Seelen in der großen Maschine von Sean McMullen

Buchvorstellungund Rezension

Seelen in der großen Maschine von Sean McMullen

Originalausgabe erschienen 1998unter dem Titel „Souls in the Great Machine“,deutsche Ausgabe erstmals 2006, 629 Seiten.ISBN 3-608-93779-X.Übersetzung ins Deutsche von Jochen Schwarzer.

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In Kürze:

In einem fernen Zeitalter nach einem langen nuklearen Winter arbeiten Bibliothekare an der Perfektionierung eines Großrechners, der aus Tausenden von Einzelpersonen besteht. Die Oberste Bibliothekarin Zarvora, Hüterin allen Wissens, beginnt einen Krieg, der über die Zukunft der Menschheit entscheiden wird…

Das meint phantastik-couch.de: „;In der Maschine dienen“;84

Science-Fiction-Rezension von Frank A. Dudley

Australien im 40. Jahrhundert: Ein Kontinent ohne Elektrizität, geteilt in die Herrschaftsbereiche diverser Stadtstaaten und geknechtet vom mysteriösen Ruf, der regelmäßig alle Menschen und größeren Säugetiere in den sicheren Tod lockt. Und der nächste Große Winter kündigt sich an.

Mehr als 1.600 Jahre nach der atomaren Apokalypse mühen sich die Menschen immer noch, die Fesseln abzuwerfen, die sie sich selbst angelegt haben. Die Zivilisation bewegt sich technisch auf dem Stand des frühen 19. Jahrhunderts, und damit das so bleibt, haben Wissenschaftler früherer Zeiten Nanotech-Satelliten in die Erdumlaufbahn geschickt. mittels elektromagnetischer Impulskanonen verhindern diese jegliche Verwendung von Elektrizität bereits im Ansatz. Der nächste, künstlich ausgelöste Große Winter soll eine erneute Erderwärmung unterbinden.

Da in den zurückliegenden Jahrhunderten immens viel Wissen verloren gegangen ist, bietet nur die Religion Erklärungen für diese Phänomene – Christen, Moslems und die orthodoxen Gentheisten sind überzeugt, dass der Ruf eine Prüfung Gottes ist. Zarvora Cybeline, frisch ernannte Hoheliber von Rochester und somit Leiterin der größten und wichtigsten Bibliothek der bekannten Welt, verfolgt jedoch einen logischen Ansatz. Die ebenso brillante wie rücksichtslose Mathematikerin will die Menschheit vor einem erneuten Niedergang bewahren und baut den Kalkulor, einen gigantischen Computer aus menschlichen Komponenten.

Der Kalkulor optimiert bald die Galeerenzug-Fahrpläne, den Licht-Funkverkehr und kontrolliert die Finanzen der Stadt – mit der Folge, dass Wirtschaft und Infrastruktur in den angeschlossenen Stadtstaaten zum Nutzen aller deutlich produktiver und effizienter werden, der Wohlstand wächst. Doch für die visionäre Zarvora ist das nur Mittel zum Zweck, sie plant Größeres. Ihr Ziel ist nicht nur die Macht über alle Stadtstaaten, sie will auch die Satelliten zerstören, dem Ruf Einhalt gebieten und den nächsten Großen Winter verhindern, auch mit Hilfe verbotener Technologie.

Verwickelt in dieses Spiel aus Wissenschaft und Macht sind zudem die Nachwuchsbibliothekarin Lemorel Milderellen und John Glasken. Der hochintelligenten Lemorel mangelt ebenfalls es nicht an Rücksichtslosigkeit und Geltungsbewusstsein, eine Kombination, die sie zu einer messianischen Militärführerin im Stile eines Lawrence of Arabia werden lässt. Glasken hingegen debütiert als Weiberheld und Gauner, bevor er auf Lemorels Betreiben für Jahre in den Kalkulordienst gesteckt wird. Doch ihm gelingt die Flucht, und seine Rolle bei der Erforschung des Rufes verdankt er seiner unbändigen Libido.

Kreativ mit Charakterschwächen

Diese Geschichte ist energetisch, fantasievoll, spannend. Sie ist vollgepackt mit Action und Abenteuern, sie bietet ausgesprochen gute Unterhaltung und sie ist komplex sowie wunderbar ausgearbeitet. Das macht Sean McMullens Idee von einer Post-Doomsday-Zivilisation, die über menschliche Computer, aber keine Elektrizität verfügt, plausibel. Das Buch steckt voller glaubwürdiger Details über Kultur, Wirtschaft und Politik der Stadtstaaten-Gesellschaft, doch weitaus faszinierender ist der Technik-Entwurf von Human-Kalkuloren, Ruf-Zeitschaltern und Galeerenzügen.

„;Seelen in der großen Maschine“; erfordert viel Aufmerksamkeit vom Leser, denn neben der facettenreichen Requisitenausstattung verlangt die verschachtelte Handlung permanentes Mitdenken. Dabei führt der Autor zwar mit sicherer Hand durch die Kapitel, doch bei der Ausgestaltung der Hauptfiguren hat sie an einigen Stellen eher gekleckst als mit Schönschrift geschrieben. So ist nicht ganz nachvollziehbar, wie aus der harten Zarvora eine liebende Ehefrau, aus der zwischenmenschlich ungeschickten Lemorel eine fanatische Kriegerin und aus dem selbstsüchtigen John Glasken ein verantwortungsvoller Staatsdiener wird.

Dennoch: Große Unterhaltung, innovative und kreative Spekulation. Ein Schmöker im besten Sinne, auf dessen zweiten Teil die deutschen Leser jedoch noch über ein Jahr warten müssen.

Ihre Meinung zu »Sean McMullen: Seelen in der großen Maschine«

Der Bücherwurm zu »Sean McMullen: Seelen in der großen Maschine«20.10.2015
Eigentlich stehe ich nicht auf Fantasy (Ausnahmen: Harry Potter und Michael Ende, na gut, Ursula K. LeGuin auch noch :-) und bei dem vorliegenden Buch handelt es sich auch nicht um Fantasy.

"Seelen in der großen Maschine" spielt im Australien in einer fernen Zukunft, etwa in 2000 Jahren, nachdem ein nuklearer Winter oder eine ähnliche Katastrophe unsere Zivilisation vernichtet hat.

Die Menschen leben in einer seltsam mittelalterlichen Welt mit Relikten unserer Zeit und es gibt keine funktionierende Elektronik mehr.
Man reist mit Tretzügen (wobei die Reisenden auch mittreten müssen) oder Windzügen, Nachrichten werden über Signaltürme vermittelt und die Verwaltung des Wissens obliegt den Bibliothekaren. Faszinierenderweise gibt es verschiedene Drachenränge (z.B. Orangedrache, Silberdrache, Golddrache) bei den Bibliothekaren (und wem wäre in einer öffentlichen Bibliothek nicht schon eine Bibliotheksdrachin begegnet ;-) und wenn die Untergebenen einer Anweisung der Vorgesetzten nicht folgen wollen, wird sich eben mit Steinschloßpistolen oder anderen Waffen duelliert.
Im Mittelpunkt des ersten Teils der Geschichte steht der Kalkulor, ein Rechenapparat der aus Menschen besteht, die als Funktionen bestimmte Rechenvorgänge durchführen müssen. Dieser Kalkulor verschafft der Hohenliber mehr und mehr Macht, mit dessen Hilfe sie eine 2000 Jahre alte Bedrohung beseitigen will.

Auch wenn das Buch im mittleren Teil ein paar Längen hat, so finde ich es wahnsinnig faszinieren zu lesen ... und freue mich schon auf den 2. und 3. Teil, die, wie ich irgendwo gelesen habe, in Australien schon erschienen sind.
Dr. Stephan Weinhold zu »Sean McMullen: Seelen in der großen Maschine«28.07.2011
Phantastische Lektüre der englischen Version; ideal zum Entrosten & Aufpolieren der Englischkenntnisse ! Sehr gut (!) gemachte Fiktion einer in Zukunft möglichen Alternativwelt !! ... & die Charaktere sind in keiner Weise hingekleckst !!!! ...sondern sogar recht differenziert dargestellt ! Man muß sich nur die Mühe ( und das Vergnügen ! ) machen , die Great Winter Trilogy mehrfach zu lesen, dann erschließen sich die Facetten & Schattierungen der Charaktere, deren Motive/Beweggründe nach und nach ganz zwanglos von allein ! ...wünschte mir, den großen Autor mal persönlich kennenzulernen und bei einem guten Glas Paulaner alkoholfrei oder einem schönen Glas australischen Weines einen Abend zu verplaudern und ihn über eventuelle weitere Projekte zu befragen oder einfach mal persölich kennenzulernen. Da käme von mir die Frage, ob er nicht einmal an eine Verfilmung mit einem guten Script Writer und einer guten Filmfirma ( gern in Babelsberg ! ) denken würde ! Alles Gute an den Autor & "Weiter so !" Herzlichst, Ihr Dr.med. Stephan Weinhold, Dipl.-Ing. aus Herzberg am Harz in Deutschland
dyke zu »Sean McMullen: Seelen in der großen Maschine«08.11.2006
Wir sind ca. 1600 Jahre nach dem Dunklen Winter (ob nuklear ist noch nicht raus) in Australien. Obwohl es keine Elektrizität (funktioniert einfach nicht mehr) und keine Dampfkraft (ist verboten, da angeblich verantwortlich für den Dunklen Winter) hat sich die Menschheit hier wieder ganz orderntlich berappelt. Das Zentrum der neuen Städte sind die Bibliotheken, die Bibliothekare hoch angesehene Persönlichkeiten. Das Zentrum ist Rochester mit der größten Bibliothek und der Hoheliber Zavora. TGeil von Australien wertden in unregelmäßigen Abständen vom "Ruf" heimgesucht, dem sich kein Lebewesen größer als eine Katze, entziehen kann.
Auf diesem Setting setzt der Autor eine Geschichte auf, voller Intrigen, Verwschörungen, Poltik, Krieg, Sex und eine Menge gut geschilderter Charaktere. Es gibt u.a. Galeerenzüge, Windkraftzüge und Nachrichtenübermittlung mittels Spiegel auf hohen Türmen.
Ein Trilogie-Auftakt, voller durchdachter Ideen, der überzeugt und Lust auf mehr macht.
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