Wächter des Morgen von Sergej Lukianenko

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „Novyi Dozor“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 400 Seiten.ISBN 3-453-31411-5.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Nach den Bestsellern »Wächter der Nacht«, »Wächter des Tages«, »Wächter des Zwielichts« und »Wächter der Ewigkeit« nun der Höhepunkt in Sergej Lukianenkos einzigartiger Saga um die »Anderen« – Vampire, Hexen, Magier, Gestaltwandler -, die seit ewigen Zeiten unerkannt in unserer Mitte leben. Längst ist der Friede zwischen den Mächten des Lichts und den Mächten der Dunkelheit zerbrochen, und auf Moskaus Straßen tobt eine unerbittliche Schlacht. Eine Schlacht, von der eine Prophezeiung sagt, dass nur ein junges Mädchen sie entscheiden kann …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die Moskauer Wächter bekommen es mit einem Gegner zu tun, der selbst ihnen Angst einjagt – dem Zwielicht“82

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Anton Gorodezki ist zurück. Einst war er nur ein Anderer, ein Magier mit dem vierten Grad, inzwischen ist er einer der wenigen Hohen Magier der Nachtwache Moskaus. Als Lichter wacht er über die Menschen, darüber, dass Gestaltwandler, Hexen und Vampire die ihnen zugedachten Grenzen nicht überschreiten. Er hat die sieben Ebenen des Zwielichts beschritten, dabei Erfahrungen gesammelt, Fehler begangen und Gegner bekämpft. Als er auf dem Flughafen einen weinenden, etwas dicken Jungen kennenlernt, ahnt er nicht, dass diese Begegnung sein Leben und das aller um ihn herum, was sage ich, die ganze Welt beeinflussen und verändern wird. Denn der Junge ist ein angehender Prophet.

Nun ist das mit Propheten, mit echten versteht sich, immer so ein Problem. Sobald sie ihre Lebensprophezeiung ausgesprochen haben und die Menschen sie gehört haben, ist alles in Butter. Doch bis dahin werden die Propheten und eventuelle Andere, die den Inhalt der Prophezeiung hören, von einem Wesen aus den tiefsten Schichten des Zwielichts, das nur unter dem Namen Tiger bekannt und gefürchtet ist, gnadenlos gejagt. Selbst die vereinte Kraft aller Hohen der Nachtwache kann den Tiger kaum bremsen, aufhalten schon gar nicht. Erst als der Prophet seine Weissagung in einem leeren Raum macht, lässt der Tiger von dem Jungen ab. Was weder er noch seine Kollegen wissen – Anton hat einen Mitschnitt der Prophezeiung in seinem Besitz und wird so geschickt manipuliert, dass er sie sich anhören muss – immerhin geht es in der Prophezeiung um die Zukunft der Magie und um seine Tochter …

Lukianenko wird nachdenklich

Im fünften Teil der Bestseller-Reihe um die Wächter Moskaus wartet ein höchst willkommenes Wiedersehen mit unserem sympathischen Anton auf den Leser. Lukianenko hat sich nach einigen Jahren Abstand mit neuem Elan seiner erfolgreichsten Schöpfung gewidmet. Auftreten dürfen, wer in der Reihe Rang und Namen hat. Dabei führt er seinen Plot nicht nur in sich stimmig fort, er entwickelt selbigen auch weiter. Auffällig dabei, dass Lukianenko neben der spannenden Fortführung seiner Handlung die Gelegenheit nutzt, den Leser mit Lebensanschauungen zu konfrontieren. Zwar hat der Autor schon seit jeher immer wieder kritische Anmerkungen zu Politik, Wirtschaft und Machtansprüchen unterschiedlichster Gruppen in seine Romane einfließen lassen, derartig massiv und deutlich habe ich dies bei ihm aber noch nicht gelesen. Er spricht – natürlich – die Probleme seiner Heimat Mütterchen Russland an, legt den Finger hier ganz bewusst in Wunden, spart aber auch nicht mit kritischen Anmerkungen zum ehemaligen Klassenfeind, dem imperialistischen Westen. Immer wieder scheint hier seine humanistische Grundhaltung durch, macht er sich für die Nöte und Probleme des einfachen Mannes stark, thematisiert Altersarmut, Arbeits- und Perspektivlosigkeit ebenso wie den gedankenlosen Umgang mit Ressourcen und die Umweltverschmutzung. Vieles von dem, was er anspricht, ist dabei nachvollziehbar, wobei insbesondere die Szenen, in denen er auf ganz typisch russische Entwicklungen und Probleme eingeht, mich besonders angesprochen und fasziniert haben. Hier erhalten wir als Leser wieder einmal einen intimen Einblick in das alltägliche Leben und Denken in Russland, erfahren, wie der einfache Mann von der Straße, der Otto-Normalverbraucher denkt und wie er sein Dasein mühsam und clever organisiert und versucht zu überleben.

In der gewohnt versierten Übersetzung von Christiane Pöhlmann wartet somit ein weiteres nicht nur spannend und kurzweilig zu lesendes Abenteuer um die Wächter auf den Leser, sondern auch eine Momentaufnahme der russischen Seele, die diese in all ihrer Widersprüchlichkeit, ihrer Melancholie und ihrer Spitzbübigkeit gekonnt porträtiert.

(Carsten Kuhr, Dezember 2012)

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