Tote Dinge von Stephen Blackmoore

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2013unter dem Titel „Dead Things“,deutsche Ausgabe erstmals 2016, 304 Seiten.ISBN 3-404-20811-0.Übersetzung ins Deutsche von Thomas Schichtel.

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In Kürze:

Erik Carter sieht die Geister der Toten und verdient gutes Geld damit, sie ins Jenseits zu befördern. Als seine Schwester Lucy brutal ermordet wird, kehrt er nach 15 Jahren wieder nach L.A. zurück. Damals verließ er die Stadt auf der Flucht vor einem brutalen Gangster, der damit drohte, jeden umzubringen, den Carter liebte. Hat sein alter Feind seine Drohung nun doch wahrgemacht? Ist Lucy seinetwegen gestorben? Carter findet seine schlimmsten Ängste bestätigt, als er am Tatort eine Nachricht an ihn findet – eine Nachricht aus der Geisterwelt, die niemand außer ihm sehen kann …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Nichts wirklich Neues, aber unterhaltsam“74

Horror-Rezension von Petra Meyeroltmanns

Eric Carter hat, wie viele andere, ein magisches Talent. Doch seine Art Magie ist anders als die meisten und weder ansprechend noch nützlich, es ist Todesmagie. Er kann die Toten nicht nur sehen, was schon alleine unangenehm ist, denn die Welt ist voll von ihnen, er kann sie auch herbeirufen und nutzen. Schließlich hat er sein Talent zum Beruf gemacht und ist „Kammerjäger“ geworden, er beseitigt bösartige Tote. Zu seinen Kunden zählen so hochrangige Wesen wie der Voodoo-Loa Baron Samedi.

Als seine Schwester Lucy grausam ermordet wird, kehrt er nach 15 Jahren zurück in seine Heimatstadt L. A., die er damals auch deshalb verlassen hat, um Lucy zu schützen. Hat ihn nun die Vergangenheit, die er eigentlich hinter sich lassen wollte, eingeholt? Lucys Tod entpuppt sich als Lockruf an ihn, doch wer will ihn wieder in L. A. sehen – und warum? Eric trifft alte Freunde und alte Feinde wieder, und kommt dem Täter nur langsam auf die Spur. Auch die Toten können nur bedingt helfen.

Dafür trifft Eric Santa Muerte, „einer Skelettversion der Jungfrau Maria“ (S. 29), ehemalige Aztekengöttin, jetzt die Schutzpatronin von Drogenhändlern und deren Kunden. Sie ist gewillt, ihm zu helfen, wenn er ihr einen Gefallen tut, doch Eric steht der Wunsch nicht danach, sich mit ihr einzulassen.

Schon nach wenigen Seiten hatte ich Assoziationen zu Laurell K. Hamiltons Anita Blake (ohne den Sex) und Jim Butchers Harry Dresden, dies verringerte sich etwas im Laufe des Romans, hielt aber dennoch bis zum Ende an. Auch Eric Carter ist eine Art gebrochener Held, mit Talenten, die er nicht wirklich mag, mit denen er sich aber arrangiert hat, mit schwierigen Beziehungen und einer gewissen Schnoddrigkeit. Eric Carters Geschichte wird in ich-Form und im Präsens erzählt, so dass der Leser seine Emotionen, seine Gedanken und seine Motive aus erster Hand erfährt. Dieser Erzählstil passt hier sehr gut, vor allem, da sich die Schnoddrigkeit des Protagonisten auch dort wiederfindet. Eric lernt man als Leser gut kennen, aber eben nur aus seiner eigenen Sicht.

Die anderen Charaktere bleiben eher oberflächlich, auch diejenigen, die Eric näher stehen, da er sie jedoch alle lange nicht gesehen hat, ist das verständlich. Manche davon sind interessant, es bleibt zu hoffen, dass man sie in weiteren Bänden wiedertrifft. So gefällt vor allem Darius, der seit Jahrhunderten in seiner eigenen kleinen Welt, urigerweise einer Kneipe, lebt, die nur durch spezielle Türen erreicht werden kann, über seine Hintergründe wüsste ich gerne mehr.

Antagonisten gibt es mehrere und sie machen ihre Sache recht gut: Sie sind vor allem böse. Das ist ok, denn unter den „guten“ Charakteren gibt es genug, die ambivalent gezeichnet sind, allen voran Eric, der ganz sicher nicht nur zu den Guten gehört, mehr als eine Szene zeigt das ganz deutlich. Einer der faszinierendsten Charaktere ist sicher Santa Muerte, die man mit Sicherheit im Nachfolgeband wiedertreffen wird und von der man dann hoffentlich weitere tiefe Einblicke bekommt.

Düster und blutig, mit Galgenhumor und Ekelfaktor

Wirklich neu erscheint die Geschichte um Eric Carter bisher nicht, aber sie unterhält, nicht nur, weil sie einigermaßen spannend ist. Es gibt mehrere Kämpfe, die ordentlich und relativ knapp beschrieben werden, und ein paar mehr oder weniger überraschende Wendungen. Die Geschichte ist düster und blutig, mit einigem Ekelfaktor, für zarte Gemüter so gar nicht geeignet.

Gut gefällt mir die Idee um Erics Uhr, die die Zeit manipuliert, aber schwer zu handhaben ist und seine speziellen Tattoos. Auch, dass Humor einziehen durfte, wenn auch vorwiegend als Galgenhumor, gefällt und lockert etwas auf. Besonders gelungen sind die Namenszettel, mit denen Eric Anderen Bestimmtes vorgaukeln kann, z. B., dass er als ermittelnder Polizist den Tatort selbstverständlich betreten darf. Allerdings fühlte ich mich auch hier an eine andere Geschichte erinnert, nämlich an Dr. Who und seinen leeren „Ausweis“.

Der Roman unterhält, packt aber nicht so, dass man ihn nicht mehr aus der Hand legen möchte. Der Protagonist gefällt, spricht aber wahrscheinlich eher den männlichen Leser an, wie wohl der ganze Roman, der keinen Funken Romantik zu bieten hat. Mal sehen, was der zweite Band zu bereithält, der sich, schon alleine wegen der Veränderungen gegen Ende von Tote Dinge, viel versprechend entwickeln könnte.

Wer Fantasy mag, die in unserer Welt angesiedelt ist, also Contemporary oder Urban Fantasy, Horrorelemente zu bieten hat, ohne Romantik auskommt, vor blutigen Szenen nicht scheut, und sich vom Klappentext, der gut gelungen ist, angesprochen fühlt, sollte einen Blick in den Roman wagen. Der zweite Band, Gehässige Geister ist bereits erschienen.

Ihre Meinung zu »Stephen Blackmoore: Tote Dinge«

Lukes_Meinung zu »Stephen Blackmoore: Tote Dinge«05.02.2018
Wenn Du Geister hast, in der Nachbarschaft. Wen rufst Du dann?
Nein, nicht die Jungs mit ihren Photonenpäckchen auf dem Rücken, sondern den Totenmagier Eric Carter!
Geisterjäger gibt es wie Sand am Meer und selbst Bastei-Lübbe hat vielen von ihnen über die Jahrzehnte hinweg ein Zuhause gegeben um sich in gedruckter Form dem Leser darzubieten. Doch Eric Carter ist nicht der gewöhnliche Geisterjäger von nebenan, er ist selbst ein Magier und verfügt über die Gabe Tote zu sehen, sie zum Leben zu erwecken und sich in den Fällen die er gerade bearbeitet, auch von ihnen helfen zu lassen.
Nachdem er vor 15 Jahren seine Heimatstadt L.A verließ um sein Umfeld, im genaueren seine Schwester Lucy, zu schützen, wusste er nicht das deren Tod ihn dorthin zurückrufen würde.
Das klingt nach einer recht düsteren Geschichte und so ist es auch. Erics erstes Abenteuer ist alles andere als eine leicht zu verdauende Ansammlung an Ereignissen, welche zwar mit schwarzem Humor angereichet sind, einem zumeist jedoch das gerade aufgekommene Grinsen wieder aus dem Gesicht zaubern, da die Story eher auf dunkle Momente setzt und weder vor Anwendung von Gewalt noch vor der Darstellung ekliger Szenen zurückschreckt.
Auch wenn sich Autor Stephen Blackmoore diverser Dinge bedient, welche man schon aus ähnlichen Publikationen kennt, so beherrscht er die Vermischung der verschiedenen Hommagen doch so gut, dass man ihm die Erinnerung an andere Serienhelden, welche sich mit dem Übernatürlichen beschäftigen, nachsehen kann.
Eric Carter bewegt sich auf dem Terrain der Urban Fantasy, erweitert sie jedoch für mich um eine Spielart, welche ich als sehr angenehm empfand. Blackmoore verzichtet erfreulicherweise auf romantische Zusätze und auch auf sexuelle Aktionen seines Hauptcharakters und beschränkt sich auf dessen Findung dem Leser gegenüber, ohne Eric zu stark zu sympathisieren oder gar weich zu spülen.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des Totenmagiers, was es einfacher macht die Welt und die Bekannten des Protagonisten zu verstehen und sich in sie hinein versetzen zu können. Auch kann man Eric nicht als wirklichen Sympathieträger betrachten, denn dafür sind seine Methoden zu rigoros und egoistisch.
Der Spannungsbogen des ersten Romans um Eric Carter ist recht ansehnlich gespannt und ich hatte kaum Strecken in denen ich mich fragte ob dies nun wirklich storyrelevant sei oder nur als Seitenfüller dienen mochte.
Kämpfe gibt es genug, unangenehme Charaktere ebenso und alles deutet von Anfang an darauf hin, dass sich die Welt von Eric Carter als Serienwelt aufbaut in der Stephen Blackmoore gedenkt noch ein paar Abenteuer mehr anzusiedeln. Der Nachfolgeband „Gehässige Geister“ bestätige mir dies dann auch.
Wer sich bei der ganzen Sache an Harry Dresen oder Anita Blake erinnert fühlt, der liegt vollkommen richtig, denn die Anlehnungen sind nicht zu überlesen und für Fans der beiden Charaktere eignet sich der gute Eric perfekt als Dritter im Bunde.
Gore, Violence & lots of messy Jokes – das umschreibt „Tote Dinge“ am besten und wer sich gerne mal von Urban Fantasy unterhalten lassen möchte, die nicht den Weg der durchschnittlichen Literatur aus diesem Sektor geht, dem sei Eric Carter ans Leserherz gelegt.
Ihr Kommentar zu Tote Dinge

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