Leviathan. Die geheime Mission von Scott Westerfeld

Buchvorstellungund Rezension

Leviathan. Die geheime Mission von Scott Westerfeld

Originalausgabe erschienen 2009unter dem Titel „Leviathan“,deutsche Ausgabe erstmals 2010, 480 Seiten.ISBN 3-453-52915-4.Übersetzung ins Deutsche von Andreas Helweg.

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In Kürze:

Europa am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Und doch ganz anders, als wir es kennen …Prinz Aleksandar, der Sohn des in Sarajevo ermordeten Erzherzogs Franz Ferdinand, ist auf der Flucht. Seine eigenen Leute jagen ihn gnadenlos und plötzlich steht er zwischen allen Parteien. Alles, was ihm bleibt, ist ein »Stormwalker«, eine der perfekten neuartigen Lauf- und Kriegs-Maschinen seines Landes. Doch auch in den Schweizer Alpen ist Alek nicht sicher, als dort das britische Luftschiff »Leviathan« landet – eine nie dagewesene Mischung aus Tier und Maschine und das Meisterstück der britischen Armee. Die »Leviathan« befindet sich auf geheimer Mission ins Osmanische Reich. Mit an Bord: die als Junge getarnte Deryn, der nichts so wichtig ist wie das Fliegen …Alek rettet sich an Bord der »Leviathan« und muss mit Deryn gemeinsame Sache machen.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Großartige Erzählidee nimmt zaghaft Fahrt auf“72

Science-Fiction-Rezension von Eva Bergschneider

Deryn ist ein fünfzehnjähriges Mädchen, das nichts lieber macht, als fliegen. Im Sommer 1914 muss sie sich als Junge tarnen, um die Kadettenprüfung beim britischen Air Service ablegen zu dürfen. Doch dann fliegt sie mit dem Huxley, einem lebendigen Ballon, erschaffen aus Quallen und anderen Meerestieren – direkt in einen Sturm. Deryn und der Wasserstoffatmer haben England schon halb überquert, als die „Leviathan“, ein gigantisches Luftschiff, sie rettet. Dessen Format erinnert an einen Wal, denn der Meeressäuger diente dem Schiff als biologische Grundlage. Die „Leviathan“ und ihre Besatzung bricht auf eine geheime Mission in das Osmanische Reich auf, doch die Reise endet in den Schweizer Alpen mit einer Bruchlandung. Und dort lernt Deryn die möglichen Kriegsgegner, die „Mechanisten“ und einen geheimnistuerischen Jungen kennen.

Alek heißt eigentlich Aleksandar Prinz von Hohenfeld und ist der Sohn des österreichisch-ungarischen Thronerben Franz Ferdinand. Aleks Eltern werden am 28. Juni in Serbien ermordet. Daraufhin flieht der 15-jährige Junge mit Graf Volger und dem Maschinisten Klopp in einem „Sturmläufer“, einer riesigen, roboterartigen Kriegsmaschine. Die eigenen Soldaten schneiden Alek den Weg ab, denn Kaiser Franz Joseph fürchtet seinen möglichen Thronanspruch. Die verbündeten Deutschen verfolgen ihn mit bizarrem Kriegsgerät, der achtbeinigen Maschinenspinne „Herkules“. Tierkreuzungen verabscheuen die Mechanisten und sehen sie als gottlos an. Doch in den Bergen treffen die Flüchtlinge auf den vermeintlichen Feind, Darwinisten aus Britannien. Alek nähert sich dem gestrandeten Luftschiff „Leviathan“ mit Hilfsgütern und wird von einem jungen Kadetten an den Kapitän ausgeliefert.

Historie und Zukunftstechnologie

Ein interessantes Szenario hat Scott Westerfeld für sein neues Buchprojekt „Leviathan“ im Auftaktband „Die geheime Mission“ konzipiert. Nach seiner Version einer schönen neuen Welt in der Trilogie „Ugly“-„Pretty“-„Special“ und dem Nachfolger „Extra“ wendet sich der Autor nun in die Vergangenheit, um dort eine bizarre Zukunftswelt zu entwerfen. Wir befinden uns in Europa im Jahr 1914. Das seinerzeit bestehende politische Bündnis, die Tripleentete Großbritannien, Frankreich, Russland hat der Autor übernommen. Dessen Gegenpol, den „Dreibund“ Deutsches Reich, Österreich-Ungarn und Italien nicht ganz, denn Italien nimmt in „Leviathan – Die geheime Mission“ eine neutrale Position ein. Stattdessen gehört das „Osmanische Reich“ zu diesem Lager.

Übernommen wurde ebenfalls der Auslöser des ersten Weltkriegs, die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Gattin Sophie von Hohenberg, wenn sie auch zwei Attentate statt einem überlebten und schließlich vergiftet wurden. Es empfiehlt sich, vorab das Nachwort des Autors zu lesen. Westerfeld erläutert spoilerfrei, welche Szenarien historisch und welche erfunden sind und erleichtert so die Einordnung der Handlung. Außerdem bietet eine originell gestaltete Europakarte einen Überblick über die Bündnissituation im Roman.

Mit der Ermordung Franz Ferdinands und seiner Sophie erschöpfen sich die Parallelen zum historischen Zeitgeschehen auch schon. Darüber hinaus fließen Bio- und Robotertechnologien als Zukunftselemente in die Story mit ein, denn die gegnerischen Parteien sind hier die „Darwinisten“ und die „Mechanisten“. Der Begründer der Evolutionstheorie Charles Darwin kam hier den tatsächlichen Entdeckern der DNA, Watson und Crick, zuvor und identifizierte die „Lebensketten“, wie man sie in „Leviathan“ nennt. Wie daraus nun eine derart außergewöhnliche Nutzung, die Erschaffung von Chimären aller Arten und Größenordnungen, entstand, bleibt verborgen und das ist auch gut so. Als Gegenbewegung dazu, entwickeln die „Mechanisten“ gigantische zwei-, sechs- und achtbeinige Roboter als Kriegsmaschinen.

Viel Aufbau – wenig Abenteuer

Schon diese ausführliche Einführung in das Thema zeigt, worin die hauptsächliche Schwachstelle des Romans „Leviathan – Die geheime Mission“ besteht. Der Einstieg in die Handlung beansprucht mehr als die Hälfte des Buches. Westerfeld erzählt die Geschichten der Hauptfiguren Deryn und Alek, ihren Weg in das Abenteuer in abwechselnden Kapiteln. Zunächst stehen Deryns turbulenter Einstieg in den Service und Aleks dramatische Flucht nach der Ermordung seiner Eltern ohne Bezugspunkte zueinander im Zentrum des Geschehens. Man sehnt den Startschuss in das eigentliche Abenteuer herbei, verfolgt aber stattdessen Übungen auf der „Leviathan“, sowie Lehrstunden und Scharmützel im Sturmläufer. Etwas viel Vorgeschichte, um Charaktere und Welt einzuführen. Geduld wird jedoch belohnt, denn die Dramatik steigert sich, als Deryn und Alek endlich aufeinandertreffen und gemeinsam kämpfen. Obwohl ihre Standpunkte und Erfahrungen kaum unterschiedlicher sein könnten, gilt es, einander zu verstehen und zu vertrauen, um zu überleben. Die Freundschaft zwischen Deryn und Alek zeichnet Westerfeld feinfühlig und für den Leser gut nachvollziehbar, hier liegt eine wahrhaftige Stärke des Romans. Für die Entwicklung eines Spannungsbogens fehlt es ihm letztendlich an Raum, das eigentliche Abenteuer bietet wenig Überraschungen und ist schnell zu Ende erzählt. Doch der Autor hat in dem Auftaktband seiner Steampunk-Reihe „Leviathan“, die diese Bezeichnung zu Recht tragen darf, genügend Ansätze geschaffen, um daraus weitere spannende Abenteuer mit Deryn und Alek zu entfalten.

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