Höllennacht von Stephen Leather

Buchvorstellungund Rezension

Höllennacht von Stephen Leather

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „Nightfall“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 448 Seiten.ISBN 3-442-37814-1.Übersetzung ins Deutsche von Barbara Ostrop.

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In Kürze:

Jack Nightingale erbt von seinem Vater, den er nie kennengelernt hat, unverhofft ein Vermögen. Doch der Nachlass beinhaltet auch eine Warnung. Sein Vater hat Jacks Seele an den Teufel verkauft, und der wird sie in drei Wochen holen – an Jacks dreiunddreißigstem Geburtstag. Jack glaubt nicht an Gott und schon gar nicht an den Teufel. Doch als immer mehr seiner Freunde eines schrecklichen Todes sterben, kommen ihm Zweifel. Gibt es die Hölle wirklich? Und wie kann er dann seine unsterbliche Seele vor dem ewigen Feuer bewahren?

Das meint Phantastik-Couch.de: „Ein höllisches Erbe sollte ausgeschlagen werden“75

Horror-Rezension von Michael Drewniok

Jack Nightingale war Mitglied einer Elite-Einsatztruppe der Polizei, bis er in einem Anfall von Selbstjustiz einen besonders üblen Strolch richtete. Er musste seinen Abschied nehmen und schlägt sich nun als Privatdetektiv in London durch. Das Geschäft läuft genretypisch schlecht, weshalb Nightingale zwar misstrauisch aber auch erfreut ist, als sich ein Anwalt bei ihm meldet: Sein Vater habe ihm Gosling Manor, einen Landsitz in der Grafschaft Surrey, hinterlassen.

In der Tat war der nach einem selbst abgefeuerten Schrotschuss in den Schädel verstorbene Ainsley Gosling Nightingales leiblicher aber miserabler Vater. Dass er adoptiert war, wusste der Detektiv bisher nicht. Dafür hatte Gosling Sorge getragen, wie er in einer Videoaufnahme gesteht, denn für Geld und Macht habe er nicht seine, sondern die Seele seines Sohnes an einen Teufel verkauft. Drei Jahrzehnte konnte Gosling schwelgen, doch im Alter begann ihn die Reue zu plagen. Der Teufel gedenkt allerdings nicht von dem Geschäft zurückzutreten. An seinem 33. Geburtstag werde er ihn holen, warnt Gosling Jack vor. Bis dahin sind es nur noch drei Wochen.

Der rational denkende Nightingale hält seinen Vater für verrückt. Allerdings stellt er bei der Besichtigung von Gosling Manor fest, dass Gosling ein Satanist gewesen sein muss. Im Keller des Anwesens lagern sowohl verbotene Bücher als auch hässliche Artefakte, die darauf hindeuten, dass auf Gosling Manor manche Teufelsbeschwörung stattfand.

Je weiter sich sein Geburtstag nähert, desto stärker beunruhigen Nightingale seltsame Vor- und ´Zufälle´. Mehrfach weisen ihn wie hypnotisiert wirkende Zeitgenossen auf die bevorstehende Höllenfahrt hin. Schlimmer ist jedoch eine Kette von Todesfällen, die Jacks ohnehin kleinen Freundeskreis stetig schrumpfen lässt. Der Detektiv beginnt sich zu fragen, ob an der Sache mit dem Seelenverkauf doch etwas dran ist, denn in diesem Fall gälte es allmählich Gegenmaßnahmen zu treffen …

Noch ein „Urban-Fantasy“-Detektiv

Oh ja, es dauert, bis Jack Nightingale endlich dämmert, was jeder Leser längst weiß. Das Publikum wird sogar ein wenig ungeduldig, weil Autor Leather seine Geschichte sichtlich zieht; schließlich ist er ein Profi, der jährlich mindestens zwei volumenstarke Romane auf den Buchmarkt wirft! Da geht Länge allemal vor Handlungsdichte.

Außerdem denkt Leather an die Zukunft. Auf seiner bemerkenswerten, weil über Leben und Werk nicht nur ungewöhnlich ausführlich Auskunft gebenden, sondern auch sehr aktuellen Website (s. u.) macht der Autor keinen Hehl daraus, dass er „Höllennacht“ wie die meisten seiner Werke mit dem Start einer lukrativen Serie im Hinterkopf kreierte. Dieser Plan ist aufgegangen; Leather produziert seit 2010 mindestens einen Jack-Nighingale-Roman pro Jahr, wie er nicht nur angekündigt sondern bisher auch durchgehalten hat.

Die Weichen für einen Erfolg standen günstig, weil Leather zu den Autoren gehört, die gezielt für einen möglichst großen Markt schreiben. Seine Geschichten sind stromlinienförmig, eingängig und flott; sie bieten, was die Leser in ihrer Mehrheit erwarten. Dies bekommen sie, mehr aber nicht: routinierte Unterhaltung, die nicht grundlos vor dem geistigen Auge Bilder flimmern lässt – Leather arbeitet auch für das Fernsehen.

Die Kraft des gut Bekannten

Das über Autor und Werk Gesagte sollte man übrigens neutral gestimmt zur Kenntnis nehmen: Auch für den schnellen Konsum gedachte Unterhaltung darf gern spannend sein. Dass Leather sich zeitsparend an die Konventionen & Klischees des Genres hält, ist kein Grund, sich den Lektürespaß verderben zu lassen. Nimmt die Handlung erst einmal Fahrt auf, lässt man sich gern in ihren Bann ziehen, auch wenn die dabei eingesetzten Tricks oft allzu deutlich als solche zu erkennen sind.

Leather weiß, wie man die Begegnung zwischen Detektiv und Teufel wirkungsvoll inszeniert. Der eine ist quasi die Verkörperung der professionellen Ratio, während der andere tief im menschlichen Unterbewusstsein wurzelt und dort für Unbehagen sorgt. Im 21. Jahrhundert ist der Glaube an ´echte´ Teufel, der in der Hölle hocken und bei Ausflügen in die Menschenwelt nach Seelen fischen, unter einer Schicht aus ´wissenschaftlich´ begründeter Sicherheit begraben. Darunter lauern weiter Aberglauben und alten Ängste, die nicht nur Stephen Leather, sondern ganzen Legionen von Schriftstellern und Drehbuchautoren ihr Auskommen sichern.

Unglaube schützt vor Teufelsspuk nicht

Die reizvolle Kombination von Detektiv und Geisterwelt geht nicht auf Leather zurück. Auch hier greift er routiniert auf, was sich – Stichwort „Harry Dresden“ – an anderer Stelle auf dem Buchmarkt bewährt hat. Leather setzt dabei früher ein; vor der Konfrontation mit den Bewohnern des Jenseits´ steht bei ihm das Ringen um die Akzeptanz ihrer Realität. Jack Nightingale muss vom Saulus zum Paulus werden. Leather zögert die Konfrontation zwischen Jack und dem (übrigens weiblichen) Dämon, der den Schuldschein über seine Seele in den Klauen hält, so weit wie möglich hinaus. „Höllennacht“ ist trotz des martialischen deutschen Titels vor allem die Geschichte einer Spurensuche.

Ein gewisses Problem stellt Leathers Figurenzeichnung dar. Jack Nightingale bleibt flach. Ständig stolpert er über übel zugerichtete Leichen, aber Schrecken und Trauer bleiben reine Behauptungen und werden geschwind abgeschüttelt. Auch der Griff in die Profilkiste bringt nur Beliebiges zutage: Aufgrund deprimierender Erfahrungen, die aus seinen Jahren als Unterhändler und Scharfschütze resultieren, ist Nightingale zum religiös Ungläubigen sowie zum Zyniker geworden, der für das Böse in der Welt allein die Menschen verantwortlich macht.

Als wenig erfolgreicher Detektiv – ein Zustand, der für diesen Berufsstand längst eher Vorschrift als Klischee ist – hat sich Nightingale eine Nische etwas abseits des kollektivgesellschaftlichen Erfolgsstrebens eingerichtet, bis ihn – auch dies folgt dem üblichen Schema – ein unerhörtes Geschehen aus dem Alltagstrott reißt. Nightingale besinnt sich in der Krise alter Berufstugenden, die ihm auch im Umgang mit höllischen Dämonen nützlich werden, denn Leather postuliert ein Universum, in dem sogar die ewige Verdammnis zur Verhandlungssache wird.

Dämon zu sein ist die Hölle!

Zum kantenfreien Tenor passt ein simples Höllenbild. Da gibt es Satan selbst, der in der höllischen Hierarchie so weit oben thront, dass er sich in die Geschicke der Menschen nicht einmischt. Er überlässt dies seinen 66 Höllenfürsten, die wiederum über 666 Legionen gebieten, in denen jeweils 666 Soldaten-Teufel dienen. Dieses Konzept macht es möglich, dass sich Mensch und Dämon fast auf Augenhöhe begegnen.

Bis dies geschieht, reiht Leather seltsame Ereignisse episodisch aneinander. Hier könnte er eindeutig raffen, denn die Story tritt auf der Stelle bzw. ergeht sich in Wiederholungen. Von höllischer Allmacht ist wenig zu spüren, als im Finale tatsächlich eine Teufelin erscheint, um Nightingales Seele zu kassieren. Theaterdonner und große Worte erzeugen nur das Abbild einer gnadenlosen Gegnerin, die sich kurz darauf auf einen Deal mit dem Menschlein einlässt: Die Teufelsfrau hat sich an einer anderen Baustelle hereinlegen lassen, weshalb die Höllen-Kollegen sich nun über sie lustig machen und ihr der Chef womöglich seine Gunst entzieht.

Solche jede Raffinesse vermeidenden Einfälle verraten wohl am besten, mit welcher Art von Phantastik wir es hier zu tun haben. Auf diesen kurvenlosen, gut geschmierten Schienen dürfte die Jack-Nightingale-Serie problemfrei von Station zu Station rollen. Die nächste Haltestelle steht bereits fest: Schließlich hat Jack herausgefunden, dass er eine Schwester hat, deren Seele der Senior einem anderen Teufel verkauft hat. Die muss er nun finden und ebenfalls retten, was unter dem Titel „Midnight“ in England bereits 2011 geschah und sicherlich auch in Deutschland nachgeholt wird, falls dieses erste Abenteuer hierzulande genug Leser findet.

(Dr. Michael Drewniok, April 2012)

Ihre Meinung zu »Stephen Leather: Höllennacht«

Paddy Metal zu »Stephen Leather: Höllennacht«31.01.2015
Eigentlich ist das Buch nicht schlecht geschrieben und man fiebert durchaus mit dem Protagonisten mit. Dennoch finde ich den Spannungsbogen relativ flach. Die Story ist flott erzählt, hat aber nur wenige Höhepunkte. Nach geraumer Zeit weiß man eigentlich schon im Vorraus was wohl als nächstes passiert. Zu dem gibt es einige Logiklöcher. Zum Beispiel frage ich mich warum der "Held" andauernd mit dem Auto unterwegs ist, obwohl er relativ am Anfang der Geschichte wegen Alkohol am Steuer hinter Gittern landet. Sehen die Briten das nicht so eng? Naja. Es hat zwar Spaß gemacht das Buch zu lesen, aber es ist durchaus Luft nach oben vorhanden. Somit für mich eher Durchschnitt. Kann man lesen, ist aber nicht zwingend.
Maraki-Mary zu »Stephen Leather: Höllennacht«20.08.2013
Also ich kann mich nur Konrad anschließen..

Ich bin durch Zufall aufs Buch gestoßen und habe es lediglich wegen seines Layouts gekauft.. Aber dass mich das Buch so umhauen würde, hätte ich nicht gedacht. Ich habe das Buch in 2 Tagen durch gehabt..

Es geht schon bei den ersten Seiten richtig los, so dass der Leser gefesselt ist und das Buch nicht weglegen will..

Der Schreibstil ist gut.
Zum Inhalt muss man sagen, dass es Geschmacksache ist. Jedoch fand ich den "Fantasy"- oder "Mystic" Teil nicht übermäßig und gar nicht aufgesetzt...es hat die Story noch toller gemacht!!!

Mein Fazit: LESEN!!!
Konrad Wolfram zu »Stephen Leather: Höllennacht«01.05.2013
Wie gut oder schlecht ein Roman ist, liegt bekanntlich immer im Auge des Betrachters und somit sind Rezensionen und Meinungen auch als solche zu betrachten.
Ich will die Handlung um Jack Nightingale hier auch nicht mehr neu aufrollen. Dennoch war der Roman Höllennacht einer der Höhepunkte auf dem Buchmarkt der letzten Jahre für mich. Gut, man hat ähnliches durchaus schon gelesen, doch Stephen Leather's Schreibstil ist sehr angenehm und der Roman wusste mich von den ersten Seiten her zu fesseln (was wahrlich nicht jedem gelingt). Auch das Zusammenspiel der "realen Welt" und dem "Eindringen des Übernatürlichen" mag ich einen höheren Stellenwert geben als so manchem ähnlichen Roman, denn dort werden nur zu oft die Fehler begangen, dass das Übernatürliches schon ein Element der (Roman-) Realität ist, oder man baut sich, wie deutsche Heftautoren es gerne tun, eine eigene dunkle Hölle auf, die eher wie ein Flickenteppich wirkt. Man mag es also sehen wie man will, ich kann Stephen Leather's Höllennacht nur empfehlen.
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