen. Sämtliche Kräfte werden mobilisiert, um den Kampf gegen die unbesiegbar scheinende Übermacht aufzunehmen, meist ohne Chance. Und am Ende ist es dann meist eine Kleinigkeit, mit der die Bedrohung schließlich besiegt werden kann. Bei H. G. Wells tauchten 1901 („First Men in the Moon“) bereits riesige Mondkühe auf. Edgar Rice Burroughs siedelte seine Kreaturen dann auf dem Mars an, bevor die Autoren weiter in den Weltraum vorstießen und ihrer Phantasie bei der Erschaffung von Monstrositäten weitgehend freien Lauf ließen. Besonders bekannt sind auch die riesigen Sandwürmer auf Frank Herberts „Wüstenplanet“. Ebenfalls in diese Rubrik fallen Mutanten wie von A. E. van Vogt in „Slan“ (1940) beschrieben.

Aliens

Aliens fallen oftmals auch unter die Rubrik „Monster“, können jedoch auch völlig anders als „monströs“ sein. Eine der ersten Invasionen von außerirdischen Lebensformen war sicher „The War of the Worlds“ von H. G. Wells (1898) und sorgte bei der von Orson Welles 1938 inszenierten Hörspielversion für Panik unter der US-Bevölkerung, die die Bewohner vom Mars für bare Münze nahm. Zu den Klassikern der Science Fiction zählt auch der Lensmen-Zyklus von E. E. Smith aus den 1950ern.

Star Wars & Co

Zu dieser Kategorie sind Endlosserien zu zählen, die von den verschiedensten Autoren weitergeschrieben wurden. Dazu gehören Heftreihen wie Perry Rhodan, Captain Future oder Maddrax ebenso wie die in neuerer Zeit aus Kino- und TV-Reihen entstandenen Serien wie „Star Wars“ oder „Star Trek“.