EarthCore von Scott Sigler

Buchvorstellungund Rezension

EarthCore von Scott Sigler

Originalausgabe erschienen 2001unter dem Titel „Earthcore“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 482 Seiten.ISBN 3-453-43507-9.Übersetzung ins Deutsche von Michael Krug.

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In Kürze:

Tief unter einem Legenden zufolge verfluchten Berg in Utah liegt das größte je entdeckte Platinvorkommen ein Milliardenfund, der nur auf ein Unternehmen zu warten scheint, das in der Lage ist, bisher nie erreichte drei Meilen tief in den Untergrund zu bohren. EarthCore ist ein Unternehmen, das über die Technologie, die Ressourcen und den Mut verfügt, sich an das Unterfangen heranzuwagen. Die treibende Kraft der Firma ist der junge Manager Connell Kirkland, der sich selbst und seine Mitarbeiter an die Grenzen der Belastbarkeit treibt, um diesen Schatz zu heben. Aber drei Meilen unter der Erde, wo der Fels so heiß ist, dass er ungeschützte Haut verbrennt, wartet etwas, womit niemand gerechnet hat …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Platinspinnen & Felskraken: Höllentrip ins Erdinnere“90

Horror-Rezension von Michael Drewniok

Der alte Prospektor Sonny McGuiness kann sein Glück kaum fassen, als er in den Bergen der Wah-Wah-Moutains tief in der Wüste des US-Staates Utah auf die legendäre Jessup-Mine stößt. Anderthalb Jahrhundert war sie verschollen, und noch länger gilt sie bei den Ureinwohnern der Region als verflucht, da Goldgräber und später Höhlenforscher hier beunruhigend regelmäßig spurlos verschwanden. Zuletzt ereilte 1942 drei Studenten dieses Schicksal, aber zuvor bargen sie ein seltsames, viele Jahrtausende altes Messer aus purem Platin, das für Menschenhände untauglich wirkt. Die Archäologin Veronica Reeves hat ein gussgleiches Messer in Argentinien entdeckt; offenbar gab oder gibt es im Inneren der Erde eine uralte, mächtige Kultur, die den ´oben´ lebenden Menschen feindlich gesonnen ist.

Eine wissenschaftliche Untersuchung der Fundstätte in Utah ist allerdings nicht möglich. Der mächtige, sowohl rechtlich als auch moralisch außerhalb der Norm agierende EarthCore-Konzern ist McGuiness auf die Schliche gekommen und hat ihn zur ´Zusammenarbeit´ erpresst. Modernste Technik wird heimlich zur Mine geschafft, die sich als gewaltiges, künstlich geschaffenes Höhlensystem entpuppt, dessen Zentrum ein gewaltiger, unermesslich wertvoller Block puren Platins bildet. Diesen Schatz will EarthCore-Manager Connell Kirkland mit wirklich allen Mitteln sowohl geheim halten als auch heben. Dazu bedient er sich notfalls der psychopathischen Killerin Kayla Meyers, die freilich längst das Lager gewechselt hat und das Wissen um die Mine an EarthCores Konkurrenz verkaufen will.

Fünf Kilometer dringt die Bohrfräse in die Erdkruste vor. In ewiger Dunkelheit stören die (neu-) gierig dorthin vorrückenden Menschen, zu denen sich inzwischen Veronica Reeves gesellt hat, Kreaturen auf, die spinnefeind auf die Gäste aus der Helligkeit reagieren. Entschlossen, die Eindringlinge auszurotten, strömen sie aus der Tiefe, um ihre planvoll von der Außenwelt abgeschnittenen Opfer zu zerschnetzeln …

Schatten und Dinge, die in ihnen lauern

Uralte Furcht und Hightech-Wissen: Theoretisch sollte das Wissen den meisten Ängsten den Garaus machen. Doch das menschliche Reptiliengehirn ist noch präsent, und es greift nach wie vor steuernd in die Angriffs- und Verteidigungs-Aktivitäten seines Trägers ein, dessen Bauplan nie wirklich grundlegend modernisiert wurde. Gespeichert blieben und abgerufen werden deshalb Reize und Reaktionen, die dem urzeitlichen Höhlenbewohner angemessener sind als dem selbstbewussten Herrn der Schöpfung. (Wobei „Herr“ hier das weibliche Geschlecht einschließt.)

Wer dies auf die Probe stellen möchte, begebe sich im Einklang mit der Handlung dieses Romans in eine Höhle und schalte tief in deren Inneren das Licht ab. Selbst der Skeptiker wird nach kurzer Zeit erleben, wie die Vernunft mit archaischer Beklemmung zu kämpfen beginnt. Dass Ohren, Nase und Haut die Sinnesaufgaben der Augen zu übernehmen beginnen, bietet dabei keinen Trost, da der Mensch der Jetztzeit solche Signale nicht mehr korrekt auszuwerten weiß. Unbeeinträchtigt bleibt jedoch seine Vorstellungskraft. Diese stimuliert besagtes Reptiliengehirn, und das drückt den Alarm-Knopf.

Somit bietet eine Höhle ideale Voraussetzungen für spannende Geschichten, obwohl die thematische Spannbreite beschränkt bleibt: Es kann im Grunde immer nur darum gehen, dass in der Dunkelheit jemand hockt, der sich besser orientieren kann als das zitternde Opfer. Dieser Plot funktioniert jedoch prächtig. Wir wissen, dass hinter der nächsten Biegung kein Höhlenbär mehr auf uns wartet. Trotzdem stellen sich unsere Haare immer noch auf, selbst wenn wir über eine Expedition ins düstere Innere der Erde nur lesen.

Das Angst-Eisen schmieden, bis es heiß wird

Das Vergnügen steigt, wenn sich ein Autor wie Scott Sigler des Jobs annimmt, seine Leser in Angst & Schrecken zu versetzen. Literarische Ehren wird er zwar kaum jemals beanspruchen dürfen, doch in Sachen Unterhaltung ist sein Talent außerordentlich. „EarthCore“ ist ein Weird-&-Science-Fiction-Thriller der trivialen Art: ein „No-Brainer“, wie Sigler selbst sein Werk nennt. Originelle Ideen wird der Leser nicht finden. Die Story ist – freundlich umschrieben – gut abgehangen, die Figuren wurden aus Tiefen der Klischee-Kiste hervorgelockt, die noch unter dem Handlungsort zu orten sein dürften.

Dem Spaß tut dies keinen Abbruch, denn Sigler umgeht die daraus eigentlich automatisch resultierende Abklatsch-Ödnis, indem er die Kopie kräftig nachfärbt. „EarthCore“ ist reines, gelungenes Fabulieren. Sigler hat ein erstaunliches Gespür für Timing. Die Spannung wird klassisch langsam aufgebaut, wobei sorgsam vielversprechende Hinweise auf das sich anbahnende Grauen eingestreut werden. Selbstverständlich ist die alte Mine verflucht; für entsprechende Vorfälle gibt es ´historische´ Quellen, die Sigler seine Protagonisten in stimmungsvoll verstaubten Archiven finden lässt.

Obwohl die Figuren dem Baukasten des trivialen Abenteuers entnommen wurden, bemüht sich Sigler um Ambivalenz. ´Gut´ und ´böse´ werden sorgfältig miteinander verwoben. Selbst die sadistische Kayla hat ihre schwachen Momente. Eine Figurenentwicklung ist ausdrücklich Element des Roman-Konzepts. Noch bemerkenswerter ist die Tatsache, dass dies tatsächlich funktioniert. Zu allem erfreulichen Überfluss reibt uns der Verfasser solche emotionalen Momente nicht aufdringlich unter die Nase, sondern integriert sie geschmeidig in die Handlung, die dadurch keine Sekunde ins Stocken gerät – eine Talent, über das nicht gerade viele „No-Brainer“-Autoren verfügen.

An alle Leser wird gedacht

Für den historisch eher desinteressierten Leser bietet „EarthCore“ viel Technobabbel, denn schließlich ist es keine Kleinigkeit, ein Fünf-Kilometer-Loch in die Erdkruste zu bohren. Hightech überwindet zudem reale Hindernisse, die sich auf dir Handlung auswirken könnten; beispielsweise ist die enorme Abbildungskraft der beschriebenen Erdschichten-Tomografie reines Wunschdenken. Auch sonst bedient sich Sigler gern aus dem Fundus der Science Fiction. Den Leser stört dies nicht, denn er ist daran gewöhnt, dass man ihm naturwissenschaftliche und technische Superleistungen vorgaukelt – beschwert sich etwa jemand über die Märchen-Labors in den „CSI“-TV-Serien?

Allemal erweist sich „EarthCore“ als wahre Wundertüte. Aus einem Mystery- und Wissenschafts-Thriller wird eine Abenteuer-Geschichte, in der schließlich ´echte´ SF-Elemente die Oberhand gewinnen. Genrereinheit war und ist weder Vorschrift noch Tugend, doch selten wirkt die Mixtur so harmonisch wie hier. Dabei erschien „EarthCore“ ursprünglich als Fortsetzungsroman. Die ´Nähte´ zwischen den Episoden hat der Verfasser sauber kaschiert.

Selbst eine übliche und typische Enttäuschung hält sich in Grenzen: Ist die Katze aus dem Sack, entpuppt sie sich in der Regel als sehr gewöhnliche Kreatur. Auch die Silberkäfer und Felskraken aus „EarthCore“ können der zuvor aufgebauten Erwartungshaltung nicht standhalten. Mit seinem unbändigen Erzähldrang vermag Sigler dies zu überspielen. Er verzettelt sich nicht mit unnötigen Nebenschauplätzen, sondern hält die Story geradlinig und hart am Wind. Klug hält er immer neue Details parat, mit dem er unser Interesse entfachen kann. Es bleibt spannend bis zum Schluss; keine geringe Leistung bei einem Roman dieses Umfangs!

Mit „EarthCore“ schließt Scott Sigler nicht nur zu Science-Thriller-Autoren wie Michael Crichton oder Douglas Preston & Lincoln Child auf, sondern deklassiert sie, während grobschlächtige Fließband-Fabulierer wie James Rollins („Sub Terra“) oder Matthew Reilly („Ice Station“) sich schamvoll in noch tiefere Höhlen als Siglers Felskraken verkriechen sollten.

Eine interessante Veröffentlichungsgeschichte

Mit „EarthCore“ wollte Scott Sigler 2001 zum Pionier einer damals noch in den Kinderschuhen steckenden Publikationstechnik werden, denn dieser Roman war als eBook geplant. Der Plan zerschlug sich, und ein frustrierter Scott veröffentlichte sein Buch, dessen Rechte an ihn zurückgefallen waren, 2005 als Podcast. Dies hatte noch kein Autor gewagt. Scott setzte auf die Mund-zu-Mund-Propaganda seiner Leser und lag richtig. 2005 erschien „EarthCore“ als gedrucktes Buch in einem Kleinverlag, 2006 als kostenpflichtiger iTunes-Download. Der Erfolg bestärkte Sigler in dem Entschluss, auch zukünftig durch Podcast-´Erstveröffentlichungen´ auf seine Romane aufmerksam zu machen.

In Deutschland wurde Sigler erst 2008 und dann praktisch zeitgleich von zwei Verlagen ´entdeckt´. „Infected“ (dt. „Infiziert“) erschien als Taschenbuch im Heyne Verlag, „EarthCore“ gebunden bei Otherworld. Nachdem „Infiziert“ zahlreiche Leser fand und Heyne weitere Titel veröffentlichen wollte, war klar, dass Sigler dorthin wechseln würde, wo man ihn besser bezahlen konnte. 2010 ging auch „EarthCore“ diesen (noch) seltenen Weg von einem deutschen Kleinverlag zu einer modernen Buchfabrik.

Ihre Meinung zu »Scott Sigler: EarthCore«

Buboter zu »Scott Sigler: EarthCore«08.06.2011
Sonny, ein erfahrener Prospector, bekommt von einem Idianer einen Tip. Er sucht in den Bergen von Utah nach Gold. Auf dem Berg, an der entsprechenden Stelle angekommen, verspürt er ein unangenehmes Gefühl und will nur noch weg. Trotzdem schürft er nach Gold. Entäuscht findet er nur Silberstaub. Der Silberstaub entpuppt sich ziemlich bald als großer Platinfund. Sonny „verkauft“ seinen Fund und damit die Abbaurechte an den Bergbaukonzern EarthCore. Als der Abbau beginnen soll und erste Bohrungen erfolgen, stoßen die Forscher auf ein weit verzweigtes Höhlensystem. Ein gefundenes, seltsam geformtes Messer, scheinbar antiken Ursprungs ruft eine Archäologin auf den Plan. Bei weiteren Forschungen in den Höhlen, stoßen sie auf unglaubliche Dinge.

EarthCore ist, wie auch alle anderen Romane von Scott Sigler, spannend erzählt. Ich würde es als eine gelungene Mischung aus Abenteuer-, Horror-, Sci-Fi- und Wissenschaftsroman beschreiben. Inwieweit der Autor hier bei reellen Fakten und realistischen, nachvollziehbaren Handlungen bleibt, sei dahingestellt. Aber er unterhält auf ganzer Linie bei wirklich guter Qualität. Die Charakter sind zwar berechenbar, aber man baut schnell eine Bindung auf, fängt an Sympathien oder Antipatien für einzele Personen zu hegen und fiebert dadurch über weite Strecken auf dem Leidensweg der Protagonisten mit.

Es geht heiß her unter der Erde: 87°
Frank zu »Scott Sigler: EarthCore«25.09.2009
Recht wilde Mischung.
Hat etwas von den Romanen des Autorenduos Preston/Child gemischt mit Lovecraft und einer gehörigen Portion Splatter-Punk.
Im Vergleich mit "Infiziert" würde ich EarthCore als die komplexere und ausgefeiltere Geschichte betrachten - allerdings war "Infiziert" ja auch nur der Startschuss zu einer Reihe.
Die Story.
Nachdem in einem abgelegenen Teil Amerikas ein unglaublich großes Platinvorkommen in/unter einem Berg vermutet wird, macht sich die Firma EartCore daran, die bisher tiefste Bohrung der Menschheit in Angriff zu nehmen. Doch um den Berg ranken sich Legenden, immer wieder kam es zu mysteriösen Todesfällen.
Und bald wird allen Beteiligten klar, dass sie das Tor zur Hölle geöffnet haben.
Die Personen werden recht gut herausgearbeitet, wobei ein recht ausgeprägter Bodycount einige eh recht schnell von der Bildfläche verschwinden lässt. Die Goreszenen sind (ist auch kaum zu toppen) nicht ganz so zahlreich wie bei "Infiziert", kommen aber auch nicht gerade zu kurz.
Alles in allem spannende Unterhaltung, die mit einer guten Idee (die sich recht spät (mir jedenfalls) offenbart) aufweisen kann.
85%
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Alexi1000 zu »Scott Sigler: EarthCore«07.07.2009
EarthCore hat mir gut gefallen. Teilweise kommt es mir wie eine Fingerübung für Siglers "Infiziert" vor. Alles was mich da begeistern konnte ist auch in diesem Roman vorhanden: eine absolut spannende Atmosphäre, interessante Charaktere, und er spart auch mal wieder nicht an Härte.
Die latente Bedrohung unter der Erde schafft eine herrliche Atmosphäre, manchmal wird einem selbst die Luftröhre "eng".
Insgesamt wirklich sehr zu empfehlen!!
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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