Die Günstlinge der Unterwelt von Terry Goodkind

Buchvorstellung

Originalausgabe erschienen 1996unter dem Titel „Blood of the Fold“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 864 Seiten.ISBN 3-442-36969-X.Übersetzung ins Deutsche von Caspar Holz.

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In Kürze:

Nachdem Richard Cypher seinen teuflischen Stiefvater Darken Rahl besiegt und den Riss im Schleier zur Unterwelt verschlossen hat, will er als neuer Herrscher der Welt die Freiheit bringen. Doch auf Richard und seine große Liebe Kahlan warten schon die nächsten Herausforderungen: Zum einen die Imperiale Ordnung – aber vor allem die fanatischen Kinder des Blutes …

Ihre Meinung zu »Terry Goodkind: Die Günstlinge der Unterwelt«

Stefan83 zu »Terry Goodkind: Die Günstlinge der Unterwelt«29.01.2013
Der dritte Band der „Schwert der Wahrheit“-Reihe, „Die Günstlinge der Unterwelt“, präsentiert sich dem Leser als zweischneidige Angelegenheit. Auf der einen Seite schafft es Goodkind endlich seiner bis hierhin doch sehr simpel und grob gezeichneten Welt mehr Tiefe und Atmosphäre zu verleihen – auf der anderen Seite wird man nach Beendigung der Lektüre das Gefühl nicht los, dass es in den kommenden Büchern genauso weitergehen wird, wie bisher. Soll heißen: Wo andere Fantasy-Reihen sowohl in ihren Figuren, als auch in der eigentlichen Geschichte, noch mit Entwicklungspotenzial aufwarten, da stagniert Goodkinds Zyklus stilistisch bereits recht früh. Und die Stärke des Autors, mit immer wieder neuen überraschenden Wendungen, Gegnern und Konfliktsituationen für Unterhaltung zu sorgen, kann über kurz oder lang zur vorhersehbaren Schwäche werden. Einer Schwäche, welche sich hier bereits in Ansätzen abzeichnet. Somit der Rat für alle Leser vorweg: Spätestens nach „Die Günstlinge der Unterwelt“ sollte man eine Entscheidung bezüglich der Reihe getroffen haben, stellt das Buch doch bereits so etwas wie einen Höhepunkt in Goodkinds bescheidener Evolution dar. Wer also an dieser Stelle entdeckt, dass er ein totes Pferd reitet, sollte vielleicht besser absteigen.

Nun kurz zur Geschichte: Richard hat seinen Vater Darken Rahl besiegt und den Riss im Schleier zur Unterwelt verschlossen. Aufgrund seiner Abstammung ist er zum Herrscher von D'Hara aufgestiegen. Doch seine neue Machtfülle reicht ihm nicht. Er plant die gesamten Midlands und D'Hara unter seiner Herrschaft zu vereinen, um damit die Bedrohung durch die Imperiale Ordnung endgültig zu beenden. Diese wird von dem gefürchteten Kaiser Jagang angeführt. Ein Traumwandler, der in die Träume anderer Menschen eindringen und diese nach seinen Wünschen kontrollieren kann. Er ist auch gleichzeitig der ärgste Feind für die Schwestern des Lichts, welche in ihrem Palast mit Verna eine neue Prälatin ernannt und sie mit der Aufgabe betraut haben, alle Schwestern der Finsternis aufzuspüren und unschädlich zu machen. Doch der Feind scheint überall zu sein – und Verna weiß nicht, wem sie trauen kann.

Während Richard und Kahlan alle Hände voll zu tun haben, die Völker Midlands zur Vereinigung zu überreden, taucht ein weiterer Feind auf dem Schlachtfeld auf. Der Lebensborn aus dem Schoß der Kirche – eine radikale Sekte, die sich zum Ziel gesetzt hat, sämtlich magiebegabten Wesen auszurotten – hat die Mutter Konfessor ins Visier genommen. Richard, Kahlan und ihre Freunde ziehen wieder einmal in den Kampf …

„Die Günstlinge der Unterwelt“ beginnt so, wie auch die beiden Vorgänger begonnen haben – mit einer ellenlangen Einleitung, in welcher die Charaktere nicht nur die bisherigen Ereignisse in Gesprächen zusammenfassen, sondern sich auch mit dem Status Quo analytisch auseinandersetzen. Auch wenn diese Art Kurzzusammenfassung der wichtigsten Geschehnisse wohl hinzugekommenen Lesern den Neueinsteig erleichtern soll, bleibt die Frage, ob Terry Goodkind diese Rückblicke stets in solchem Umfang vortragen muss. Dialoglastige Fantasy hin und her. Hier wird über Seiten nur geredet, ohne dass der Plot dadurch ein Jota vorankommt. Kennern der Serie nimmt man hiermit gleich zu Beginn den Wind aus den Segeln. Das ist auch insofern schade, da im vorangegangenen Buch das Finale einige dramatische Momente geboten hat. Diesen Schwung hätte der Autor mitnehmen sollen, anstatt ihn gleich wieder zu Beginn versanden zu lassen. Ein Fehler, der übrigens im vierten Band noch weit schlimmer zum tragen kommen wird.

Hat man sich jedoch erst mal durch den „In-der-letzten-Folge-sahen-sie“-Teil durchgekämpft, erwartet den Leser erneut ein durchaus kurzweiliges Fantasy-Spektakel, das in Punkto Heldenpathos und Liebelei zwar oft nah am Rand des Kitsches vorbeirauscht, trotzdem aber stets einen gewissen Spannungslevel aufrechterhält, welcher den Beobachter vorantreibt. Zudem schärft Goodkind das Profil der Serie, in dem er endlich mehr auf gewisse, vorher unerklärte Details angeht. So kann man nun die diplomatischen Verwicklungen innerhalb der Midlands weit besser nachvollziehen. Die vorher lediglich zur Betrachtung abgedruckte Karte wird jetzt mit Leben gefüllt. In der Art und Weise, dies zu beschreiben, bleibt Goodkind in seinen schriftstellerischen Fähigkeiten aber weiterhin limitiert. Neben Schwarz und Weiß scheint es bei ihm keinerlei andere Farben zu geben. Die Guten sind so gut, dass es einem schon pappig und pelzig im Mund wird. Und die Bösen agieren mit einer Grausamkeit, die sich an manchen Punkten schon fast selbst karikiert. Anti-Helden oder „graue“ Charaktere sucht man schlicht vergebens, obwohl einige durchaus das Potenzial dafür geboten hätten. So würde Tobias Brogan einen perfekten „Puppenspieler“ im Hintergrund abgeben. Stattdessen entpuppt sich aber auch er bald als mordender und vergewaltigender Soziopath. Goodkind hält, ob im Umfang der Dialoge, in den Gewaltakten seiner Bösewichte oder in der Darstellung der Liebesszenen, einfach kein Maß.

An diesem „Viel hilft viel“-Denken krankten bereits die Vorgänger und, soviel sei verraten, werden auch die kommenden Bände zu leiden haben. Mit einem etwas besseren Lektor und ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl, könnte die „Schwert der Wahrheit“-Reihe vielleicht weit mehr sein, als sie letztlich ist: Ein kurzweiliges, actionreiches, aber auch wenig tiefgründiges Fantasy-Epos, dem dies Quäntchen Würze fehlt, um in dem riesigen Meer der Konkurrenz einen exponierteren Platz zu besetzen bzw. das Niveau zumindest in Sichtweite von Tolkien, Martin, Erikson und Co. zu heben.

Auch wenn mir „Die Günstlinge der Unterwelt“ im Großen und Ganzen noch gefallen hat – die große Gier, weitere Bände zu lesen, sie bleibt aus.
Conan08 zu »Terry Goodkind: Die Günstlinge der Unterwelt«27.01.2012
Der dritte Doppelband der Schwert-der-Wahrheit-Reihe um Richard den Sucher, ist wieder ein außergewöhnlich bemerkenswerter Roman. Zu den beiden Vorgängerromanen haben sich einige Dinge verbessert, aber auch manche Dinge verschlechtert.

Die Handlung wird diesmal aus der Sicht von Richard, Kahlan, Schwester Verna, Prälatin Annalina und dem Zauberer Zedd, dem Bösewicht Tobias Brogan, und den Schwestern der Finsternis erzählt.
Aus dieser Sicht gesehen ist die ganze Geschichte um einiges vielschichtiger geworden noch, als im zweiten Doppelband "Der Schwestern des Lichts".

Insgesamt gesehen, hat die Geschichte einiges an Fahrt zugenommen. Mehr Actionszenen, mehr Dramatik und mehr Spannung als in den Vorgängern. Vor allem die letzten 200 Seiten des Buches haben es in sich. Da hat Terry Goodkind ein wahres Feuerwerk abgebrannt und einen Cliffhangar nach dem anderen drangehangen, die immer noch eins draufgesetzt haben. Dabei hat es auch viele überraschende Wendungen gegeben. Ein größeres und brutaleres Action-Feuerwerk, was auch mit vielen Emotionen verbunden ist, habe ich kaum in dieser Form jemals gelesen. Ein deutlicher Fortschritt noch einmal im Gegensatz zu den Vorgängerromanen.

Die Orte in diesem Doppelband bringen einem so gut wie nichts Neues. Die Welt-Karte, die Terry Goodkind gezeichnet hat, ist vollendet. Die Geschehnisse spielen sich hauptsächlich in der Hauptstadt der Midlands Aydindril und dessen Umgebung ab. Als neuer Ort wird einem die Burg der Zauberer in Aydindril vorgestellt, die dem Leser ein Gänsehautvergnügen beschert. Ansonsten findet das restliche Geschehen im Palast der Propheten statt. Als "neuer Ort" wird einem lediglich der Garten der Prälatin näher gebracht, der mit schönen zeitlosen Naturbeschreibungen einher hält. Ansonsten kommen die Freunde, der weiten zeitlosen Landschaftbeschreibungen in diesem Roman Nicht auf ihre Kosten. Dazu steht die Handlung zu sehr im Vordergrund. Das ist in meinen Augen der einzige Schwachpunkt im dritten Roman von Terry Goodkind. Im Prinzip keine neuen Orte, und zu wenig Landschaftsbeschreibungen.

Kommen wir nun zu den Charakteren. Wie weiter oben schon angedeutet haben diesmal so viel Charaktere miteinander agiert, wie in keinem der Bücher zuvor. Nicht nur das. Terry Goodkind hat es verstanden den Charakteren rund um die Hauptfiguren deutlich mehr Leben einzuhauchen. Richards Charakter hat sich deutlich entwickelt. Er ist viel reifer geworden Kahlan dagegen steht deutlich weniger im Mittelpunkt, wie im Roman zuvor. Richards Gefährte der Gar „Cratch“ ist nicht nur sehr brutal, sondern seine Freundschaft mit Richard lässt einem wieder vor Tränen gerührt sein. Der Zauberer Zedd kommt vor allem im zweiten Teil des Doppelbandes besser und wie gewohnt witzig und stur zur Geltung. Fast zeitgleich mit ihm kommt die Prälatin Annalina und der Prophet Natan wieder ins Spiel. Der Charakter um Schwester Verna steht erstmals im Mittelpunkt. Die ersten Kapitel mit ihr, sind noch etwas langweilig, abgesehen von der Zeremonie um ihr neues Amt. Das ändert sich aber, als sie den Garten der Prälatin anfängt zu untersuchen. Die Kapitel um den Führer des Lebensborns, Tobias Brogan, der sich der imperialen Ordnung angeschlossen hat, und seine Schwester, die Zaubererin Lunetta, bringen deutlich Farbe in dieses Buch. Von allen Bösewichten in diesen 3 Büchern, sind sie die interessantesten Charaktere in meinen Augen. Insgesamt ist sehr auffällig, dass die Charaktere ein wesentlich größeres Eigenleben haben, und alle viel selbstständiger handeln, und somit auch viel stärker geworden sind. Dahingehend hat Goodkind einen großen Fortschritt gemacht, was man ihm im ersten Doppelband ("Das erste Gesetz der Magie") ihm noch als "große Schwäche" ausgelegt hat. Weiter interessant sind die ganzen neuen Verbündeten, die Richard gewonnen hat, neben den 4 Mord Sith-Schwestern auch die ehemalige Leibgarde von Darken Rahl, dem Oberbösewicht aus dem ersten großen Buch. Mit dieser Veränderung der Machtverhältnisse und Möglichkeiten zu Gunsten von Richard, hat sich der ganze Schreibstil, bzw. Erzählstil Goodkinds verändert. Ich empfinde es als eine positive Entwicklung. Diese Masse an so vielen Charakteren und Nebencharakteren, muss man einfach in dieser Kombination kennenlernen. Hab die Hälfte an dieser Stelle noch ausgelassen, um die Spannung nicht zu verderben.

Fazit: Der dritte Roman liest sich ganz anders als der erste Roman noch. Der zweite Teil des dritten Buches: „Die Dämonen des Gestern“ lesen sich noch mal eine Klasse besser, als der erste Teil des Buches. Die Spannung wurde perfekt aufgebaut. Die Geschwindigkeit der Szenen an für sich hat deutlich zugelegt. Mehr Zaubersprüche als zuvor, und viele neue Bannsprüche machen den Leser sehr neugierig. Mehr Actionszenen in noch viel größeren Dimensionen als zuvor, mehr und stärkere Charaktere als zuvor, bei gleichbleibenden Emotionen, stehen negativ nur dem etwas verlorengegangen Zauber der Naturbeschreibungen und dem Entdecken neuer Orte entgegen. Das Ganze ist ortsgebundener und dialoggebundener geworden. Die langen Wanderungen, sprich Reisen, von einem Ort zum Anderen stehen jetzt deutlich im Hintergrund.

Trotz diesen einen negativen Kritikpunkt, bekommt der Doppelband von mir eine genauso hohe Bewertung, wie die beiden Bücher zuvor auch. Der Autor hat viel gewagt und viel gewonnen meiner Ansicht nach. T. Goodkind entwickelt sich spürbar lesbar, positiv weiter.
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