Jonathan Strange & Mr. Norrell von Susanna Clarke

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2004unter dem Titel „Jonathan Strange & Mr. Norrell“,deutsche Ausgabe erstmals 2004, 1024 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Vor vielen Jahrhunderten gab es in England noch Magie. Jetzt, zu Beginn des 19. Jahrhunderts, glaubt niemand mehr an wirkliche Zauberei. Bis der zurückgezogen lebende Mr. Norrell aus Hurtfew Abbey auftaucht und die Statuen der Kathedrale von York sprechen und tanzen lässt. Die Nachricht über dieses Ereignis verbreitet sich, und Mr. Norrell geht nach London, um der Regierung im Krieg gegen Napoleon zu helfen. Dort trifft er Jonathan Strange, einen brillanten jungen Zauberer, den er als Schüler aufnimmt. Die beiden begründen eine neue Tradition englischer Magie. Doch bald wird aus der Partnerschaft Rivalität …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Magic please, I’m English“80

Fantasy-Rezension von Frank A. Dudley

Ist Phantastik ein ur-britisches Phänomen? Zumindest neigt man nach der Lektüre von Susanna Clarkes Roman dazu, es zu glauben. In einem beiläufigen Ton, der die Selbstverständlichkeit der Ereignisse voraussetzt, erfährt man, dass Magie ihr goldenes Zeitalter während der Regentschaft der Tudors im 15. Jahrhundert hatte, als Merlins Nachfolger mit ihren elfischen Assistenten fantastische Wunder taten. Nebenbei gewinnt beim Leser die Überzeugung neues Gewicht, dass England für Fantasy-Autoren stets eine Reise wert ist. Und zwar von dort weg, in andere und zaubrische Länder.

Im England des frühen 19. Jahrhunderts angesiedelt, ist „Jonathan Strange“ eine Hommage an die Werke von Charles Dickens und Jane Austen. Eingelegt in eine Marinade aus den Gesellschafts- und Bildungsromanen dieser Autoren, erreicht Susanna Clarkes Erstling mit beinahe 1100 Seiten ein wahrhaft episches Format. Da nimmt es auch nicht Wunder, dass die Autorin zehn Jahre vom ersten Entwurf bis zum fertigen Manuskript gebraucht hat.

Magie und Zauberei sind bloße Gegenstände akademischer Debattierclubs, als die Handlung einsetzt. Mr. Norrell ist ein großer Sammler von Zauberei-Büchern und, wie es heißt, der einzige praktizierende Zauberer Englands. Darüber hinaus ist er ein einsiedlerischer und exzentrischer Pedant, der mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln verhindern will, dass Studium und Gebrauch von Zauberei mehr Anhänger finden. Natürlich misslingt diese Heimlichtuerei und Norrell wird öffentlich aufgefordert, sein Können unter Beweis zu stellen.

Die gegensätzlichen Charaktere freunden sich an

Unmittelbar nach seiner Ankunft in London lässt Englands einziger Zauberer seine Kritiker verstummen, indem er die Verlobte seines Mentors von den Toten auferstehen lässt. Was niemand weiß: Die gute Tat hat zumindest für die wiederbelebte, zukünftige Lady Pole einen wahrhaft faustischen Haken. Damit sein Werk gelingt, musste Norrel nämlich einen Handel mit einem Elfen eingehen. Dieser reservierte sich das Recht, fürderhin über das halbe Leben der Dame zu verfügen, die nun Nacht für Nacht im Feenreich auf rauschenden Festen tanzen muss. Und nach Faerie, wie das Land im englischen Original heißt, möchte bestimmt auch die Autorin gerne reisen.

Während also Norrell schnell zum Tagesgespräch im Reiche Georgs III wird, taucht Jonathan Strange auf. Als Landjunker, der bei vorangegangen Professionen eher würdevoll versagt hat, bringt er den Instinkt eines Dilettanten mit und greift Zauberei mit einer bildungsfreien und deshalb unverstellten Leichtigkeit auf. Trotz ausgesprochen gegensätzlicher charakterlicher Eigenschaften, der eine ist offen und der andere verschlossen, freunden sich beide an und Strange wird Norrells Schüler.

Doch schon bald überwerfen sie sich wegen der Richtung, die ihre Studien nehmen sollen. Während Norrell mehr, eigentlich ausschließlich, die Theorie verfolgen will, strebt der neugierige Strange nach mehr Praxis. Zu Norrell Entsetzen will er nach dem sagenhaften Rabenkönig forschen, dem mittelalterlichen „Erfinder“ von Zauberei, zum anderen will er auch noch Bewohner des Feenreiches herbeirufen, um sie als Diener zu beschäftigen. Für seinen Lehrer zwei Dinge der Unmöglichkeit, denn Norrell ist der Meinung, dass „englische Zauberei als zurückhaltender und respektierter Beruf“ anerkannt werden soll. Auch Feenwesen sind ihm nach seinem vormaligen Erlebnis nicht mehr geheuer, er hält sie für böse, verrückt und gefährlich.

Geschickte Einbettung von Magie als Quasi-Realität

Das Zerwürfnis zwischen beiden kommt, als die Regierung um magische Mithilfe beim Krieg gegen Napoleon bittet. Strange kommt dem Ersuchen prompt nach und verabschiedet sich nach Spanien. Dort beeinflusst er das Kriegsgeschehen zu Gunsten der englischen Truppen, indem er den Verlauf von Flüssen, die Lage von Städten und das Wetter verändert. An dieser Stelle wird der Text ein stilvoller und eleganter Genuss, wenn Susanna Clarke die Phantom-Kriegsfregatten beschreibt, die Strange aus Wind und Regen erschafft.

Ein anderes Mittel, den Leser in die Geschichte hineinzuziehen, ist die geschickte Einbettung von Magie als Quasi-Realität in den historisch-gesellschaftlichen Kontext. Dies zeigt eine kurze Konversation, die Lord Wellington mit Jonathan Strange führt. Auf die Frage hin, ob ein Zauberer einen Menschen töten könne, sagt Strange: „Ich glaube, ein Zauberer wäre in dazu in der Lage. Aber ein Gentleman würde so etwas niemals tun.“ Ein Statement, so britisch wie Fish and Chips.

Very British, indeed: Benehmen und Klassenzugehörigkeit spielen eine große Rolle, ebenso wie Understatement. Susanna Clarke beschreibt viele Szenen mit englischer Zurückhaltung und macht es dem Leser dadurch nicht immer leicht, die ersten rund 500 Seiten nicht an sich vorbeiplaudern zu lassen. Erst in der zweiten Hälfte zieht das Erzähltempo an und wird der Ton deutlicher.

Fazit: „Jonathan Strange & Mr. Norrell“ ist eine überaus gelungene und wunderbar schrullige Kombination aus Fakten und Fiktion. Susanne Clarke hat aus echter Historie und mehr als 180 Fußnoten zur Geschichte englischer Zauberei sowie der Freundschaft und Fehde zweier verschrobener Charaktere mit viel Fabulierlust einen sherrytrockenen Roman geschrieben, der aufs Beste unterhält und lange im Gedächtnis nachhallt.

Ihre Meinung zu »Susanna Clarke: Jonathan Strange & Mr. Norrell «

Nancy zu »Susanna Clarke: Jonathan Strange & Mr. Norrell «27.02.2008
Ein Buch, wo man nicht mehr aufhören kann zu lesen, bis man es durch hat. In dem Buch habe ich meine Faszination für die englische alte Zauberei entdeckt. Schade, dass ich bis jetzt noch kein weiteres Buch gefunden habe, welches einen so in die alte Englische Zeit hineinversetzt. Die Atmosphäre ist ebenfalls einzigartig, denn ich kenne kein Buch, was so viel Geschichte enthällt und nicht langweilig wird! Einfach Fabelhaft!!! Schade aber, dass der Schluss mehr oder weniger offen bleibt.
Barbara zu »Susanna Clarke: Jonathan Strange & Mr. Norrell «15.03.2007
Ich muss widersprechen: "Jonathan Strange & Mr. Norrell" ist eines der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe – und zwar, weil es keine Handlung à la „wir bringen jetzt Gegenstand X in unseren Besitz, verlieben uns dabei in Person Y und retten nach der Überwindung einiger potentiell todbringender Gefahren Welt Z“ gibt.
Der Roman atmet die Atmosphäre des Englands des 19. Jahrhunderts, und mich fesselt am Meisten, wie die Personen charakterisiert sind; die Gespräche sind so lebhaft, die Protagonisten so lebensecht – ich fand, es war ein wahrer Traum. Und es gibt durchaus eine Handlung, sie ist subtil und verwebt die Schicksale der Zauberer und ihrer Freunde und Feinde miteinander.

Meiner Meinung nach langweilt keine der 1021 Seiten, und selbst wenn es Zeitverschwendung sein sollte, das Buch zu lesen: auf so angenehme Art habe ich meine Zeit schon lange nicht mehr vergeudet!
reinhard zu »Susanna Clarke: Jonathan Strange & Mr. Norrell «04.12.2006
zuerst mal das positive: der roman ist gut geschrieben und die autorin schafft es durchaus ein wenig viktorianische atmosphäre heraufzubeschwören.
negativ wäre anzumerken: es gibt KEINE wirkliche geschichte! keine interessanten charaktere - selbst die bösewichter faszinieren nicht besonders. auch spannung, tragik oder humor konnte ich nur in sehr geringen dosierungen ausmachen.
trotz aller handwerklichen finesse bleibt mein urteil: über 1000 seiten gepflegte langeweile - mehr nicht.
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