Die letzte Offenbarung von Stephan M. Rother

Buchvorstellungund Rezension

Die letzte Offenbarung von Stephan M. Rother

Originalausgabe erschienen 2009, 512 Seiten.ISBN 3-442-37115-5.

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In Kürze:

Nach einem Brand in der Biblioteca Apostolica im Vatikan gilt es, tausende unersetzliche Schriften zu retten! Dabei stößt der Restaurator Amadeo Fanelli auf Fragmente eines Schriftstücks, das die Grundfesten der katholischen Kirche erschüttern würde: die geheimen Aufzeichnungen des Apostels Johannes, des engsten Vertrauten Jesu. Für Amadeo beginnt eine atemlose Jagd quer durch ganz Europa, auf der Suche nach weiteren Fragmenten des Manuskripts. Denn dunkle Kräfte im Vatikan sind entschlossen, das brisante Vermächtnis des Apostels zu vertuschen – und sie setzen alles daran, Amadeo aufzuhalten ..

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Mystery-Rezension von Michael Sterzik

Das Genre Mystery, gerade die Titel, die sich um und mit dem Vatikan und etwaigen Verschwörungen beschäftigen, gibt es satt und reichlich auf dem nationalen und internationalen Buchmarkt. Der deutsche Autor und Magister Stephan M. Rother hat im Blanvalet Verlag den Titel „Die letzte Offenbarung“ veröffentlicht.

Als im Vatikan die berühmte Bibliothek Apostolica bei einem Brand ein Opfer der Flammen wird, werden unzählige wertvolle Bücher und Schriften zerstört oder schwer beschädigt. Der junge und talentierte Buchrestaurator Amadeo Fanelli erhält vom Vatikan den ehrenvollen Auftrag, einen wertvollen Folianten zu restaurieren, der zwar nicht verbrannte, aber mit dem Löschwasser in Kontakt kam und stark beschädigt wurde. Mit Pinzette, Pinsel und Lupe geht der junge Mann vorsichtig zu Werke, um Seite für Seite zu retten. Dabei findet Amadeo im Einband einzelne Reste eines uralten Schriftstückes. Das Pergament sieht auf den ersten Blick authentisch aus, doch das Papyrus scheint nicht vollständig zu sein. Die alte Schrift fängt mit den ersten Worten des Johannes-Evangeliums an. Sollten diese wirklich die persönlichen Aufzeichnungen des Johannes sein, so wären sie für die Religionswissenschaft und für die gesamte Christenheit ein einmaliger Fund.

Verstört, erfreut und hin- und hergerissen, sucht Amadeo Hilfe bei seinem Mentor in Deutschland. Ingolf Helmbrecht ist ein bekannter und geachteter Professor der Paläographie. Geschmeichelt und neugierig landet der alte Mann wenig später in Rom, um sich selbst ein Bild über die mysteriösen Handschriften des Apostels zu machen. Amadeo und Helmbrecht, die gemeinsam die Schriften zusammenführen und entziffern, entdecken Unglaubliches. Für die katholische Kirche wäre diese Schrift ein aufwühlendes Ereignis und würde den Vatikan und seine Glaubenslehre aufs Tiefste erschüttern.

Als in das Büro des Restaurators eingebrochen und ein Kollege von Amadeo tot aufgefunden wird, ist klar, dass es sich bei ihrem Fund um literarischen Sprengstoff handelt. Am Tatort wird dem jungen Forscher bewusst, dass die Polizei ihn höchstwahrscheinlich als Täter verhaften wird. Also sucht Amadeo sein Heil in der Flucht und diese führt ihn direkt nach Zürich. Am Flughafen wird Amadeo von der selbstbewussten und attraktiven Wissenschaftlerin Rebecca Steinmann in Empfang genommen. Die junge Frau verwirrt den Italiener und sie scheint ganz eigene Motive zu haben, ihm zu helfen. Als Professor Helmbrecht entführt wird, spitzen sich die Ereignisse zu und Amadeo und Rebecca sind gezwungen zu reagieren.

Gewohnte und bewährte Muster

„Die letzte Offenbarung“ von Stephan M. Rother ist ein klerikaler Thriller mit einer überraschenden Idee und These. Zwar ist diese nicht unbedingt neu, doch sie hat wenig mit anderen Verschwörungstheorien gemein. Die Interpretation des Johannesevangeliums, das hier eine wesentliche Rolle spielt, könnte tatsächlich das Leben und die Liebe Jesu in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Diese Hypothesen werden von Wissenschaftlern allerdings abgelehnt und finden kaum Gehör. Ob es sich nun um Fakten oder Fiktion handelt, dafür gibt es auch in dem vorliegenden Roman keine zufriedenstellende Auflösung.

Der Roman ist der erste Thriller des Autors, sozusagen ein Debüt auf der Bühne des Genre. Analysiert man die Handlung, erkennt der Leser ein Muster, das schon anderen Romanen zum Erfolg geholfen hat. Zwar spielen klerikale Geheimbünde keine Rolle, doch gibt es auch hier (wie kann es anders sein) Interessen des Vatikans, die man besser nicht antasten sollte. Gemäß den Motto, Angriff ist die beste Verteidigung, wehrt sich die Kirche mit all ihren weltlichen Waffen. „Die letzte Offenbarung“ ist passagenweise spannend verfasst. Allerdings empfand ich verschiedene Abschnitte in der Handlung als stark übertrieben oder in der Formulierung als unausgewogen.

Die Protagonisten im Roman sind überwiegend schlicht gehalten. Die Schüler/Lehrer-Beziehung ist realistisch beschrieben, doch der junge Restaurator Amadeo Fanelli kann es an Charisma und Bedeutung nicht mit Professor Helmbrecht aufnehmen. Helmbrechts Charakter sticht in der Handlung immer wieder hervor. Er wirkt extrovertierter und vielseitiger, als sein Schüler jemals sein könnte. Amadeo ist naiv, ein stiller schüchterner Mann, der in vielerlei Hinsicht der Situation nicht gewachsen ist. Als „Italiener“ lässt er das mediterrane, manchmal etwas ausufernde Temperament vermissen. Rebecca dagegen wirkt inhaltlich etwas fehl am Platz, lediglich als Amadeos Schutzengel hat sie alle Hände voll zu tun. Amadeo ist in der Handlung die Hauptfigur, aber ohne die Hilfe von Helmbrecht und Rebecca wäre seine Story über das Format einer Kurzgeschichte nicht hinaus gekommen.

Der Wechsel zwischen den einzelnen Schauplätzen ist hinsichtlich der inhaltlichen Spannung wichtig, aber es kommt hier das gleiche Muster wie in anderen Thrillern zum Tragen. Rom hat ja so viel an Geheimnissen und mysteriösen Bauten zu bieten! Auch wenn der Roman insgesamt inhaltliche Längen aufweist, ist das Ende spannend, flüssig und plausibel erzählt. Als wirklich störend und überflüssig empfand ich die ständigen italienischen Begriffe, die Stephan M. Rother kursiv eingesetzt hat. Der wirkliche Sinn dieser eingestreuten Vokabeln erklärte sich nicht.

„Die letzte Offenbarung“ ist ein solider Roman, der sich passend in die anderen klerikalen Thriller einreiht. Die aufgestellte These bzw. die vorgestellte Interpretation von Jesus Leben wirkt etwas verstörend und unglaubwürdig, aber sie passt in einen Unterhaltungsroman. Inhaltliche Schwächen und ein eher schlichter Schreibstil nehmen zwar etwas die Spannung, doch bleibt der Roman kurzweilig, „Die letzte Offenbarung“ eignet sich bestens als Grundlage für ein zweites Abenteuer. Ein großes Lob ist dem Autor für die Figur des Professors Helmbrecht auszusprechen. Ich habe den Eindruck, dass gerade diese sympathische Figur noch Potential hat. Als Hauptfigur eines Folgeromans könnte Ingolf Helmbrecht ein Garant für unterhaltsame Stunden sein.

Ihre Meinung zu »Stephan M. Rother: Die letzte Offenbarung«

spacecowboy zu »Stephan M. Rother: Die letzte Offenbarung«13.06.2010
Ganz gemütlich geht es los in diesem Roman von Stephan M. Rother. Irgendwann kommt die Erkenntnis: aha, ein weiterer "Vatikan - Thriller". Aber eben doch anders. Denn Rother stellt zwischen den Zeilen seine Meinung zur katholischen Kirche dar. Letztlich geht es darum, bis zu welchem Punkt die Kirche und voran die höchsten Würdenträger glaubwürdig sind und ab wann scheinheilig agiert wird. Ausnahmsweise geht es hier vordergründig nicht um Geld, sondern um den Glauben als solches. Wieviel Wahrheit können die Gläubigen vertragen und wer entscheidet das? Hier bezieht Rother Position und das ist für die Kirche alles andere als schmeichelhaft.

Nun mag ich diesen Roman nicht mit Dan Browns "Sakrileg" und "Iluminati" vergleichen wollen, dafür schreibt Brown sehr viel "dichter" und auch die Beziehungen unter den Figuren sind ausgearbeiteter, doch auch Rother findet von der Halbzeit bis zum Ende seinen Spannungsbogen. Stellenweise braucht er sich nicht zu verstecken vor den großen Namen der angloamerikanischen Szene. Im letzten Abschnitt des Buches strotzt die Handlung nur so vor Dynamik. Am Ende stellt sich die Frage, ob die letzte Offenbarung veröffentlicht wird oder nicht. Insgesamt gesehen halte ich den Roman für gelungen. Wir brauchen mehr von den neuen deutschen Autoren, die auch mal ihre Meinung in dieser Form veröffentlichen können. 87°
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