Weltengänger von Sergej Lukianenko

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2005unter dem Titel „Tschernowik“,deutsche Ausgabe erstmals 2007, 592 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Zunächst sieht es aus wie ein böser Scherz: Als Kirill eines Abends nach Hause kommt, hat jemand seine Wohnung komplett umgeräumt und eine hysterische Frau behauptet, sie wohne hier schon seit Jahren – und sie kann das auch belegen. Doch damit nicht genug: Auch sonst kann sich niemand, weder Freunde noch Verwandte, daran erinnern, dass Kirill je existiert hat. In größter Verzweiflung wird Kirill durch einen anonymen Anruf auf ein atemberaubendes Geheimnis gestoßen: Manche Menschen fallen zuweilen aus ihrer Existenz heraus und werden zu „Weltengängern“, zur Schnittstelle zwischen zwei miteinander verbundenen Parallelwelten. So wie Kirill – für den das Abenteuer seines Lebens beginnt!

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der 'Entwurf’ ist fast perfekt“92

Science-Fiction-Rezension von Peter Kümmel

Die Idee ist nicht neu: Stellen Sie sich vor vor, Sie kommen nach Hause und keiner erkennt Sie mehr. In Ihrer Wohnung wohnen Fremde, an Ihrem Arbeitsplatz haben Sie nie gearbeitet.

Bei Kirill ist dieser Prozess schleichend. Er kommt er nach Hause, doch in seiner Wohnung befindet sich eine ihm unbekannte Frau. Doch nicht nur das: sämtlich Möbel sind neu, die Küche ist neu gefliest und hat einen anderen Boden. Das alles innerhalb eines Tages zu bewerkstelligen ist kaum möglich. Sein Hund ist das einzige, was er in seiner Wohnung wiedererkennt. Doch der kennt seinen Herrn nicht mehr. Die Nachbarn können zwar bezeugen, daß Kirill dort wohnt, doch den Papieren nach ist die fremde Frau Besitzerin der Wohnung.

Kirill ist zum Glück nicht völlig obdachlos, denn er kann zunächst in die Wohnung seiner Eltern ziehen, die zur Zeit im Urlaub sind. Seinem Freund Kotka vertraut er sich an. Doch dieser kann ihm auch nur kurzzeitig weiterhelfen, denn bereits am nächsten Tag ist Kotjas Erinnerung an Kirill verblasst. Ebenso verblasst wie das Bild und die Schrift in Kotjas Pass, das letzte Schriftstück, das seine Existenz beweisen konnte.

Eine Kurzgeschichte mit diesem Thema würde hier enden, Lukianenkos „Weltengänger“ aber fängst jetzt erst richtig an.

Denn Kirill wurde eine Aufgabe zugedacht: er wird ein „Funktional“. Er soll als Zöllner zwischen zwei Parallelwelten tätig sein und lebt fortan in einem Turm mit fünf Türen, von denen sich zunächst nur zwei öffnen lassen: diejenige, durch die Kirill in Moskau den Turm betreten hat und eine andere, durch die er nach Kimgim kommt, eine andere Welt. Nur langsam begreift Kirill, was sich sonst noch verändert hat, doch vieles begreift er noch nicht …

Das Menschliche geht trotz übermenschlicher Eigenschaften nicht verloren

Tore in andere Welten – kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor? Genau – bereits in seinem Roman „Spektrum“ reisten Sergej Lukianenkos Romanhelden durch Tore, deren Entstehung nicht näher erörtert wurde, auf fremde Planeten. Dort gab es Pförtner, hier gibt es Zöllner, die den Verkehr an den Toren überwachen. In „Weltengänger“ sind es keine anderen Planeten, die bereist werden können, sondern – nennen wir sie – andere Welten oder besser noch andere Erden.

Doch was diese andere Erden darstellen sollen, das wird dem Leser erst nach und nach zugänglich. Dabei hat Lukianenko wieder viel von der politischen Situation in Russland, speziell in Moskau zur jetztigen Zeit und auch zu früheren Zeiten hinein gepackt. Er zeigt die aktuellen Mißstände auf und versucht, Lösungsvorschläge für die Probleme zu unterbreiten.

Der Originaltitel „Tschernowik“ lässt sich mit „Entwurf“ übersetzen. Der Roman selber ist sicherlich nicht nur ein „Entwurf“, dazu ist er bereits zu perfekt. Der Titel scheint sich eher auf die verschiedenen Welten zu beziehen. Doch darauf kann ich hier nicht weiter eingehen, ohne zuviel zu verraten.

Mit Kirill hat Lukianenko wieder einen seiner typischen Anti-Helden wie Anton aus den Wächter-Romanen oder wie Martin aus „Spektrum“ entworfen. Einen der jungen Männer, die durch ein unvorhergesehenes Ereignis aus dem „normalen“ Leben gerissen werden und sich zwangsweise in der neuen Situation behaupten müssen. Ein sympathischer Charakter, dem trotz seiner neuen übermenschlichen Eigenschaften das Menschliche nicht verloren geht. Das ist es, was dem Leser einen Bezug zum Inhalt verleiht und ihn an die Abenteuer fesselt, die „sein“ (Anti-)Held zu bestehen hat.

Vorfreude auf die Cliffhanger

Der russische Autor entwickelt sich immer besser zu einem grandiosen Erzähler. Selten waren die Cliffhanger zum Kapitelende schöner als bei Lukianenko. Denn dann kann man sich wieder auf einen neuen Kapitelanfang freuen – und dort verbreitet der Autor meist seine Gedanken in humorvoller Weise über dieses und jenes. Über nächtelanges Durchsaufen, moralisch vertretbare Diebstähle, die verschiedenen Arten des Aufwachens, die Aufgaben des Helden in einem Märchen, den Unterschied der Fortbewegungsart zwischen Kindern und Erwachsenen, über Unbesonnenheit, Angst oder Schmerzen. Und dies nicht so ausschweifend wie gewohnt, sondern kurz, knackig und prägnant. Doch nicht nur in diese Anfangsbemerkungen, sondern quer durch das gesamte Buch baut Lukianenko seine Anspielungen ein, von denen dem nicht-russischen Leser sicherliche einige entgehen.

Wem „Spektrum“ gefallen hat, der wird am „Weltengänger“ auch seine Freude haben. Es gibt zwar einige Parallelen zwischen den beiden Romanen, doch jedes der beiden Werke hat seine individuellen Vorzüge. Das schrittweise Begreifen der komplexen Situation, das Kirill erleben muß, sorgt für einen kontinuierlichen Spannungsbogen und hält den Leser gebannt fest wie einige überraschende Wendungen sowie die humorvollen Zwischenbemerkungen des Autors. Obwohl noch eine Fortsetzung des Werkes auf die deutschen Leser wartet, ist „Weltengänger“ ein abgeschlossener Roman mit einem überraschenden und für mich persönlich etwas zu kurz geratenem Ende, an dem zwar einige kleine, aber nicht grundlegende Fragen offen geblieben sind. Vielleicht klären sich diese ja in „Tschistowik“ (der Endfassung) ja noch auf. Stoff genug bieten die Welten sicherlich auch für mehr als ein weiteres Buch.

Ihre Meinung zu »Sergej Lukianenko: Weltengänger«

rmrRMR zu »Sergej Lukianenko: Weltengänger«28.09.2016
wenig SF - afin habe ich der Gestaltung durchaus sehr viel abgewinnen können, auch die Bezüge zum realen Dasein- Spitze. Dazu der Krimicharakter (R. Chandler, so ich nicht irre), das ist gut gemachte fesselnde kurzweilige Lektüre, der man sich durchaus auch ein Stück weit stellen muss, wenn man sie geniessen möchte.
Levke zu »Sergej Lukianenko: Weltengänger«20.02.2012
Ich mochte das Buch nicht. Ich hatte es mir aufgrund der Rezensionen hier gekauft- aber mir gefällt der Stil nicht. Zu kühl, zu wenig auf die fremden Welten eingehend- die Ansätze, die ich spannend und verfolgenswert fand, blieben klein und verkümmerten richtig, der Rest wurde mir zu technisch/Philosophisch/politisch und zu wirr.
Wird von mir demnächst an die Stadtbücherei gespendet :-)
Cilly zu »Sergej Lukianenko: Weltengänger«21.05.2010
Ich kann die Meinungen der anderen nicht verstehen, ich liebe das Buch. Ich bin seit dem Buch Fan des Schrifstellers und liebe seinen Humor. Die Geschichte ist doch klasse, und manche müssen an allem rum mäkeln. Ich finde das Buch toll und werde nun weitere Bücher von ihm lesen. Bin schon gespannt. Der Schreibstil ist nicht platt und super spannend, mag ihn sehr. Nicht alles muss immer hochgestochen sein, um gut zu sein, was ja der Erfolg von z. B. Harry Potter beweist. Viele würde so etwas nie lesen, aber komisch, daß die Bücher alle Rekorde sprengten. Ich mag jedenfalls einen einfachen, aber guten scheibstil lieber, als wenn man nichts versteht vor lauter Sprachgewülst. Klasse Buch!!!!!
deta zu »Sergej Lukianenko: Weltengänger«28.04.2010
Das Buch ist nicht schlecht, allerdings hat mir „Spektrum“ viel besser gefallen!
Die Geschichte ist mir zu schlicht "gestrickt". Auch wen die Hauptperson schon 25 Jahre alt ist, hat man den Eindruck, dass es sich hier eher um ein Jugendbuch handelt.
Die Lösung zwar logisch aber irgendwie im letzten Moment aus dem Hut gezaubert! Mal schauen wie es im zweiten Teil geht. Hoffentlich besser!
Alexa 19 zu »Sergej Lukianenko: Weltengänger«11.02.2010
Das Buch war gut, aber nicht mehr.
"Weltengänger" war ebenfalls mein erstes Buch von dem Autor und ich muss sagen ein weig enttäuscht zu sein. Die Geschichte ist Super keine Frage, aber die Umsetzung, war so gar nicht mein Fall.
Der Schreibstil ist für meine begriffe zu Sachlich, spannungslos und fast schon lieblos.
Ein Bezug zum zum Protagonisten aufzubauen fällt schwer. Er verliert sein gesamtes Leben und bleibt Kühl, Praktisch, Objektiv??? Auch ein Menschen mit einem entsprechenden Charakter kann sowas nicht einfach so hinnehmen. Und auch sonst hat man das Gefühl alles ist locker, flockig zu regeln. Man fiebert einfach nicht mit. und dann diese Philosophhieversuche am anfang jedes Kapitels die einfach nur deplatziert wirken.
Fazit: Das buch war gut, aber nicht Umwerfend.
H.S. zu »Sergej Lukianenko: Weltengänger«21.12.2008
Als der junge Moskauer Kirill eines Tages nach Hause kommt, traut er seinen Augen nicht; eine fremde Frau ist in seine Wohnung eingedrungen und behauptet beharrlich, sie wohne hier schon lange. Zu Anfang unterstützen Kirill noch seine Nachbarn dabei das Missverständnis vor der Miliz klar zu stellen, doch dies erweist sich komplizierter, als man meinen könnte. Mit akribischer Sorgfalt sind alle Hinweise dass Kirill der rechtmäßige Besitzer der Wohnung ist beseitigt worden.
Dann beginnen auch noch die Nachbarn Kirill zu vergessen und sind plötzlich davon überzeugt die Fremde wohne schon drei Jahre in dieser Wohnung. Immer mehr Bekannte und Freunde scheinen Kirill zu vergessen und letztlich weiß der junge Mann nur noch einen Freund, an den er sich wenden könnte; mit seinem Freund Kotja begibt Kirill sich auf die atemberaubende Suche nach der Wahrheit und tritt in eine fantasiereiche multidimensionale Welt ein, in der ausgesuchte Menschen alle einer besonderen Tätigkeit nachgehen. In ihrem Fach besitzen alle diese “Funktionale” übermenschliche Kräfte, doch gegen Manipulation sind auch sie nicht geschützt.

Es war Liebe auf den ersten Blick, als ich aufs Gradewohl eine Seite des Buches aufschlug und den Anfang eines Kapitels kurz überflog. Sofort hatte mich Lukanienkos Stil in seinen Bann geschlagen und ließ mich - was beim Lesen relativ selten geschieht- mit seinem zynischen Witz sogar laut auflachen.
So wird “Weltengänger” auch gerade durch den Humor des Autors zu einem tollen Leseerlebnis. Gerade am Anfang beginnt man schon unwillkürlich zu Schmunzeln, wenn man durch einen witzig-philosophischen Einstieg in ein neues Kapitel startet. Lukianenko schöpft hier aus einem reichen Repertoire skurriler Alltagsphilosophie, macht sich über so einige menschliche Gewohnheiten lustig und entlockt einem diese sympathische “ja stimmt, genauso ist es !” Begeisterung, wenn er wieder einmal bei Alltagsklischees den Nagel auf den Kopf trifft. Leider wird auch dieser -zugegebener Massen ungewöhnliche- Kapiteleinstieg mit der Zeit vorhersehbar, etwas Abwechselung wäre hier von Nöten gewesen !

Nachdem ein Bekannter Kotjas, ein berühmter Science Fiction Autor, Kirills Situation auf nüchterne Art analysiert und alle genretypischen Erklärungen für die merkwürdigen Geschehnisse somit schon abgehakt hat, entwickelt sich der Roman zu einer wunderbaren Weltenschöpfung, die seines gleichen sucht ! Kein Wunder also, dass dieses Buch noch einen Nachfolger bekommen hat, denn Lukianenkos Welt hat noch Potential für so einige interessante Geschichten. Dabei liest sich das Buch durchweg sehr flüssig (die Heyne-Paperback Ausgaben haben auch eine augenfreundliche große , und auch vom ästhetischen Gesichtspunkt betrachtet, schöne Schrift). Im Handumdrehen hat man atemlos Kirills Erlebnisse auf beinahe sechshundert Seiten miterlebt und freut sich danach schon auf den zweiten Teil.

Trotzdem fehlt dem Roman ab der Mitte ein wenig die Richtung. So nett sich alles auch lesen lässt, weiß man doch nicht, wo genau der Autor mit einem hin will. Das an sich ist noch nicht so tragisch , aber leider kommt es noch schlimmer; selten habe ich bei einem ansonsten so tollen Roman einen dermaßen uninspirierten, klischeehaften, ja peinlichen, Schluss erlebt. Alles Potential des Buches wird in den Wind geschrieben, dafür gibt es noch ein bisschen Verschwörung, Action und an Marvel-Comics erinnernden Superheldenflair. Der Schluss erinnert mich an die übelsten Machwerke von Wolfgang Hohlbein und hätte nicht sein müssen !

Fazit: Ein richtig schönes Buch voller toller Ideen, in einem sympathischen Stil gehalten und mit viel neuem Stoff , das ich dem Fantasy-Genre zuordnen würde und das ich trotz des Endes bestimmt nicht bereue gelesen zu haben.
Rebecca316 zu »Sergej Lukianenko: Weltengänger«02.09.2008
Nachdem ich schon die "Wächter-Quadrilogie" gelsen habe, war "Weltengänger" natürlich ein Muss für mich - und Sergej Lukianenko hat mich auch dieses Mal nicht enttäuscht!! Sein unvergleichbarer, wiedererkennbarer Stil, die tollen Charaktere, die Kapitelenden, die zum weiterlesen animieren sowie die gelungenen Kapitelanfänge, machen "Weltengänger" zu einem fantastischen Buch, das ich nur jedem weiterempfehlen kann. Wenn es nicht schon seit der "Wächter-Quadrilogie" so gewesen wäre, wäre Sergej Lukianenko mit diesem Buch zu einem meiner Lieblingsautoren avanciert.
Luca zu »Sergej Lukianenko: Weltengänger«02.08.2008
Dieses Buch ist einfach der Hammer !!

Muss Bücher:

Die Weltengänger,
(Sergej Lukianenko hat ein klasse buch geschrieben, hat mich direkt in seinen bann gerissen
Eragon ( alle teile freu mich schon auf den nächsten )

Harry Potter ( wer kennt sie nicht ? )

Der unsterbliche Alchemyst
( einfach der hammer, michael scott hat sich damit selbst übertroffen)

Die Wellenläufer
( kein must have aber aufjedenfall lesenswert; der erste teil ist einfach genial, bei den nächsten fehlt mir irg. was neues, es geht so schleppend voran )


Das sind die bücher die mir spontan einfallen ;)

und das soll was heißen denn ich bin eig. sehr wählerisch ...

würde mich für empfehlungen unter icq sehr freuen

icq addy: 277-762-499

Schöne grüße

Luca (16)
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Raffaela zu »Sergej Lukianenko: Weltengänger«22.07.2008
Weltengänger war wiedereinmal ein gelungenes von Lukianenko. ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. ich kann das Buch nur jedem weiterempfehlen und auch die anderen Bücher sollte man gelesen haben.
Artjom zu »Sergej Lukianenko: Weltengänger«20.07.2008
"Weltengänger" ist auch bei mir das erste Buch von Sergej Lukianenko. Dieses Buch hat mich echt in den Bann gezogen. Ich kanns nur weiter empfelen. Die Kapitelanfänge, wo er dies und jenes beschreibt, gefallen mir sehr gut. Die Kapitelenden haben mich immerwieder animiert weiterzulesen.

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