Der Nebelkönig von Susanne Gerdom

Buchvorstellungund Rezension

Der Nebelkönig von Susanne Gerdom

Originalausgabe erschienen 2010, 334 Seiten.ISBN 380005566X.

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In Kürze:

In Sallies Welt geht alles seinen scheinbar gewohnten Gang: Sie ist Küchenmädchen in einem Herrenhaus, so groß, verwinkelt und weitläufig, dass Sallie nur einen winzigen Bruchteil davon kennt. Am liebsten hält sie sich ohnedies in der Bibliothek auf, um zu lesen. Denn die Geschichte vom ewigen Kampf des Nebelkönigs gegen die Katzenkönigin lässt sie nicht mehr los. Doch schon bald wird Sallie herausfinden, dass diese Geschichte viel mehr mit ihr zu tun hat, als sie sich auch nur vorstellen kann. Sie beginnt Türen zu öffnen und Fragen zu stellen derweil kriecht der Nebel unaufhörlich ins Haus

Das meint Phantastik-Couch.de: „Abstraktes Fantasymärchen“81

Fantasy-Rezension von Eva Bergschneider

Nach der „Anida“-Trilogie und den Elbenromanen („Elbenzorn“ und „Die Seele der Elben“) veröffentlicht Susanne Gerdom nun ein Fantasy-Märchen. Obgleich der Roman als Jugendbuch angeboten wird, kommt „Der Nebelkönig“ alles andere als simpel daher.

Geschichte und Realität

Die fast vierzehn Jahre alte Sallie arbeitet als Küchenmädchen in einem großen Herrenhaus. Die Arbeit ist hart, und dennoch bleibt ihr genug Zeit für ihr liebstes Hobby, das Lesen. Der Bibliothekar stellt ihr Bücher mit Erzählungen über den „Nebelkönig“ zur Verfügung. Sallie taucht gern in die Geschichten um einen Magier ein, der den letzten Drachen tötete, weil dieser ihm das letzte Geheimnis seiner Art nicht anvertrauen wollte.

Sallies beste Freunde sind neben dem Bibliothekar Uhl die Katzen Luan und Kaltrina, mit denen sie wie selbstverständlich kommuniziert. Doch nicht alle wundersamen Erscheinungen sind angenehm. Sallies kleine Welt gerät aus den Fugen, als sie bei einem Dinner des Kammerherrn als Serviererin aushelfen muss. An diesem Abend sterben Menschen und niemand scheint sich darüber zu wundern. Nach dem Schock zieht sich Sallie in das Kellergewölbe zurück und begegnet dort Redzep, einem Jungen, der Wahnvorstellungen hat. Doch auch er scheint die Geschichten zu kennen. Er erzählt, das der Nebelkönig und die Katzenkönigin einst Freunde waren und ihr Streit um die Macht die Welt ins Unglück gestürzt hat. Und schließlich spricht ein leeres Buch zu Sallie. Sarah, die Katzenkönigin schreibt hinein und stellt Sallies Vorstellung über sich und ihre Welt endgültig auf den Kopf.

Wer ist wer – Was ist was?

Susanne Gerdoms märchenhafte Fantasy spielt ausschließlich in einem zunächst viktorianisch anmutenden Herrenhaus. Ein Küchenmädchen berichtet über die merkwürdigen Geschehnisse in dem weitläufigen Anwesen überwiegend aus ihrer Sicht. Ein wenig verwundert es zunächst, das Sallie lesen kann und trotz der harten Arbeit Zeit dafür findet. Doch bald kommen phantastische Elemente dazu, wie sprechende Tiere und ein „Wolfskopftransport“, der Personen sehr schnell von einem Gebäudeteil zum anderen teleportiert. Und so nimmt Sallies ganz eigene, originelle Welt, die hinter dem Hausgarten zu enden scheint und doch tausend Geheimnisse zu bieten hat, Konturen an.

Mit besonderer Sorgfalt hat die Autorin ihre Charaktere gezeichnet. Sallie ist die Sympathieträgerin, etwas naiv, aber vor allem neugierig und keck. Andere Figuren, wie der Bibliothekar, der Kellerjunge oder der Apotheker wirken kauzig, entrückt oder unheimlich, außer der Titelfigur aber keine eindeutig „gut“ oder „böse“. Bei einigen Akteuren wird erst nach einer Weile klar, ob es sich um Mensch, Tier oder beides handelt, was wie ein vergnügliches Verwirrspiel herüber kommt.

Nach Sallies erstem Auftritt als Serviermädchen beginnen die Grenzen zwischen Erzählwirklichkeit und -fiktion zu verschwimmen, der Handlung haftet etwas beinahe Surreales an. Erst allmählich wird klar, was es mit den Realitäten, der im Herrenhaus und der in den erzählten Geschichten, auf sich hat. Auch die zunächst heitere Atmosphäre wandelt sich und bekommt zunehmend düstere Züge, als in Sallies Alltag schaurige und blutige Szenen hineinplatzen. Für Abwechslung und gruselige Momente hat die Autorin also zur Genüge gesorgt.

Zum Ende setzt sie noch eine weitere Realitätsebene oben drauf, womit der Bogen leicht überspannt wird. Für den Fortgang der Story war das nicht nötig. Das Finale jedoch rundet dieses fantasievolle Märchen harmonisch ab und bietet eine stimmige, wenn auch nicht ganz überraschende Auflösung.

Die Sprache in dem Roman „Der Nebelkönig“ ist recht einfach, der Sicht der jugendlichen Erzählerin angepasst, gehalten. Detaillierte Beschreibungen lassen die Schauplätze farbig und lebendig werden, etwas langatmig wirken manchmal die Alltagsszenen. Die Altersempfehlung ab 14 Jahren ist sicherlich angemessen, eine Beschränkung auf die Zuordnung als Jugendbuch erscheint mir jedoch unzureichend. „Der Nebelkönig“ ist eher ein zeitloses Märchen, gewürzt mit einem guten Schuss Gothic Novel. Wer Neil Gaimans „Coraline“ genossen hat, für den wird auch „Der Nebelkönig“ eine lohnende Lektüre sein.

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